Beim Focus kann man gerade einen Artikel über das Problem, das die Piratenpartei aktuell mit der Parteinenfinanzierung hat lesen.
Kurz zusammengefasst, alle Parteien bekommen pro Wählerstimme einen gewissen Betrag ausgezahlt, dieser wird jedoch gedeckelt wenn die Partei nicht viel Geld in dem entsprechenden Jahr eingenommen hat. (bei den Piraten eine sehr grosse Abweichung, da wir sehr viel in Eigeninitiative gemacht haben und deswegen kein Geld verbucht werden konnte)
Der Bundesverband muss nur an die Landesverbände Geld, was an ihn über die Parteienfinanzierung ausgezahlt wurde überweisen. Dieses ist aber NICHT gedeckelt.
Der Bund kann damit kein Geld an die Landesverbände geben, die noch nicht an einer Wahl teilgenommen haben. (z.B. Bayern), in diesen stehen jetzt aber bald Wahlen an.
Geld von einem Landesverband an den anderen zu leihen ist (soweit ich mich noch erinnere) eine eher heikle Angelegenheit und ohne professionelle (sprich teure) Finanzberater kaum zu machen.
Wir haben jetzt schon die Forderung, dass sich nur Leute aufstellen dürfen, die den Wahlkampf selbst bezahlen können. Ist meiner Meinung nach gaaanz grosse Sch… Ich denke nicht, dass diese Forderungen durchgehen werden, aber einige Leute werden bei den Aufstellungsveranstaltungen wohl mehr zu kämpfen haben als andere und das finde ich gerade bei den Piraten schade.
Am 02. Mai waren @mueslikind und ich zusammen mit Occupy/”Echte Demokratie” jetzt zum Thema “Lernen in politischen Bewegungen” bei Radio Lora92,4 eingeladen.
Den Beitrag gibt es jetzt als Podcast zum Stream und Download.
Nachdem uns “Echte Demokratie jetzt” zum Gegner(sic!) erklärt hatten
war’s kontroverser als erwartet. Alex von Occupy sieht einen massiven
Widerspruch zwischen dem, was EDJ fordert und Liquid Democracy als
zumindest einer Verbesserungsmöglichkeit parlamentarischer Demokratie.
Hatte allerdings ein wenig den Eindruck er mag die Piraten gar nicht
verstehen.
Neben Miriams schöner Erklärung von Liquid Democracy gab es die Frage,
wie man sich bei den Piraten in München und überall beteiligen kann, wie unsere Arbeitsgruppen kommunal, landes- und bundesweit funktionieren und was es überhaupt gibt. Besonders interessant fand ich auch die
Hörerreaktionen, die recht gut zeigen, woran wir in unserer
Außendarstellung noch arbeiten müssen.
Mit fünf konnte ich lesen und Buchstaben nachmalen.
In der Schule hab ich Schreibschrift schreiben gelernt. Schön. Schneller schreiben. Und irgendwie mocht ich eine Art altmodische Ästhetik daran.
Handschrift war irgendwann verboten. Bei mir hat sich die Frage nach falsch oder richtig kaum gestellt. Inhaltlich korrekt waren Hausaufgaben fast immer. Blätter wurden zerrissen, Aufsätze neu geschrieben, weil Buchstaben nicht der gelernten “Schreibschrift” entsprachen. Ein Strich zu weit rechts, zu weit links, eine Linie zu sehr gebogen, eine Lücke zu groß.
Ich schreibe heute selten, ungern und schlecht per Hand. Wenn ich mir nicht größte Mühe gebe, kann ich’s selbst nicht entziffern. Ich hasse “meine Handschrift”. Meine Unterschrift ähnelt der meiner Mutter. Vielleicht war das der Grund. Etwas erhalten. Nein. Machtdemonstrationen. Eine von vielen.
Leute fragen “warum hast du kein Selbstbewusstsein?”. Eine Frage wäre “warum hast du keine eigene Handschrift?”. Man mag davon halten was man will, manch einer interpretiert viel in die Handschrift rein. Sicher ist für mich, dass es ein Ausdruck von Individualität ist, der wohl bei mir – ich weiß nicht warum – unterdrückt werden sollte.
Wer sich jetzt am Gejammer hier stört schaue sich die Fakten an… mir läg einfach viel dran dass das sonst niemand seinen Kindern antut.
Ne Truppe aus Korea hat es wohl schon gepackt Diablo 3 durchzuspielen. Also, alles in Ordnung, geht wieder in die Arbeit, es gibt nix mehr zu sehen.
Ich bin gerade über diesen Bericht gestolpert (bzw wurde draufgestupst) und wundere mich gerade ein wenig.
Wie kann es sein, dass das Landtagsgebäude in NRW noch nicht Barriererfrei ist?
Direktes Update:
In diesem Bericht über Stefan Fricke (wer baut den Wikipedia Artikel?) hört es sich so an, als ob “nur” der Plenarsaal nicht Barrierefrei ist.

Mathias Schindler hat gerade eine Liste aller ihm bekannten Piraten erstellt, die Twittern und in den Landtag gekommen sind.
Die Liste ist natürlich noch nicht vollständig, aber das dürfte schnell passieren, oder? ;)
(Ich hätte ja erwartet, dass er ne Wikiseite anlegt ;)
Update: die Wikiseite gibt es natürlich schon. Danke @nati0n
Laut Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap haben die Piraten mit 7,8%* wohl 20 Sitze “geentert”** (siehe wahlrecht.de)
Wo es wie viele Stimmen gab kann man hier nachsehen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Zahlen wirklich stimmen. (Es sind 3 Wahlbezirke Bielefeld gelistet!)
Ob der Rücktritt von Norbert Röttgen vom Vorstand jetzt nur eine Nebelkerze war um Schaden von der Partei abzuwenden oder ob er, wenn er es ehrlich meint auch von seinen anderen Aufgaben zurücktreten sollte, halte ich jetzt aber echt für “Stammtisch Mimimimi”.
Ach, aber alle Piraten, vergesst bitte nicht, dass NRW das 4. Ausnahmebundesland ist und das Ergebnis nur Zufall und durch Protestwähler zustande kam!
*eindeutiger Abwärtstrend, wir werden alle stääärben und so.
**sorry, musste sein, die Presse hat Heute irgendwie sehr wenig Piratenvokabular losgelassen. Irgendwie war der 4. Einzug wohl auch keine richtige Neuigkeit mehr. Ging alles eher nach “Wie erwartet haben die Piraten wieder ein paar Sitze ergattert.”
Artikel im Energy Blog über die Neureglung des Erneuerbare Energien Gesetz.
War das jetzt die Reanimation?
Es wird nicht nur in München gefeiert. Auch in anderen bayrischen Orten finden anläßlich der Wahl in NRW Wahlpartys der Piraten statt. Vielleicht sogar in deiner Nähe?
In München
Rattlesnake Saloon
Schneeglöckchenstr. 91
80995 München (Moosach)
Das Lokal ist barrierefrei.
ab 17:00 Uhr
In Aschaffenburg
Marquesas
Pfaffengasse 12-14
63739 Aschaffenburg
ab 17:00 Uhr
In Kempten
Brauereigaststätte “Zum Stift”
Stiftsplatz 1
87439 Kempten
Parkmöglichkeiten vorhanden
ab 17:00 Uhr
In Weilheim
Alter Spiegel
Dorfstr. 17
82398 Polling-Oderding
ab 17:00 Uhr
In Waldkraiburg
Gasthaus “Graf Toerring Hof”
Berliner Str. 20a
84478 Waldkraiburg
ab 18:00 Uhr
In Buchloe
Café Morizz
Ludwigstr. 9
86807 Buchloe, Germany
ab 17:00 Uhr
In Kempten
Brauereigaststätte “Zum Stift”
Stiftsplatz 1
87439 Kempten
ab 17:00 Uhr
In Regensburg
Brandl Bräu
Ostengasse 16
93047 Regensburg
ab 17:00 Uhr
In Nürnberg
Blu Bowl
Zeltnerstr. 19
90443 Nürnberg
Das Lokal ist barrierefrei.
ab 17:00 Uhr
In Ansbach
Restaurant Korfu
Uzstr. 21
91522 Ansbach
ab 17:30 Uhr
Alle Adressangaben ohne Gewähr.
Ich bin auf Youtube auf ein interessantes Video gestoßen, nämlich die WDR-Wahlarena zur Landtagswahl am kommenden Sonntag in NRW. Ein Abschnitt ist besonders interessant.
Die Moderatorin zitiert das Landeswahlprogramm der NRW-Piraten wie folgt:
Die PIRATEN NRW fordern [...], dass eine beitragsfreie Ganztagsbetreuung in wohnortnahen Kindertagesstätten mit kind- und elterngerechten Öffnungszeiten für Kinder ab dem ersten Lebensjahr flächendeckend angeboten wird.
Und danach fragt sie »Klingt prima, wer zahlt’s?« Joachim Paul macht in der Sendung deutlich klar, dass es sich bei allen Forderungen im Programm um Zielvorstellungen handelt. Frau Kraft erwidert dann, dass man für die Ziele eine Grundsatzprogramm hat und sagt dazu: »In den Parteiprogrammen zu ner Wahl muss man konkret sagen was man bringt.« und wundert sich dann wie sich die Piraten bei den konkreten Fragen in der Haushaltsdiskussion verhalten werden.
Kleine Anmerkung am Rande: Frau Kraft zeigt in der Debatte, dass sie keine Ahnung von Transparenz hat. Sie findet der Haushalt des Landes NRW ist das transparenteste Ding überhaupt, weil sich ja jeder in die Ausschüsse setzen kann. Vogonismus vom feinsten.
Aber zurück zum Wahlprogramm. Auch die NRW-SPD hat ein schönes kompaktes Wahlprogramm mit dem Titel »NRW auf gutem Weg«. Darin beschreibt die SPD erst mal ausführlich was sie bisher alles erreicht hat. Aber jetzt will sie ja auch sagen was sie »bringen« will. Bleiben wir bei dem Beispiel von oben, der Kinderbetreuung. Die Piraten wollen flächendeckend Kindertagesstätten. Was will die SPD? Schauen wir doch mal im Abschnitt drei unter der tollen Überschrift »Kein Kind zurücklassen. Gut für NRW.« (Z. 185).
Familien stärken heißt: Frühzeitig und vorsorgend helfen. Dazu ist es notwendig, die Angebote der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, der Sozialhilfe sowie des Bildungs- und Gesundheitssystems mehr miteinander zu vernetzen. Vorbeugend ausgerichtete Politik muss alle Kinder in den ersten Lebensjahren oder – noch besser – bereits vor der Geburt des Kindes erreichen. So stärken wir die Möglichkeiten zur Teilhabe von Eltern, Kindern und Jugendlichen. Wir brauchen eine Präventionskette, in der bestehende Maßnahmen verzahnt, Lücken geschlossen und dadurch spätere Kosten vermieden werden.
Unser Ziel ist: Kein Kind zurücklassen.
Acht Zeilen Geschwurbel, von den konkreten Forderungen die Frau Kraft so anpreist keine Spur. Ich weiß nicht mal ob sich der Abschnitt überhaupt auf Kinderbetreuung bezieht oder auf was ganz anderes. Aber einen Absatz weiter (Z. 204) wird es konkret.
Mit einem Landesinvestitionsprogramm von 400 Mio. Euro unterstützen wir die Kommunen bei der Schaffung von U-3-Plätzen. Damit verbessern wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Ah, da haben wir’s. Die Piraten fordern flächendeckende Kitaplätze, die SPD will 400 Mio. Euro (immerhin 17,7% des Budgets des Ministeriums für Familie, Kinder, Kultur und Sport) an die Kommunen ausschütten, damit die Plätze schaffen. Klingt prima, wer zahlt’s? Die Frage, an der die Piraten immer scheitern wird von der traditionsreichen Volkspartei SPD beantwortet. Not. Jetzt kommt die große Überraschung. Nirgendwo in den 21 Seiten des Wahlprogramms der NRW-SPD wird bei den Forderungen die Geld kosten ein Finanzierungskonzept mit vorgelegt. Seien es – nur um ein paar Beispiele zu nennen – wohnortnahe Grundschulen (Z. 205), der Ausbau der Ganztagsschule (Z. 239), alle Forderungen zur Stärkung der Infrastruktur (Z. 531) oder das Gemeindefinanzierungsgesetz (Z. 698), dass laut eigener Aussage mit 8,4 Mrd. Euro die größte Zuwendung in der Geschichte des Landes ist. Wenn es mal sowas ähnliches wie ein Finanzierungskonzept gibt, dann heißt das immer »der Bund soll das bezahlen«, wie z.B. bei der Behindertenförderung (Z. 731).
Das ganze ist jetzt keine großartige Überraschung. Politik funktionierte schon immer so, dass die Parteien politische Projekte angeboten haben. Das Geld reicht nie für alles, deswegen werden in der Haushaltsdebatte – wie es Joachim Paul sehr genau getroffen hat – Prioritäten gesetzt. Und die gehen eben danach wofür man Mehrheiten bekommt. Ich möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass der Grund dafür, dass am Sonntag in NRW gewählt wird, ist, dass die SPD-Regierung es nicht geschafft hat eine Mehrheit für ihren Haushalt zu bekommen, weil sie nicht wusste, wie die FDP sich bei der Haushaltsabstimmung verhält, was wiederum das Horrorszenario ist, dass Frau Kraft über die Piraten zeichnet.
Aber die Frage »Wer bezahlt’s?« wurde ja auch von der Moderatorin aufgeworfen, nicht von Frau Kraft. Die hat sich ja gefragt, wie die Piraten sich in der Haushaltsfrage verhalten. Da wird die SPD also sicher eine sehr konkrete Vorstellung präsentieren, oder? In den Zeilen 111 bis 158 geht es im SPD-Programm um die Finanzen. Besonders konkret wird es dennoch nicht. Es ist im wesentlichen das übliche: Sparen, aber in tolle Projekte investieren und mehr einnehmen will man auch noch. Bis 2020 soll die Neuverschuldung auf jeden Fall auf Null sein. Wo konkret gespart wird steht da nicht. Und die Mehreinnahmen? Da setzt man tatsächlich auf Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, die Finanztransaktionssteuer und eine Besteuerung von Spitzeneinkommen (klassische SPD-Forderungen). Oder sagen wir besser man hofft darauf, denn diese Steuern sind entweder schon beim Bund aufgehängt oder sie werden wohl dort eingeführt (oder gleich in Europa).
So richtig kann man sich als Wähler also auch nicht vorstellen wie sich die SPD in der Haushaltsfrage verhält. Wenn die erhofften Steuermehreinnahmen ausbleiben, man aber an den Zukunftsinvestitionen festhalten will, wo wird dann gespart? Von den berühmten konkreten Forderungen ist man auf jeden Fall weit entfernt.
Es ist hier an der Zeit mit ein paar Mythen aufzuräumen. Der Maßstab der hier von den Medien und den etablierten Parteien an die Piratenpartei angelegt wird, wird von letzteren selbst überhaupt nicht eingehalten. Die alte Leier »Die haben doch keine Inhalte« wirkt vor der Tatsache, dass die SPD in NRW nur ca. 8500 Wörter Programm hat und wir über 28000 recht lächerlich. Natürlich macht die schiere Masse an Wörtern allein kein gutes Programm, aber wenn bei der SPD auch noch ein großer Teil nur Selbstbeweihräucherung und inhaltsleeres Geschwurbel ist (und manche Altparteien gar kein Wahlprogramm haben) dann ist das schon ein deutliches Indiz.
Ganz besonders will ich aber hier nochmal betonen, dass der Vorwurf die Piraten wollen nur »haben« und sagen nicht wie sie das finanzieren wollen einfach lächerlich ist. Parteien liefern in den seltensten Fällen ein vollständiges Finanzierungskonzept zu einer politischen Idee mit. Zur Finanzierung von politischen Projekten gibt es den Staatshaushalt. Und auch in der Haushaltspolitik geben sich die Altparteien eher weniger konkret. Selbst die Bundes-SPD hat in ihrem letzten Wahlprogramm zwar umfassende steuerpolitische Vorschläge – das muss der Neid lassen. Aber einen Haushaltsentwurf sucht man auch dort vergebens (wäre auch etwas vorschnell, oder?). Und ob der Bankenbailout oder der Eurorettungsschirm 2009 im finanzpolitischen Wahlprogramm der CDU oder FDP berücksichtigt wurde, hab ich jetzt nicht weiter recherchiert.
Natürlich sind die Forderungen der Piraten sehr umfangreich und auch ich glaube, dass man darauf achten muss, nicht das blaue vom Himmel zu versprechen um danach zu merken, dass man das gar nicht bezahlen kann. Ich verstehe auch, dass die anderen Parteien da sicher erfahrener – und wahrscheinlich auch ernüchterter – darüber sind, was die Finanzen hergeben. Aber für eine junge Partei, die sich auf ihren ersten Parlamentseinzug in NRW vorbereitet, ist es erstmal wichtig, sich ein politisches Profil zu geben. Und da bei jedem Ziel gleich konkrete Finanzierungskonzepte zu verlangen, die typischerweise nicht mal von den Altparteien vorgelegt werden, ist schon etwas sehr viel Anspruch.
Ich war nicht dabei, aber laut Freunden, die dort waren, waren es angeblich Piraten, Journalisten und Seehofer. (und die Journalisten haben angeblich dauernd die Interviewpartner wechseln müssen, da es andere Journalisten waren ;)
Ok, das dürfte “leicht” übertrieben gewesen sein, aber ein paar Witzchen müssen ja sein.
Und ja, der Mitgliedsausweis ist ein Witz, das Mitglied mit der Nummer 1337 gibt es schon.
Am 8.5.2012 fand vor dem P1, in der Von-Der-Tann-Straße Ecke Prinzregentenstraße ein Infostand der Piratenpartei München anlässlich der angekündigten Facebook Party des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.
Wenn gleich wir die Nutzung moderner Kommunikationsmedien seitens der CSU positiv sehen, halten wir die Facebookparty von Horst Seehofer für keinen Ersatz für echte Bürgerbeteiligung am politischen Willensbildungsprozess in Deutschland und Europa im digitalen Zeitalter. Die Party kann eher als -verbesserungsfähiger- Dialog zwischen Bürgern und politischen Akteuren verstanden werden.
Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Ein schönes Modell. Ich habe lange darauf gewartet.
In den USA ist es schon seit einem Jahr auf dem Markt. In Deutschland nicht. Und Import wäre illegal gewesen. Letzten Monat konnte man es sich für eine Woche bei einem großen TV-Sender kostenlos leihen und eine kleine Spritztour machen. Das hat mir gefallen.
Aber am Ende der Woche wurde es wieder weggesperrt. Und ich musste warten.
In den Hinterhöfen meines Viertels gab es anschließend das Fahrrad für lau. Einfach zum Mitnehmen. Ganz geheuer war mir das nicht.
Aber egal. Mein Rad ist jetzt da. Und es ist schön.
Bis auf den großen, bunten Aufkleber auf dem Rahmen: Ich solle doch bitte keine Fahrräder klauen oder nachbauen steht da. Logisch. Wozu auch? Ich habe es ja gekauft.
Vor dem ersten Losfahren musste ich den Hersteller anrufen und ihm erzählen, in welchen drei Stadtteilen ich das Fahrrad nutzen will. Wenn ich in einen unautorisierten Stadtteil fahre, schlägt automatisch die Bremse an. Da muss ich selbst gar nichts tun. Das ist Service. Ich kann dann bei dem Hersteller anrufen und das Fahrrad umbuchen. So komme ich durch die ganze Stadt.
Wenn ich mein Rad verleihen will, dann ist das nicht ganz erlaubt. Der Sattel sendet schwache Ströme durch den Körper und misst den Widerstand. An der Fettverteilung im Hintern erkennt er, wer auf dem Fahrrad sitzt. Und bin ich es nicht, fängt die Klingel an zu läuten. Ich muss jetzt gut aufpassen bei meinen Diäten. Sonst erkennt mich mein Fahrrad nicht mehr.
Neulich wollte ich es umlackieren. Das Khaki fand ich nicht mehr zeitgemäß. Im Baumarkt hat man mich ausgelacht. Das wäre höchst illegal. Ob ich denn den Hersteller gefragt hätte. Der hätte sich schließlich was gedacht bei der Farbe.
Die Stadt baut jetzt neue Fahrradwege und ich fand das anfangs auch gut. Jetzt geht aber ein Gerücht: Mein Fahrrad kann darauf gar nicht mehr fahren. Die Reifen sind zu schmal. Die gehen nicht auf dem neuen Belag.
Aber bald gibt es eine neue Generation. Mit versiegeltem Kettengehäuse. Noch sicherer werden diese Räder.
Und an den Wegen stellen sie jetzt Polizeihäuschen auf. Um zu kontrollieren, wer auf welchem Fahrrad sitzt. Und wenn man den Sichtkontakt zu allen Häuschen verliert, dann wirft einen das Rad vom Sattel. Bei Nebel liegen die Menschen dann oft wie Fallobst auf der Straße.
Wird mein Fahrrad geklaut, kann es teuer werden. Dann hab ich es nämlich verbreitet. Der Hersteller kann dann ja keines mehr direkt an den Dieb verkaufen. Und ich stehe dafür gerade.
Das ist mir dann doch zu heikel. Jetzt will ich mein Fahrrad verschenken. Man munkelt, dass dürfe ich aber nicht. Man hat mir gesagt, es wäre nur meins. Da hab ich es einfach gelöscht.
Siegfried Kauder hatte schon Recht: Geistiges Eigentum ist wie ein Fahrrad – genau so.
Am kommenden Sonntag steht die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an und auch hier ist die Piratenpartei angetreten, um in den Landtag einzuziehen. Um unseren möglichen vierten Einzug in ein bundesdeutsches Landesparlament gemeinsam zu verfolgen, findet am 13.05.2012 ab 17h eine Wahlparty statt. Die Chancen stehen gut, dass es auf der Wahlparty wieder etwas zu feiern gibt. Und weil Klappern in der Politik zum Handwerk gehört, verschlägt es uns diesmal frei von nautischen Anspielungen zu den Klapperschlangen in den Wilden Westen.Ein Konsortium aus 8 Automobilherstellern hat sich zusammengetan um ein neues Ladesystem für Elektroautos einzuführen. Erste Demos sollen nächste Woche auf einer Automobilmesse gezeigt werden und bis 2017 soll es allgemein eingebaut werden.
via: Energy Blog
Heute ist der internationale Star Wars Tag!
Warum ist leicht beantwortet, heute ist der 4. Mai, das Datum, welches in der Trilogie (es gibt nur 3 Filme + Holiday Special!) am häufigsten erwähnt wird.
In der ARD “Kontraste” Sendung vom 03.05.2012 wurde der Eindruck vermittelt, Piraten forderten nur Transparenz von “der Politik” aber nicht von sich selbst. Das ist natürlich Unfug und ich konnte das nicht stehen lassen – deshalb habe ich der Redaktion eine Mail geschrieben, die ich hier gern veröffentliche.
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihren kritischen Beitrag über die Piratenpartei “Unter falscher Flagge ” am 03.05.2012.
Während der Sendung wurde, auch durch die Moderation, der Eindruck vermittelt, Piraten würden keine Transparenzanforderungen an ihre eigenen Aktiven stellen. Das Gegenteil ist der Fall.
Vom jedem Piraten, der sich für ein Amt oder Mandat bewirbt, wird radikal Transparenz gefordert. Der “Realname” gehört da genauso dazu wie detaillierte Informationen über seinen Werdegang. Für Mandatsinhaber gilt sogar eine rigide Veröffentlichungspflicht von Einkünften und deren Herkunft. Auf der anderen Seite räumen wir Mitgliedern, die sich *nicht* für solche Positionen bewerben wollen ein hohes Maß an Anonymität absichtlich ein. Dies halten wir für geboten, da wir davon ausgehen, dass nur Menschen die frei sind, sich auch entfalten können. Menschen die unter Überwachungsdruck stehen, die sich und ihr Umfeld (Arbeitgeber o.ä.) sonst durch ihr politisches Engagement gefährdet sehen – sind nicht frei und werden insofern die “Schere im Kopf” behalten. Dies wäre das Gegenteil von dem, was sich die Piratenpartei auf ihre Flaggen geschrieben hat.
Was wir aus der Sendung aber an Kritik mitnehmen müssen ist. dass wir dieses Spannungsfeld noch nicht richtig erklären – was auch daran liegt, dass wir hierzu noch keine ausreichende Position beschlossen haben. Ein guter Ansatz ist dabei das im LV Bayern beschlossene Positionspapier “Datenschutz & Öffentlichkeit“.
Als Antragsteller des Unterschriftenlistenantrags hier ein kurzer Kommentar zum Transparenzartikel in der Welt :
Am Samstag wurde beschlossen, dass für die Kandidatur zu einem Amt 20 bzw 10 Unterstützerunterschriften gesammelt werden müssen. Die Idee war, völlig aussichtslose Kandidaturen zu verhindern. Neben dem zugegeben unvorhersehbaren Effekt, dass sich plötzlich spontan Kandidaten beworben haben, weil sie die erforderlichen Unterschriften erreicht hatten, war die Idee auch sonst nicht zu Ende gedacht. So wurde in der ersten Fassung der GO keine Aussage darüber gemacht, was mit den Unterstützerunterschriften passieren soll. Auf Nachfrage (nach der ersten Vorstellung der Kandidaten) wurde beschlossen, dass die Listen als Anhang im Protokoll des Bundesparteitags stehen. Details, ob als Scan, Liste, oder ob nur die Anzahl der Unterstützerunterschriften (die jeweils aus Klarname, Akkreditierungnummer und Unterschrift bestanden) genannt werden, waren damit immer noch nicht geklärt.
Es mag sein, dass ein Parteitagsbesucher kein Problem damit hat, parteiintern einen Kandidaten zu unterstützen. Über eine Veröffentlichung im Protokoll wird aber nicht nur die Unterstützung auf dem BPT, sondern die Parteizugehörigkeit an sich öffentlich gemacht. Auch das mag für viele kein Problem sein. Ob der Name veröffentlicht wird, sollte aber vorher klar sein. Die Parteizugehörigekeit gehört zurecht zu den besonders schützenswerten personenbezogenen Daten(BDSG §3(9). Ausreden der “Spackaria”, was damit passiert wäre doch von vornherein klar gewesen, helfen da auch nicht weiter. Auf Nachfrage waren einige Unterstützer der Meinung, die Listen werden nachher vernichtet und das sei auch so kommuniziert worden.
Um Klarheit zu schaffen, habe ich am Sonntag einen weiteren Antrag gestellt, die GO um die Möglichkeit zu ergänzen, sich nachträglich aus dem Protokoll streichen zu lassen. Ziel der Änderung war schlicht, den Parteitag offziell abstimmen zu lassen, dass das Protokoll in dem Punkt nachträglich geändert werden darf. Da es vor den ersten Unterschriften keinen Beschluss gab, dass die Listen öffentlich gemacht werden, wäre das aus Datenschutzgründen sowieso möglich. Eine Abstimmung am BPT schafft hier Klarheit und Transparenz. Dass die Listen nun “im Stahlschrank landen“, wie die anderen Wahlunterlagen auch, ist wohl eher Ergebnis der Einsicht, dass die Namen der einzelnen Unterstützer, im Gegensatz zur Anzahl, irrelevant sind (analog zur geheimen Abstimmung, gerade bei Personenwahlen) . Ich finde diese Lösung am besten.
Es ging mir nicht darum, den Aluhut aufzusetzen und die Unterschriften aus dem Protokoll verschwinden zu lassen. Es sollte aber vorher Klarheit herrschen, was mit den Unterschriften passiert. Jeder muss die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sein Name öffentlich in Verbindung mit der Partei genannt wird. Dass hier am BPT von manchen eine Transparenz- und Nachweisbarkeitsdebatte rund um Klarnamenpflicht aufgemacht wurde ist außerdem völlig am Thema vorbei gegangen. Es geht auch nicht um den Widerspruch “anonym mitbestimmen” vs “Verantwortung übernehmen”. Klarnamen ja – wenn das vorher bewusst entschieden wurde!
Und das ärgert mich an dieser Sache am meisten. GO-Schlampereien und halb zu Ende gedachte Neuerungen. Stephan Urbach hat die Diskussion in dem Punkt sehr gut zusammengefasst “Ihr seid selbst schuld, wenn ihr euch Müll in die GO schreibt”. Und das ist nicht das erste Mal: 2011 hat der nachlässige Umgang mit der GO dazu geführt, dass mehrere Beschlüsse des Bundesparteitags anfechtbar waren
Der Münchner Kreisverband der Piratenpartei ist nunmehr seit Mitte April mit zwei Mitgliedern im Bezirksausschuß 24 (Feldmoching – Hasenbergl) vertreten. Wolfgang Schropp und Tobias Wandinger, ursprünglich für die CSU in den Bezirksausschuss gewählt, haben nun eine neue politische Heimat bei der Piratenpartei gefunden.
Auf der nächsten Sitzung des Bezirksausschusses, am Dienstag, den 24. April, wird die neugegründete Piratenfraktion im BA 24 den Antrag einbringen, Sitzungsprotokolle im Sinne des piratigen Transparenzgrundsatzes öffentlich zugänglich zu machen.
“Der Hauptgrund war der Umgang mit dem Thema Datenschutz und Überwachung. Die CSU hat sich seit dem Ende der Ära Stoiber in eine falsche Richtung entwickelt. Auch die Frauenquote, die Entscheidung nach der Bundestagswahl 2009 nichts am viel zu komplizierten Steuersystem zu ändern sowie Gesetze, zur Überwachung, gegen die die CSU sich seinerzeit vehement gewehrt hat, decken nach fast 14jähriger Mitgliedschaft bei der Jungen Union Bayern mein politisches Weltbild nicht mehr ab.” so Tobias Wandinger.
Auch Wolfgang Schropp kam zu dem Schluß, daß sich seine Einstellung zur Politik nicht mehr mit jener der etablierten Parteien vereinbaren läßt: “Warum bin ich Mitglied der Piratenpartei geworden? Nun, mit ausschlaggebend war der Internetauftritt. Hier spiegeln sich die Charaktere wieder, die ich sonst so vermisst habe: Offenheit, Seriosität, Konstruktivität und vieles mehr.”
Der Kreisverband München freut sich auf die Zusammenarbeit mit seinen neuen Mitgliedern.
Die Piraten können den wegen seiner Äußerungen zum Holocaust umstrittenen BT nicht aus der Partei werfen. Das Bundesschiedsgericht der Partei bestätigte ein entsprechendes Urteil des Landes-Schiedsgerichts Rheinland-Pfalz aus formalen Gründen. Damit endet das seit Sommer 2009 laufende Parteiausschlussverfahren mit einem Erfolg für BT.Nach 122 Tagen und zwei Verhandlungsterminen ist das Verfahren also beendet. Einige haben das Urteil gelesen. Andere wenigstens die Kurzzusammenfassung. Viele haben sich entschlossen einfach so drauflos zu kommentieren. Unter den ersten Reaktionen war von Enttäuschung, Zustimmung bis hin zum Ruf nach Ausschluss des Schiedsgerichts irgendwie alles zu finden.
— Spiegel Online, 17.04.2012
— Tweet von @_Belze_ anschließend (nach Lektüre des Urteils?) gelöscht
Zur Schlichtung und Entscheidung von Streitigkeiten der Partei mit einzelnen Mitgliedern sind Schiedsgerichte zu bilden. Die Mitglieder der Schiedsgerichte sind unabhängig und an Weisungen nicht gebunden.
— §14 Parteiengesetz
Einer dieser Verfahrensgrundsätze, die rechtsstaatliche Verfahren von polizeistaatlicher Willkür unterscheiden, heißt unter Adligen “ne bis in idem”
— Markus Kompa, Auch Piraten haben kein Scherbengericht – ein Scheißfall
Allerdings ist es auch für andere Verfahren mit Bestrafungscharakter ein allgemein anerkannter Grundsatz, dass eine wiederholte Sanktionierung wegen desselben Tatbestandes unzulässig ist, dem auch im Vereinsstrafrecht Rechnung zu tragen ist (vgl. schon RGZ 51, 89 ff.; OLG Hamm, AnwBl. 1973, 110; RGRK/Steffen, 12. Aufl. 1982, zu § 25 BGB Rn. 16; Meyer-Cording, Die Vereinsstrafe, 1957, S. 83; Heimann, Die Schiedsgerichtsbarkeit der politischen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland, S. 266; Schlosser, Vereins- und Verbandsgerichtsbarkeit, S. 214 f.; Reichert, Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts, 10. Aufl., Rdnr. 2850 und 5800 a; Soergel/Hadding, 13. Aufl. 2000, zu § 25 BGB, Rn. 48; Löwisch, in “25 Jahre Bundesparteigericht der CDU 1960 - 1985”, S. 29 f.).Die Bezeichnung als Vereinsstrafe kommt nicht ganz von ungefähr. Wer nach Vereinsstrafe sucht, findet zwar in erster Linie Sportvereine. Aber auch die Partei ist nur ein spezieller Verein.
— Kammergericht Berlin, AZ 1 BvR 984/02. Zum Einwand von M. Hohmann, dass sein Parteiausschlussverfahren bei der CDU gegen das Doppelbestrafungsverbot verstößt. Im Fall Hohmann war der Einwand für das Verfahren aber nicht relevant, da das KG feststellte dass es keine vorhergehende Ordnungsmaßnahme gab. Das Gericht brauchte daher nicht feststellen, ob für Parteiordnungsmaßnahmen das Doppelbestrafungsverbot gilt, da es für die Entscheidung keinen Unterschied machte.
Für Verstöße gegen die Mitgliederpflichten kann die Satzung Sanktionen vorsehen: als schwerste Vereinsstrafe den Ausschluß aus dem Verein und daneben Disziplinarmaßnahmen verschiedener Art, die als Vereinsstrafen bezeichnet werden.Das heißt nun nicht, dass die Partei plötzlich eine Strafgerichtsbarkeit hat, aber es heißt dass sie elementare Prozessgrundsätze zu beachten hat. Dazu zählt z.B. auch explizit der §1 StGB. (Sauter, Rn. 369)
— Sauter/Schweyer/Waldner, Der eingetragene Verein, 19. Auflage, Rn 350
„Grundsätzlich muss auch bei Ordnungsmaßnahmen das allgemeine Verbot der Doppelbestrafung für ein abgegrenztes Verhalten gelten. Dies greift jedoch nicht, wenn zuvor nur eine informelle „politische Reaktion“ erfolgte oder sich eine weitere Ordnungsmaßnahme auf einen neuen Tatbestand stützt („Nachrede-Verhalten“).“ — Wißmann in Kersten/Rixen (Hrsg.), Parteiengesetz (PartG) und europäisches Parteienrecht, §10 Rn 28, mwN.
— zitiert in BSG 2011-12-16, Fußnote 6
Ist ein Mitglied (..) bereits mit einer Ordnungsmaßnahme nach der Satzung belegt worden, so kommt eine erneute Ahndung mit einem Ausschluss nicht in Betracht.
— BSG 2011-12-16, leider mit versäumten Verweis auf den wahren Zitatgeber: Löwisch, Der Ausschluß aus politischen Parteien
2008-06-05: Verwarnung durch BuVorAuf der Gegenseite wurde die Verwarnung wohl dennoch akzeptiert. Und auf Vorstandsseite:
Der Bundesvorstand beschließt eine Verwarnung gegen BT wegen der Äußerungen auf der Hauptmailingliste am 2008-05-13.
Diese Verwarnung wird anscheinend nicht gültig zugestellt.
— Von Benutzer:Heptasean geführte Chronologie im Piratenwiki
was zu einer Verwarnung durch den Bundesvorstand geführt hat.Es schien also bereits im erstinstanzlichen Verfahren über den Stand der Verwarnung Einigkeit zu bestehen. Und auch im Rahmen der Berufung landete es als unstrittiger Sachverhalt im Urteil. Ob ein eventueller Zustellungsfehler die Wirksamkeit der Verwarnung überhaupt beeinträchtigt stand also gar nicht erst zur Debatte.
— Wörtliches Zitat des Bundesvorstandes im erstinstanzlichen Urteil LSG RLP 2010-04-04-1.
Der [Bundesvorstand] führt an, dass das Einnehmen einer öffentlich wirksamen Position durch den Beklagten für den Kläger Auslöser war, die ursprüngliche Sachlage neu zu bewerten und den Parteiauschluß zu beantragen. Der Kläger bewertet die Situation derart neu, dass er von der mildesten Form einer Ordnungsmaßnahme (einer Verwarnung) direkt zur schwersten Form übergeht (dem Parteiausschluss). Der Kläger nahm bereits in der ausgesprochenen Verwarnung Bezug auf einen möglichen Konflikt zum Grundsatz der freien Meinungsäußerung, die ein hohes Rechtsgut darstellt.
— Erstinstanzliches Urteil LSG RLP 2010-04-04-1
Es ist nicht akzeptabel, dass jemand, der mit Holocaustleugnern und Geschichtsrevisionisten liebäugelt, gleichzeitig nicht nur Teil einer Partei, sondern auch noch Funktionsträger ist.D'oh. Deswegen heißen sie 'politische Gegner'. (Wobei ich 'Mitbewerber' besser finde.) Die sehen es als ihre Berufung andere niederzumachen. (Auch wenn das spieltheoretisch Quatsch ist.) Ihr wollt nicht ernsthaft, dass Schiedsgerichte ihre Spruchpraxis an den zu erwartenden Pressemitteilungen anderer Parteien ausrichtet, oder? Zumal die SPD selbstverständlich wie üblich tadellos recherchiert hat, und BT zum Funktionsträger beförderte. Was Volker Beck von den Grünen ablässt ist inhaltlich etwa auf demselben Level.
— SPD-RLP Pressemitteilung vom 17.04.2012
Herr T. hat eine schwere Verfehlung begangen und dafür (egal ob zu Recht oder Unrecht) zunächst „nur“ eine Verwarnung erhalten. Er befand sich somit also in einer Bewährungszeit, weil eine Verwarnung sonst ihren Sinn verfehlen würde.Das ist so nicht richtig. Eine Verwarnung hat keine Bewährungszeit. Der Vergleich passt gar nicht. Nicht dass ich so eine Ordnungsmaßnahme schlecht finden würde. Es gibt aber weder einen klar definierten Zeitraum, noch eine klare Auflage, noch eine Grundlage für Bewährungsstrafen in der Satzung. Und Grundlagen in der Satzung sind für Ordnungsmaßnahmen essentiell (vgl. BSG 2012-03-15-2). Aber: Deswegen können und sollen selbstverständlich frühere Ordnungsmaßnahmen trotzdem beispielsweise beim Parteiausschlussverfahren berücksichtigt werden. Nur einen Automatismus gibt es nicht. Spätere Ordnungsmaßnahmen sind weiterhin Einzelentscheidungen mit eigenem Ermessensspielraum.
— @DirkSchatz auf wolfgang-dudda.de
Was jedoch die weiteren, durch Herrn T. getätigten Äußerungen betrifft, geht meine Meinung mit der des Gerichtes weit auseinander. Diese Handlungen hätten ausreichen müssen, um eine weitere Ordnungsmaßnahme und damit einen Ausschluss aus der Partei zu rechtfertigen. Ich bedauere es sehr, dass unser Bundesschiedsgericht in dieser Sache nicht in der Lage war, klare Kante zu zeigen.Mir ist hier wichtig noch festzuhalten, dass explizit nur noch die Mails vom 15.12.2010 Teil des Verfahrens waren. Alles andere, alles danach, war nicht Teil eines Ordnungsmaßnahmenverfahrens.
— @DirkSchatz auf wolfgang-dudda.de
Denn: hätte das Gericht zum Nachteil des Herrn T. entschieden, bestünde die Möglichkeit, dass der Fall vor einem „höherrangigen“ zivilen Gericht verhandelt worden wäre. Ein schnelles Ende der Angelegenheit scheinen Viele lieber hinzunehmen, als einen Sieg, der angefochten werden kann und zu weiterer Diskussion und weiterer negativen medialen Aufmerksamkeit führt.Nur eine Beispielforderung. Tatsächlich habe ich das mehrfach gehört. Das BSG hat es sich leicht gemacht, es hätte mehr Eier oder mehr Mut zeigen sollen. Und da rollen sich mir ehrlich gesagt die Nackenhaare auf.
Verkannt wird dabei allerdings, dass ein Urteil zum Nachteil des Herrn T. mehr Vorteile gebracht hätte. Zum einen hätte die Partei ihr Gesicht in der Öffentlichkeit bewahrt und zum anderen den inneren Frieden unter den Mitgliedern wieder hergestellt. Der Bevölkerung wäre gezeigt worden, dass wir alles denkbar Mögliche getan haben, um unsere inneren Grundsätze und Werte zu verteidigen, ohne dabei gleichzeitig unsere hohen rechtsstaatlichen Standards herab zu setzen. Zudem wäre ein eventuelles Urteil eines Zivilgerichts die Entscheidung eines außenstehenden Dritten gewesen, also eine Entscheidung, die außerhalb unseres Verantwortungsbereichs liegt. Wäre dann dort zugunsten des Herrn T. entschieden worden, würden wir im schlimmsten Fall wieder beim Status Quo liegen, dies jedoch mit den eben beschriebenen Vorteilen. Wir hätten aber unmissverständlich deutlich gemacht, dass wir derartiges Gedankengut in keiner Weise bei uns dulden.
— @DirkSchatz auf wolfgang-dudda.de
Ein Schiedsrichter, welcher sich bei der Entscheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer Partei einer Beugung des Rechts schuldig macht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft.Was den Hauptteil des Urteils angeht, der sich auf das Verbot der Doppelbestrafung stützt, ist das für mich ein absolutes No-Go. Ein Schiedsgericht ist nicht gewählt um Symbolpolitik zu betreiben oder um auf dem Rücken von Verfahrensbeteiligten Zeichen zu setzen. Wenn der Sachverhalt etwas hergibt, dann gibt er es her. Wenn der Sachverhalt etwas nicht hergibt, dann eben nicht. Aber ich persönlich werde kein Urteil wider besseren Wissens unterschreiben. Auch nicht zum Wohle der Partei. Auch nicht, wenn ich davon ausgehen kann, dass dann ein späteres Gericht das schon fixen wird.
— Der auf Parteischiedsrichter nicht(!) anwendbare §339 StGB
Dass Staatshaushalte auf Pump arbeiten, ist ein seit Jahrzehnten bekannter Zustand. Wie sich das jetzt rächt, sehen wir in der aktuellen Schuldenkrise. Die Situation in Griechenland ist bereits eskaliert. In Spanien wappnet man sich gerade für die Proteste, indem man mal kurz das Recht zu protestieren faktisch abschafft. Doch genau das ist der falsche Weg. Ein piratiger Politikstil wäre es, was diese Länder jetzt bräuchten.
Als in Griechenland über die Finanzspritze aus der EU verhandelt wurde, da sah der Protest aus Griechenland darin eine Bedrohung, gerade in den Deutschen. Entsprechend wunderte man sich in Deutschland, besonders in konservativen Gefilden. Die Griechen protestieren gegen die Sparpolitik der Regierung, die aber gar nichts dafür kann, weil sie ja niemanden mehr hat, der ihr Geld geben will. Gleichzeitig werden die, welche Geld geben wollen, von den Griechen mit Nazis verglichen. Das klingt doch schizophren, oder?
Nun werden den Griechen extreme Einschnitte in ihren bisherigen Lebensstandard abverlangt. Wahrscheinlich ist am Vorwurf, dass dieser Lebensstandard weit über dem war, was die Griechen sich leisten konnten, durchaus auch was dran. Aber wären wir soviel besser? Wären wir über einen solchen Einschnitt nicht auch erbost, auch wenn wir selbst daran schuld wären? Ist die Schuldfrage überhaupt so einfach zu klären? Wir sind Griechenlands größter Importpartner. Sind wir nicht auch selbst schuld, wenn wir uns seit Jahrzehnten mit unserem Erfolg als Exportweltmeister brüsten und uns dann wundern, dass denen, an die wir exportieren irgendwann das Geld ausgeht? Schwarz-Weiß-Malen ist hier nicht so einfach möglich.
Ist eine Volkswirtschaft, die so weit in der Krise ist wie Griechenland, überhaupt noch zu retten? Das Volk scheint wie trotzige kleine Kinder, die egal welchen Lösungsweg die Politik einschlägt, zu protestieren beginnen. In Spanien scheint man der Meinung zu sein, einen Rettungsplan nur mit autokratischen Mitteln durchsetzen zu können. Demokratie ist also mal wieder was für Schön-Wetter-Zeiten, Krise braucht Führung mit starker Hand, oder?
Ich glaube der Grund für den Protest ist viel mehr nicht in der Demokratie an sich zu suchen, sondern im Politikstil der alten Parteien. Es wird über die Köpfe der Leute hinweg entschieden. Jede Regierung, die an die Macht kommt, versucht ihr Modell einfach durchzudrücken. Die EU entscheidet hinter verschlossenen Türen mit der Regierung über die Bedingungen für Finanzspritzen. Der Bürger auf der Straße sitzt vor vollendeten Tatsachen. Mit dieser Friss-oder-Stirb-Politik, schafft man keine Akzeptanz.
Vielmehr ist es an dieser Stelle wichtig einen offenen Diskurs anzubieten. Man muss allen Menschen die Möglichkeit geben ihre Ideen und Argumente einzubringen und im Idealfall sollte eine so wichtige Richtungsentscheidung (nach der Debatte!) durch ein Referendum getroffen werden. Das ist natürlich nicht ganz so einfach. Der Prozess beansprucht viel Zeit, Zeit die man nicht immer hat. Die Anforderungen an eine Regierung, die hier den öffentlichen Diskurs leitet sind deswegen hoch. Doch der Lohn dieser Mühe würde sein, dass am Ende der Großteil der Bürger die gemeinsame Entscheidung mittragen würde.
Dies ist das neue »Betriebssystem der Demokratie« von dem im Zusammenhang mit den Piraten immer gesprochen wird. Eine politisches System, indem es nicht so wichtig ist, dass eine Partei eine Lösung präsentiert und sie durchsetzt, sondern in dem der öffentliche Diskurs, das öffentliche Streitgespräch das zentrale Element ist. Die Piratenpartei ist mit dieser Idee sicher am weitesten. Selbst der intensivste Streit kann bei uns schlussendlich irgendwann konstruktive Ideen hervorbringen, die zu Konsens und Kompromiss und damit hoffentlich zu Akzeptanz führen. Natürlich müssen auch wir hier noch viel lernen, aber das tun wir gern.
Aus Aktualitätsgründen ist der Artikel noch nicht korrekturgelesen. Ich bitte Rechtschreibfehler zu verzeihen.
Da ich als Berichterstatter für den LV Bayern letztes Wochenende in Prag auf der PPI-Konferenz war, hier der Bericht. Ich habe versucht die Ereignisse parallel auf meinem Smartphone mitzutippen, manchmal können die Sätze deswegen etwas kurz ausfallen. Manche Informationen sind aus zweiter Hand, weil z.T. parallel gearbeitet wurde, aber ich hoffe, ich kann die Veranstaltung einigermaßen übersichtlich zusammenfassen.
Samstag morgen
Die Akkreditierung ist hoffnunglos überfordert. Wir werden erst mal in den Nebenraum geschickt. Dafür gibts Freibier, alkoholfreies Freibier. Mit Verspätung geht es dann auch los, der Raum füllt sich. Nach der Eröffnungsrede des tschechischen Vorsitzenden beginnt die Versammlung mit dem ersten Tagesordnungspunkt, den Bewerbungen neuer Mitglieder.
Hier gibt es den ersten Diskurs. Die Satzung sieht vor, dass nur Bewerbungen brücksichtigt werden, die vier Wochen vorher eingegangen sind. Den Bewerbern wurde das wohl nicht klar kommuniziert. Satzungsfoo geht los und dreht sich etwas im Kreis. Es wurde alles gesagt aber noch nicht von jedem. Wir starten mit den Vorstellungen. Später wird entschieden, dass sich das Schiedsgericht damit befassen soll.
Die Vorstellungen sind im wesentlichen gut vorbereitet. Vorstellungen per eingereichtem Video oder per Videokonfernz kommen aber technisch nicht ganz so gut rüber. Es stellen sich vor: Griechenland, Kroatien, Lettland, Slowakei, Bosnien-Herzegovina, Estland, Tunesien und Weißrussland. Die Ukraine wurde auch noch erwähnt, aber die Vorstellung bleibt aus. Bei den Tunesiern scheint es einen Konflikt zu geben, weil es zwei Parteien gibt.
Jetzt spricht erst mal wie geplant die schwedische Europabgeordnete Amelia Andersdotter. Sie spricht über ihre Arbeit im Parlament unter anderem darüber, wie der deutsche Hackerparagraph auf europäischer Ebene eingeführt werden soll. Danach geht es in die Mittagspause.
Samstag Nachmittag
Es geht weiter mit der Abstimmung über die Aufnahme der Beweber, die die Deadline eingehalten werden. Griechenland und Kroatien werden als Vollmitglieder aufgenommen, Florida und Niedersachsen werden beobachtende Mitglieder.
Was folgt ist die Diskussion über die Gründung der PP-EU, die sich mit der Auftsellung eines gemeinsamenen Programms der Mitglieder für die Europawahl beschäftigten soll. Die Diskussion dreht sich primär um die Frage, ob die Gründung einer solche Gruppierung die Nicht-EU-Länder ausschließt.
Die Diskussion wird unterbrochen um den Vortrag von Cory Doktorow zu beginnen. Er spricht – wer hätte das gedacht – über Urheberrecht, gewohnt spannend und plakativ. Auch die Q&A-Runde steht dem in nichts nach.
Danach wird die Diskussion zur PP-EU fortgesetzt. Ich kann im allgemeinen Trubel nichts genaues ausmachen, aber der Tenor geht mehr in die Richtung, alle Parteien – auch aus Nicht-EU-Ländern – mit einzubeziehen. Eine abschließende Entscheidung wird erwartungsgemäß an diesem Tag aber noch nicht getroffen. Für Sonntag ist ein Workshop zum Thema geplant.
Sonntag
Der Sonntag beginnt mit dem Tätigkeitsbericht des PPI-Vorstands. Alle Vorstandsmitglieder halten sich vergleichsweise kurz. Eine Ausnahme stellt Schatzmeister Pat Mächler dar, der einen längeren Bericht über Verbesserungsbedarf in der Finanzverwaltung abgibt.
An dieser Stelle beginnt im zweiten Tagunsgraum der Workshop zur Strategie für die Europawahl. Ich wechsle den Raum. Der Workshop arbeitet an einem Strategiepapier, das auf dem Vorschlag der Tschechen basiert. Die Diskussion ist gewohnt langatmig. Zuerst soll entschieden werden, ob das Papier von den Delegierten im Namen der betreffenden Parteien gezeichnet werden soll oder im Namen aller Anwesenden. Die Diskussion geht ein wenig hin und her und alle sind sich eigentlich einig, dass das Papier ratifiziert werden soll. Um Missverständnisse zu vermeiden wird das Papier explizit so formuliert, dass die Unterzeichner das Papier bei ihren Parteien beantragen.
Es folgt eine lange mühseelige Diskussion, die sich z.T. um Punkte und Kommas dreht. Zum Schluss stehen aber drei konkrete Absichtserklärungen. Die Europäischen Piratenparteien wollen zur Europawahl antreten. Weiterhin wollen Sie ein gemeinsames Programm, das Teil der individuellen Wahlprogramme sein soll und sie wollen eine Piratenpartei nach Europäischem Recht gründen. Der komplette Inhalt der Erklärung mitsamt Möglichkeit der Mitzeichnung findet sich hier.
Ich wechsle kurz in den anderen Raum und lasse mir erzählen was hier passiert ist. Hier wird derzeit das bürokratische Procedere abgearbeitet. Anscheinend haben Satzungsänderungen und Wahl viel Zeit in Anspruch angenommen. Auch war das Wahlprocedere wohl etwas seltsam. Ein Kandidat zog wohl nach der Wahl seine Kandidatur zurück, wobei das Wahlergebnis ohne neue Abstimmung neu berechnet wurde.
Hier muss ich der Versammlungsleitung einen Rüffel erteilen. Da es im Tagungsraum immer wieder unerträglich laut war, wurde wohl entschieden, dass nur noch die stimmberechtigten Mitglieder bei der Wahl im Raum zugelassen wurden. Das macht eine beobachtende Mitgliedschaft irgendwie obsolet, vor allem wenn Delegierte von beobachtenden Mitglieder – wie hier – nicht von Gästen unterscheidbar sind. Wahrscheinlich hätte ich am andern Teil der Veranstaltung bleiben sollen und darauf bestehen sollen als Berichterstatter eines beobachtenden Mitglieds dabei zu bleiben. Ich kann im allgemeinen Trubel auch nicht mehr feststellen, was nun aus der Schiedsgerichtsentscheidung zu den Aufnahmeanträgen geworden ist. Hier werden vielleicht die Delegierten des Bundes mehr erzählen können.
Die Vorstandswahlen haben die Tagesordnung komplett durcheinander gewirbelt. So sind sie auch noch nicht abgeschlossen, als wir unsere geplante Heimreise antreten. Ich gehe davon aus, dass ihr das Wahlergebnis aus der PM erfahrt, die hier gecrowdsourced werden soll.
Ich nutze die letzte halbe Stunde vor der Abfahrt dann lieber noch um das Strategiepapier zu übersetzen und gemäß der dort beschriebenen Absichtserklärung beim BPT zu beantragen.
Fazit
Es ist schon beeindruckend mit anzusehen, wie die Piratenbewegung internationale Fahrt aufnimmt. Als ich die Leute, die vor zwei Jahren zur Gründung in Brüssel waren, dieses Wochenende sprach, so waren sich alle einig, dass niemand damit gerechnet hatte in zwei Jahren 27 Piratenparteien zu sehen, von denen zwei gar parlamentarisch vertreten sind.
Beim formalen Vorgehen merkt man allerdings die Unerfahrenheit vieler Teilnehmer. Die Versammlung ruft schon ziemlich viele Erinnerungen an Parteitage aus Frühzeiten der deutschen Piraten hervor. Basisbürokratie geht auch im Kleinen. Hier muss von Seiten von PPI etwas mehr Organisation her.
Dennoch sollte man nicht vergessen, dass man durchaus einiges geschafft hat. Das Strategiepapier sieht nach wenig aus, ist aber ein gut ausgefeilter Konsens, der wahrscheinlich von allen europäischen Piratenparteien mitgetragen werden kann. Wie der Name schon sagt ist es nur der erste Schritt, aber manchmal muss man halt einen Schritt vor dem anderen machen.
Neue Wege der Drogenpolitik in Deutschland – eine Podiumsdiskussion der Piratenpartei mit Rainer Langhans
Der Landesverband Bayern der Piratenpartei lädt alle am Thema “Drogenpolitik” interessierten Bürgerinnen und Bürger nach München Trudering zu einer Podiumsdiskussion ein. Es diskutieren: Rainer Langhans, Stefan Körner (Vorsitzender LV Bayern der Piratenpartei) und Christoph Rossner (Sucht-Experte, Piratenpartei).
“Die bisher in Deutschland praktizierte Drogenpolitik muss als gescheitert betrachtet werden, da nach wie vor unnötig viele Menschen durch den Konsum von Drogen sterben oder in schwere Abhängigkeit geraten. Eine vorurteilsfreie, den mündigen Bürger ernst nehmende Drogenpolitik würde hier Abhilfe schaffen – unsere Kinder und Jugendlichen besser vor den Gefahren eines etwaigen Drogenkonsums schützen.” äußerte sich Stefan Körner zum Anlass dieser Podiumsdiskussion.
Die Veranstaltung wird am 21.04.2012 zwischen 19:00 und 22:00 Uhr im Kulturzentrum Trudering, Wasserburger Landstraße 32 in 81825 München stattfinden.
Münchner Piraten laden zum offenen Gedankenaustausch mit IHK-Geschäftsführer Driessen ein
Der Kreisverband München der PIRATEN lädt am Dienstag, den 17. April um 19 Uhr in den Räumen der Geschäftsstelle Schopenhauerstr. 71 zu einem offenen Gedankenaustausch zum Thema “Pro & Contra Kammerpflicht” mit dem Geschäftsführer der IHK München und Oberbayern, Peter Driessen, ein.
»Die Kammerpflicht steht seit Jahren in der Kritik. Wir sprechen uns gegen sie aus, weil wir die Verpflichtung zum Eintritt in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft sowohl für grundgesetzwidrig als auch für einen Verstoß gegen EU-Recht halten« führt der Vorsitzende des Kreisverbandes Holger van Lengerich an. »Wir bestreiten keineswegs die Vorteile einer solchen Mitgliedschaft, denken aber, dass diese für sich sprechen und nicht eine von oben verordnete Zwangsmitgliedschaft sein sollte.«
Die bayerische Piratenpartei hat auf ihrem Bundesparteitag in Offenbach Dezember 2011 ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie für die “Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in Kammern und Verbänden wie der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Landwirtschafts- oder Handwerkskammer” eintritt.
Peter Driessen von der IHK München hält dagegen: »Wenn es die IHKs nicht gäbe, müssten sie erfunden werden. Denn nur durch die Pflichtmitgliedschaft sind alle gleichberechtigt, jedes
Unternehmen hat eine Stimme, egal wie viel Beitrag es zahlt. Jedes Unternehmen kann sich engagieren, demokratische Entscheidungsprozesse fördern die Eigenverantwortung der Wirtschaft. Nur so können die IHKs staatliche Aufgaben übernehmen und für weniger Bürokratie sorgen.«
Interessierte Bürger und Parteimitglieder sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen.
Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) beschäftigt sich mit den entscheidenden Themen des 21. Jahrhunderts: das Recht auf Privatsphäre, eine transparente Verwaltung, eine Modernisierung des Urheberrechtes, freie Kultur, freies Wissen und freie Kommunikation. Der Kreisverband München ist der größte Stadtverband der PIRATEN innerhalb Deutschlands und hat seit Januar 2012 seinen Sitz in der Schopenhauer Straße 71, Milbertshofen.
Bei der Bundestagswahl im September 2009 erreichten die PIRATEN aus dem Stand 2,0 Prozent, bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 8,9 Prozent und im Saarland 7,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die PIRATEN haben über 24.000 Mitglieder – davon entfallen alleine auf den Kreisverband München 1.000 Mitglieder.
Die Jugendorganisation der Piraten hat diese Woche auf ihrer Webseite einen “Offener Brief an die Piratenpartei” veröffentlicht. Erstaunlich erst mal, dass man als Mitglied, das zumindest die Mailingliste regelmäßig liest, von einem geplanten gemeinsamen Brief überhaupt nichts wusste. Da ich den Brief auch absolut nicht unterstützten kann, werde ich nun wohl aktiv meine eher passive Mitgliedschaft beenden.
Neben der nicht vorhandenen internen Abstimmung über den als “gemeinsame Erklärung” dargestellten Beitrag gibt es einige Punkte, die ich daran als völlig daneben empfinde.
Da wird von Sexismus geredet, und im ersten Beispiel stellt man gleich mal klar, dass man keine Ahnung hat, was damit gemeint ist, verwechselt man offensichtlich wie so oft mal wieder “anrüchige Bemerkungen” mit “Sexismus”. Wenn man sich drüber aufregen möchte sollte man zumindest etwas differenzieren, schon um zu zeigen, dass man selbst verstanden hat, wovon man eigentlich redet.
Auch sonst ist der Artikel zutiefst widersprüchlich. Während man sich später über die “starke Identifikation der Mitglieder mit ihrer Partei” beschwert, werden als Beispiele rassistischer Aussagen im ersten Abschnitt umgekehrt Aussagen einzelner (Neu)Mitglieder zitiert und argumentiert, in einer Partei, die sich ihrer starken Basis rühmt, dürfe das Argument es handle sich um Einzelfälle keine Rechtfertigung sein. Mit dieser Aussage führt man die spätere Forderung nach weniger Identifikation der Mitglieder mit der Partei ad Absurdum. Hier wird verlangt, dass sich die gesamte Partei (was ist das bitte überhaupt?) für das Verhalten Einzelner rechtfertigt. Auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass es in anderen Verbänden anders ist: Probleme mit Sexismus sind hier die absolute Ausnahme. Die jungen Piraten fordern eine “kritische Auseinandersetzung mit Diskriminierung innerhalb der Partei”. Tatsache ist, dass es genau diese schon gibt, und das ist auch gut so. Wie so eine kritische Auseinandersetzung aussieht, habe ich selbst als Opfer einer anrüchigen Bemerkung auf der München-Mailingliste erlebt. Die betreffende Aussage führte zu einem riesen Shitstorm. Und innerhalb der Partei habe ich das auch nie anders erlebt. Besonders angenehm war es in dieser Situation, dass solche Reaktionen eben nicht von irgendeinem Vorstand kommen, der der Presse irgendwelche Statements runterleitert, das nutzt mir als Betroffene gar nichts.
Die provozierte Reaktion seitens der Presse war beachtlich. “Interne Streitereien”, “Rassismus, Sexismus und Diskriminierung innerhalb der Partei nicht unter Kontrolle” … die Reaktion des Bundesvorstands war, wie man es von einem Parteivorstand erwartet. Beschwichtigend, nichtssagendes Imagepolitblabla eines Pressebeauftragten. Alles in allem peinlich, was die Basis auch gleich mit einer eigenen Aktion quittiert hat (wo mal schnell aus Sexismuskritik – FAIL – reine Kritik an “Frauenfeindlichkeit” wurde).
Rassismus, Sexismus und Diskriminierung sind meiner Ansicht nach im selben Maße Bestandteil der Partei(basis) , wie sie sich auch in der Gesellschaft widerspiegeln. Die Einzeigen, die was daran ändern können sind wir selbst als Mitglieder. Ich bin froh, dass wir das auch immer wieder selbst zeigen.
Derzeit prasselt die Kritik auf die Piratenpartei nur so ein – endlich. Denn nur so können wir lernen, an Kritik tatsächlich zu wachsen. Eine besonders tief angesetzte Kritik höre ich dabei derzeit immer wieder: die Piratenpartei wolle die repräsentative Demokratie (Mehrheitsdemokratie) mit einer Art Konsensdemokratie (mit den Mitteln der direkten Demokratie) ersetzen. Günter Verheugen sprach in der ARD darüber und betonte, dass, wenn er daran denke, ihm die repräsentative Demokratie immer wichtiger werde.
Im folgenden bitte ich darum, dass der Begriff “Konsensdemokratie”, den ich verwende, nicht im herkömmlichen Sinne verstanden wird. Ich meine damit eine Vorgehensweise, die man eher “Schnittmengenpolitik” nennen könnte. Gute Beispiele dafür finden sich derzeit in der Berliner Piratenfraktion: dort werden häufig nur Entscheidungen getroffen, die konsensfähig sind. Ausdruck dieser Vorgehensweise sind Veröffentlichungen in denen betont wird, dass hierzu in der Fraktion keine Entscheidung getroffen wurde.
Theoretisch ist eine konsensuale Entscheidungsfindung ideal: da alle betroffenen beteiligt und einverstanden sind, gibt es keine Minderheiten-Problematik, niemand wird “unterdrückt” – ein Basis-demokratisches Paradies also. Doch die derzeit verbreiteten politischen Entscheidungsstrukturen streben Kompromisse an: Du gibst mir A, dafür bekomme ich B. Wird ein Konsens vorausgesetzt, wäre weder A noch B durchsetzungsfähig. Jetzt könnte man gleich sagen, mit diesem Ideal käme man nie zu einem Ergebnis. Falsch, denn A und B können sich meist darauf einigen, dass C total schlecht ist. Allein das ist ein Konsens, auf den eine Entscheidung fallen kann.
Genau dieses Prinzip nutzen verschiedene Systeme, die wir in der Piratenpartei schon ausprobieren. Sei es Liquid Feedback, Liquidizer oder so manche Umfragen (bzw. die Auswertungen) mit Limesurvey. Ich sehe darin eine große Chance unser politisches Handeln fairer, liberaler, sozialer zu gestalten als es allen anderen Parteien überhaupt möglich ist. Ein “herrschaftsfreies” System, paradiesisch? Ja!
Doch sehe ich hierbei eine ungelöste Frage, weshalb auch o.g. Günter Verheugen zu der Überzeugung gelangt sein mag, dass ihm die repräsentative (Kompromiss-) Demokratie immer wichtiger werde. Obwohl diese Frage erst aktuell werden dürfte, wenn wir an Regierungen beteiligt sind – sollten wir sie frühzeitig angehen.
Nehmen wir an (!) es gäbe in DE keinerlei Gesetzgebung zur Gewinnung von Energie aus Nuklearanlagen. Nehmen wir weiterhin an eine Gruppe wöllte nun ein Atomkraftwerk bauen. Es dauert lange bis sich herauskristallisiert: es kommt zu keinem Konsens da sich unvereinbare Meinungen in der Bevölkerung/bei den Beteiligten gezeigt haben. Eine Entscheidung über die Hauptsache (Atomkraftwerk oder nicht) kann also nicht getroffen werden. Einigkeiten ergeben sich aber in einzelnen Angelegenheiten, beispielsweise wollen alle Bäume um die Anlage gepflanzt sehen.
Die Frage die sich jetzt stellt ist spannend: werden am Ende nur die Bäume gepflanzt? Um die Frage auf die spitze zu treiben: wird man in einer solchen Konsensdemokratie alles dürfen, was nicht verboten ist – oder ist alles verboten, was nicht (durch Konsens) erlaubt ist? Im erstgenannten Fall würde das Atomkraftwerk gebaut, auch wenn 67% dagegen wären – 67% sind kein Konsens. Das letztgenannte wäre eine unglaubliche Einschränkung der (individuellen) Freiheiten aller, nicht nur wenn es um Atomanlagen geht.
Habe ich die Frage richtig gestellt?
“Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen einige Leute Bunker und einige bauen Windmühlen.” (Chinesisches Sprichwort)
Die Debatte ums Urheberrecht kommt in den großen Mainstream-Medien an. Das ist zum einen ein Vorteil, denn wir können die Diskussion nicht immer nur in irgendwelchen selbst- und fremdernannten Expertenrunden führen, aber es ist auch ein Nachteil, denn die Qualität der öffentlichen Diskussion ist ziemlich durchwachsen.
Zum einen gibt es hier die konzertierten Kampagnen. Die Lobbys, welche seit Jahren an der Verschärfung des Urheberrechts gearbeitet haben sind gut organisiert und entsprechend ist es sicher alles andere als ein Zufall, dass die 51 Tatort-Autoren ihren offenen Brief kurz vor der Handelsblatt-Kampagne mit den 100 (oder besser eher 26) Kreativen schrieben.
Dazu kommen eine handvoll schlecht recherchierter Artikel, die alle nach dem selben Schema gestrickt sind. Man nehme sich ein Piratenaussage zum Urheberrecht, schmücke Sie mit eigenen Schlussfolgerungen möglichst bunt aus und greife dann die eigenen Schlussfolgerungen an. Ich kann wirklich nur jedem interessierten Menschen empfehlen, nicht auf die Darstellung der Piratenposition zum Urheberrecht in den Medien zu vertrauen, sondern sich selbst ein Bild zu machen (Die beiden »großen« offiziellen Positionen habe ich bereits auf meiner Wiki-Seite verlinkt, ich versuche bei Gelegenheit auch andere Aussagen zu sammeln).
Die Debatte gewinnt aber auch noch einen ganz anderen Aspekt. Viele Argumente, die gegen die Urheberrechtsposition der Piratenpartei aufgefahren werden, sind Argumente gegen das Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke an sich. Das ist nicht verwunderlich. Seit Jahren wettern Lobbyisten, Konzerne und Einzelpersonen gegen »Gratiskultur« und »Diebstahl geistigen Eigentums« im Netz, hatten aber immer nur eine diffuse Masse vor sich, die meist einfach mit »Generation Kostenlos« oder ähnlichen Schlagwörtern beschrieben wurde. Jetzt, wo die Piratenpartei hier in der öffentlichen Debatte Position bezieht, wird sie zum Stellvertreter der ganzen Filesharing-Bewegung.
So einfach dieser Schluss ist, so falsch ist er. Die Piratenpartei hat das Filesharing nicht erfunden. Es ist ein technisches und soziales Phänomen, das lange vor der Piratenpartei da war und es wird selbst dann noch da sein, wenn die Piratenpartei ähnlich der FDP wieder im Umfragetief verschwinden sollte. Es ist also sinnlos die Piratenpartei anzugreifen, wenn man Filesharing bekämpfen will.
Was die Piratenpartei ausmacht ist nicht die vermeintliche Erfindung des Filesharing-Phänomens, sondern der politische Umgang damit. Wir haben uns organisiert, weil wir dagegen sind, dass das Urheberrecht durchgesetzt wird, indem man den privaten Datenverkehr der Bürger bespitzelt oder das freie Netz zensiert. Denn Filesharing ist nun mal da und es gibt im wesentlichen vier Wege damit umzugehen.
1. Der »schwarze« Weg
Filesharing wird als unerwünscht angesehen und seiner Bekämpfung eine hohe Priorität zugesprochen. Dabei wird akzeptiert oder gar gewünscht, dass tiefe Einschnitte in die Freiheitsrechte des einzelnen oder die freie Infrastruktur des Netzes von Nöten sind um dieses Ziel zu erreichen.
2. Der »gelbe« Weg
Filesharing wird als unerwünscht angesehen, aber Freiheitseinschränkungen oder Einschränkungen in der freien Infrastruktur des Netzes werden ebenfalls nicht akzeptiert. Die Position bleibt ambivalent.
3. Der »grüne« Weg
Filesharing wird als unerwünscht angesehen, aber Freiheitseinschränkungen oder Einschränkungen in der freien Infrastruktur des Netzes werden ebenfalls nicht akzeptiert. Es wird über staatliche regulierte Kanäle eine Zwangsabgabe erhoben, die einen Ausgleich für die vermeintlich geschädigten Schaffen soll (Leermedienabgabe, Content-GEZ (vulgo: Kulturflatrate), Geräteabgabe,…).
4. Der »orange« Weg
Freiheitseinschränkungen oder Einschränkungen in der freien Infrastruktur des Netzes zur Bekämpfung des Filesharings werden nicht akzeptiert. Stattdessen wird der Sinn der bisherigen gesetzlichen Regelung zum Urheberrecht hinterfragt. Filesharing wird im Schluss als etwas positives angesehen, sowohl für die Nutzer als auch für die Urheber.
Diese Liste ist verkürzt und sicher nicht erschöpfend, aber sie stellt die bisherige politische Debatte grob dar. Und hier ist der Punkt, an dem jeder der gegen die Piratenpartei spricht Farbe bekennen muss. Wenn ihr für ein Verbot von Filesharing seid, wie gedenkt ihr das durchzusetzen? Denn eins muss euch klar sein: Die Piratenpartei anzugreifen mag leicht sein, aber es löst das Problem nicht.