WWR #4 25. Juli 2010
Es ist wieder soweit. Eine gute Woche ist wieder rum und es wird Zeit für ein neues “Worüber wir reden”. Für alle, die im Urlaub waren, keine Mailinglisten abonniert haben oder die sich über die sächsischen Piraten informieren wollen.
10 Thesen zur Netzpolitik
Eine Antwort auf die 14 Thesen von de Maizière gab es vergangenen Dienstag auf einer kleinen Pressekonferenz in Berlin. Die zehn Thesen wurden von Christoph Lauer, dem politischen Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland, vorgetragen und haben positive Medienpräsenz erreicht. Innerhalb der Piraten wird jedoch kritisiert, dass die zehn Thesen im Gegensatz zu den Thesen des Chaos Computer Clubs (CCC) stehen. Dazu war der Termin unpassend, da am selben Tag der offene Brief zum Thema ACTA veröffentlicht und diesem dadurch weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Medienecho (Auswahl):
Bundesparteitag in Chemnitz?
Der Bundesvorstand hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Am Sonntag, den 19.07.2010, fand eine kleine Telefonkonferenz zwischen den Bewerbern und Wolfgang Dudda (Bundesvorstandsmitglied) statt. Für eine weitere Entscheidung wurden wichtige Punkte genannt. Daraufhin wurde eine Liste erstellt mit nachzuliefernden Informationen. Die Fragen dazu werden gerade hier abgearbeitet.
Die endgültige Abstimmung wird am Dienstag getroffen. Im Rennen um den Bundesparteitag als Austragungsort ist noch Halle. Alsfeld hat seine Bewerbung zurückgezogen.
Neuer Vorstand im Kreisverband Chemnitz
Und noch eine Nachricht aus Chemnitz: Am 17. Juli wurde der neue Kreisvorstand bei der ordentlichen Vollversammlung im Turmbrauhaus gewählt.

Vorstandsvorsitzender: Christian Neubauer
stellv. Vorstandsvorsitzender: Toni Rotter
Schatzmeister: Ralph Jödicke
Beisitzer:
- Meike Martin (Generalsekretärin)
- Patric Lange (politischer Geschäftsführer)
Sendezeiten im Internet
Bei einer privaten Recherche eines Piraten ist ihm folgendes passiert. Der Pirat wollte in der ARD-Mediathek eine Dokumentation zum Thema französische Revolution am frühen Abend anschauen. Es folgte ein Standbild mit dem Kommentar: “Diese Sendung ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet. Der Clip ist deshalb nur von 22 bis 6 Uhr verfügbar.”
Quelle: ARDMediathek
Piraten sprechen sich seit längerem gegen “Sendezeiten” im Internet aus. Das Internet darf nicht mit dem Rundfunk gleichgesetzt werden, da es im Internet immer irgendwo auf dieser Welt 22 Uhr ist. Die Piratenpartei befürchtet, dass dadurch eine schleichenden Zensur begünstigt wird.
Weiter Infos zu diesem Thema
Mach mit - Piratenpartei Sachsen schreibt an ihrem Programm und du kannst den Kurs mitgestalten
Langsam häufen sich die Themen auf dem Hauptpad der Programmdiskussion der sächsischen Piratenpartei. Damit jeder die Übersicht behält, wird dieses neu strukturiert und in Teams bereitgestellt. Somit behält man auch eine gute Übersicht über alle laufenden Diskussionen. Sobald die Neustrukturierung fertig ist, werden wir es in einem der nächsten WWRs vorstellen.
Ein “Pad” ist ein offenes Dokument, wo jeder zusammen mit anderen Teilnehmern mitschreiben kann. Es ist keine Anmeldung notwendig und jeder kann sofort mitmachen. Also ran an die Tasten und mitmachen. Hier geht’s zum Hauptpad!
Autoren: Klaus Peukert, Loralitilli, Lord Snow, Skapiratin, Piratux, occcu
WWR #3: 16. Juli 2010
Es ist wieder soweit. Ein neuer Artikel zum Thema “Worüber Wir Reden” für alle, die keine Mailingliste abonniert haben.
Kreisparteitag Chemnitz am 17.07.2010
Die Piratenpartei Kreisverband Chemnitz lädt alle Interessierten und Sympathisanten zur ordentlichen Vollversammlung am Samstag, 17.07.2010 ab 10 Uhr in das Turmbrauhaus ein.
An diesem Tag wird ein neuer Vorstand gewählt und einige Satzungsänderungen vorgenommen.
Vorbereitung Landesparteitag für 02.-03.10-2010
Die Vorbereitungen für den Landesparteitag laufen auf Hochtouren. Geplant ist, dass der Parteitag über das Wochenende 02.-03. Oktober in der Blauen Fabrik Dresden stattfindet. Es ist am ersten Tag ein ordentlicher Landesparteitag geplant und anschließend soll noch das 3. Landesplenum in diesem Jahr ausgeführt werden. Da aber die Vorbereitungen noch am Laufen sind, werden wir sicherlich im nächsten WWR nochmal auf dieses Thema zurück kommen.
Zwischenstand der einzelnen Pads
In Blogeintrag “Setzt die Segel” haben wir zur gemeinsamen programmatischen Arbeit aufgerufen. Es ist schon einiges in dieser kurzen Zeit passiert.
Internet für alle
Die Piraten sind auch als Internetpartei bekannt. Darum liegt es auch uns am Herzen, dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, einen Internetanschluss zu nutzen. Vorraussetzung für einen Internetanschluss ist aber auch ein Rechner. Also Rechner und Internetzugang für alle Bürger. Die Idee wurde schon sehr gut ausgearbeitet. Man bezieht sich auf das Urteil OLG München, dass hat in 1 W 2689/09 (v. 23.3.10) u.a. besagt, “dass die ständige Verfügbarkeit eines solchen Gerätes mittlerweile zum notwendigen Lebensbedarf gehört”
Gesundheitspolitik
Sehr kontrovers auf der Mailingliste PiratenSachsen diskutiert. Zu einem gibt es Stimmen, die alle Krankenkassen abschaffen wollen und das Leistungen, die zu bezahlen sind, aus einem einheitlichen Topf kommen. Und alle Bürger zahlen einen gewissen Prozentsatz in diesen Topf ein. Andererseits sind auf in Krankenhäusern Mitarbeiter oft total überlastet. Hier ist noch viel Diskussionsbedarf. Hier kannst du mitmachen
Umweltthema Lärm
Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität, den Schlaf sowie die Konzentration vieler Bürger. Daher besteht ein Schutzbedürfnis, welches vor vermeidbaren Lärmquellen wie Nachbarschaftslärm durch laute Musik schützt. Derzeit sind die Rechte für Ruhe trotz zahlreicher Möglichkeiten in der Praxis eher schwer durchsetzbar bzw. werden nur unzureichend von Bürgern und schlichtenden Institutionen wie dem Ordnungsamt oder der Polizei beachtet.
Ein Recht auf Lärm gibt es hingegen nicht, obwohl oft auch laut gefeiert wird - mit oder ohne Einverständnis der Nachbarn. Schließlich hört die Freiheit des Einzelnen da auf, wo die Freiheit des Anderen massiv beeinträchtigt wird, bis hin zu Kreislaufkrankheiten. Um solche Rechte zum Schutz des Bürgers wirksam durchsetzen zu können, bedarf es möglicherweise neuer oder angepasster gesetzlicher Regelungen. Besonders störend werden neben zu lauter Musik oft auch tiefe Basstöne empfunden. Diese durchdringen jegliches Mauerwerk und sind sogar problemlos deutlich durch Oropax wahrnehmbar und vergleichbar mit stundenlangen Hämmereien an eine Wand.
Derzeit werden neue Positionen zu dieser Problematik erarbeitet, erste Vorschläge sind bereits eingegangen. Diese sind jedoch noch zu diskutieren und zu einem Programm zu formen. Diskutiere mit hier mit.
Wir haben noch viele weiter Pads, auf denen zum Teil schon sehr fleißig diskutiert und zusammen gearbeitet wird. Mach mit! Hier gehts zum Hauptpad
Anordnung Bundes-Schiedsgericht (BSG)/ Ultimatum des Bundesvorstands (BV)
Die auf dem letzten Bundesparteitag, mit großer Mehrheit beschlossene Einführung von “LiquidFeedback” (LF) ist ins Stocken geraten. Ein Pirat aus Rheinland-Pfalz klagt vor dem Bundesschiedsgericht (BSG) mit dem Ziel, die Einführung in der geplanten Form zu verhindern. Das BSG hat eine einstweilige Verfügung zu einem “Baustopp” erlassen und wird in den nächsten Tagen eine Entscheidung fällen. Hintergrund der Klage vor dem BSG sind Datenschutzbedenken, da der Kläger der Meinung ist, dass die beim Parteieintritt angegebenen Mitgliedsdaten nicht für das Austellen der Einladung zu LF genutzt werden dürfen
LiquidFeedback ist eine Websoftware, die parteiintern das Konzept von “LiquidDemocracy” implementieren soll. Ziel soll sein Elemente direkter und repräsentativer Demokratie zu “vermischen” und so jedem Piraten ermöglichen selbst zu bestimmen wie direkt er Einfluß auf die innerparteilich Meinungsbildung nehmen möchte. Die aktuelle Folge des Podcasts “ChaosradioExpress” beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema LiquidDemocracy/LiquidFeedback [1]
Auf Bundesebene soll LF die Vorbereitung des programmatischen Bundesparteitags im Herbst unterstützen. Im LV Sachsen befindet sich LiquidFeedback bereits seit ca. drei Monaten in einem Testbetrieb und wird aktuell von etwa 50 Piraten genutzt. Erste Ergebnisse erwarten wir in der Vorbereitung zum kommenden Landesparteitag im Oktober.
[1] http://chaosradio.ccc.de/cre158.html
Erarbeitung eines Webseitenkonzeptes
Derzeit erarbeitet eine kleine Gruppe ein Konzept für eine neue, moderne, barrierefreie und vor allen auch übersichtlichere Webseite. Der aktuelle Umfang der Konzeption beträgt derzeit etwa sieben unformatierte Seiten, kontinuierlich steigend. Das Team erwartet die Veröffentlichung des Konzeptes zur Diskussion in etwa einer bis zwei Wochen. Danach soll über Technologie und Umsetzung der Webseite entschieden werden.
Autoren: André Stüwe, Fidel, Skapiratin, Klaus Peukert, Tilo Schneider, occcu, Piratux, Loralitilli
Setzt die Segel!
Ahoi Matrosen,
krempelt die Piratenärmel hoch. Wir haben eine ganze Menge Arbeit vor uns. Es müssen Schiffe gekapert, Jungfrauen gerettet und Schätze gehoben werden.
Die Landtagswahlen sind zwar noch in weiter Ferne, aber um ein gutes Landesprogramm zusammen zu stellen, müssen wir bereits jetzt anfangen. Es ist wichtig, dass wir den richtigen Kurs einschlagen und uns langfristig mit Themen, wie Bildung, Informationsfreiheit, Umwelt und Soziales ernsthaft auseinander setzen.
Alle, die sich für die Landespolitik interessieren und uns Piraten helfen wollen, ein gutes Programm auf die Beine zu stellen, sind ausdrücklich dazu aufgefordert, sich rege zu beteiligen.
Die Piratenpartei ist eine “Mitmach-Partei” Hier könnt ihr den Kurs selbst bestimmen!
Wir haben ein Hauptpad erstellt, dass alle Themen, die gerade diskutiert werden, bündelt. Von diesem Hauptpad gehen mehrere Nebenpads ab, auf denen schon zum Teil rege diskutiert wird. Macht mit und nutzt diese Chance.
Zu noch nicht aufgeführten Themen legt ihr einfach neue Pads an und verlinkt diese im Hauptpad. ¹
Bitte schreibt einfach bei den euch wichtigen Themen mit. Durch die Ideen Vieler schaffen wir gemeinsam ein qualitativ hochwertiges Programm. Orientiert euch dabei am Wikipedia-Prinzip, nur durch die hohe Beteiligung vieler unterschiedlicher Personen, konnte eine so umfangreiche Enzyklopädie mit vielen qualitativ hochwertigen Inhalten entstehen.
Die erarbeiteten Programmvorschläge werden zum Parteitag vorgestellt, diskutiert und abgestimmt. Bei einer erfolgreichen Abstimmung werden sie dann ins Landesprogramm aufgenommen.
Lasst uns gemeinsam Grundpositionen erarbeiten mit denen wir durch einfaches Ableiten aus diesen auch leichter Antworten (z.B. in Interviews und Pressemitteilungen) zu aktuellen Ereignissen geben können.
Habt ihr Fragen oder benötigt Hilfe, könnt ihr euch gerne an Skapiratin und LordSnow wenden.
Autoren: LordSnow und Skapiratin
¹ Dazu müsst ihr nur http://piratenpad.de/ um den jeweiligen Themennamen ergänzen, z.B. http://piratenpad.de/meinThema und dann auf “Create Pad” klicken. Lasst euch nicht davon irritieren ob ein Pad leer ist, schreibt einfach eure Gedanken hinein, was ihr wollt und was ihr nicht wollt. Eine Struktur kann man auch später noch herstellen.
WWR #2: 06. Juli 2010
Liebe Piraten und Interessenten, die nicht die sächsische Piratenmailingliste abonniert haben. Wir möchten die Möglichkeit geben, euch kurz zu informieren, welche Themen die sächsische Piratenpartei momentan beschäftigt oder “Worüber Wir Reden”.
Bundesparteitag 2010.2
Chemnitz hat sich am 01.07.2010 für den Bundesparteitag 2010.2 beworben. Bei der Bundesvorstandstelefonkonferenz wurden die Bewerbungen kurz ausgewertet. Chemnitz ist mit Abstand die günstigste Bewerbung. Neben Chemnitz haben sich auch Alsfeld und Halle beworben. Die Entscheidung wird nach der Befragung der einzelnen Kandidaten am 15.07.2010 bekannt gegeben.
Problem: Konstruktives Arbeiten
Wir sind mittlerweile (fast) einheitlich an dem Punkt angekommen, dass die Mailingliste (ML) für die Erarbeitung von ernsthaften Texten, Aktionen etc. nicht geeignet ist. Es wurde auch auf der letzten Mumblesitzung festgelegt, dass die Vorstände (und Interessierte) versuchen Diskussionen aus der ML in andere Medien zu verschieben. (z.B. Piratepad.net oder Piratenwiki). Die Einbringung der Verschiebung auf andere Medien stieß zwar erst auf Kritik, aber nach einer sachlichen Diskussion, schienen auch einige Zweifler mit der Begründung zufrieden zu sein. Zwischenergebnisse und auch evtl. andere Meinungen einzuholen, kann man dennoch auf der ML machen.
“Top-Spammer auf Piratenlisten”
(Eine PiratenPad-erarbeitung von Torsten Fehre, Tranquillo, Tilo und einigen Unbekannten)
Die Webseite http://piraten.flamefestival.de/ hält eine Liste vor die die aktuell fleißigsten Poster auf einigen Piraten-Mailinglisten enthält. Daraufhin entbrannte eine Diskussion um den Datenschutz bei der Erstellung dieser Liste, mit der Gundfrage: “Ist es erlaubt die Namen und statistischen Erhebungen zu veröffentlichen oder nicht?”.
Argumente dafür:
- Mailingliste ist sowieso öffentlich verfügbar und kann von jedem gelesen werden. So etwas soll den Piraten zur “Medienkompetenz” erziehen
- Transparenz gehört zu den Grundsätzen der Piratenpartei
- Statistiken zeigen Stärken und Schwächen von Diskussionen auf Mailinglisten
Argumente dagegen:
- Datamining. Sollte zwar jeder für sich betreiben können; Veröffentlichung des Ergebnisses ist nicht OK
- Nur weil ich namentlich auf Mailinglisten zeichne, erhält niemand das Recht, meinen Namen weiter zu verwerten.
- Was den konkreten Fall http://piraten.flamefestival.de/ anbelangt: häufiges Posten ist kein hinreichendes Kriterium für Spamming. “Topspammer” ist ein unzulässiges Urteil und nahe an der Verunglimpfung.
Zusammenfassend:
- Es ist auch ein eine Satire! (Zumal das garnichts mit der eigentlichen Frage zutun hat)
- Niemand wird gezwungen seinen Realnamen anzugeben
- Besonders aktive Piraten, könnten als “Spammer” degradiert werden. Eine Unterscheidung sollte angebracht werden, aber wer unterscheidet dann “aktive” von “Spammer”?
Bundesland Mitteldeutschland?
Hin und wieder ist dieses Thema auch in den vergangen Jahren auf allen Medien besprochen wurden. Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sollen zu einem Bundesland zusammengefasst werden. Trotz Sommerloch: hier das Ergebnis aus einer weiteren Pad-diskussion (Andreas Vogt, Tranquillo)
Pro-Argumente
- Kosteneinsparungen in der Verwaltung
- Möglichkeit bzw. Chance für eine, die erste Volksabstimmung in der BRD, da diese bei Änderungen der Ländergrenzen laut GG zwingend notwendig ist
- Manche Bundesländer werden ggf. ihre Schulden auf Kosten eines anderen los
- “Überholter Regionalstolz” könnte ggf. überwunden werden
- ein ordentlicher rentabler Groß-Flughafen, anstatt 5 unrentable Provinzlandebahnen.
- eine abgestimmte Hochschulpolitik ( möglichst alle Studiengänge innerhalb von MD anbieten)
- konzertierte Wirtschaftspolitik ( z.B. Solar-Cluster Mitteldeutschland)
- Man wäre auch fast auf Augenhöhe mit BaWü, Bay und NRW etc.
- gemeinsamer Einkauf für alle mögl. Landesbehörden
- Einsparung von zwei Ministerpräsidenten
- Entbürokratisierung zusammenwachsender Ballungsgebiete (Leipzig-Halle) ähnlich dem Ruhrgebiet
Kontra-Argumente
- Personaleinsparungen
- Wenig Rücksicht auf regionale “Befindlichkeiten”
- Weitere Zentralisierung
- großer Aufwand
- Unsicherer, erst längerfristig “messbarer Erfolg”
- Manche Bundesländer werden ggf. ihre Schulden auf Kosten eines anderen los
- Schwierige Einigung auf zukünftige Landeshauptstädte und Verwaltungen
- Abgeordnete sollten sich besser in ihrem eigenen Wahlkreis aufhalten, statt in einem weit entfernten “Hauptstadtbüro”
- Großflughafen kann auch jetzt schon gemacht werden, auch die einheitlichen Studiengänge und das Solarcluster, dafür müsste man nicht erst fusionieren.
Strategie
Wenn, dann ist so ein Vorhaben nur Schritt für Schritt erreichbar, d.h. man geht auf vielen Gebieten (Kultur, Sport, Wirtschaft, Verwaltung etc.) Kooperationen ein, die dann in Zusammenschlüssen enden können, analog MDR ud anderen Institutionen. Sodass man auf einen mögl. Zusammenschlusshinarbeitet in ca. 10-12 Jahren hinarbeitet. Man mus sich aber von Besitzstandswahrungs-Denken befreien und sachlich-nüchtern an die Sache rangehen.
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dieser Text entstand als Zusammenarbeit von Skapiratin, theneutrino, LordSnow, rough_trade und occcu
WWR #1: 25. Juni 2010
Liebe Piraten und Interessenten, die nicht die sächsische Piratenmailingliste abonniert haben. Wir möchten die Möglichkeit geben, euch kurz zu informieren, welche Themen die sächsische Piratenpartei momentan beschäftigt oder “Worüber Wir Reden”.
Geschäftstelle für die Piraten in Sachsen
Die Kosten würden sich auf ca. 1200-6000€ im Jahr belaufen. Viele Piraten empfinden die Kosten als zu hoch bzw. würden das Geld lieber für andere Dinge, wie z.B. Verbesserung der Bundes-IT (z.B. MLs, Forum, Wiki) oder für die Unterstützung von finanzschwachen Mitgliedern sich einzubringen (z.B. Reisegeld, Busse zum Bundesparteitag) nutzen. Andererseits möchte man aber auch einen zentralen Aufbewahrungsort von Mitgliederdaten, damit diese nicht hin und her getauscht werden müssen, wenn ein neuer Geralsekretär oder Schatzmeister gewählt wird. Über mögliche Alternativen (Remote-Desktops, seperate Laptops für Genseks und Schatzmeister) wird auch diskutiert.
Bei der Landesvorstandtelefonkonferenz vom 22.06.2010 wurde beschlossen, dass eine Geschäftstelle für 3000€ eingeführt wird. (Dafür: 3 Dagegen: 2 Nicht anwesend: 1)
Das gesparte Geld wird für andere Projekte ausgegeben. (z.B: Werbemittel, Versicherung für Teilnehmer von Veranstalltungen (z.B. Absicherung von Wegeunfällen))
Einführung Liquid Feedback
Beim vergangenen Landesplenum (12.-13.06.2010) in Leipzig wurde festgestellt, dass die Einführung des Liquid Democracy Tools zu schnell ging. Viele Piraten waren mit dem Thema nicht vertraut. Das stieß auf großen Widerstand. Es liegt nun an den Vorständen die Piraten über die Grundidee Liquid Democracy aufzuklären. Wer sich schon einmal vorher schlau machen möchte, kann das unter:
- Seite des Liquid Democracy e.V.
- Podcastfolge vom Medienradio “Digitale Demokratie”
Es wird eine Möglichkeit angeboten, dass LQFB und Liquid Democracy auf Stammtischen präsentiert wird. Nähere Infos folgen demnächst.
Piraten-Kennenlern-Camp in Chemnitz
Chemnitz lädt alle Interessenten und alle Piraten zu einem lockeren und unverbindlichen Treffen am Stausee Rabenstein Chemnitz ein.
Weitere Infos findet ihr in der Wiki.
Wer sich gerne in die Liste der Teilnehmer eintragen möchte, aber keinen Wikiaccount hat, kann sich bei meike.martin[at]piraten-sachsen.de melden. Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.
Piraten nehmen an der Demo “Wir Sind Mehr Wert” teil
Piraten haben sich auch die Bildung ganz oben auf die Fahnen geschrieben. Darum fühlten sich mindestens 10 Piraten und Juniorpiraten dazu aufgefordert sich in die Gruppe von 10 000 Demonstranten einzureihen um gegen die Kürzung in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur zu demonstrieren. Leider waren wir nicht im Bündnis mit aufgelistet, aber es ging schließlich um so eine gute Sache. Das nächste mal sind wir auch offiziell von der Partie.
Fotos findet ihr unter u.a.: hier
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dieser Text entstand als Zusammenarbeit von Skapiratin, theneutrino, LordSnow, rough_trade und occcu
Tag #569: Von Gender und Blogs
rumpel has added a post:
Wenn ich in diesem meinem eigenen Blog mal so herunterscrolle, dann stelle ich fest, daß die Themen sehr spontan sind. Ich habe keine ausgemachte Zielgruppe und keinen definierten Stil. Ich schreibe das, was mir gerade in den Sinn kommt. Jetzt gerade im Sinn habe ich z.B. den Artikel "Die Piratenpartei: Von Gender und Multitude.", den ich heute nacht gelesen habe, als ich mal wieder wach im Bett lag.
Den Artikel selbst finde ich blöd, ebenso die nachfolgenden Kommentare des Autors. Ganz toll aber finde ich, daß er ihn geschrieben hat! Ich liebe es, in Blogs zu lesen, in denen Menschen ungefiltert und unredigiert ihre Gedanken ausbreiten. Die Piratenpartei ist eine Projektionsfläche für unglaublich spannende Visionen, und ich erinnere mich da u.a. an ein längeres Kneipengespräch mit einem anderen Bremer Piraten, das mich im Nachgang sogar dazu brachte, ein Buch von Ken Wilber zu kaufen ("Eine kurze Geschichte des Kosmos"). Ob ich jemals dazu kommen werde, es auch zu lesen, ist eine andere Frage. ;-)
Jedenfalls erlauben es Blogs, das Prinzip Kneipengespräch auf die ganze Welt auszudehnen und sich auch mit den Gedanken persönlich nicht bekannter Menschen zu beschäftigen. Darüber hinaus aber erlauben sie es auch, an den Artikeln zu diskutieren. Und genau macht das Prinzip Blog besonders wertvoll. Konkret möchte ich (kurz, denn ich muß heute wegen eines frühen Meetings eher zur Arbeit als sonst) einige Kommentare an dem eben erwähnten "blöden" Artikel zitieren, da sie das Thema meines letzten Blogeintrags aufgreifen. Ich hatte darin -- ebenfalls anläßlich eines Blogs -- neben der Ausdehnung des Parteiprogramms auch die Genderdebatte der Piratenpartei thematisiert. Ich hatte geschrieben "Die Partei wird durch die Debatte nicht gebremst. Sie kämpft mit der Debatte um ihr Überleben! Ohne diese würde sie untergehen."
Dazu möchte ich nämlich noch folgendes ergänzen: Daß die Piratenpartei ein Magnet für maskulinistisches Getrolle ist, halte ich nicht für ein Problem, da dieses allenfalls die Foren verseucht, die zwar von vielen Menschen als das Gesicht der Piratenpartei wahrgenommen werden, in Wirklichkeit aber nur der Kinderhort sind, der es den Erwachsenen ermöglicht, anderswo ungestört zu debattieren. Dies findet sich auch in einem der Kommentare wieder, die ich zitieren möchte:
"Ich weiß noch gar nicht, ob es tatsächlich soviele Maskulisten in der Piratenpartei gibt. Jedenfalls haben diese, im Gegensatz zu den Queers und Gleichstellungsfeministen, keine einzige ihrer überbordenden Forderungen als Programmantrag eingebracht."
Womit ich hingegen ein großes Problem habe, ist die stark ausgeprägte strukturelle Gewalt gegen Frauen in der Partei. Diese findet man in anderen Parteien in Form der zwangsweisen (und noch dazu fremdbestimmten!) Zuordnung zu einem Geschlecht mit daraus abgeleiteten Rechten von Amtsübernahme bis Rederecht -- also in einer Form, die in der Piratenpartei undenkbar ist. In dieser wird diese Diskriminierung jedoch durch eine andere ersetzt, nämlich durch den Rückfall in prä-feministische Zeiten: Männer sind das Normale. Frauen das Andere.
"Wie »postgender« man dann nämlich ist zeigte sich als Lena vorne auf der Bühne stand. Da spielte Lenas Geschlecht auf einmal eine riesige Rolle. Ob sie »als Frau« oder »mit Studium« dazu in der Lage wäre diesen Posten auszufüllen. Beim nächsten Kongress werd ich wohl mal anreisen und Seipenbusch und seine Freunde fragen ob sie denn »als Mann« und »mit Job und Kindern« in der Lage wären diesen Posten auszufüllen."
Sexismus erkennt man, indem man die Geschlechterrollen in Gedanken umkehrt und prüft, ob der Satz dann immer noch denkbar ist. Wohlbemerkt Lena Simon ist Politikstudentin, Seipenbusch Physiker mit Familie. Aber sie muß sich "als Frau" rechtfertigen!
Ok, Seipenbusch hat echt Ahnung von schwierigen Themen wie z.B. Urheberrecht und ist sehr podiumserfahren (ich habe ihn persönlich erlebt und bin nach einer solchen Veranstaltung auch noch mit ihm in einer Bremer Kneipe gewesen, um ihn näher kennenzulernen -- und ich war sehr beeindruckt). Was ihn als Vorsitzenden der Piratenpartei qualifiziert, erschließt sich mir dennoch nicht (er ist u.a. strikt gegen ein BGE, und er ignoriert die Genderdebatte komplett). Als Frau hätte er keine Chance gehabt, gewählt zu werden. Er wurde gewählt, weil er die geringste Angriffsfläche bot. Er gefährdete die mentale Homogenität der Partei am wenigsten. Eine Frau hingegen ist automatisch Angriffsfläche. Hier paßt ein weiterer zitierter Kommentar aus jenem oben erwähnten Blog:
"'Nicht Männer sind die Gegner der Frauen und umgekehrt, sondern Umstände und Mechanismen, die Menschen in ein System der strukturellen Gewalt zwängen.' Richtig! Aber wer die Inquisition von Lena live vor Ort erlebt hat, hat genau das erlebt: Ein System der strukturellen Gewalt! Per Twitter und am Mikrofon erhob sich die kollektive homogene Masse, die in Lena ein störendes Individuum sah, deren Existenz in der Partei ein Ende gemacht werden sollte, weil es die Homogenität der Partei gefährdete."
Nochmal zurück zur strukturellen Gewalt gegen Frauen in der Piratenpartei. Seipenbusch sprach zwar nie von Postfeminismus (er wurde nur von der taz als "wir sind post-gender" falsch zitiert), aber die Partei sieht sich dennoch so. Sie ist es nicht nur eben nicht! Und daraus ergibt sich die strukturelle Gewalt:
"Und zum Thema "Dekonstruktion". Auch wenn du Geschlecht generell ablehnst, akzeptierst du damit diese Kategorien. Negieren ist eine Form der Aktzeptanz. Frei ist das alles nicht. Und Pirat_innen sind nicht so. Sie sind ultraweit entfernt von jeglicher Form von Dekonstruktion und Postfeminismus. Stattdessen sind sie von Wut und Hass erfüllt."
"Dekonstruktion funktioniert nur, wenn man Machtverhältnisse ernst nimmt und daran ansetzt. Darum geht es bei Derrida, darum geht es bei Butler. Dekonstruktion hat auch etwas damit zu tun, sich mit Privilegien auseinanderzusetzen. Genau das passiert in der Piratenpartei nicht, wenn sie sich postgender gibt oder gar glaubt, Geschlechterpolitik nicht verhandeln zu wollen sei irgendwie schon queer. "
"Solange ihr nichts tut, als zu behaupten, postfeministisch zu sein (statt so zu handeln), verschließt ihr die Augen vor der tatsächlichen Situation einer nicht postfeministischen Gesellschaft (und einer in weiten Teilen auch nicht postfeministischen Partei)."
"Man kann nicht behaupten Gender ist kein Thema für uns und dann über Postfeminismus reden."
Ich fühle mich durch diese Kommentare in meinem bereits mehrfach (auch anderswo) geäußerten Anliegen gestärkt, daß die Piratenpartei ein ernstes Gender-Problem hat und dieses durch offenes Debattieren überwinden muß.
"Dass Frauen sich oft nicht wiederfinden bei den Piraten, liegt auch daran, dass sie unbewusst spüren, nicht zu dieser Gruppe zu gehören, wenn die sie schon per Benennung ausschließt."
"Aber die Frauensache wird von sehr vielen 'Normalos' aus dem Mainstream viel kritischer wahrgenommen, als den Piraten bewusst ist."
"Wir wissen alle, dass die Piraten nicht frauenfeindlich sind. Da brauchen wir uns nicht drüber zu verständigen. Aber diese Art von Postgender ist das falsche Signal in einen Mainstream hinein, der darauf nicht vorbereitet ist."
All diese Kommentare stammen wie gesagt aus den Reaktionen zu einem einzigen Blogeintrag. Und um nicht den Eindruck zu erwecken, ich würde die Geschlechterspaltung der anderen Parteien befürworten, hier noch zwei weitere:
"Eine Gruppe in eine Homogenität zu zwängen tut jedem Subjekt in ihr Gewalt an und positioniert sie gleichzeitig als Gegner zu anderen Gruppen."
"Spaltung ist ein Kontrollinstrument."
Apropos Kontrollinstrument. Der Vorsitzende des Kreisverbands Bremerhaven der Piratenpartei sagte auf der Gründungsversammlung: "Ich überlege, ein Parteiausschlussverfahren gegen jeden anzustreben, der das Wort Piratin benutzt."
Ich kann dazu nur sagen, daß ich das Subsidiaritätsprinzip gutheiße. (Nichts wird auf einer Ebene entschieden, das nicht auch eine Ebene tiefer entschieden werden kann.) Wenn da also irgendwo Leute in die Partei eintreten, sich einen Vorsitzenden, einen Schatzmeister und eine eigene Satzung geben und dann Kreisverband nennen, dann ist das gut und richtig so. Egal, wofür sie stehen. Aber wäre ich selber dadurch Mitglied des Kreisverbands Bremerhaven geworden (bin ich nicht, weil in Bremen gemeldet), dann wäre ich noch an dem Abend aus der Piratenpartei ausgetreten. Das ist nicht meine Partei.
Ich hoffe, noch in ganz vielen Blogs mehr über dieses Thema zu lesen. Jetzt aber muß ich mich sputen...
Postfeministische Piraten
Ich finde es sehr angenehm, dass sich viele Piraten als postfeministisch betrachten, da mir diese Theorie in dem Sinne zusagt, dass ich sie gut mit meiner eigenen Wirklichkeit in Einklang bringen kann. Was folgt jedoch daraus? Lippenbekenntnisse sind ja das eine, aber das reicht nicht.
Warum spielt das Thema Gender hauptsächlich bei den weiblichen Piraten ein Rolle, während die männlichen Piraten hauptsächlich darüber genervt sind, wenn Frauen auf diesem Thema herumreiten bzw. der Postfeminismus dazu herangezogen wird zu begründen, dass man im Gegensatz zur feministischen Linguistik kein eigeschobenes großes I braucht und die Piratinnen auch nicht extra nennen muss. Ich habe die Atmosphäre auf dem Bundesparteitag nicht so fortschrittlich wahrgenommen, wie ich das gerne gehabt hätte, aber das ist wie gesagt nur mein persönlicher Eindruck.
Warum werden Frauen gefragt, warum sie glauben nur gewählt zu werden, weil sie Frauen sind, oder ob sie noch andere Vorzüge haben? – Das ist vielleicht kein Kernthema, aber dennoch eine Frage, der wir uns stellen müssen.
Wir Piraten kommen aus einer Gesellschaft, die von sehr ausgeprägten Rollenbilder für Männer und Frauen geprägt sind, un so mancheiner wird einfach die Schulter zucken und sagen: Das ist eben so, Männer sind anders als Frauen. Dennoch glaube ich, dass wir unsere Gewohnheiten überprüfen müssen, und zwar nicht der Schwarm, sondern jeder einzelne. Diese Selbstreflektion kann man nicht delegieren, ebensowenig wie die Verantwortung für die eigene Freiheit.
Last uns offen mit diesem Thema umgehen und nicht aufstöhnen, wenn sich dazu jemand zu Wort meldet. Es lässt sich nicht allein durch Unisex-Toiletten lösen.
Filed under: Piratenpartei, Politik Tagged: Postfeminismus
Warum ich Leena nicht gewählt habe, es aber möglicherweise mal passieren könnte
Nach fast einer Woche schaffe ich es dann auch endlich mal, etwas zu Leenas Auftritt auf dem Bundesparteitag in Bingen zu schreiben.
Leena Simon hatte sich auf dem Bundesparteitag spontan dazu entschlossen, als zweite Vorsitzende zu kandidieren, wurde in der wahrscheinlich längsten Fragerunde des Tages in die Mangel genommen, hat sich ganz ordentlich geschlagen und letzten Endes dann auch auf ein Ergebnis von 28% (227 Stimmen) geschafft. Und ganz ehrlich: ich versteh es nicht. Da baut jemand Mist, schafft es dann, bei überkritischen und teilweise auch überflüssigen und total nervenden Fragen dazu nicht zusammenzubrechen und bekommt dann Sympathiestimmen nur aus Respekt für ihren Auftritt (und mir erzähle jetzt niemand, das seien nicht überwiegend solche)?
Jetzt mag es vielleicht Außenstehende geben, die gar nicht mitbekommen haben, was das für ein Mist gewesen sein soll, den Leena vor einiger Zeit verzapft hatte und warum sie auf dem BPT so sehr in die Mangel genommen wurde. Aaaaalso:
Leena ist weiblicher Pirat im Landesverband Berlin und machte sich offenbar irgendwann Sorgen um die wenigen Frauen in unserer Partei. Irgendwie sind diese in Leenas Geisteswelt wohl total hilflos und schutzbedürftig. Aus diesem Grundgedanken heraus kam sie vor einiger Zeit unter anderem auf die fixen Ideen, die „Piratinnen“ zu gründen, eine geschlossene Mailingliste einzurichten, auf der nur Frauen lesen und schreiben dürfen, und unter dem Titel „Piratinnen – Klarmachen zum Gendern“ eine eigene Pressemitteilung dazu herauszugeben. Als pressewirksame Kulisse wurde dazu dann ausgerechnet ein Berliner Landesparteitag gewählt. So weit, so schlecht.
Derartige Ideen kamen zumindest in dieser Form bei vielen Piraten aus den verschiedensten Gründen nicht gut an. Im Gegensatz zu dem, was mancher wahrscheinlich erwarten würde, auch vor allem nicht bei weiblichen Piraten aus deren Reihen man einige der lautesten Protest-Stimmen hören konnte.
Dabei wäre die Idee im Ansatz gar nicht einmal hundertprozentig falsch gewesen, ließ aber einerseits viel zu viele Faktoren unberücksichtigt und war andererseits offenbar bestenfalls extrem mangelhaft kommuniziert worden, was auf einen medienwirksam inszenierten Alleingang hinauslief, bei dem sich Leena und eine kleine Anhängerschar recht wenig kritikfähig zeigten. Da das ganze jedoch ein gefundenes Fressen für all jene war, die ihr abstruses und völlig falsches Bild von den bösen frauenfeindlichen Piraten gerne bestätigt sehen wollten und schon mehrfach versucht haben uns eine innerhalb der Piraten völlig sinnlose Debatte aufzuzwingen, wurde Leena nicht ganz zu unrecht parteischädigendes Verhalten vorgeworfen und sie entsprechend ermahnt. Irgendwann kehrte dann auch wieder Ruhe diesbezüglich ein. Bis zum Samstag.
Da stand sie nun also und bewarb sich um den Posten als zweite Vorsitzende. Ganz blöde Idee.
Viele, sehr viele, nutzten die Fragerunde, um ihrem Ärger und Unmut über Leenas Unsinn Luft zu machen. Leena wurde „gegrillt“. Dabei schlug sie sich wirklich gut. Sehr gut sogar. Aber das rechtfertigt nicht die hohe Zahl an Stimmen, die sie ergattern konnte.
Einziger zumindest ihrerseits behaupteter Grund für ihr Antreten war die Tatsache, dass sich sonst keine Frau um einen Vorstandsposten bewarb. Ihre Aktivitäten in der Partei liegen seit ihrer Ermahnung nach eigener Aussage auf Eis. Und was es denn überhaupt an ihrem Verhalten auszusetzen gab, scheint sie bis heute nicht verstanden zu haben. Wo sind da gute Gründe, sie zu wählen? Es gibt keine. Da ist schlicht keine Basis für einen Vorstandsposten vorhanden. „Hallo, ich bin inaktiv aber eine Frau.“ reicht nicht, um gewählt zu werden. Weder anderswo, noch bei den Piraten.
Dabei ließ sich durchaus erahnen, dass sie es besser könnte. Sie hat durchaus Kompetenzen in piratigen Kernbereichen und vertritt jenseits des Gender-Krams durchaus gute Positionen in wichtigen Themen. Wenn sie denn nur auch dran arbeiten und das ganze entsprechend kommunizieren würde. Sie hat insgesamt viele Qualitäten, die sie für einen Vorstandsposten auszeichnen würden. Sie nutzt sie nur nicht. Statt dessen verrennt sie sich sinnlos in Albernheiten und gibt sich kontraproduktiv.
Wenn sie das in den Griff bekommt und tatsächlich auch wieder konstruktiv und aktiv arbeitet, dann kann man es durchaus vertreten sie zu wählen. Und zwar unabhängig davon, dass sie eine Frau ist. Schlicht und ergreifend, weil sie dann (und nur dann) ein echter Pirat ist. Oder von mir aus auch eine echte Piratin.
Filed under: Piraten Tagged: Bundesparteitag, Genderwasauchimmer, Leena Simon, Piraten, Piratenpartei
Frauen und Piraten
Immer wieder wird von verschiedenen Seiten – sowohl in den Medien als auch von einzelnen Mitgliedern – der Eindruck erweckt, die Piratenpartei sei frauenfeindlich. Ich habe im Laufe der letzten Monate, vergessen wir nicht, es ist für die meisten von uns nicht mal ein ganzes Jahr, dass wir dabei sind, viele engagierte Piraten kennen gelernt. Es waren Männer und Frauen, die gemeinsam angepackt haben um uns voran zu bringen.
Kein einziges Mal habe ich dabei erlebt, dass irgendwer dabei zu hören bekam: “Du kannst das nicht, Du darfst das nicht, weil Du ein Mann, weil Du eine Frau bist”. Fast hatte ich den Eindruck, der Idealzustand in Sachen Geschlechter bei den Piraten sei erreicht. Wenn da nicht immer wieder ein leises Störfeuer gewesen wäre.
Kine hat nun eine Initiative gestartet, in der sie Frauen dazu aufruft, offen zu ihrer Mitgliedschaft zu stehen und sich in einer Wikiseite einzutragen. Ich unterstütze Kine in Ihrer Aktion voll und ganz und werde die Seite weiter verbreiten und freue mich über die große Beteiligung. Dennoch macht es mich traurig, dass diejenigen, die uns einreden wollen, dass Frauen bei uns diskriminiert werden auf diese Weise einen Sieg davon tragen. Frauen müssen aufstehen und aktiv werden, damit sie nicht übersehen werden, damit die öffentliche Wahrnehmung nicht einseitig getrübt ist. Wie sehr ich das doch bedauere.
Kine schrieb auf der Aktiven-ML:
Der Postgender-Anspruch der Piratenpartei wird in der breiten Öffentlichkeit leider häufig missverstanden. Oft wird das Bild einer strukturell frauenfeindlichen Partei erzeugt und man will uns glauben machen, dass es zu wenig/keine aktiven Piraten in der Piratenpartei gibt, die weiblichen Geschlechtes sind bzw. denen man ein weibliches Geschlecht zuordnet.
Doch es gibt uns – und wir sind ein genauso bunter Haufen wie der Rest der Partei!
Und auch wenn die meisten von uns sich nicht auf Grund ihres Geschlechtes in den Fokus der Aufmerksamkeit drängen wollen, haben wir lernen müssen, dass die Partei der Öffentlichkeit voraus ist.
Daher wollen sich auf dieser Seite aktive Piraten/Piratinnen vorstellen, die sich selbst als weiblich verstehen. Sie wollen Betroffenen ebenso wie der Öffentlichkeit die vielfältige Existenz weiblicher Piraten sichtbar machen.
*Für uns selbstverständlich: Politische Arbeit ist unabhängig von einem vermeintlichen Geschlecht.*
Wir gehen davon aus, dass Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, gleich ob selbst oder von anderen zugewiesen, bewertet, behandelt oder in ihrem Verhalten beeinflusst werden sollten. Im Speziellen betrachten wir daher natürlich auch politische Arbeit als unabhängig von einem vermeintlichen Geschlecht.
Jede Piratin, jeder Pirat, die/der sich als Frau sieht, von der Gesellschaft als Frau bezeichnet wird oder sich aus anderen Gründen als weibliches Parteimitglied öffentlich darstellen möchte, wird aufgefordert, dies zu tun.
LG
Kine
Daher meine Bitte: lasst uns klarstellen, dass wir gemeinsam stark sind, dass wir zusammen unsere Ziele erreichen können. Hört auf, einen sinnlosen Kleinkrieg um Bezeichnungen zu führen. Es gibt so viel zu tun…
Ende der Redezeit
Stefan
Was hat sich jetzt eigentlich verändert?
Der Bundesparteitag in Bingen hat einige Dinge verändert. Da ist auf den ersten Blick zwar nicht viel zu erkennen, aber die Veränderungen sind da. Ja, es wurden Jens Seipenbusch und Andi Popp in ihren Ämtern als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender bestätigt. Darüber kann man sich aufregen (hab ich in Bingen auch getan) man muss aber auch akzeptieren können, dass Demokratie eben auch Entscheidungen gebiert, die einem selbst nicht so recht in den Kram passen wollen. Immerhin haben wir es geschafft, die Posten der Beisitzer allesamt neu zu besetzen. Als da wären:
Christopher Lauer Unser aller Bundeslauer. Er ist einer der umstrittenen Kandidaten gewesen. Er polarisiert, denn mehr als einmal hat er schon Leute mit seiner recht unverblümten Art darauf hingewiesen was er von diesen hält. Das kann man so oder so auslegen. Sicherlich ist an seiner Art vieles diskussionswürdig. Allerdings kann ich sagen, denn ich kenne ihn mittlerweile ganz gut und vor allem persönlich, dass in den meisten Fällen, in denen Christopher jemandem die Meinung gegeigt hatte, auch ein gerüttelt Maß Wahrheit dran war. Nicht vergessen sollte man auch die Tatsache, dass Christopher einer der besten Aktivposten des Berliner LV darstellt. Er weist einen Tatendrang auf, der Seinesgleichen sucht. Ob Organisation von Landesmitgliederversammlungen, Bundestreffen, Erarbeitung politischer Konzepte (Zukunftsministerium) oder wasauchimmer. Er tanzt auf vielen Hochzeiten und er tanzt meistens gut. Allerdings versucht er auch oft, selbst den Rythmus vorzugeben. Dieses Feuer trägt Chistopher jetzt hoffentlich auch in den Bundesvorstand.
Hoffentlich unterstützt ihn dabei tatkräftig
Benjamin Stöcker. Diesen lustigen Piraten aus den bergigen Ländern jenseits des Weißwurstäquators hatte ich nun in Bingen auch endlich mal das Vergnügen, persönlich kennen zu lernen. Er überzeugt durch eine offene und deeskalierende Art und scheint auch ein eloquenter Redner zu sein. Leider konnte ich von Berlin aus nicht viel über seine Projekte in Bayern erfahren. Allerdings ist er schon seit geraumer Zeit Kapitän der Oberfranken.Dort scheint man mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Ich glaube, sonst hätte er es einfach nicht in den BuVo geschafft.
Daniel Flachshaar ist den Aktiven unter uns bereits bekannt als Koordinator der AG-Pressearbeit. Hier hat er einiges an Arbeit abgeliefert. Leider mal gute, mal schlechte. Seine (wenigen) Fails sind hinlänglich bekannt. Allerdings ist auch Daniel ein sehr umgänglicher Mensch, vielleicht sogar zu umgänglich, wenn es darum geht, Personalentscheidungen treffen zu müssen, die unter Umständen bekannte Gesichter verprellen. Hier sollte sich Daniel klar ein dickeres Fell zulegen und auch etwas… naja… abgewichster werden. Der NRW-Thüringer-Pirat, der wohl in beiden Landesverbänden auch den notwendigen Rückhalt besitzt und durch seine bisherige Pressearbeit auch gute Kontakte in die Branche hat, ist auf jeden Fall eine Bereicherung für den Vorstand. Auch hier besteht die Hoffnung, dass der Vorstand aus seiner bisherigen Lethargie gerissen werden kann. Kommen wir zu
Wolfgang Dudda. Ich kann nicht sagen, wie bekannt oreoblue im Bundesverband war, bevor seine Kandidatur bekannt wurde. Ich hatte seinen Namen bereits länger auf dem Schirm. Das Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (hoffentlich habe ich jetzt die richtige genannt) ist auch einer derjenigen, die man als Hoffnungsträger für Aktivität im BuVo ansehen kann. Wolfgang engagiert sich bereits heftig gegen Rechtsextremismus, was ihn mir sehr sympathisch macht. Er sagt zwar, er würde dieses Thema nicht in den Vorstand tragen, allerdingsmache ich mir wenig Sorgen, dass die Piraten nach rechts abdriften oder von dort unterwandert werden können, mit solchen Vorstandsmitgliedern.
Über Bernd Schlömer, den neuen alten Schatzmeister, muss man wohl an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren. Der Einzige, der auf der Bühne in Bingen wohl einen noch höheren Zustimmungswert erhalten hätte können, war sein Hund. Bernd liefert großartige Arbeit ab und wird das wohl auch künftig von Berlin aus weiterführen. Mach weiter so Bernd.
An dieser Stelle muss ich wohl noch auf die Frage eingehen, warum sind das alles “weiße Männer” wie es über Twitter zwischendurch tönte. Dabei hat sich doch auch eine Frau als stellvertretende Vorsitzende zur Wahl gestellt die jedoch nicht gewählt wurde. Wir haben also eine Frau nicht in den Vorstand gewählt. Ich glaube nicht, dass das jetzt eine Frauenfeindlichkeit in der Piratenpartei wiederspiegelt. Nun muss man dazu die Vorgeschichte der Leena Simon im Bezug auf ihre Piratinnen-Initiative betrachten.Ich hab diesen Punkt bereits in meinem Beitrag “Der Stadtpirat und der Genderhaken” beschrieben. Ich will hier auch nicht allzu detailliert auf die Genderproblematik eingehen. Fakt ist, der Umgang auf dem Parteitag mit Leena war alles andere als professionell. Zu viele Männer stellten zu viele Fragen, trafen zu viele teilweise dumme Aussagen und machten alles in allem eher den Eindruck, einen Lynchmob zu bilden. So geht es nicht. Irgendwann kamen wir wieder an den üblichen Punkt, an dem bereits alles gesagt wurde, aber noch nicht durch jeden. NERV!
Was aber noch wirklich positiv anzumerken sei, ist der Antrag aus Reihen der Berliner, der sich um die Einführung von Liquid Feedback auf Bundesebene dreht. Mit 80 % Mehrheit beschlossen. Endlich auch im Bund ein Zeichen für direktere Demokratie. Wir Piraten haben doch bereits eine politische Vision. Jetzt müssen wir nur noch lernen, sie so zu verpacken, dass andere sie auch verstehen.
Also: Klarmachen zum Ändern!
Piratenparteitagsbingo
Eine ernsthafte Analyse des BPT 2010, wenn ich mich davon erholt habe.
| Stimmzettel | Schttt | Petition | Piratin | Gruppenfoto | GO-Antrag |
| unpiratig | WLAN | handlungsunfähig | transparent | Liquid | Rednerliste |
| Vorstandsarbeit | Grüne-Klon | Altparteien | Wiki | Fail | Junge Piraten |
| Mitbestimmung | Gender | Spende | Aufgabenbereich | Basisdemokratie | Grußworte |
| Redezeit | Stefan König | Delegierte | Die Basis | Kontostand | Tätigkeitsbericht |
| Piratenpad | Korruption | Schiedsgericht | Versammlungsleiter | Piratenparty | Minderheitenschutz |
Das „Gläserne Mobil“ zu Gast in Hagen
Am Freitag den 30.April 2010 gastierte das gläserne Mobil in Hagen. Zusammen mit dem Infotisch war dies ein piratiges Bild auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Hagen. Die Bürger konnten sich wie immer informieren lassen und sich aus dem gläsernen Mobil gleichzeitig ein Bild davon machen wie es ist wenn man keine Privatsphäre mehr hat, denn wie der Name schon sagt ist das gläserne Mobil zum größten Teil aus Glas, d.h. eine Seite ist komplett aus Glas und auch eine Stirnseite ist aus Glas so das man wirklich nichts ungesehen machen kann.
Unterstützung hatten wir auch durch Listenkandidaten Nico Kern und Steffi Nenz aus Wuppertal bekommen und Nico Kern war direkt von Anfang sehr offensiv und verteilte offensiv den Piraten Imageflyer und das Wahlprogramm in Kurzfassung. Aber auch andere Piraten und Piratinnen waren fleißig am verteilen und am informieren darunter auch unser Direktkandidat Dirk Schatz (Wahlkreis 103) der auch auch als Listenkandidat Platz 3 fungiert.
Es war eine gelungene Aktion das viele Menschen anlockte sogar einige Neugierige der „Grünen“ kamen, schauten und staunten!
JAH bless
Whitey Mitch
Piratencafe #rp10 #1
Bastian spricht am Rande der re:publica mit der Berliner Piratin Kathi über ihren Antrag zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft an den Bundesparteitag und das Urheberrecht im Allgemeinen. Vielleicht gibt es auch noch einen zweiten Podcast aus Berlin.
Details nach dem Klick.
Inhalt:
re-publica
Kathi
Der Antrag
Parteiprogramm
50er § deutsches Urheberrecht
Copyright Clause der USA
Aktionsbündnis: Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Rainer Kuhlen
Falls euch noch Links fehlen meldet euch doch bitte einfach in den Kommentaren.
Sofort Anhören:
Datenschutzbeauftrager verlinkt Auskunftersuche

Von Künstlerin Anna Hoff verabreitets ehemaliges Plakat der Piratenpartei im Rahmen der Aktion "Ein Stück Freiheit".
Der Bundesdatenschutzbeauftragte verlinkt auf seiner Webseite in einer Pressemitteilung die Formulare, mit denen man eine Auskunft über die personenbezogenen Daten, die über einen gespeichert sind, beim den wichtigsten Wirtschaftsauskunftsdateien in Deutschland anfragen kann. Prominenteste dieser Dateien dürfte Wohl die der SCHUFA sein.
Seit dem 1. April ist dies einmal im Jahr kostenlos für den Verbraucher möglich. tagesschau.de schreibt dazu:
“Verbraucher können demnach ab dem 1. April einmal im Jahr für sie kostenfrei Einblick in die über sie gespeicherten Daten verlangen. Ermöglicht wird dies durch eine Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes, das im Frühjahr 2009 von Bundestag und Bundesrat beschlossen worden war. Die Regelung gilt für alle Auskunfteien.”
Zimmer für BTP 2010.1 in Bingen zu vergeben
Eine liebe Piratin hat ein Doppelzimmer für den kommenden Bundesparteitag 2010.1 in Bingen zu vergeben. Das ist die Chance für alle die, die noch keine Unterkunft haben. Wer Interesse hat, melde sich bitte kurz via Kommentar in meinem Blog oder sende eine Nachricht per Twitter Mention an @Neejle
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Urlaub
So damit niemand denkt, dass ich schon wieder ein Motivationsproblem habe. Ich bin über Ostern im Urlaub! Mal ein bisschen Abstand zu der schnellen Internetwelt gewinnen. Ich bin quasi mal für 4 Tage offline.
Ich antworte auf keine Mails, Twitternachrichten und sonstiges Zeug! Ich bin nur für eine bestimmte Person erreichbar, weil ich für sie da bin!
Ich will ein bisschen Energie tanken und mal etwas mehr Zeit mit der Familie verbringen. Es ist mein erster Urlaub seit fast 4 Jahren, also seit brav und macht keinen Unsinn! Kämpft weiter gegen Netzsperren und den ganzen Blödsinn, den sich die Politiker von sog. Experten erzählen lassen bzw. in ihren Hirnwindungen ausdenken.
Nachdem gibt es sicherlich Fotos und auch einen Augenzeugenbericht und dann kümmere ich mich mal ums Chemnitzer Piratensommerfest und IVO-Akten-Zeug (Das Foto was ihr oben seht ist von mir
) und das experimentelle Karree möchte ich auch gerne unterstützen. Also lasst mich die 4 Tage in Ruhe und ihr habt wieder eine hochmotivierte und aktive Skapiratin.
Gastbeitrag: What would a Pirate do?
What would a Pirate do?
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Piratinnen keinerlei Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, denn ich bin eine Frau, ich bin Pirat und ich halte einen geschlossenen Raum, innerhalb dessen Frauen sich gegenseitig erzählen, wie sie diskriminiert werden, für absolut überflüssig. Bedauerlicherweise hat die Dame, die diese Initiative angeschoben hat, sich der Presse bedient, um ihren Hunger nach Aufmerksamkeit zu stillen und so geistert das Thema jetzt durch die Medien, Piraten, die sich explizit gegen eine solche geschlossene Liste nur für Frauen aussprechen, werden diffamiert und ausgegrenzt - das geht so weit, dass bereits ein Pirat sein Blog vorläufig geschlossen hat, weil er aufgrund der erfolgten Verbalinjurien tatsächlich Schaden für seine Familie befürchtet. Das zeigt, dass das Ringen um die Gleichberechtigung der Geschlechter immer noch ein hochemotionales Thema ist und dass es wirklich wichtig ist, dass wir alle, ob wir nun Piraten sind oder nicht, uns damit befassen.
Fangen wir mal damit an, dass es Gleichberechtigung heißt und nicht Selbberechtigung. Den Unterschied zwischen den Begriffen "das Gleiche" und "dasselbe" begreifen sehr viele Verfechterinnen der Emanzipation seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten nicht. Es wäre aber vollkommen unsinnig, wenn man negierte, dass es Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Gerade heutzutage, wo die Bedeutung einer Partnerschaft und nachfolgend einer Familie als kleinster sozialer Einheit derart rapide abnimmt, ist es sogar sehr wichtig, diese Unterschiede zu kennen, anzuerkennen und für alle Beteiligten verträgliche Konzepte zu entwickeln.
Mehr lesen »Das Abenteuer “Piratinnen” ist vorbei
Ich habe mich ja in der neu gegründeten Piratinnen-Mailingliste eingetragen, weil ich aus erster Hand und abseits von Kommentaren Außenstehender erfahren wollte, was nun eigentlich los ist. Ich gebe freimütig zu, dass das Problem, sich als Frau in der Piratenpartei unterdrückt, nicht oder falsch wahrgenommen oder nicht ernst genug genommen zu werden, nie meins war oder ist, aber dass ich ein Problem nicht kenne, bedeutet ja nicht, dass es nicht da ist.
Es waren turbulente Zeiten mit Lena, den Piratinnen, den angeblichen Schutzräumen und der Liste, und für mich sind sie – Goth sei dank – vorbei. Es war schon anstrengend, diese unzähligen Wall of Texts zu lesen, diese endlosen Statements, Berichte, was weiß ich nicht alles – zu verfolgen. Ich bin nach all dem zu dem Schluss gekommen, dass die Piratenpartei vielleicht eine Genderdebatte braucht, aber nicht so, nicht auf diesem Wege und auch nicht mit diesen Argumenten. Ich habe mich wirklich bemüht, abseits der Bezeichnungsdebatte (ob man die Satzung in Piratinnen und Piraten, PiratInnen, Pirat_innen, Piratenwieundwasauchimmer ändern soll) eine allgemeine Problematik zu entdecken, die vertretungswürdig ist, und ich bin gescheitert.
Das soll nicht heißen, dass ich diese spezielle Debatte für sinnlos halte, denn wenn da ein Bedarf besteht (was offensichtlich der Fall ist), dann sind Männer nicht die geeignete Instanz, um die Bedürfnisse von Frauen zu definieren. Persönlich würde ich mir wünschen, dass Frauen, die dieses Anliegen vertreten, dies auf logische, sachliche Weise tun, und das, ohne sich lächerlich zu machen, wenn möglich. Hier wäre es interessant, herauszufinden, wie viele der weiblichen Parteimitglieder tatsächlich eine weibliche Bezeichnung wünschen – auch hier kann Liquid Feedback vielleicht gute Dienste leisten.
Natürlich gab es persönliche Berichte, die, wenn das Beschriebene so stattgefunden hat, wovon ich hier mal ausgehe, etwas beschreiben, was gar nicht geht, aber dies sind persönliche Probleme, die auch nur auf der persönlichen Ebene zu lösen sind, aber nicht durch Satzungsänderungen und ähnliches. Denn vor einzelnen Deppen und Ärschen schützt leider keine Satzungsänderung, denn die gibt es überall. Bei den Diskussionen fühlte ich mich in eine Gesellschaft versetzt, der ich nicht angehören möchte, da sie mir zu gestrig ist und nicht meiner Lebenswelt entspricht.
Nie war man – was das Geschlecht angeht – so flexibel wie heute. War in früheren Zeiten – bis weit ins 20. Jahrhundert hinein – das Geschlecht neben den biologischen Gegebenheiten vor allem durch von der Gesellschaft erwarteten Verhaltensweisen geprägt, die unmittelbar auf die weiblichen Lebensentwürfe einwirkten, so sind die Grenzen heute fließend geworden, und Frauen haben es leichter als Männer, diese veränderten Lebensentwürfe für sich zu entdecken und auszufüllen. Heute ist alles, was über die biologischen Merkmale herausragt, verhandelbar und individuell, auch abseits der sexuellen Orientierung. Bei den Piraten haben sich meiner Beobachtung nach viele Frauen eingefunden, die sich nicht durch die Gesellschaft, das Umfeld oder die Modebranche diktieren lassen wollen, wie “Weiblichkeit” auszusehen hat, sondern sie definieren sie für sich und weisen alle, die ihnen eine bestimmte Auffassung von Weiblichkeit aufzwängen wollen, zurück (übrigens wurde ich nie so sehr mit den Vorstellungen anderer, wie Weiblichkeit sich zu gestalten hätte, konfrontiert wie in sogenannten “feministischen” Kreisen). Bei den Piraten finden sie anscheinend genügend Offenheit für ihre Konzepte, zumindest entspricht das meiner Erfahrung.
Nicht nur mir stieß der PR-Coup der Initiatorin mittels einer irreführenden Pressemitteilung sauer auf, die dazu führte, dass nun alle Welt von den angeblich so frauenfeindlichen Piraten berichtet, während die wirklich wichtigen Dinge, die an den Piraten neu und aufregend sind, ihr Verständnis von Basisdemokratie und Politik von allen für alle, zu Unrecht in der Versenkung verschwinden. Zu diesem Thema gibt es einen sehr lesenswerten Artikel.
Leider übersieht die Presse, dass die Diskussionen nach dem ersten großen Aufriss eher flach dahindümpeln und eher als wort-, denn als inhaltsreich zu bezeichnen sind. Größtenteils finde ich die ganze Angelegenheit jedenfalls so flach, dass ich da nicht mal mehr lesende Teilnehmerin sein möchte. Für mich war es das jedenfalls mit diesen Piratinnen.
Gender-Diskurs und Schutzräume
Offener Brief an die Piratinnen-Mailingliste
Ahoi, neu hier!
Ich habe mich auf der Mailingliste angemeldet, nachdem ich Lenas Interview angehört hatte und zu meiner Schande feststellen musste, dass ich ein Stück weit den vielfach doch recht negativen Berichten anderer Piraten über das Anliegen der Piratinnen aufgesessen war. Aber schon da hatte ich was gelernt, beim nächsten Mal lieber gleich Primärquellen konsultieren. Das, was Lena da gesagt hat, kann ich zu 90% unterschreiben, und ich habe mich an der ein oder anderen Stelle sogar unangenehm ertappt gefühlt.
Zum Beispiel argumentiere ich in der Gender-Satzungsfrage immer, dass der entsprechende Passus nur eine Regelung für offizielle Parteidokumente darstellt und eben zur Klarstellung dort steht, dass Frauen von dem Begriff „Pirat“ explizit eingeschlossen sind, womit ich sehr gut leben kann. Gleichzeitig sei mir aber noch nie ein Pirat untergekommen, der mir auf Basis der Satzung ernsthaft versuche vorzuschreiben, dass ich mich nicht als Piratin bezeichnen dürfe, was ich schon länger zu tun pflege. So weit, so gut. Das Problem ist, beim Hören des Interviews und den Ausführungen zum Schutzraum ist mir aufgefallen, dass ich in dieser Argumentation gelogen habe. Mir sind schon mehrfach Piraten untergekommen, die mich ernsthaft dafür angegangen sind, dass ich mich Piratin nenne, und sich auf die Satzung berufen haben. Witzigerweise wurde ich von wiederum anderen Personen schon angegangen, weil ich mich als Pirat bezeichnete. Als Frau kann man es in dieser Frage augenscheinlich nicht allein recht machen. Nun waren diejenigen, von denen solche Äußerungen kamen, natürlich einzelne Spinner und bei weitem nicht die Mehrheit. Die meisten Piraten meinen es mit der Gleichberechtigung durchaus ernst und lassen sich auch auf Diskussionen darüber ein.
Das viel interessantere für mich ist, dass ich im Brustton der Überzeugung gesagt habe, so eine Form der Diskriminierung sei mir bei den Piraten NIE NIE untergekommen, obwohl das einige Male eben doch passiert ist. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich da die Unwahrheit erzählte. Um ja nicht vor all den emanzipierten Männern als die Rückschrittliche dazustehen, die alte Geschlechterkämpfe wieder aufnehmen will – so interpretiere ich mein Verhalten jetzt im Nachhinein – habe ich also selbst so getan, als gäbe es kein Problem. „Es besteht Diskussionsbedarf, seit jemand postuliert hat, es gäbe keinen Diskussionsbedarf“, hat ein mir lieber Pirat den Sachverhalt beschrieben. Als er das sagte, pflichtete ich ihm sogar bei, habe es bloß noch nicht auf mich bezogen. Ich habe mich zwar nicht explizit gegen diese Mailingliste ausgesprochen, wäre aber auch nie auf die Idee gekommen, dass ich möglicherweise zu den Frauen gehören könnte, für die sie eingerichtet wurde. Zu denen, die am lautesten demonstrieren wollen, dass sie keinen „Schutzraum“ brauchen und sich damit mal eben selbst widerlegen. O.o
Wie dem auch sei, ziemlich viel Selbsterkenntnis für einen Montag Abend, aber ich hatte noch nicht genug und habe mich gleich mal in die Debatte gestürzt. In diversen IRC-Channels habe ich an dem Abend sehr produktive Gespräche über die Genderfrage mit Piraten geführt, die diese sonst immer sehr schnell und genervt abgetan haben. Dadurch, dass ich ihnen meine kleine Geschichte erzählt habe, haben sie sich aber viel bereitwilliger auf die Diskussion eingelassen, weil sie sich ausnahmsweise nicht auf die Anklagebank gerückt fühlten. Wir kamen an dem Abend zu so erfreulichen Ergebnissen wie dass die Bezeichnung „Pirat“ für alle Parteimitglieder genauso legitim ist wie die Bezeichnung „Feminismus“ für die Gleichberechtigungsbewegung. Und das waren teilweise Männer, denen zwei Tage zuvor bei dem Wort „Feminismus“ noch die Haare zu Berge standen, weil sie dachten, man wolle sie übervorteilen.
Ich denke, wir müssen viel mehr betonen, dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht an feste Rollenverteilungen gebunden ist. Männer diskriminieren gegen Frauen, Frauen gegen Männer, aber sehr oft auch Männer gegen Männer oder eben Frauen gegen Frauen. Ich denke, dass viele Männer bei den Piraten sich der Genderdebatte nur deshalb verweigern, weil sie das Gefühl haben, dass der Bedarf an einer geschlossenen Frauenmailingliste bedeutet, sie als Männer hätten etwas falsch gemacht. Viele, die von Post-Feminismus reden, tun das nicht, weil sie ernsthaft glauben, es gäbe nirgendwo in unserer Gesellschaft Diskriminierung, sondern weil sie denken, die Anerkennung eines Handlungsbedarfs sei gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis.
Diese Piraten haben sich wirklich oft selbst nichts groß vorzuwerfen und teilen unser Ziel einer echten Gleichberechtigung. Nur weil das Bild des unterdrückenden Mannes und der unterdrückten Frau (auch ein überholtes Klischee) noch so tief in ihren Köpfen verankert, merken sie nicht, dass die fortbestehende Diskriminierung in unserer Gesellschaft allen Geschlechtern schadet – vor allem all jenen, die es wagen, aus der klassischen Rollenverteilung auszubrechen. Ich habe mich nun also dieser Mailingliste angeschlossen, in der Hoffnung, hier nicht das befürchtete Männergebashe zu lesen, genauso wie mir in den Chats mit Piraten in den letzten Tagen nicht die erwartete Ablehnung der Genderdiskussion widerfahren ist. Ich war zwar von der Ankündigung der Piratinnen in Form der PM nicht begeistert, aber so lange hier ein konstruktiver Dialog stattfindet, bin ich dabei. Ich werde mir vielleicht trotzdem die Frechheit herausnehmen, diesen Beitrag noch irgendwo anders zu posten, Eure Antworten aber selbstverständlich nicht.
Piratige Grüße,
Julia
Zum Genderthema in der Piratenpartei
Der überhaupt erste Gastbeitrag auf meinem Blog ist von Lena Rohrbach (Wiki und Twitter: Arte Povera), die hier ihre persönliche Meinung als engagiertes Mitglied der Berliner Piraten deutlich tiefgründiger, fundierter und auch sachlicher äußert, als der überwiegende Teil weiblicher und männlicher Diskutanten hierzu bisher in der Lage war. Ich freue mich daher, den folgenden Artikel hier veröffentlichen zu dürfen. - Pavel
Disclaimer:
1. Dies ist keine offizielle Aussage der Piratenpartei Berlin, ich schreibe dies als Privatpirat und nicht als Pressesprecherin.
2. In der Piratinnendebatte wird der Initiatorin viel in dem Mund gelegt, das sie nie vertreten hat. Wenn ich im Folgenden zum Beispiel Quoten diskutiere, heißt das nicht, dass sie diese vertreten hat (hat sie nicht).
3. Ich finde die ständigen Anführungszeichen auch nervig zu lesen, aber im Kontext unvermeidlich.
4. Aus aktuellem Anlass: Ich bin nicht die Gründerin der Piratinnen, wir tragen bloß den gleichen Vornamen. (Das sollte man hoffentlich auch an der im Text vertretenen Position erkennen ;) ).
Edit: Medikamentenwerbung aus den Kommentaren entfernt, bitte unterlassen. Danke. :)
Wo steht die Debatte?
Die Debatte um die Gründung der „Piratinnen“ scheint mir daran zu kranken, dass notorisch unklar bleibt, worüber diskutiert wird. Einig sind sich wohl alle Protagonisten darin, dass – ob nun in- oder außerhalb der Piratenpartei – kein Mensch wegen seines Geschlechtes diskriminiert werden sollte. Gestritten wird erstens darüber, ob dies in der Piratenpartei geschieht, zweitens darüber, wie und ob sich die Piraten zu Genderfragen positionieren sollten.
Die erste Frage werde ich nicht behandeln. Leider ist Diskriminierung immer und überall möglich, auch in der Piratenpartei. Wir sollten uns daher ein wachsames Auge bewahren. Ich selbst habe die Bewegung als allen Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und Beziehungsformen gegenüber überdurchschnittlich offenen Raum erlebt, keinesfalls sollten aber aufgrund eigener positiver Erfahrungen andere Stimmen überhört werden.
Interessant scheint mir vielmehr die zweite Frage: Sollten sich die Piraten zu Genderfragen positionieren und wenn ja, wie? Tun sie dies vielleicht bereits und wenn ja, tun sie dies in der rückschrittlichen oder unangebracht sorglosen Weise, die ihnen stellenweise vorgeworfen wird?
Gestritten wird darüber, dass die Piratenpartei sich als „Post-Gender“ verstehe, der Meinung sei, „über sowas hinweg zu sein“, dass „dies bei uns keine Rolle spielt“ oder „wir keine derartigen Probleme haben“. Einige Debattierende begrüßen dies, andere kritisieren es. Leider ist unklar, was „Post-Gender“ bedeuten soll, worüber wir „hinweg sind“, was „keine Rolle spielt“ und welche Probleme wir „nicht haben“. Wir können daher derzeit nur aneinander vorbei reden. Die auf allen Seiten hochkochenden Emotionen erleichtern die Diskussion ebenfalls nicht.
Wo steht die Piratenpartei?
Mein Berliner LV-Kollege Burks wirft Gegnern der Piratinneninitiative vor, auf dem Stand der 60er verharren zu wollen. Seitens der Grünen, die eine gegenderte Sprache und Quoten kennen, wird gerne angenommen, man sei den Piraten in Geschlechterfragen voraus. Ich möchte im Folgenden die These vertreten:
Intuitiv hält die Piratenpartei den progessivsten Standpunkt der sichtbaren deutschen Parteienlandschaft. Sie ist nicht in den 60ern stecken geblieben, sondern in der Postmoderne angekommen: Im geschlechterpolitischen Dekonstruktivismus. Und dort ist sie genau richtig.
Das Beharren auf der geschlechtsneutralen Bezeichnung „Pirat“ wird manchmal – ebenso wie die Weigerung, sich für die Anzahl der „Frauen“ in der Partei zu interessieren (d.h. diese auch nur zu zählen), über Quoten nachzudenken oder Räume (z.B. Mailinglisten) für nur ein Geschlecht zu öffnen – als Desinteresse an der Position sexueller Minderheiten und als mangelnde Sensibilität gegenüber geschlechterpolitischen Fragen gedeutet. Ich befürchte, dass dies in Einzelfällen sogar zutrifft. Für die große Mehrheit der Piraten scheint mir jedoch vielmehr zu gelten, dass sie die überwältigende Bedeutung des Zweigeschlechtersystems als Einordnungsmechanismus ablehnen (manche auch gleich das System als solches). Kurz gesagt: Wir interessieren uns (scheinbar) nicht für „Frauen“, weil wir uns für die Individuen interessieren, die historisch und gegenwärtig durch die Kategorie „Frauen“ vereinnahmt wurden und werden.
Persönlich erscheint mir die Dekonstruktion von sowohl sozialem als auch körperlichem Geschlecht als Kategorie (gender und sex) als das langfristig richtige Ziel. Dies scheint mir erstens strategisch sinnvoll: Man radiert die Kategorie aus, die jeder Sexismus notwendig für sein Funktionieren braucht und deren Nutzen, sofern sie überhaupt einen hat, demgegenüber äußerst beschränkt ist. Zweitens erspart man sich die ontologische Debatte, ob es so etwas wie „Männer“- und „Frauen“körper und -eigenschaften überhaupt "gibt" und wenn ja, in welchem Sinne. Eine radikal dekonstruktivistische Position bekäme zwar auch unter Piraten vermutlich keine Mehrheit. Eine klare Mehrheit scheint es mir aber für die Positon zu geben, dass die Deutungshoheit des Geschlechts über das Individuum zurückgedrängt werden muss. Dass Menschen als Menschen für sich stehen können und nicht zuerst „Frauen“ oder „Männer“ sind. Dass das gesellschaftliche Ziel, mit Gayle Rubin gesagt, lauten sollte: “(To create a) genderless society, in which one’s sexual anatomy is irrelevant to who one is, what one does, and with whom one makes love” (Rubin 1975, 204). Vermutlich ist die Begeisterung, die der geschlechtsneutralen Bezeichnung „Pirat“ in der Bewegung entgegentritt, vorrangig auf die hohe Bedeutung zurückzuführen, die Piraten der Selbstbestimmung des Individuums zumessen. Vielleicht ist sie auch dem hohen Anteil an Schwulen innerhalb der Piratenpartei zu verdanken. Innerhalb der schwullesbischen Szene und der Queer-Theory ist die Kritik an Identitätspolitik fest verankert und werden Theorien wie die Judith Butlers breiter rezipiert als im „klassischen“ Feminismus der Emma-Generation (deren historische Verdienste ich keineswegs kleinreden möchte).
Was man der Piratenpartei zum Vorwurf macht, scheint mir also auf einem Missverständnis zu beruhren: Der Unwille, „Frauen“ sprachlich zu repräsentieren, liegt in dem Unwillen begründet, Geschlecht überhaupt sprachlich zu repräsentieren. Wenn in der Debatte auftaucht, wir seien „Post-Gender“ oder „über so etwas hinweg“ ist also nicht gemeint, dass wir uns nicht um geschlechterpolitische Fragen kümmerten. Stattdessen ist gemeint, dass Geschlecht kein wichtiger Einordnungsmechanismus für Piraten ist.
Das Dilemma
Hier liegt nun eine mögliche Falle. Denn gesamtgesellschaftlich sind wir weit entfernt von der Bedeutungslosigkeit des Geschlechts für die Einordnung des Individuums. Da de facto auf der Basis von "Mann" und "Frau" sozialisiert und diskriminiert wird, scheint man sich also auch ein politisches Werkzeug aus der Hand nehmen zu lassen, wenn man sich den Begriffen stets verweigert. Wer eine Gruppe von Menschen nie als Gruppe von „Frauen“ sieht, übersieht vielleicht, dass andere dies tun und sie auf dieser Basis diskriminieren. Er hat es zudem schwer, an den herrschenden Diskurs anzuknüpfen. Politischer Wandel muss jedoch beim Ist-Zustand ansetzen, um ihn verändern zu können und nicht bloß einen weitgehend wirkungslosen Paralleldiskus zu etablieren. (Tatsächlich scheint es mir sogar von der historischen Situation abhängig, ob etwa. „Frauen“quoten innerhalb einer Partei eine gute Idee sind. Sie mögen dies zur Anfangszeit der Grünen noch gewesen sein, sind dies meines Erachtens aber nicht für die Piraten.)
Wir befinden wir uns also in einem Dilemma: Auf der einen Seite wollen wir statt des Geschlechts bloß das Individuum sehen. Auf der anderen Seite leben wir in einer Gesellschaft, in der Menschen in „Frauen“ und „Männer“ einsortiert und auf dieser Basis unterschiedlich sozialisiert und sogar diskriminiert werden. Eine politische Partei muss sich dieser Realität stellen und einen Umgang damit finden. Sie muss die Probleme begrifflich fassen können und Instrumente entwickeln, sich ihrer anzunehmen. Viele herkömmliche Weisen, dies zu tun, beteiligen sich jedoch gerade an der Konstruktion von Geschlecht als determinierendem Einordnungsmechanismus. Diese Erkenntnis ist Basis der Kritik an sog. Identitätspolitik.
Die postmoderne Kritik an Identitätspolitik
Wer eine „Frauen“beauftragte fordert, einen (analogen oder digitalen) Raum nur für „Frauen“ eröffnet oder eine „Frauen“quote einführt, der betreibt sog. Identitätspolitik. (Möglich ist auch, dass er eine besonders ausgefeilte Politik der Anknüpfung an den herrschenden Diskus über Geschlecht betreibt, die rein strategisch motiviert ist, was aber wohl seltenst vorkommt.) Identitätspolitik geht davon aus, dass es beispielsweise „Frauen“ „gibt“. Diese teilen bestimmte Eigenschaften, die sie zu „Frauen“ machen und können besser durch andere „Frauen“ als durch „Männer“ vertreten werden. Die Kritik an Identitätspolitik kam im Fahrwasser der Postmoderne, des Dekonstruktivismus und Poststrukturalismus. Die Vorwürfe sind vielfältig und beinhalten unter anderem Kritik an…
- … dem der Identitätspolitik zugrundeliegenen Geschlechterrealismus (in der Literatur oft -essentialismus), der eine oder oder mehrere geteilte Eigenschaft(en) als konstitutiv für die Zugehörigkeit zur Gruppe der „Frauen“ betrachtet: Es gebe jedoch kein Kriterium, das tatsächlich alle teilten.
- … den Ausschlussmechanismen, die durch Kategorisierung auftreten: Wer obengenanntes Kriterium nicht teile, gehöre nicht dazu und werde politisch nicht vertreten.
- … der Annahme, das konstituierende Kriterium könne losgelöst von anderen Kritereien, betrachtet werden (zum Beispiel Geschlecht von Hautfarbe oder Klasse).
- … der Vereinheitlichung von Individuen unter einem gemeinsamen Merkmal.
- … der (Re-)konstruktion von Kategorien durch ihre Verwendung
- … der Verschleierung der Konstruiertheit von Kategorien durch ihre Verwendung.
Die Kritik an der Kritik an Identitätspolitik
Theoretikerinnen wie Iris Young, Natalie Stoljar und Linda Alcoff halten dekonstruktivistische Geschlechterpolitik hingegen für problematisch. Kurz gesagt kritisieren sie, dass wir, hätten wir nur noch Individuen und nicht mehr „Frauen“, nicht mehr politisch für sie arbeiten könnten. Um gegen Unterdrückung von „Frauen“ zu kämpfen, müssten wir sie als Gruppe verstehen. Young schreibt: “This individualist ideology, however, in fact obscures opression. Without conceptualizing women as a group in some sense, it is not possible to conceptualize oppression as a systematic, structured, institutional process” (Young 1997, 17). „Unless the category of women is unified“, fasst Mari Mikkola Stoljars Position zusammen, „feminist action on behalf of women cannot be justified“ (Mikkola 2008). Und Alcoff attestiert dem postmodernen Feminismus gar eine Identitätskrise (Alcoff 1988).
Die Kritik an der Kritik an der Kritik (gleich habt ihr´s geschafft!) an Identitätspolitik
Meines Erachtens ist es jedoch problemlos möglich, Diskriminierung zu erkennen und ihr zu begegnen, auch wenn Werkzeuge wie spezifische „Frauen“beauftragte, geschlossene „Frauen“räume, Quoten oder auch nur ein Binnen-I nicht zur Verfügung stehen, da man das normative Zweigeschlechtersystem nicht stets neu mit Bedeutung aufladen möchte. Wird ein Mensch aufgrund eines Merkmals, das diese Behandlung nicht rechtfertigt, negativ behandelt, so wird er diskriminiert. Werden Menschen gehäuft aufgrund eines bestimmten Merkmals diskriminiert, so handelt es sich um einen Typ von Diskriminierung. Diskriminierung kann und sollte von allen Piraten entschlossen entgegengetreten werden. Es ist gerade wünschenswert, dass die Gleichstellung der Geschlechter (Hautfarben, sexuellen Orientierungen…) dabei nicht nur von der scheinbar eigenen Gruppe vorangetrieben wird, sondern sich auch „Männer“ für „Frauen“, „Weiße“ für „Schwarze“, „Heteros“ für „Homos“ einsetzen. Einer für alle, alle für einen – Feminismus geht uns alle an! Gerechtfertigte politische Ziele können nach wie vor verfolgt und auch politisch artikuliert werden. Dass das feministische Projekt, geht es nicht mehr um die Diskriminierung von „Frauen“, sondern von Menschen, deutlich häufiger mit anderen Emanzipationsbewegungen marginalisierter Gruppen zusammenfällt, ist gerade positiv zu werten.
Zusammenfassung
Richtig verstanden besetzt die Piratenpartei mit ihrem Beharren auf terminologischer Geschlechtsneutralität also den progressivsten Standpunkt innerhalb der sichtbaren deutschen Parteienlandschaft. Erst, wenn Individuen als Individuen und nicht mehr als Repräsentanten von Gruppen (z.B. „Frauen“) behandelt werden, ist Sexismus nachhaltig der Boden entzogen und der Weg zu einem selbstbestimmten Pluralismus geebnet. Politische Werkzeuge, die auf der Einordnung von Individuen in Kategorien beruhen, stehen diesem Ziel im Wege. Sie mögen zwar in anderen historischen und geographischen Kontexten aus strategischen Gründen gerechtfertigt sein. Die Piratenpartei Deutschland ist aber kein solcher Kontext.
Das bedeutet nicht, dass Genderfragen für Piraten nicht relevant wären, sondern, dass sie diesbezüglich einen bestimmten Standpunkt vertreten: Dass die Deutungshoheit des Geschlechts über das Individuum zurückgedrängt werden muss und keine politischen Werkzeuge verwendet werden sollten, die diese Deutungshoheit stärken.
P.S., oder: Vorwegnahme eines möglichen Einwandes
Bezüglich. der Satzungsdebatte könnte man einwenden: „ „Pirat“ ist aber nunmal einfach kein geschlechtsneutraler Begriff und man kann ihn nicht per definitionem dazu machen. „Pirat“ ist männlich. Ihn zu verwenden zeugt von der historischen und gegenwärtigen Nichtsichtbarkeit der Frau.“
Die mögliche Alternative, „Piratinnen- und Piratenpartei“ bzw. „Liebe Piratinnen und Piraten“, beteiligt sich jedoch an der Konstruktion des Zweigeschlechtersystems und grenzt zudem Intersexuelle aus. Eine Gender-Gap-Schreibweise, Pirat_innenpartei, vermeidet dies zwar. Sie ist aber nur für Eingeweihte lesbar, parteipolitisch äußerst ungünstig („Was steht da auf dem Stimmzettel? Haben die sich vertippt?“) und betont Geschlecht als wichtige Kategorie – auch, wenn sie nun mehr Geschlechter kennt. Leider haben wir keine geschlechtsneutrale Sprache. Im ganz kleinen aber, im Namen unserer Partei und in unserer Selbstbezeichnung, können wir damit anfangen. (Privatpiraten können sich natürlich nennen, wie sie wollen, sollten jedoch berücksichtigen, dass auch sie Genderkonzepte mitkonstruieren und dass, je mehr Menschen sich als Piratin bezeichnen, der Begriff „Pirat“ umso weniger geschlechtsneutral wirkt.)
P.P.S., oder: Ein kleiner Aufruf zum Schluss
Nachdem ich uns nun also exzessiv für unsere very-sophisticated,-very-up-to-date-Genderposition gelobt habe, noch ein kleiner Aufruf: Die Debatte wird teilweise erschreckend tief unter der Gürtellinie geführt. Persönliche Angriffe und das Niedermachen der Piratinnen ausgerechnet mit sexistischen Tools, Sarkasmus, Maskulinismus, ad-hominem-Argumente sind unangebracht und persönlich verletzend für die Beteiligten. Auch ich kann mich (übrigens schon seit längerem) des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei diesem Thema einen besonders ausgeprägten Beißreflex gibt. Den haben wir nicht nötig (und er ist besorgniserregend), denn es gibt gute Argumente, die vorgebracht werden können.
Literatur
Zitiert:
Alcoff, Linda (1988), "Cultural Feminism v. Post-Structuralism: The Identity Crisis in Feminist Theory", Signs (Frühjahr 1988). S.405-436.
Mikkola, Mari (2008): „Feminist Perspectives on Sex and Gender“, in: Edward N. Zalta (Hg.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Fall 2008 Edition)
Young, Iris Marion (1997): Intersecting Voices: Dilemmas of Gender, Political Philosophy, and Policy
Zum Weiterlesen:
Benhabib, Seyla et. al. (1995): Feminist Contentions, Routledge.
Butler, Judith (1990): Gender Trouble, Routledge 2006.
Blagg Bearl – Stammtisch Bamberg 2
Zwei Wochen nach dem ersten Anlaufen des Freibeuterhafens haben die Bamberger Piraten mit der Blagg Bearl wieder angelegt und damit die zweite Folge des Freibeuterhafens produziert. Themen waren unter anderem Piratinnen, LMV Berlin, Liquid Feedback, 37CC und vieles mehr.
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über die Unwägbarkeiten der Genderdebatte
Schon Wiggins betonte, die Debatte sei der Übungsplatz des Geistes. Insofern kann ich die in bei den Piraten angestoßene, jetzt schon in der Öffentlichkeit geführte, Gender-Debatte begrüßen. Auch wenn mir missfällt, wie sie geführt wird, muss ich zugeben, dass wir da bisher blauäugig ran gegangen sind.
In der Diskussion haben sich m.E. drei Kernpunkte ergeben. Zum einem ist dies die Frage, wie weibliche Piraten denn nun richtig bezeichnet werden. Des weiteren hört man leise Stimmen wenn es um Quotenregelungen geht. Zum anderen die Frage, ob sich Piraten anhand bestimmter Merkmale abgrenzen und “geschlossen” austauschen dürfen (z.B. auf einer Mailingliste für Frauen).
Was die Mailinglisten angeht: das ist mir egal. Mal ein Beispiel: wenn sich nun die Weißbiertrinker-Fraktion auf einer geschlossenen Mailingliste versammelt die voraussetzt, dass man vorher beim Stammtisch mindestens ein Weißbier getrunken hat – sollen sie doch. Warum? Man kann es doch sowieso nicht verhindern. Nötigenfalls eröffnen sie halt eine Mailingliste auf yahoo (kostet nichts) oder bauen sich ihren eigenen Mailinglisten-Server. Der Vergleich hinkt zwar, aber ähnlich verhält es sich mit der Frauen-ML: wenn sie meinen, das sei nötig – bitte. Ich werde mich nicht in die Quere stellen. Allerdings darf niemand für sich Sonderrechte in einer Gemeinschaft verlangen, nur weil er/sie auf einer solchen “besonderen” Mailingliste ist.
Quotenregelung: Wenn man so etwas fordert, muss hinterfragt werden, was damit erreicht werden soll. Ist es die angemessene Beteiligung? Oder soll es dem höheren Ziel dienen, langfristig den Anteil weiblicher Piraten zu erhöhen? Sonstiges?
Wenn es um Beteiligungsrechte geht brauchen wir eine Quote, die sich anhand des tatsächlichen Frauenanteils unter den Mitgliedern berechnet. Hätten wir 30% Frauen, dann könnten wir 30% der Ämter auch mit Frauen besetzen. Selbstverständlich müssten wir dazu erst mal die Geschlechter erfassen – die momentan nicht in der Mitgliederverwaltung gespeichert werden. Dem könnte man entgegnen, dass solche Beteiligunggarantien ja auch sonst nirgends gegeben sind. Immerhin gibt es in Bayern keinen garantierten Anteil für die Franken oder Bayern im LV-Vorstand. Genauso wenig für Christen oder Muslime, Auto- oder Zugfahrer, Tee- oder Kaffeetrinker. Wo ziehen wir da die Grenze? Ich glaube, das reine Argument der Beteiligunggarantie ist daher ungeeignet.
Geht es aber um das Ziel, den Frauenanteil zu erhöhen brauchen wir ganz andere Werkzeuge. Dann wäre eine Soll-Quote von 50% sicher eine Idee, aber nur wenn wir uns gleichzeitig auf die Gewinnung von neuen, weiblichen Mitgliedern konzentrieren. Denn eigentlich ist es ungerecht, 50% Quote zu haben und damit die Beteiligung einer Minderheit künstlich zu erhöhen. Eigentlich – man kann diese aber auch zur Zielerfüllung akzeptieren. Die Frage stellt sich dann aber, ob das Ziel durch dieses Mittel in einer absehbaren Zeit überhaupt erreicht werden kann.
Wie bezeichnet man denn nun weibliche Piraten? Zwar steht in unserer Bundessatzung, dass unsere Mitglieder geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet werden. Doch sehe ich diese Regelung gültig für die Satzung, offizielle Anschreiben, Pressemitteilungen usw. Das soll, so mein Verständnis, das Leben nur einfacher machen und dieses “Piraten/innen” in Texten vermeiden. Im täglichen Gebrauch hat sie keine Relevanz, allen steht es frei sich Piratin zu nennen, sich so ansprechen zu lassen – oder es eben bleiben zu lassen.
Insgesamt fehlen mir in der Debatte die Stimmen derer, die es betrifft. Viele Diskutieren auch nicht auf einer Ebene, bei der eine sachliche Auseinandersetzung möglich wäre. Ich persönlich verschließe mich keiner Regelung, aber sie muss in sich stimmig sein, von Betroffenen entwickelt und von der Mehrheit der Piratinnen
getragen werden. Einem solchen Ansinnen würde ich mich ohne Wenn und Aber anschließen.
Transkript des Interviews von Georg Jähnig mit Lena Simon zur „Genderdebatte” in der Piratenpartei
Seit etwas mehr als einer Woche tobt eine lautstarke Diskussion in der Piratenpartei. Es geht allgemein um die Situation von Frauen in der Partei, insbesondere aber um eine „Piratinnen”-Initiative von Lena Simon, die mit Pressemitteilung und Frauen-only-Mailingliste gestartet wurde.
Lena hat am Freitag ein halbstündiges Interview mit Georg Jähnig gemacht, das Georg als Audiodatei in seinem Blog veröffentlicht hat. Als Beitrag zur Debatte veröffentliche ich hier jetzt zunächst mal ein komplettes Transkript dieses Interviews. Ich finde es immer wichtig, sich mit den Urhebern einer Idee zu beschäftigen, bevor man in wildes Debattieren ausbricht. Und auf diese Weise werden die aktuellen Äußerungen von Lena auch für solche Leser verfügbar, die — wie ich — lieber geschriebenem als gesprochenem Text folgen.
Das Transkript ist vollständig und unkommentiert. An einigen Stellen war der Wortlaut nicht exakt zu verstehen, diese sind gekennzeichnet. Ich habe einige Schlenker oder grammatikalische Ungenauigkeiten der wörtlichen Rede im Transkript in sinnerhaltender Weise geglättet. Und ich hoffe, ich habe Georg an allen Stellen korrekt von Jörg Bühmann unterschieden, der bei dem Interview ebenfalls dabei war.
Da mein Wordpress mit dem WP-Typography-Plugin das Zitieren teilweise etwas schwierig macht, gibt es das Transkript auch als einfache Textdatei zum Download. Ansonsten: Here we go:
—
Georg Jähnig interviewt Lena Simon und Jörg Bühmann zur aktuell angestoßenen Genderdebatte
http://georgjaehnig.wordpress.com/2010/03/06/piratinnen-interview-mit-lena/
Transkript von Dirk Hillbrecht, CC-BY-SA 3.0
0’00
Georg Jähnig: So, es ist jetzt Freitag, der 5. März, damit sieben Tage nachdem Lena eine Pressemittelung herausgebracht hat, mit der sie die Piratinnen angekündigt hat. Eine Initiative innerhalb der Piratenpartei unter dem Schlagwort „Klarmachen zum Gendern”. Teil der Initiative ist eine Mailingliste, die nur Frauen vorbehalten ist. Lena sitzt jetzt neben mir. Erstmal hallo Lena.
Lena Simon: Ja, hallo.
Georg: Woher kennt man dich in der Piratenpartei vielleicht schon?
Lena: Naja, ich habe schon an einigen Stellen aktiv, hab sehr umfangreich in Brandenburg zum Beispiel noch Unterschriften gesammelt und hab bei dem Musikvideo mitgemacht.
Georg: Die Pressemitteilung hat große Wellen geschlagen und die Diskussion die dann drumrum lief, hat auch Jörg verfolgt. Jörg sitzt auch neben mir, ist Student aus Berlin und ist nicht Pirat, oder?
Jörg Bühmann: Nein, ich bin kein Pirat. Ich bin zwar schon von Anfang an Sympathisant der Piraten und hab die auch schon sehr lang verfolgt, also die Gründung und die ganzen Startschwierigkeiten. Auch Netzpolitik ist allgemein etwas, was mich sehr interessiert. Politik auch sonst ist für mich immer schon eine relevante Geschichte gewesen. Deswegen finde ich das, was jetzt hier die letzten Tage losgebrochen ist bei den Piraten durch diese eine Pressemitteilung, äußerst spannend.
Georg: Genau und darüber unterhalten wir uns jetzt. Ich stelle mich auch kurz vor: Ich bin Georg, bin Pirat seit einem halben Jahr, und ich habe auch die Diskussion verfolgt. — Lena, warum hast du diese Initiative gegründet?
1’24
Lena: Ja, da kommen wir gleich zum Hauptthema. Zur Hauptfrage. Die Frage wie stehen Frauen in der Gesellschaft, was haben sie für eine Position ist eine, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Und als ich in die Netzpolitik kam, vorrangig zur freien Softwareentwicklung, ist mir eine Sache sehr stark aufgefallen. Und zwar, dass diese ganze Entwicklung mit Internet, Computer, Digitalisierung, dass wir da ein unglaublich großes Machtwerkzeug haben. Ein Machtwerkzeug, mit dem wir jetzt uns noch gar nicht vorstellen können, was da alles noch möglich sein wird. Das ist ja auch eine der Aussagen der Piratenpartei, dass wir da jetzt aufpassen müssen, in welcher Art und Weise wir dieses Machtwerkzeug gestalten.
2’21
Und ich habe festgestellt, ich habe gemerkt, irgendwie, die meisten Freundinnen, die meisten Frauen, die ich kenne, interessieren sich gar nicht dafür. Die interessieren sich nicht für Computer, die nutzen das zwar, aber die kennen sich nicht wirklich damit aus und wollen das auch gar nicht. Eines meiner Probleme war immer die Überlegung: „Mensch, die gesamte Emanzipation war, ja, fast für die Katz’, wenn wir Frauen jetzt einfach freiwillig darauf verzichten, an diesem Machtwerkzeug teilzuhaben und daran zu partizipieren.” Und so in der Zeit, je mehr ich das festgestellt habe, was es da für Schwierigkeiten gibt, umso mehr wurde das irgendwie zu einem meiner Themen. Ich habe das auch schon häufiger versucht, auch in der Piratenpartei zu thematisieren. Und hatte immer ziemliche Schwierigkeiten damit.
Georg: Kurz gefragt: Du hattest Schwierigkeiten damit, zu thematisieren, dass Frauen sich eben nicht dafür interessieren oder zumindest nicht so präsent sind in der… Oder erklär’ das vielleicht genau selbst.
3’28
Lena: Nein. Wenn ich es thematisiert habe, dann wurde eigentlich sehr offen begegnet: „Ja, natürlich, wir wollen gerne mehr Frauen gewinnen. Ist ja auch für eine Partei ziemlich wichtig. Frauen sind ja schließlich die Hälfte der Wahlbevölkerung.” Da wurde sehr sehr positiv drauf begegnet. Nur wenn ich dann mit solchen Fragen der Gleichberechtigung und so weiter kam, wurde ich relativ schnell abgebügelt im Sinne von, also, mit dem Kommentar: „Wir sind Postfeminisus. Bei uns sind alle gleich. Wir machen keinen Unterschied. Und deshalb wollen wir da auch gar nicht drüber reden.”
Georg: Aber ist es nicht genau das Ziel, quasi keinen Unterschied zu machen?
4’06
Lena: Es gibt einen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung. Den halte ich für sehr wichtig. Und natürlich ist es ein sehr, sehr löbliches Ziel zu sagen: „Natürlich, wir wollen einfach gar keinen Unterschied machen.” Nur solange wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben, hilft das auch nicht zu sagen: „Es ist so”, und dann ist es auch so. Also, allein zu behaupten, dass es so wäre, führt uns noch nicht dahin, dass es so ist. Dazu ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass es eben noch nicht so ist, weil wenn man denkt, es gibt kein Problem, mit dem umgegangen werden muss, dann geht man auch nicht damit um, dann geht man auch nicht darauf ein und dann hat man überhaupt kein Bewusstsein für das Thema. Und das halte ich für so gefährlich an der Aussage, wir seien Postfeminismus. Ich wage zu behaupten, dass das einfach nicht der Fall ist.
5’05
Georg: Du hast ja in der Pressemittelung geschrieben, du willst einen Schutzraum bieten, den Frauen… aber ein Schutz wovor. Hast du vielleicht schon selbst Situationen erlebt, in denen du einen Schutzraum gehabt hättest und der dir gefehlt hat in der Piratenpartei?
5’16
Lena: Darf ich noch ganz kurz zur Pressemittelung was sagen. Es gibt nämlich hier eine große Kritik, dass ich eigenständig Sachen gemacht habe, dass Frauen sagen: Für mich spricht die gar nicht. Sie tut aber so, als würde sie das. Deswegen ist es mir ganz wichtig, noch einen fetten Disclaimer hier an der Stelle erstmal zu positionieren. Ich spreche nicht für die Piratenpartei und ich spreche nicht für alle Frauen in der Piratenpartei. Ich spreche in erster Linie für mich und wenn… Ich glaube aber, dass es auch ein paarr Frauen gibt in der Piratenpartei, die sich damit identifizieren können. Das nur nochmal, um das deutlich zu machen.
Georg: Der Schutzraum…
5’56
Lena: Genau, die Schutzräume. Ja, ich war schonmal in so einer Situation, in der ich mir gewünscht hätte, dass ich geschützt werde. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich mir gewünscht hätte, dass mir zum Beispiel nicht eine andere Frau in den Rücken fällt, in dem Moment in dem ich versuche, etwas zu thematisieren.
Georg: Kannst du das vielleicht mal beschreiben? Ein bisschen konkreter, wie das aussah, was das war?
Lena: Zu konkret möchte ich das auch gar nicht, weil es wird dann auch persönlich und die Piraten haben ja auch das Schlagwort „Piratsphäre” geprägt…
6’30
Georg: Aber das wir einfach eine Vorstellung davon kriegen, wie Frauen sich fühlen, wenn sie sich unwohl fühlen in dem Sinne, den du meinst.
Lena: Also was zum Bespiel eine große Schwierigkeit ist, ist, wenn ich versuche, etwas zu thematisieren und zu sagen: „Hier gibt es eine Schwierigkeit damit, dass wir Männer und Frauen sind. Hier gibt es ein Problem”. Und damit dann erstmal abgebügelt werde: „Das stimmt nicht.” Zweitens mal Augenrollen ernte, weil jeder ist einfach diese Diskussion leid. Kann ich auch gut verstehen (lacht). Die wurde auch einfach schon in Arten geführt, die ich auch selber absolut nicht für richtig halte. Und das Dritte ist, dass Frauen die sagen, sie haben dasselbe nicht so erlebt, dann aber nicht in dem Moment sagen: „Ach ja, das ist ja interessant. Hab’ ich so noch nicht erlebt, aber erzähl dochmal, was genau meinst du denn”, sondern dass sie besonders laut sagen: „Also, ich habe sowas noch nie erlebt und das kommt überhaupt nicht vor und das ist Quatsch, was du sagst.” Und damit entsteht eine ganz große Schwierigkeit und dieses Phänomen, dass Frauen so heftig reagieren auf dieses Thema habe ich einem reinen Frauenkreis noch nie erlebt. Diese Aussage, Frauen äußern sich anders außerhalb, also in getrennten…, also untereinander, ist überhaupt keine Kritik an den Männern, dass sie vielleicht irgendwas falsch machen, das ist einfach nur eine Feststellung eines Phänomens, das übrigens auch nicht mehr jung ist. Und dem ich gerne mit diesem Schutzraum entgehen würde. Wo ich sagen würde: „Hier können wir auf eine andere Art und Weise kommunizieren.” Das ist alles.
8’20
Jörg: Ja, Frauen haben es in männergeprägten Situationen meistens ein bisschen schwerer. Also das kennt man ja auch, wenn man jetzt so als typischer Nerd [unverständlich] auf Computerkongressen, wo es dann nur so eine Hand voll Frauen gibt oder irgendwie auf der Rollenspielconvention, da sind’s dann auch nur drei. Und das sind in solchen Situation, in denen Frauen die Minderheiten sind, kommen ja nur die Frauen überhaupt an, die es schon allgemein einigermaßen schaffen, sich durchzusetzen gegen andere. Und trotzdem sind sie in so einer Situation dann die Minderheit. Und wenn man Teil einer Gruppe ist, aber Teil einer Minderheit in einer Gruppe, ist es natürlich schwieriger, sich dann zu äußern, weil der Rückhalt in der Gruppe nicht so groß ist.
Georg: Also, das Zitat in der Pressemitteilung war ja auch, auch die leisen Stimmen unter den Frauen sollen Gehör finden. Und ich würde gern wissen: Was unterscheidet denn leise Stimmen unter den Frauen von leisen Stimmen unter den Männern?
Lena: Die einen wurden von Frauen gesprochen, die anderen von Männern. (lacht)
Georg: Sind das dann nicht die gleichen Probleme, die beide haben.
Lena: Naja, also Jörg hat ja gerade eben von den unterschiedlichen Sorten von Minderheiten gesprochen und die leisen Stimmen der Männer sind eine Minderheit der Mehrheit. Von daher gibt es da natürlich — ist es nicht komplett gleich. Aber: Klar, es braucht natürlich auch Möglichkeiten für die schüchternen oder leisen Männer, sich zu artikulieren. Und da bin ich auch schon im Gespräch mit rka [Andreas Baum], dem Landesvorsitzenden in Berlin, genau hierfür auch Strukturen zu schaffen. Das ist völlig unabhängig davon, dass wir ein Kreis, also wir Piratinnen, einen Kreis von nur Frauen gründen wollen.
Georg: Nochmal die Frage: Das Ziel ist glaube ich, gar nicht so umstritten. Die Frage ist einfach nur: Warum will man sich — wenn man schüchterne Frauen hat und auch schüchterne Männer, warum will man sich um die schüchternen Frauen trotzdem getrennt von den schüchternen Männern kümmern?
10’25
Lena: Weil das Thema nicht „Schüchternheit” ist, sondern die Problematik, als Frau in dieser Gruppe zu existieren. Und das hier einfach natürlich, hier sind Schwierigkeiten, die haben mit Schüchternheit nicht so viel zu tun, sondern es ist auch eine sehr sehr sehr lange historisch gewordene Situation, dass Frauen seit Jahrtausenden benachteiligt wurden. Und nicht ernst genommen wurden. Und wenn ich jetzt sagen möchte: „Ich fühle mich nicht ernst genommen”, in einer Gruppe, in der ich Angst habe, nicht ernst genommen zu werden — weil aus einem anderen Grund würde ich ja nicht sagen wollen, ich fühle mich nicht ernst genommen, dann habe ich eben die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Und das heißt, genau die Thematisierung dieses Themas fällt unglaublich schwer in dem Moment, wo schon die Frage im Raum steht: Ist dieses Thema relevant.
Georg: Was sind denn so Beispiele für diese Probleme mit Frauen, also die Frauen haben, meine ich, in der Piratenpartei. Was für Diskussionen gibt es denn auf der Mailingliste, wo nur Frauen zumindest dem Titel nach mitlesen und mitschreiben?
11’35
Lena: Ja, also, ich möchte natürlich jetzt nicht zu viel darüber sagen. An einigen anderen Stellen sind ja auch schon Dinge geleakt. Man kann zum Beispiel das auch in der taz schön nachlesen. Keine Ahnung wie die daran gekommen ist.
Georg: Vielleicht war das eine Frau?
Lena: Ja, das kannn gut sein, dass sie sich da einfach eingetragen hat als Frau.
Georg: Ja, das ist ja jetzt so ein bisschen die Frage: Wenn du einen Schutzraum willst, und das ist die Mailingliste, wie kontrollierst du eigentlich, dass erstmal nur Frauen da teilnehmen können und dann auch, dass die Dinge da geheim bleiben. Geht das überhaupt?
12’04
Lena: So, jetzt hast du mich auch die erste Frage noch gar nicht antworten lassen. Aber jetzt antworte ich erstmal darauf. Auf dieser Liste kann ich das nicht feststellen. Auf dieser Liste haben wir uns jetzt drauf geeinigt, zu sagen: „Ja Mensch, zumindest müssen sich alle Männer hier als Frauen ausgeben.” Und damit haben wir ja quasi etwas geschaffen, was gegenteilig ist zu der Situation, wie wir sie in der Piratenpartei haben, wo behauptet wird, dass der Begriff „Pirat” geschlechtsneutral sei, was ich ehrlich gesagt ziemlich frech finde. Das heißt, an dieser Stelle haben wir zumindest erstmal den Spieß rumgedreht (lacht) und… Sicherstellen kann ich das nicht, das habe ich auch den Frauen in der Liste deutlich gemacht und gesagt — die sind sich dadrüber jetzt auch spätestens seit der taz bewusst. Es soll noch eine zweite Mailingliste geben, die fange ich an, sobald Bedarf angekündigt wird, die so eine Art „Web of Trust” ist. Also, das funktioniert dann ähnlich wie bei den „Häcksen”. Die machen das gleiche. Die hatten übrigens einen ähnlichen Kampf am Anfang, sind heute total etabliert und anerkannt und damit hat überhaupt keiner mehr ein Problem.
Georg: Das sind die Frauen im CCC, nur als kurze Erklärung.
13’15
Lena: Genau, das sind die Frauen im CCC. Und es haben sich auch einige Häcksen zum Beispiel gemeldet, um jetzt nochmal auf den Inhalt zurückzugehen, die gesagt habe: „Ja, ich kenne die Diskussion. Halte durch, es ist alles in Ordnung. So lief das bei uns am Anfang auch.”
Andere Sachen sind das Ziel, was ich mir gesetzt hatte, mal ein offenes Ohr dafür zu haben: Gibt es denn zum Beispiel Frauen, die aus dem Grund aus der Piratenpartei schon wieder ausgetreten sind. Gibt es vielleicht Männer, die aus dem Grund aus der Piratenpartei wieder ausgetreten sind. Beides kann ich mittlerweile bejahen, denn es haben sich Leute bei mir gemeldet.
13’55
Im Moment sind so die — Thematisch beschäftigen wir uns damit, wie möchten wir uns darstellen, was ist jetzt genau eigentlich unser Selbstverständnis. Wir diskutieren den Slogan „Klarmachen zum Gendern”. Und was auch ein wichtiges Thema ist, gerade, ist: Wie gehen wir mit den Angriffen um, die uns widerfahren. Es gibt einige Frauen, die sich auch deutlich eingesetzt haben, deutlich zum Beispiel in Blogs und so weiter deutlich gemacht haben, dass sie das Thema wichtig finden. Und die werden zum Teil hart attackiert. Also, ich werde ja auch attackiert, aber damit setzen wir uns jetzt auch auseinander.
14’40
Das heißt auch, dass die Frage ist: Sind wir über dieses Thema hinweg? Wenn ich dieses Thema nicht ansprechen kann ohne befürchten zu müssen, dass ich derart heftig angegriffen werde, und zwar eben persönlich, nicht inhaltlich, persönlich — unglaublich emotionalisiert — dann kann mir keiner erzählen, dass wir über dieses Thema schon hinweg sind, denn dann müsste es ja theoretisch ganz einfach möglich sein, auch an der Stelle eine andere Meinung zu haben.
15’10
Und was dieses Thema sehr deutlich auszeichnet ist, dass sehr schnell so ein Hebel umgelegt wird. Also, ich sage irgendwas wie „Feminismus” oder „Gleichberechtigung” und mir wird unglaublich viel in den Mund gelegt. Es geht sofort die Lampe an: „Ja, das ist so eine Alice Schwarzer” und mir werden sämtliche Vorurteile, die man von Emanzen hat, in den Mund gelegt. Es gab ganz häufig den Vorwurf: „Ja, ihr wollt eine Quote einführen oder dan Binnen-‚I’.” Nichts davon — habe ich niemals gesagt, weise ich auch jetzt von mir. Das ist überhaupt nicht mein Ziel. Das wurde mir aber in den Mund gelegt und dagegen wurde argumentert. Was auf meiner Seite dann ins Leere ging, weil das hatte ich nie gesagt.
15’57
Im Gegenteil, ich habe eine sehr große Kritik an diesen übertriebenen Emanzen, wie man sie ja so schön nennt, die vielleicht tatsächlich zum Ziel haben, jetzt den Spieß einfach komplett rumzudrehen. Ich möchte den Spieß nicht komplett rumdrehen. Ich möchte Gleichberechtigung. Ich möchte wirklich, dass es gleich ist. Und Leute, also Frauen, die dann sagen: „Oh, gibst du mir bitte mal die Salzstreuerin”, denen könnte ich den Hals rumdrehen. Weil das dazu führt, das ein unglaublich wichtiges Thema nicht mehr ernst genommen wird.
16’31
Georg: Du hast ja im Tweet gesagt: „Wäre Gender schon wirklich post, dann würde anders reagiert”. Ja, wie denn? Wie würde reagiert, wenn wir wirlich schon eine Postgendergesellschaft hätten und jemand würde eine Mailingliste gründen, die nur Frauen vorbehalten ist.
16’42
Lena: Ja, so what. Also, wenn ich mir vorstelle: „Ok, es ist alles ok, es ist alles in Butter, es ist alles in Ordnung” und es kommt jemand und sagt: „Für mich ist nicht alles in Butter an der Stelle”, dann sage ich: „Oh, mein Gott, erzähl mehr. Was genau ist denn das Problem?” Ich gehe auf die Person ein. Ich gehe auf sie zu und ich fange nicht an, wie ein wildes Tier irgendwie Sachen nach der Person zu schmeißen und zu sagen: „Du hast Unrecht und das ist total falsch alles.”
17’14
Georg. Also ich glaube auch eher, das Problem ist auch eher gar nicht die Thematik, sondern die Wahl der Mittel. Nämlich das Mittel sich zu isolieren, zu trennen von den anderen. Also, was du ja eben tust mit der Mailingliste. Das ist auch so eine Frage: Die Mailingliste ist nur für Frauen offen. Was ist mit Menschen, die keine eindeutige Geschlechtszuordnung haben, also Transgender? Können die auch mit drauf?
17’33
Lena: Wenn sie auf die Frauentoilette gehen. Das ist ja so eine freie Entscheidung: Als was fühle ich mich. Ich finde, mit der Toilettenwahl ist das relativ gut wiedergegeben. Wie gesagt…
Georg: Also es können auch Männer rauf, die auf Frauentoiletten gerne gehen?
17’50
Lena: (lacht) Wenn sie da nicht rausgeworfen werden und sich da wohlfühlen und sich als Frau ausgeben… Das ist ja das Ding: Im Moment kommst du auf die Liste drauf, wenn du sagst: „Ich bin eine Frau.” Ich habe ein paar Leute abgelehnt und denen gesagt: „Es ist nicht erkennbar, ob du eine Frau bist. Gib dich bitte als Frau zu erkennen”. Dann haben die geantwortet: „Ich bin eine Frau” und dann sind sie auf die Mailingliste gekommen. Das heißt, es ist schlicht und ergreifend die Aussage: Wenn ich mich als Frau identifziere, dann komme ich auf diese Liste.
18’19
Die zweite erwähnte Liste, da müssen wir dann mal schauen, wie das funktioniert mit einem Web of Trust. Das ist ja auch schwierig, gerade weil wir ja ziemlich bundesweit verteilt sind. Da müssen wir das vielleicht dann auch über Telefon und so weiter machen. Und da müssen wir das dann im Einzelfall auch einfach mit der Gruppe entscheiden.
18’36
Jörg: Zur Abkapselung würde ich noch sagen, es ist hier nicht so, dass Gruppenbildung oder sowas wie Anonymisierung ja auch was ist, was den Piraten eigentlich ein ureigenes piratiges Thema ist. Ja? Es würde dir ja jetzt kein Pirat sagen: „Ja, wir müssen TOR abschaffen, weil da können ja Leute was miteinander kommunizieren, ohne dass jemand mitkriegt, wer das was sagt oder wer mit wem sagt oder überhaupt irgendjemand was sagt.” Und genau dieses Prinzip der absoluten Transparenz ist ein Dogma, das in der Piratenpiartei weit verbreitet ist, was aber für eine Demokratie und eine freie Kommunikation hinderlich ist. Weil dann nämlich jeder, der was sagt, nicht anonym was sagen kann, nicht nur in einem begrenzten Teil was sagen kann, sondern sofort mit seinem Namen und mit seiner Person in der Öffentlichkeit steht. Das ist ja das, was Lena jetzt passiert ist. Sie geht mit einer Position in die Öffentlichkeit, mit ihrem Namen und muss jetzt die ganzen Angriffe aushalten.
19’37
Lena: Also, bei der Frage „Wir kapseln uns ab”. Das ist einfach — natürlich, bei Politik ist die Forderung der Piraten: Es muss Transparenz geben. Es muss transparent sein, wie Entscheidungen getroffen worden sind und so weiter. Wir wollen aber überhaupt keine Entscheidungen treffen. Das Ziel der Piratinnen ist nicht, die Aufgaben der AGs zu übernehmen. Es gibt die AGs und das ist was völlig anderes. Deshalb sage ich auch immer auf die Frage: „Warum bist du denn nicht zu diesen AGs gegangen”: Das ist was anderes, das hat damit nichts zu tun.
20’12
Unsere Zielsetzung ist erstmal die Piratenpartei für Frauen attraktiver zu machen. Das ist natürlich auch die Zielsetzung der AGs. Nur wir wollen eben auch den Blick nach innen mal wagen. Wir wollen aufmerksam werden, falls es Probleme gibt, dass die nicht einfach an den Piraten vorbeigehen. Dass die nicht unbemerkt ein Problem einfach an sich vorbeiziehen lassen, weil keiner davon überhaupt was mitbekommen hat. Das heißt, es muss irgendeine Anlaufstelle geben, an die ich mich wenden kann, um überhaupt… — die zusammensammelt, wo gibt es denn jetzt überhaupt die Schwierigkeiten zum Beispiel mit der Geschlechtsfrage in der Piratenpartei.
20’55
Und dafür braucht es natürlich Vertrauenspersonen, von denen ich sicher sein kann, dass tröpfelt jetzt nicht mit meinem Namen und meiner gesamten Geschichte an die Öffentlichkeit, sondern die eine Zusammenfassung liefert: So-und-so viele Personen haben sich an mich gewendet mit in-etwa-solchen Problemen. Das heißt: Natürlich werden die Inahlte oder die Dinge, die bei uns in der Liste besprochen werden und hoffentlich auch später mit anderen Möglichkeiten als über eine Mailingliste, natürlich werden die an die Öffentlichkeit gebracht. Das ist Ziel der Liste. Nur sie werden nicht oder hoffentlich bald nicht mehr, wenn es nicht mehr so leakt, persönlich zitiert oder beim Namen genannt, sondern es geht darum, das zusammenzufassen und das zu sehen.
21’38
Und da ist es einfach auch ein weiter wichtiger Punkt das Bewusstsein in der Piratenpartei auf dieses Thema ein bisschen zu lenken. Und hier an der Stelle innerhalb der Piratenpartei auf das Bewusstsein einzuwirken, dass das hier sich ein anderes Selbstverständnis einstellt. Weil das ist was, was dringend ist um wirklich attraktiv für Frauen zu sein. Und das ist keine programmastische Arbeit, das sind keine Thesen, das sind keine Forderungen, die wir stellen würden, sondern das ist eigentlich eine selbstkritische Arbeit, eine Arbeit mit sich selbst: Probleme erkennen und zu versuchen, damit umzugehen. Und das ist einfach keine politische Arbeit und deswegen ist auch die Transparenzforderung an dieser Stelle nicht angebracht.
22’30
Georg: Also das heißt vom Prinzip hättest du auch nichts dagegen, wenn sich jetzt Männer in einer Mailingliste zusammenfinden und keine Frauen reinlassen. Das wäre in Ordnung?
Lena: Ja. [unverständlich] Solange sie privat gepostet ist, sowieso. Was bin ich da jemand, der das entscheiden kann. Und auch auf dem Piratenwiki hätte ich damit kein Problem, nein.
22’48
Jörg: Und es ist ja auch noch nicht so, als würde sonst zwischen einzelnen Piraten keine private Kommunikation, die die anderen nicht mitkriegen, nicht bestehen. Das ist ja immer der Fall, dass Menschen miteinander über E-Mail und Instant Messaging kommunizieren und es gibt natürlich auch jede Menge informeller Gruppen, die sich zum Bier treffen. Es ist ja auch nicht so als wenn beim Piratenstammtisch ständig alles auf Video aufgenommen würde. Was ja übrigens, ne, auch gerade… — Kann man ja auch sagen: Ist intransparent. Aber genau diese Art von geschützter Umwelt, von einem geschützten Raum ist was, was ständig genutzt wird und was auch extrem wichtig ist.
23’34
Georg: Du hast vorhin noch gemeint, du willst eigentlich die Anrede, glaube ich, nicht ändern. Aber du hattest glaube ich schon andere Vorschläge gemacht, öffentlich, also ob man sich jetzt „Pirat” nennt oder „Piratin”. Wie sieht das genau aus?
23’46
Lena: Also grundsätzlich: Ich bin eingestiegen damals in die Berliner Mailingliste, als es da gerade eine Diskussion sehr heiß am Laufen war zum Thema „Pirat oder Piratin”, und da war so am Ende die Lösung, auf die man sich geeinigt hat: In offiziellen Texten steht nur „Pirat” und jede Frau, die sich als „Piratin” bezeichnen will, die darf das. Deswegen bin ich auch ein bisschen überrascht, warum das auch einmal jetzt nicht mehr satzungskonform sein soll, wenn ich eine Gruppe aufmache, die „Piratinnen” heißt. Ich hatte in dem Moment damit eigentlich gar kein so großes Problem. Die Piratenpartei heißt nunmal Piratenpartei und ich bin wirklich, wirklich gegen das Binnen-„I” und ich hätte es für ganz schrecklich gefunden, daraus die „PiratInnenpartei” zu machen. Und da sie nunmal „Piratenpartei” heißt, fand ich das es an der Stelle sogar legitim ist, zu sagen: „Ok, das sind halt alles Piraten.”
24’44
Meine Schwierigkeit mit der Sache ist eben zum einen, was ich vorhin erwähnt habe, dass dann frech in der Satzung steht, dass „Pirat” an der Stelle dann geschlechtsneutral sei. Das verkennt einfach das Problem, wenn dieses „geschlechtsneutral” einfach rausgestrichen würde, hätte ich mit diesem Teil der Satzung eigentlich gar nicht das Problem. Das Problem, was ich damit habe, ist das Selbstverständnis, das sich daraus ableitet. Dass sich daraus ableitet, dass Leute versuchen, dieses Wiki zu löschen, weil es nicht satzungskonform sei. Dass…
Georg: Entschuldige bitte, eine Webseite meinst du im Wiki oder was genau?
25’22
Lena: Ja, das Wiki, genau, das Piratenwiki [oder „Pirateninnenwiki”, undeutlich], also das Wiki auf der Piratenparteiseite der Piraten. Mit dem Argument, dass es nicht satzungskonform ist, sich als Piratinnen zu bezeichnen. Dass daraus hervorgeht, wir erwähnen die Frauen nie und nirgendwo mit dazu, weil darauf haben wir uns ja geeinigt, das steht ja so in der Satzung und das daraus hervorgeht, wir sind Postfeminismus. Und das sind Sachen, die werden daraus abgeleitet, die ich nicht unterschreibe.
25’50
Das heißt, ursprünglich mit der Einigung: „Wir nennen uns alle Piraten” hatte ich überhaupt kein Problem, solange mir auch erlaubt wurde, mich selber so zu bezeichnen. Das Problem ist nur, daraus folgten sehr viele Dinge. Zum Beispiel in der Schweiz wurde genau gleiche Art und Weise argumentiert, warum es kein Frauenwahlrecht geben sollte bis 1971, weil im Grundrecht nur die Männer erwähnt wurden, nur die Bürger sind das Volk, das die Demokratie hat. Und genau mit dieser Argumentation wurde Frauenwahlrecht abgelehnt. Und das ist genau das Problem: Dass sich daraus etwas ableitet, womit ich ein großes Problem habe.
26’37
Jörg: Also das heißt die Anrede „Pirat” und dass man in der Presse oder sonstwo in der Öffentlichkeit nur „Piraten” schreibt, das findest du schon in Ordnung. Das kann so bleiben.
26’44
Lena: Mittlerweile bin ich mir da mir nicht mehr so sicher, weil offensichtlich hier ein großes Thema noch ist, und ich nicht glaube, dass alle in der Piratenpartei bei „Pirat” an den geschlechtsneutralen Begriff, also an ein geschlechtsneutrales Wesen, denken. Ich denke zum Beispiel, es — auch auf deine Frage nochmal, wie würde man denn sagen, also, wenn man Postfeminismus wäre, wenn man drüber stünde — dürften ja theoretisch nach der These die Piraten gar kein Problem damit haben, einfach alle als „Piratinnen” zu bezeichnen. Das ist jetzt gar kein Vorschlag, ich möchte das jetzt nicht vorschlagen, ich sage nur, damit haben eine Menge Leute ein Problem. Da gibt es ziemlich viel Widerstand, immer wenn ich das mal so vorschlage. Es dürfte doch eigentlich kein Problem sein, wir sind so viele Männer, es… — ich glaube, keine kommt auf die Idee, wenn überall „Piratinnen” steht, dass da nur Frauen gemeint sind. Dass da natürlich auch eine Menge Männer dabei sind. Und von daher dürfte es eigentlich, wenn man doch so drüber steht, gar kein Problem sein…
27’45
Jörg: Es ist einfach kein Wort im Sprachgebrauch. Im Sprachgebrauch nutzt man, glaube ich, die Endung „-innen”, nur wenn es um Frauen geht.
27’52
Lena: Na, aber es wäre doch auch eine dieser Arten, für die die Piraten sich doch auch einen Namen machen wollen: Wir machen etwas anders. Und die ganze Genderdebatte geht uns auf den Senkel, da haben wir keinen Bock drauf. Ja gut, wenn es sich nicht irgendwie lösen lässt: Na gut, dann machen wir halt das jetzt mal so und ein Jahr lang sagen wir „Piratinnen”, das nächste „Piraten” oder wie auch immer. Das würde zum Charakter der Piraten auch sehr gut passen. Einfach frech sagen: Wir haben kein Bock, da ewig lang drüber zu diskutieren und deswegen machen wir es jetzt halt ganz anders.
28’27
Ich möchte das jetzt nicht wirklich vorschlagen. Ich sage nur: So würde das für mich aussehen, wenn wir wirklich „postgender” wären. Wenn es wirklich einfach keine Rolle mehr spielen würde. Aber an den Stellen finde ich sieht man sehr deutlich, dass das eben doch eine Rolle spielt.
28’42
Man sieht das übrigens auch daran, dass ich unglaublich viele neue Twitter-Follower habe. Das heißt nicht unbedingt, dass die mich auch alle unterstützen. Aber das Thema ist interessant. Und das finde ich zeigt schon, dass da wir da einfach noch nicht mit fertig sind. Auch wenn es vielleicht langsam anstrengend wird. Aber wenn wir mal aufhören, die ganze Zeit diese Stereotypen, die wir haben, von — die Person ist jetzt emanzipatorisch unterwegs, das heißt, sie ist eine Männerhasserin und sie fordert das Binnen-„I” und sie fordert Quoten, wenn wir von diesem stereotypen Denken mal runterkommen, dann können wir auch auf eine ganz andere Art diskutieren und alle, mit denen ich bisher geredet habe, bei denen ich es geschafft habe, im persönlichen Gespräch klar zu machen, dass es mir überhaupt nicht darum geht, und dass ich überhaupt keine von diesen „Kampfemanzen” bin, mit denen hat auf einmal eine komplett andere Unterhaltung stattfinden können.
Georg: Das klang schon fast wie ein Schlusswort. Willst du noch etwas anfügen? Oder du, Jörg?
29’42
Lena: Ja, eine Sache hätte ich noch. Also, wir sind eine Partei — und jetzt sage ich „wir” — die Piratenpartei, sind eine Partei, die eine sehr große Menge an Männern haben und das hat man eigentlich immer, wenn man eine homogene Masse hat, dass die nicht sich nicht so gut einfühlen kann, das ist einfach Fakt. Wir sind halt alle subjektiv und da kann noch keiner draus aussteigen; dass natürlich Probleme, die alle Mitglieder dieser homogenen Menge nicht haben, schwierig vermittelbar sind. Und dass die Piraten in der Gefahr sind, dadurch dass im Moment noch so wenige Frauen dabei sind — ich hoffe, es werden bald mehr — diese Probleme zu übersehen. Und dass es unglaublich schwierig wird, solche Probleme deutlich zu machen, anzusprechen, zu artikulieren, wenn sie so schnell abgebügelt werden und so schnell gesagt wird: „Das ist kein Thema bei uns.” Und deswegen würde ich sehr daran appellieren, dass ein bisschen größeres Verständnis dafür entsteht, dass es durchaus Probleme geben kann, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm habe, von denen ich mir gar nicht vorstellen kann, dass sie überhaupt existieren, und sie sind trotzdem da und sie sind trotzdem existent und sie sollten die Piraten trotzdem interessieren.
31’05
Jörg: Da möchte ich nochmal ganz kurz nachfragen: So ein Beispiel für ein Problem, das die meisten Piraten eben nicht auf dem Schirm haben. Und was vielleicht ganz viele Frauen oder potentielle Piratinnen haben.
31’15
Lena: Das fängt an bei Sprüchen, irgendwelche dummen Sprüche, irgendwelche Kommentare, Anmachen. Das kommt alles vor. Darauf hinzuweisen wird dann mit Gegröhle nochmal kommentiert. Und darüber hinaus gibt es auch sehr gern so (seufzt) — das ist eigentlich ist das lieb gemeint und eigentlich ist das auch sehr süß — nur es ist ein bisschen so herablassend, so von oben herab: „Ja, ne, Kleine, Süße, und du siehst ja auch super aus und ich find’s ja auch ganz toll, dass du da bist, aber damals als ich auf meinem C64 schon am Computer saß, da hast du ja noch gar nichts damit zu tun gehabt.” Und ich sag: „Ja, ich bin vielleicht gleich alt, aber du hattest da einen privilegierten Lebenslauf. Du hattest Zugang zu solchen Geräten. Ich hatte so einen Zugang nicht.”
32’08
Und das ist natürlich — keine Ahnung, ich weiß es nicht, ob ich die Möglichkeit gehabt hätte, wenn ich mich mit Händen und Füßen gewehrt hätte, irgendwie an so ein Gerät ranzukommen. Aber mir hat das überhaupt niemand vorgeschlagen oder mir die Idee unterbreitet, du könntest dich mit Computern beschäftigen. Die meisten der Frauen, die ich kenne, haben mit 16, 17, ihren ersten Rechner gehabt. Also, ich war mit 16 ein Unikum, dass ich meinen eigenen Rechner hatte. Und das sich klar zu machen, dass es keine Überlegenheit — also, natürlich ist eine Überlegenheit — aber dass es nichts ist, auf was man stolz sein sollte, und was man den Leuten noch unter die Nase reiben sollte, sondern wo klar ist, dass das ein Privileg für dich ist; sei mal froh darum und bedenke das, wenn du das das nächste Mal zu mir sagst: „Ja, du hattest das ja nicht.”
32’57
Jörg: Ich kann dazu noch was Allgemeineres zu sagen. Und zwar: Die Piraten leben ja nicht einem Vakuum. Sie tun ja immer gerne so, sie schneiden sich da irgendwie ihr kleines Politikfeld raus und sagen irgendwie: Wir wollen irgendwie anderes Urheberrecht und so ein bisschen gegen Überwachung, aber keiner kann in einem politischen Vakuum existieren. Es ist ja so: Trotzdem sind wir alle Teil der selben Gesellschaft und es ist nunmal kein Geheimnis, dass in Deutschland Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer, dass Frauen allgemein… — Das liegt nicht nur daran, dass sie sozusagen schlechter bezahlte Jobs haben, sondern dass Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert sind und so weiter und so weiter. Das ist ja jetzt nichts Neues.
33’36
Und genau das gleiche passiert natürlich in der Piratenpartei auch. Das heißt: Alle gesellschaftlichen politischen Probeme, die draußen in der Gesellschaft sind, die treten in der Piratenpartei auch wieder auf, da sie ja Teil dieser Gesellschaft sind. Und das ist, glaube ich, die große Herausforderung für die Piraten, auch sich dem zu stellen und auch das wird nicht nur das erste Poltikfeld sein, sondern in anderen wird sich das auch entwickeln, dass die Piraten sich mit sich selbst und mit ihrer eigenen wie sie selbst funktionieren und wie sie Teil der Gesellschaft sind, das noch ein bisschen besser reflektieren lernen.
34’12
Georg: Ok, ich bedanke mich sehr bei euch beiden und ich wünsche mir auch, dass die Diskussion vielleicht ein bisschen mehr an Ruhe gewinnt und an Konstruktivität. Ok, danke.
Sofort Anhören:
Der Stadtpirat und der "Gender"-Haken
“Klarmachen zum Gendern”. Der Kampfschrei erschallt nun seit einer Woche durch die gesamte Piratenpartei.
Somit fühle auch ich mich genötigt, meiner Tastatur und somit euch, werte Leser, anzuvertrauen, was sich zu diesem Thema in den Tiefen meiner grauen Hirnwindungen zusammenbraut.
Alles beginnt also vergangenes Wochenende auf der Landesmitgliederversammlung in Berlin. Aber die Details sind eigentlich nebensächlich. Was will ich eigentlich loswerden? Richtig, meine Meinung zu der ganzen Angelegenheit.
Welche Fragen stellen sich mir bei der ganzen Angelegenheit?
- Haben wir in der Piratenpartei eine Genderdiskussion nötig?
- Ich für meinen Teil halte mich selbst für emanzipiert in einem Maße, das es mir erlaubt, auf diese Diskussion verzichten zu können. Jeder von uns ist als Individuum unverwechselbar und einzigartig in der Summe seiner Eigenschaften. Wer sich in Statistik und Marktforschung etwas auskennt, weiß, dass Zielgruppenanalysen darin bestehen, für eine möglichst große Gruppe von Individuen eine maximale Anzahl von Eigenschaftsüberschneidungen zu ermitteln. Man könnte also hieraus schließen, dass viele Männer viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen. So natürlich auch die Frauen. Aber: Ist dem so? Zumeist kommen bei der Beantwortung dieser Fragen nichts als billige Phrasen und Klischees auf dem subterranen Niveau eines Mario Barth heraus. Also versuche ich es, möglichst kurz zu halten. Unabhängig von Geschlecht oder anderen mehr oder weniger kleinen Unterschieden, sollten wir uns vor Augen führen, dass wir alle gleichwertig aber eben doch nicht gleich sind. Unsere Verschiedenartigkeit sollte doch aber auch unsere Stärke sein. Gleichschalten wollen andere.
- Haben wir schon eine Genderdiskussion?
- Spätestens seit Lenas Alleingang mit taz und SpOn haben wir sie. Auch wenn wir vielleicht gern so weit gewesen wären (und ich halte es nicht für eine Schutzbehauptung, dass viele von uns der Meinung waren, wir seien wirklich post-gender), ist wohl dieses Engagement für diese Diskussion ein, oder DAS Argument für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema.
- Brauchen wir Schutzräume für Frauen?
- Wenn wir Schutzräume für Frauen einrichten, sollten wir auch, denn Frauen sind nicht die einzige und auch nicht die schlechtestrepräsentierte Minderheit in der Piratenpartei, ähnliche Initiativen für andere Gruppen zulassen und fördern (Danke curl_up). Da wir hierüber aber bisher keine statistischen Erhebungen durchgeführt haben, will ich zu diesem Thema keine weiteren Vermutungen anstellen.
Alles in Allem stehe ich dem Schutzraum ziemlich aufgeschlossen bis indifferent gegenüber. Wenn Frauen der Meinung sind, ohne dieses Refugium keine Stimme in der Piratenpartei zu haben, dann könnte dies ein Weg sein. Anderen Minderheitengruppen; ob statistisch nachweisbar oder nur gefühlt, steht der selbe Weg natürlich offen.
Ich bitte nur, in Zukunft davon Abstand zu nehmen, die Geburt einer solchen Initiative zeitlich derart unglücklich zu terminieren, wie es bei Lena Simon der Fall war. Auch sollte nicht unbedingt eine reißerische Pressemitteilung einer innerparteilichen Debatte vorausgehen. Das erschwert die Konsenfindung nur umso mehr. Lena hat es jedenfalls geschafft, nicht nur die Maskulinistenfraktion gegen sich aufzubringen, sondern auch viele Piraten, die dem Thema eigentlich positiv gegenüberstanden. So hätte Lena als Berliner Pirat”in” eigentlich über die Wichtigkeit der LMV wissen müssen, in deren Verlauf vom Landesverband als erster politischer Organisation weltweit, das Prinzip Liquid Democracy in die Satzung als Meinungsbildungswerkzeug aufgenommen wurde. Viele, und dazu gehöre auch ich, hätten es einfach lieber gesehen, Lena hätte über eines der parteiinternen Tools (Wiki, ML, Forum, Liquid Feedback) Kontakt zu den Piraten selbst aufgenommen um die Diskussion anzuregen. Fail #2 war eben auch der Zeitpunkt. Es hätte sicherlich anders ausgesehen, hätte Lena eine Woche gewartet, mit dem Projekt “Piratinnen” an die Presse zu gehen.
Ist leider nicht passiert. Ich biete Lena auch hier noch einmal an, sich zumindest in Berlin auch einem Forum von Piraten und Piratinnen zu stellen, in dem mensch (ich hasse die politisch korrekten Ausdrücke) sich mit dem Thema dezidiert auseinandersetzen kann.
Soweit zu meinem ersten Blogpost. Ich bin gespannt, ob es Feuer regnet oder Beifall oder mein Blog im Nebel des Vergessens verschwindet.
Nachlese mit Senf: Von #Piratinnen
Es ist mal wieder Zeit für eine Nachlese und zwar über ein Thema, das in der Piratenpartei zu köcheln scheint, zumindest auf den ersten Blick.
Die Piratinnen sind los und als "Interessengemeinschaft" gegründet worden, auf der Mitgliederversammlung in Berlin. Die Gründerin Lena hat dazu sogar eine Pressemitteilung herausgegeben. Über die Geschichte wurde mehrfach von SPON und der TAZ berichtet.
Zu meiner Recherche dieser Nachlese verwende ich, wie bei der Nachlese über Aaron, den Piratenmond und die Google Blogsearch.
Was mir da aufgefallen ist, ist, dass das Thema so heiß in der Partei nicht ist, aber außerhalb der Partei scheint großes Interesse zu bestehen. Ich habe mich allerdings bei der Nachlese auf Piraten (und das hier das innen fehlt ist reine Absicht!) und ihre Blogs beschränkt.
Der erste Eintrag im Piratenmond, den ich finden konnte stammt von Anika, die sich bereits früher zur Gleichberechtigung der Geschlechter meldete, und sie hält fest unter der Überschrift "Ich bin Pirat!" fest:
Ich muss hier mal kurz einschieben, dass ich die Piratenpartei gar nicht so männerdominiert finde. Wer sich Zeit nimmt und mal die Mitglieder der einzelnen Landesvorstände ansieht oder Listen zu Wahlen, wird feststellen, dass es eine Menge Frauen gibt, die dort mitmischen.
Weiter unten im Text heißt es: ....möchten die Piratinnen ein sicherer Ort zum Austausch der Frauen in der Piratenpartei sein. Auf meine Nachfrage an diverse Piraten wurde mir gesagt, dass es eine geschlossene Mailingliste der Piratinnen nur für Frauen gibt. Ich finde dies im höchsten Maße unpiratisch, weil nicht transparent und es bestimmt eine Menge Männer gibt, die sich auch zu diesen Thema äussern möchten.
Sie erklärt, dass sie es sicherlich so sieht, dass wir Piraten uns über Gleichberechtigungspolitik Gedanken machen müssen, stellt aber diese Art und Weise in Frage.
Auch ein Bundesvorstand hat sich eingemischt. Andreas Popp äußerte sich in seinem Blog unter dem Titel "Alle Jahre wieder, kommt der Genderstreit" und er tut dies lang und äußerst differenziert:
Mehr lesen »Feminismus? Aufmerksamkeitswahn?
Ach Kinners.
Gestern war ich noch leicht irritiert bis verärgert. Jetzt bestenfalls amüsiert, wahrscheinlich zucke ich morgen nur noch mit den Schultern. Warum? Na, die Sache mit den Piratinnen.
Halten wir mal ein paar Dinge fest:
- Feminismus, Gleichberechtigung & Co sind wichtige Themen. Ok, Ich persönlich komme langsam zu der Einsicht daß ich das Thema als ganzes nie wirklich grokken werde. Aber ich habe verstanden: Das macht nichts, solange ich mit offenen Augen und Respekt gegenüber anderen durchs Leben laufe und über mein Verhalten nachdenke.
- Auf der Welt gibt es leider einen Haufen Spinner, wahrscheinlich gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt. Ein paar davon haben es ins Internet geschafft, wir nennen sie Trolle. Bitte nicht füttern.
- Gegenseitiger Respekt ist die Grundlage für eine fruchtbare (ha-ha, 5 Euro in die schlechte-Wortwitz-Kasse) Zusammenarbeit, egal worum es geht. Wenn er fehlt, läuft etwas schief.
- Wenn Mailinglisten per Pressemitteilung angekündigt werden, und dann auch noch die Presse über selbige berichtet, erwarte ich eigentlich, dass dort die Sache mit dem Weltfrieden geklärt wird, mindestens aber Lolcats! (Mal ehrlich: Mailinglisten per Pressemitteilung ankündigen?! Das ist… ach, lassen wird das.)
So, und nun noch einmal zum mitschreiben:
- Respekt funktioniert nur auf Gegenseitigkeit. Was Lena ins Leben gerufen hat, mag tatsächlich sinnvoll sein. Wie sie es gemacht hat war… naja, auf jeden Fall trollfütternd, wahrscheinlich ziemlich ungeschickt, vielleicht und eventuell schädlich. Erst eine Wagenburg aufzubauen und dann zu beklagen dass da Mauern sind… tsk.
- Wie darauf reagiert wurde war aber eben (über die gesamte Bandbreite betrachtet) auch trollfütternd, ungeschickt, schädlich und teilweise ziemlich beleidigend. Da kann ich verstehen, wenn sich andere noch tiefer in die Wagenburg zurückziehen.
Dennoch, unterm Strich kann ich das ganze Theater überhaupt nicht ernst nehmen. Zumindest in den Forenteilen die ich überflogen habe reichen Femin– wie Maskulisten der jeweils anderen Seite munter das Trollfutter und schwingen die Keulen. Das schaut, mit Verlaub, aus wie auf dem Schulhof kurz vor der Pubertät. Und dann der schiere Ausstoß an Blogbeiträgen, offenen Briefen, Diskussionen und was weiß ich nicht alles zum Thema. Klar, das Thema (Gleichberechtigung) ist wichtig. Und kompliziert.
Momentan schauen wir wohl aber nur einigen wenigen Trollen bei der Arbeit zu, und merken es teilweise gar nicht.
Da diskutiere ich doch lieber im IRC mit der Katze, die verstehe ich zwar auch nicht immer ganz, die ist aber wenigstens unterhaltsam dabei.
Ich bin selten so beleidigt worden …
… denn man hat mir unterstellt, mich in der neuen Piratinnen-Mailingliste eingetragen zu haben, obwohl ich ein Mann sei, was nicht gewünscht ist. Es ficht die betreffende Dame auch nicht an, dass ich meine beiden Blogs angegeben habe, beide mit Impressum, beide bei Denic registriert. Und auch nicht, dass ich im Wiki der Piratenpartei meinen vollen Realname verwende. Aber wir wollen uns da anscheinend mit so etwas Lästigem wie Fakten nicht belasten.
Abgesehen von der Marginalie, dass ich kein Mann bin und auch keiner sein möchte, was mich an sich nicht beleidigt, finde ich es unsäglich, dass mir unterstellt wird, mich mit einer falschen Identität nebst gefakter E-Mail-Adresse irgendwo einzuschreiben, um eine Mitleserschaft zu erschleichen. Das war nie meine Art, und das wird auch nie meine Art sein. Es verrät allerdings einiges über die, die eine solche Verdächtigung in einer Mailingliste, für alle lesbar, äußert. Da dort ja ein Schutzraum sein sollte, wie wäre es mit einem, der in ihrem LV namens- und gesichtsbekannte Piraten vor der Paranoia weiblicher Piraten mit Problemen schützt? Meine Meinung mag nicht populär sein, aber sie war ehrlich geäußert, und letztendlich kann ich nur mit dem argumentieren, was dort mitgeteilt wird.
Die Dame warf mir mehrere Ungeheuerlichkeiten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu entnehmen waren, für alle Mitglieder lesbar, und wies mich an, ihr privat zu antworten oder im Forum, da sie die Liste nicht weiter vergiften lassen will. Abgesehen davon, dass ihr eigenes Gift in Form einer veritablen Verleumdnung anscheinend nicht so das Problem zu sein scheint. Nun ist meine Antwort auf die Mail nicht erschienen, da ich (oder alle, so genau konnte man das nicht erkennen) auf moderiert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Möglichkeit, mich zu verteidigen. So nicht, meine Damen. Wenn das die Vorstellung von Schutzraum sein soll …
Ich hatte mich in der Liste eingetragen, weil mich interessiert, was genau das Problem ist und auch, weil ich an sich dafür offen war, selbiges in meinem Landesverband zu vertreten, auch wenn es nicht meines ist. Doch bisher wurde dort nichts Vertretungswürdiges geäußert, weil alles viel zu vage war, reine Einzelmeinungen geäußert wurden und ein “wir” bemüht wurde, das nicht belegbar ist. Dafür ist es mit der Akzeptanz konträrer Meinungen nicht so weit her, stattdessen wären eher hellseherische Fähigkeiten gefragt, um die vernebelten Erfahrungsberichte der ganz vagen Art zu etwas zu machen, was auch nur ansatzweise verwendbar wäre.
Das Problem, dass Zurückhaltende nicht gehört werden, ist übrigens kein weibliches. So gibt es Piraten, die mir gesichtsbekannt sind, von denen ich aber keine Ahnung habe, welche Meinungen sie vertreten, da sie diese nicht äußern. Nur dass die keine irreführenden Pressemitteilungen herausgeben und dies auch noch für völlig o. k. halten. Aber hauptsache, wir durften mal mit der Presse sprechen, nicht wahr?
Wie auch immer, mein weiblicher Verstand sagt mir, dass ich lieber mal wieder was ordentliches Inhaltliches mache, als mit diesem Getue (Wortwahl nach eigener Anschauung) weiterhin meine Zeit zu verschwenden. Eine derart unpiratige Verhaltensweise verdient einfach keine Aufmerksamkeit.
Ergänzung: Der Gerechtigkeit halber muss ich mitteilen, dass mein Post inzwischen freigeschaltet wurde, ob als Reaktion auf diesen Beitrag vermag ich nicht zu sagen.
Ergänzung2: Besagte Dame hat sich mittlerweile via Mailingliste entschuldigt, was ich annehme.
Piratinnen: Der offene Brief - Vielfalt statt Grabenkämpfe
Zahlreiche Piraten – jedweden Geschlechts – lehnen den Vorstoß der „Piratinnen“ aus Berlin entschieden ab. Wurde im Bundestagswahlkampf das Genderthema noch von außen an die Partei herangetragen, so ist es umso überraschender, dass diesmal in einer völlig unkoordinierten und intransparenten Initiative eine Genderdiskussion von den eigenen Leuten gezielt in die Medien gebracht wird. Die Initiatorinnen der Diskussion nehmen für sich in Anspruch, für die Mehrheit der Frauen innerhalb der Piratenpartei zu sprechen – ohne jemals vorher den Dialog gesucht zu haben. Es wäre zumindest angebracht gewesen, diese Idee für den Bundesparteitag vorzuschlagen.Vor allem die Herausgabe einer unautorisierten Pressemitteilung sorgte für einigen Unmut, denn diese Genderfrage ist höchst umstritten.
Geschlechterpolitik ist von Beginn an Thema innerhalb der Partei gewesen, jedoch scheint der Vorstoß der Initiatiorin Lena Simon ohne jede Rücksprache mit den entsprechenden Arbeitsgruppen stattgefunden zu haben. Außer der PM wurden auch direkte Interviews mit der TAZ und SpON geführt. Erst mit den Medien zu sprechen halten wir für den falschen Weg!
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Lena, was ist dein Problem?
Ich habe deine Unterstellungen satt. Ich bin seit 39 Jahren Frau, ich weiß, wer und was ich bin und was ich will. Ganz zuvorderst will ich als der Mensch, der ich bin, akzeptiert werden. Die Piratenpartei schafft das wunderbar – warum schaffst du es nicht? Wie kommst du dazu, mir zu unterstellen, ich würde nur nicht zugeben, dass ich diskriminiert werde, um mich bei den Jungs beliebt zu machen? Wie kommst du dazu, zu behaupten, ich wäre nicht in der Lage oder willens, mich offen zu äußern?
Lena, wenn ich diskriminiert werde, dann von dir, die du dir anmaßt, mich zu verstehen und für mich zu sprechen. Du verstehst nichts, rein gar nichts. Verschließt du die Augen davor, dass das Geschlecht in der Piratenpartei keine Rolle spielt? Willst du es nicht glauben? Oder schlimmer, reicht dir Gleichbehandlung nicht, möchtest du besser behandelt werden? Deine Bestrebungen, die Frauen als Gruppe aus der Piratenpartei auszugrenzen, deuten das an. Diese Ausgrenzung ist ein massiver Rückschritt und der völlig falsche Weg.
Schau dir mal die Fakten an. Es gibt noch zu wenige Frauen in der Piratenpartei, da sind wir einer Meinung. Aber diese Frauen sind in den Vorständen sogar überrepräsentiert, wo kannst du da Benachteiligung sehen? Ich sehe Männer und Frauen, die ganz selbstverständlich integriert und als Menschen beurteilt werden, nicht als Penisträger oder Nichtpenisträger, ich kann die von dir behauptete (und durch nichts belegte) Diskriminierung nicht sehen.
Lena, was auch immer dir Schlimmes passiert ist, es gibt dir nicht das Recht, deinen persönlichen Unmut als offizielles Statement der Piratenpartei zu verkaufen. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von dir und deiner Piratinnen-Bewegung. Ich stehe für das Miteinander aller Piraten und gegen die zwanghafte Unterscheidung in Männer und Frauen, und ich bitte jede Frau, die ebenfalls gegen diese Unterscheidung ist, das zu sagen. Nehmt nicht einfach hin, dass Frauen wie Lena uns in der Öffentlichkeit als unterdrückte, gehirngewaschene, mundtot gemachte Weibchen darstellen.
Ich bin Pirat!
Die Pressemitteilung wurde nicht offziell herrausgegeben, sondern von Pirat Lena aus Berlin. Schon dieses Vorgehen erntete viel Kritik.
SpOn berichtet auch darüber:Piraten-Männer fürchten Ausgrenzung
Inhalt der Mitteilung ist die Bekanntgabe eines neuen Netzwerkes innerhalb der Piratenpartei: Die Piratinnen
Ziel der Piratinnen ist es, laut Webseite: ...zu einem besseren Verständnis von Zielen, Wünschen und Nöten der Frauen in einer überwiegend von Männern dominierten Piratenpartei beizutragen.
Ich muss hier mal kurz einschieben, dass ich die Piratenpartei gar nicht so männerdominiert finde. Wer sich Zeit nimmt und mal die Mitglieder der einzelnen Landesvorstände ansieht oder Listen zu Wahlen, wird feststellen, dass es eine Menge Frauen gibt, die dort mitmischen.
Weiter unten im Text heißt es: ....möchten die Piratinnen ein sicherer Ort zum Austausch der Frauen in der Piratenpartei sein. Auf meine Nachfrage an diverse Piraten wurde mir gesagt, dass es eine geschlossene Mailingliste der Piratinnen nur für Frauen gibt. Ich finde dies im höchsten Maße unpiratisch, weil nicht transparent und es bestimmt eine Menge Männer gibt, die sich auch zu diesen Thema äussern möchten.
Im großen und ganzen sah die Pressemitteilung aus wie eine offzielle Mitteilung des LV Berlin.
Irgendwo hatte ich gelesen, das Lena sich um Kopf und Kragen redete und schrieb, dass es eine private Pressemitteilung gewesen ist.... (kein Kommentar dazu)
Weiter im Thema:
Auf der Wiki-Seite steht: Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleich, vor der Piratensatzung auch; -Wir sind post-gender-, wird oft von den Piraten behauptet. Das ist ein Ideal und für viele ist es so, aber manchmal sieht die Wirklichkeit leider noch anders aus. Dass niemand benachteiligt ist, kann nicht dogmatisch von der Mehrheit postuliert werden. Wir möchten Frauen ansprechen, die sich innerhalb der Partei benachteiligt fühlen
Welche Mehrheit wurde befragt und wurde berücksichtigt, dass es auch Männer gibt innerhalb der Piraten, die sich benachteiligt fühlen?
Besonders bei Themen, die sich mit dem Status einer Frau in einer weitgehend männlichen Gruppe beschäftigen, kommt es aber häufiger vor, dass Frauen sich in Anwesenheit von Männern nicht offen äußern.
Welche Themen speziell?
Die Piratinnen sind keine Interessengruppe sondern eine Geschlechtergruppe.
Bei der Piratenpartei gibt es aktiv arbeitende AGs wie AG Gender, AG Frauen und AG Männer. Wer zum Thema Frauenpolitik mitmischen möchte oder zum Theme Gleichberechtigung ist in diesen AGs sehr gut aufgehoben.
Wenn sich aber eine Frau nicht traut sich zu äussern oder zu schüchtern ist oder sich unterdrückt fühlt, dann müssen wir das Problem anders angehen weil es ein anderes Problem ist. Erstens muss es uns bewusst werden, dass es auch Männer gibt, die sich nicht trauen sich zu äussern. Sprich wir müssen von Individuen beider Geschlechter ausgehen. Wir müssen Wege und Mittel bereitstellen/ schaffen, so dass auch diese Piraten sich trauen sich zu äußern/ mitzudiskutieren/ mitzureden/ das Wort zu erheben. Die erste Basis/ Anlaufstelle für solche Piraten wäre ein Stammtisch vor Ort. Mit anderen Worten, die Crewleader müssen auf diese Piraten zu gehen, bildlich gesprochen: Ihnen die Hand reichen und ihnen vermitteln: Hey hier passiert dir nix. Wir beißen nicht, wir lachen dich nicht aus. usw...
Sozusagen ein Piratenpaten-Programm ins Leben rufen. (Diese Paten-Idee kam via @forschungstorte /@AtariFrosch)
Wie wäre es z.B mit Rhetorik Workshops und anderen Workshops um Sicherheit zu vermitteln/ zu geben usw..?
Wir brauchen keine geschlossenen Mailinglisten als Refugium für schüchterne Piraten. Denn dann ändert sich nichts.
Wir brauchen auch keine Frauen-Unterforen, in denen man nur nach manueller Freigabe durch weibliche Piraten schreiben darf. (Ja gibt es wirklich im Piratenparteiforum, ich habe schreibrechte bekommen aber diese bisher noch nicht genutzt)
Ja, wir brauchen eine politische Diskussion über Gleichberechtigung/Familienpolitik in der Politik, auch bei der Piratenpartei, aber doch nicht so Mädels!
Ein Zitat von Flexi aus dem Wiki: Wer einzelnen Menschen die Qualität der allgemeinen Bezeichnung abspricht, und sie durch Anhängen eines "-in" auf ihr Geschlecht reduziert, der diskriminiert.
Der Meinung bin ich auch und Kine schrieb so schön: Frauen werden nicht stärker indem man sie auf all ihren Wegen beschützt und führt. Da hat sie recht. Aber wir sollten die Piraten schützen und führen, die sich nicht trauen ihre Meinung zu äußern oder einfach zu schüchtern sind.
Sollten hier Schleswig-Holsteiner Piraten (weibliche wie männliche Piraten), im speziellen meine Flensburger Piraten, mitlesen, die sich nicht trauen auf piratigen Events (Stammtische, Parteitage, Mitgliederversammlung etc...) sich zu äussern, ihre Meinung kundzutun u.a, dann sagt etwas! Schreibt eine Mail an mich oder an jeden anderen Piraten. Es wird keiner ausgelacht, keine Äusserungen werden untergraben, keiner wird für seine Meinung veruteilt, jeder darf seine Meinung äußern und es darf darüber diskutiert werden.
ABER BITTE BITTE: Versteckt euch nicht in geschlossenen Schutzräumen!!!


