Der Aufbruch in die Realität – Oder wie das mit der Kirche und dem Staat funktionieren sollte
It is human nature to look to the past. To the road we have travelled. To what has so far defined us. But only leaving our past behind can we then push onward. Into an unknown tomorrow. Into the dawn of a new future. Into the light of a new beginning. – Mohinder Suresh, Heroes.
Der Katholikentag dieses Jahr steht unter dem Motto “Einen neuen Aufbruch wagen”. Normalerweise würde ich so etwas nur mit einem kleinen wohlwollenden Schmunzeln zur Kenntnis nehmen, denn als Atheist behalte ich mir vor, mich nicht in die inneren Angelegenheiten der verschiedenen Glauben einzumischen. Zumindest solange sie nicht die allgemeine Politik tangieren.
Eigentlich würde das der Katholikentag kaum, hätten nicht namhafte Mitglieder der Grünen – unter ihnen Ulrike Gote, ihres Zeichen religionspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im bayerischen Landtag, ein Positionspapier veröffentlicht. Einen “Echten Aufbruch” soll es ermöglichen. Und man habe ja ganz hehre Ziele: Gerade in Zeiten der Finanzkrise müsse man die Parlamente stärken, den Lobbyismus zurückdrängen und die Beteiligungsmöglichkeiten erhöhen. Warum dies jetzt in Zeiten der Finanzkrise wichtiger ist wird leider nicht erwähnt, aber das man hier Lobbying betreibt während man den Lobbyismus zurückdrängen möchte zeigt eigentlich schön, wie sehr man seine eigenen Wortphrasen verstanden hat.
Neben den Reformforderungen an die Katholischen Kirchen halten die Verfasser Faszinierendes fest:
Gerade als Politikerinnen und Politiker wissen wir, dass Politik nicht Erlösung im Hier und Jetzt liefern kann – und Kirche nicht politischer Akteur, sondern Gemeinschaft von Glaubenden ist.
Ich glaube ja fest daran, dass Politik mehr für die aktuelle Lebenslage und das Seelenheil der Menschen in diesem Land tun kann und sollte als es eine Kirche zu leisten vermag, die naturgemäß sich hauptsächlich um ihre eigene Gemeinschaft denn die Allgemeinheit kümmert. Des Weiteren ist jede Kirche natürlich ein politischer Akteur: Sie vertritt die Ansichten und Wertvorstellung ihrer Gläubigen in der Gesellschaft und ist damit immer eine Stimme bei der Konsensfindung über Recht und Unrecht. Gesetze sind nichts weiter als der niedergeschriebene Wertekonsens einer Gesellschaft. Der Kirche die Aufgabe abzusprechen, an diesem Ringen um den Wertekonsens zu partizipieren, erschreckt mich zu tiefst.
Wie gesagt hätte ich das Papier im Allgemeinen ignoriert, wenn es sich nur um Kircheninterna gehandelt hätte, aber die Grünen fordern ein neues Verhältnis von Staat und Kirche und diese Forderungen richten sich klar an den Staat: Da es ja immer wenige Gläubige des Katholischen Glaubens in Deutschland gäbe, sei es nicht sinnvoll zuzuschauen, dass viele Menschen “wegen der Kirchensteuer” aus der Kirche austreten. Daher muss eine Atheistensteuer Kulturabgabe her, die nicht Gläubige doch bitte an eine gemeinnützige Institution ihrer Wahl zu entrichten hätten.
Vollkommen richtig sei aber natürlich, dass die Kirchensteuer über den Staat eingezogen wird, das senke ja die Verwaltungskosten bei allen Beteiligten. Und prinzipiell ist es wohl richtig, dass der Staat die christlichen Kirchen bevorzugt die Kirchen finanziell unterstützt. Zwar müsse man diese Leistung nach dem Grundgesetz ablösen, aber doch bitte so, dass die dauerhafte Präsenz der Kirchen in unserer Gesellschaft sichergestellt sei. Und das Ganze bitte noch – Vorsicht Buzzwordbingo – transparent!
Positiv erwähnt sei, dass sie die Beteiligung anderer Religionsgemeinschaften (das sind nämlich keine Kirchen!) bei den Rundfunkräten befürworten.
Mich schockiert das gesehene Verhältnis von Staat und Religion in diesem Papier zu tiefst. Einerseits wird so getan, als sei Kirche etwas total Unpolitisches, was einfach bei der Historie und der jetzigen Stellung der christlichen Kirchen in unserer Gesellschaft nur noch lächerlich ist. Auf der anderen Seite möchte man alle Menschen zum Zwangsspenden bringen, damit weniger wegen der Kirchensteuer austreten.
Dabei hat die Kirchensteuer nichts mit dem Gemeinwohl zu tun – sie ist nicht gemeinnützig, auch wenn das immer gern behauptet wird. Die Einnahmen der Kirchensteuer werden von den Christlichen Kirchen dazu verwendet, ihre Gebäude zu unterhalten, Lobbying zu betreiben und ihre Priester und die Verwaltung zu bezahlen. Von dem Geld fließt (so gut wie) nichts in gemeinnützige Arbeit.
Das ist kein Vorwurf an die Kirche oder ihre Finanzierer, das alles ist prinzipiell ihr gutes Recht. Gläubige brauchen einen Ort wo sie gemeinschaftlich ihren Glauben ausführen können. Sie haben ein Recht darauf, ihre Ansicht an die Politik heranzutragen. Das Ganze müssen Sie aber doch bitte selbst bezahlen. Die Finanzierung dieser Tätigkeiten mit Zahlungen an gemeinnützige Organisationen – wie sie auch von den Kirchen betrieben werden – gleich zu setzen ist blanker Hohn.
Richtig wäre es, wenn hier die gleichen Regeln gelten würden wie für andere Glauben auch, denn ich verstehe nicht warum die Christlichen Kirchen hier gegenüber den Juden oder den Muslimen bevorzugt werden. Die Abschaffung der Kirchensteuer wäre daher eine logische Konsequenz. Zu einer fairen Demokratie gehört es nämlich auch, dass für alle die gleichen Spielregeln gelten.
Eine Atheistensteuer einzuführen – welche eigentlich eine “Nicht christliche Mainstreamsteuer” heißen müsste – ist daher blanker Unsinn, es sei denn man zwingt die Kirche, alle ihre Einnahmen in karitative Arbeit zu investieren. Sie stünden damit allerdings vor dem Bankrott.
Warum man es als notwendiges staatliches Ziel ansieht, sicherzustellen, dass Kirchen – damit sind scheinbar nur die christlichen gemeint – dauerhaft in unserer Gesellschaft präsent sind, ist mir schleierhaft. Sicherlich, der Staat hat die Religionsfreiheit sicherzustellen. Dazu gehört auch, dass man seinen Glauben frei nachgehen kann – mehr aber auch nicht. Es ist nicht Aufgabe des Staates, irgendeinen Glauben zu bewerben oder seine Präsenz oder Existenz zu sichern. Das ist Aufgabe der einzelnen Gläubigen.
Und genauso ist es mein Recht als Atheist eben nichts zu spenden, auch wenn ich das regelmäßig tue. Sobald Spenden zum Zwang werden, läuft etwas falsch in der Gesellschaft. Nicht, dass ich nicht denke, dass man Menschen in Not helfen sollte. Aber wenn es Dinge sind, die von allen zwangsweise finanziert werden, sollten die Gelder der demokratischen Kontrolle unterliegen. Sollten wir hier also mehr Geld benötigen, dann soll der Staat doch bitte die Steuern erhöhen. Das hätte einen klaren Vorteil: Nicht die Reichen bestimmen, wo das Geld hinfließt sondern alle. Ein Mensch, eine Stimme.
Dass dieses Papier von so hochrangingen Grünen, darunter ja religionspolitische Sprecher stammt, befremdet mich. Bisher dachte ich bei den Grünen durchaus Sympathien zur Trennung von Staat und Religion und der demokratischen Kontrolle über Allgemeinaufgaben erkannt zu haben. Scheinbar habe ich mich getäuscht.
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Folge 90: Bundesparteitag 2012.1: Nachlese
Maha blickt zusammen mit Andreas Baum (aka rka) zurück auf den Bundesparteitag 2012.1 in Neumünster.
Podcast
Dauer: ca. 1 Stunden 2 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 3. Mai 2012. Der Vorspann enthält den Zwischenruf eines Basispiraten auf der Pressekonferenz des neuen Vorstands.
Vorschau
Der nächste Klabautercast (Folge 91) wird sich mit dem Whistleblower Bradley Manning beschäftigen. Es werden übrigens noch Ideen für die 100. Folge gesucht.
Links
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Gesprächspartner und Links zum Thema
- WP: Andreas Baum
- PW: Bundesparteitag 2012.1
- PW: Vorstandskandidaten
- PW: Wahlergebnisse
- PW: neuer Bundesvorstand
- PW: Antragsportal
weitere Links
- WP: Holstenhallen
- erwähnte Person (PW): Miriam Seyffarth/Noujoum
- WP: Akzeptanzwahl/Wahl durch Zustimmung
- WP: Bongs/Bundesparteitag 2012.2
Sofort Anhören:
Folge 89: Bundesparteitag 2012.1
Maha spricht mit Christopher Lauer über den bevorstehenden Bundesparteitag und dabei auch über die Kandidaten für den Bundesvorstand, Macht und Verantwortung. Da die Aufnahme bereits am 28. März 2012 erfolgte, konnte natürlich nur die damalige Kandidatenlage berücksichtigt werden.
Podcast
Dauer: ca. 1 Stunden 25 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 28. März 2012. Der Vorspann enthält ein kurzes Zitat aus einer bekannten Fernsehshow.
Links
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Gesprächspartner und Thema
- WP: Christopher Lauer
- PW: Bundesparteitag 2012.1
- PW: Vorstandskandidaten
- PW: Antragsportal
weitere Links
Im Folgenden werden nur die Personen verlinkt, über die ausführlicher gesprochen wurde, zu den anderen siehe die Kandidatenliste oben.
- WP: BMW-Guggenheim-Lab
- erwähnte Person (PW): Stefan Körner/sekor
- erwähnte Person (PW): Sebastian Nerz
- erwähnte Person (PW): Marina Weisband
- erwähnte Person (PW): Bernd Schlömer
- erwähnte Person (PW): Julia Schramm
- erwähnte Person (PW): Johannes Thon
- erwähnte Person (PW): Mirco da Silva
- erwähnte Person (PW): Heiko Müller
- erwähnte Person (PW): corax
- erwähnte Person (PW): Simon Stützer, Blog: Simon Stützer
- erwähnte Person (PW): Klaus Peukert
- erwähnte Person (PW): Markus Barenhoff
- erwähnte Person (PW): Johannes Ponader
- erwähnte Person (PW): Bernd Schreiner
- erwähnte Person (PW): Benjamin Ölke
- erwähnte Person (PW): Jenny Becker
- erwähnte Person (PW): Nicolai Fleckenstein
- erwähnte Person (PW): Kungler
- erwähnte Person (PW): Gefion Thürmer
- WP: LimeSurvey
- Tagesspiegel: Piraten wollen Deutscher Oper das Geld streichen
- WP: Verantwortung
- WP: Verantwortungsdiffusion
- WP: Loveparade 2010 Duisburg
- WP: Kulturpolitik
- WP: Der Kulturinfarkt
- LQFB: Amtszeit des Vorstands
- WP: Mandatsträgerbeitrag
- PW: Antrag Mandatsabgaben, Antrag Mandatsabgabe Höhe
Sofort Anhören:
Folge 88: Bundesversammlung
Maha spricht mit Ingo über die 15. Bundesversammlung und die Wahl von Joachim Gauck mit Impressionen aus dem Reichstag. Da die Aufnahme im provisorischen Piratenbüro im Reichstag stattfand, klingt die Aufnahme wie aus einer Kirche.
Podcast
Dauer: ca. 35 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 18. März 2012 im Reichstag kurz nach Ende der Bundesversammlung. Im Vorspann ist ein Ausschnitt aus der Eröffnungsrede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zu hören.
Links
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Gesprächspartner und Mitglieder der Bundesversammlung für die Piraten
- Gesprächspartner (PW): Ingo Hoffmann
- Mitglieder der Bundesversammlung für die Piraten:
- Piratenpartei Berlin: Katja Dathe
- WP: Martin Delius
- weitere Personen (Begleitung):
- PW: Gerhard Anger
- PW: Ben de Biel
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Kurz notiert: Und sie stirbt doch!
Herrn Schweinsberg, Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken (FT), behauptete bei einer Preisverleihung: Die Zeitung wird nicht sterben. Ich schrieb für die Piraten Bamberg eine Gegenrede: Die Zeiten auf der (Lokal)Nachrichten auf Papier stehen werden neigen sich dem Ende zu, wer das nicht akzeptiert wird unter gehen. Wer an Details interessiert ist, findet sie auf den Seiten der Bamberger Piratenpartei
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Das Sonntagsdiktat
In Bamberg gab es mal wieder eine Diskussion um einen verkaufsoffenen Sonntag. Diesmal sollten die Geschäfte am Sonntag des ersten Wochenendes der Landesgartenschau öffnen dürfen. Argumentiert wurde damit, dass Bamberg an diesem Wochenende besonders viel Besuch erwarten könne und mehr Umsatz in der Stadt bliebe. Der Stadtrat entschied sich gegen den Vorschlag des Stadtmarketings und unseres Oberbürgermeisters Starke.
Während die Mitglieder der Union mit der Bibel argumentierten gab es bei der GAL Argumente für eine Familienfreundlichkeit der Stadt. Andere argumentierten mit dem Kulturgut Sonntag während Kirche und Gewerkschaft vor dem Spiegelsaal als “Allianz für den freien Sonntag” demonstrierten. Der Sonntag ist in Deutschland und ganz besonders im katholischen Bamberg heilig.
Wieder hat es gewonnen das Sonntagsdiktat. Ich bin der Meinung, dass es veraltet ist. Ein Relikt alter Traditionen. Es gehört abgeschafft, denn es steht der freien Entfaltung des Einzelnen entgegen. Es befördert den (traditionellen) Familiendruck, den unsere Gesellschaft auf ihre Mitglieder ausübt. Dabei sind einerseits die Singles in diesem Land (berechtigterweise) Zahlmeister für die Familienförderung, dürfen aber wegen Traditionen und Schutz der Familie im Gegenzug ihre Flexibiliät nicht angemessen zum Steigern ihrer eigenen Lebensqualität oder zur Monetarisierung voll nutzen. Ich empfinde das als ungerecht.
Die Piraten haben ihn ihrem Grundsatzprogramm unter Familien und Geschlechterpolitik unter anderem folgendes festgehalten:
Diese basiert auf dem Prinzip der freien Selbstbestimmung über Angelegenheiten des persönlichen Lebens, das sich ableiten lässt aus Artikel 1 des Grundgesetzes. Die Piraten setzen sich dafür ein, dass Politik der Vielfalt der Lebensstile gerecht wird. Jeder Mensch muß sich frei für den selbstgewählten Lebensentwurf und die von ihm gewünschte Form gleichberechtigten Zusammenlebens entscheiden können
[.....]
Die Piraten bekennen sich zum Pluralismus des Zusammenlebens. Politik muss der Vielfalt der Lebensstile gerecht werden und eine wirklich freie Entscheidung für die individuell gewünschte Form des Zusammenlebens ermöglichen. Eine bloß historisch gewachsene strukturelle und finanzielle Bevorzugung ausgewählter Modelle lehnen wir ab.
[....]
Die Piratenpartei setzt sich für die gleichwertige Anerkennung von Lebensmodellen ein, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Unabhängig vom gewählten Lebensmodell genießen Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen oder schwache Menschen versorgt werden, einen besonderen Schutz. Unsere Familienpolitik ist dadurch bestimmt, dass solche Lebensgemeinschaften als gleichwertig und als vor dem Gesetz gleich angesehen werden müssen.
Es wird zwar richtigerweise festgehalten, dass Lebenswürfe, in denen Kinder und andere bedürftige Menschen mitversorgt werden, besonderen Schutz und Förderung bedürfen, aber im allgemeinen sollen alle Lebensentwürfe gleichberechtigt behandelt werden. Für mich leitet sich daraus ein Recht eines Menschen, an Sonntagen frei zu haben ab, sofern er das mit seiner familiären Situation begründet. Derzeit besteht hierauf allerdings nicht nur ein Recht sondern eine Pflicht. Selbst Menschen die überzeugt oder nicht überzeugt ein Single-Dasein fristen und bereit wären am Sonntag zu arbeiten, um dadurch entweder mehr Geld zu verdienen oder um ihre freie Zeit unter der Woche besser zu nutzen, werden davon abgehalten.
Ihr Lebensentwurf ist da meiner Meinung nach nicht gleichberechtigt gegenüber den der anderen, das sollten sie aber, wenn sie auf der Gegenseite mehr Steuern zahlen, weniger Rente bekommen und mit der Krankenversicherung (in der Regel) Familien mitsubventionieren. Solidarität mit anderen Lebensentwürfen die unsere Gesellschaft weiter tragen können, sollten in beide Richtungen gehen.
Aber auch Familien könnten so eine Flexibilät, wenn sie denn wollen, das Leben erleichtern. So könnten beide Elternteile am Wochenende jeweils einen halben Tag arbeiten und diesen dann unter der Woche frei nehmen, um die Versorgung ihrer (Schul)kinder besser organisieren zu können. Man könnte so die Vereinbarkeit von Famlie und Beruf auch steigern. Ein Sonntagsarbeitsverbot muss eben nicht für alle familienfreundlicher sein – das kommt auf die Familie an.
Es wäre daher Zeit über moderene und flexiblere Rechtsmodelle bei der Arbeitsfreizeit nachzudenken. Ein Recht auf einen freien Tag in der Woche, bei Lebensmodellen mit Gemeinschaften auf einen freien Sonntag und eine gewisse Anzahl an freien Tagen zur Wahrung der Religionsausübung einzelner sollte dabei selbstverständlich sein.
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Folge 87: Transparenz
Maha spricht mit Matze über Transparenz bzw. genauer Nahbarkeit.
Podcast
Dauer: ca. 2 h (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 17. März 2012 in Berlin. Im Vorspann hören wir ein Zitat von Christian Wulff über Transparenz (Quelle).
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- Vorstandsportal zu Plankengate
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- Rivva: Kevingate
- Homepage: Anna König
- PW: Nationalismusantrag
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Folge 86: Sozialpiraten
Maha spricht mit Simon Stützer über die Sozialpiraten, das Grundeinkommen und den Bundesvorstand.
Podcast
Dauer: ca. 1 Stunden 55 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 3. März 2012 in Jena. Der Vorspann enthält einen Ausschnitt aus einer Rede von Christopher Lauer zur Sozialpolitik auf dem Bundesparteitag 2011.2 (Quelle).
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- PW: Simon Stützer
- Blog: Simon Stützer
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- Portal: Sozialpiraten
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- Sozialpiraten: Sozialstaat 3.0
- dazu: Rechenbeispiel von Computerdemokratie
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- PW: Warum Simon Stützer kein Macho ist
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Kurz notiert: Facebook – Fluch oder Segen? – Podiumsdiskussion auf TVO
Letzte Woche war ich in Coburg bei TV Oberfranken zu Gast in “Coburg Konkret”. Das Thema war “Facebook – Fluch oder Segen?” und die Aufzeichnung ist jetzt auch in Internet (als f4v) verfügbar. Ich hoffe ich hab die Piraten gut vertreten.
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- Pressemitteilung der Besetzer der Hochschule Coburg (Veröffentlicht: 12. November 2009 und 0 mal kommentiert)
- PM der Piraten Oberfranken zur Besetzung der Hochschule Coburg (Veröffentlicht: 12. November 2009 und 0 mal kommentiert)
- Kurz notiert – Politikforum zu Nutzungsbed. und Datenschutzerklärung von LQFB (Veröffentlicht: 23. Juli 2010 und 0 mal kommentiert)
- Bamberger Piraten on Tour (Veröffentlicht: 7. August 2009 und 1 mal kommentiert)
- Kurz notiert – Wolfang und ich im #Piratenradio über Bushido (Veröffentlicht: 19. Juli 2010 und 0 mal kommentiert)
Folge 85: Parteiverwaltung
Maha spricht mit dem Generalsekretär der Piratenpartei Deutschland Wilm Schumacher über die Verwaltungsarbeit des Vorstands. Weil wir uns zwischen zwei Zügen und einem Podcast über Sprachkultur nur kurz in Jena trafen, ist dieser Podcast ungewöhnlich kurz.
Podcast
Dauer: ca. 25 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 2. März 2012 in Jena.
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- PW: Wilm Schumacher
- PW: Bundesvorstand, Kategorie:Bundesvorstand
- Portal/Blog: Bundesvorstand
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- WP: Customer Relationship Management (CRM)
- WP (en): CiviCRM
- PW: Bundesparteitag 2012.1
- PW: Vorstandskandidaten
- erwähnte Person (PW): Schatzmeister: René Brosig
Sofort Anhören:
Folge 84: Landesmitgliederversammlung in Berlin
Gerhard Anger und Maha trafen sich bei Käse und Wein, um auf die Landesmitgliederversammlung zurückzublicken – Eichhörnchen inklusive.
Podcast
Dauer: ca. 2 h 20 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 29. Februar 2012 in Berlin; der Vorspann ist ein Ausschnitt aus der Aufzeichnung der Gebietsversammlung Friedrichshain-Kreuzberg.
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- erwähnte Mitglieder der Versammlungsleitung:
- erwähnte Person (PW): Stephan Urbach
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- WP: Posse comitatus
- WP: Habemus papam
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- erwähnte Person (PW): Markus Gerstel
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- Mahas Blog: Bürgerliquid
- Blog: Saftiger Kumquat
- LQFB-Blog: LQFB 2.0
- Piratenpad zu Gauck
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- WP: Gesellschaftsvertrag
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- Etymologie Molle~Mulde
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- YouTube: PupeTv
- WP: Hochzeit zu Kana
- WP: Berlin (Seedorf)
- erwähnte Person (PW): Ingo
- Wahlkampfkoordinator Saarland: @Wanderpirat
- Podcast: 1337kultur
Sofort Anhören:
Folge 83: Gesellschaftsformen
Maha spricht mit Christoph und Torben aus Potsdam über verschiedene Gesellschaftsformen/Utopien und was sie mit den Piraten zu tun haben.
Podcast
Dauer: ca. 4 h 54 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 27. Februar 2012 in Berlin. Der Vorspann enthält ein kurzes Zitat aus dem Film 23 – Nichts ist so wie es scheint, Quelle: Filmausschnitt.
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Christoph hat eine ausführliche Linkliste zu den angesprochenen Themen erstellt:
- WP: Thälmann-Pioniere
- WP: Schule in Deutschland
- WP: Familie
- WP: Hackerspace
- WP: Musterung
- WP: Staatsgewalt
- Piraten-Wiki: Squads und Arbeitsgemeinschaften bei den Piraten
- Piraten-Wiki: Crews und Stammtisch-Treffen bei den Piraten
- WP: Schiedsgericht
- WP: Shitstorm
- FAZ: Frank Schirrmacher: “Und vergib uns unsere Schulden”
- Amazon: David Graeber: “Debt: The first 5,000 Years”
- WP: Schuld
- WP: Stammesgesellschaft
- Amazon: Ian Morris: “Wer regiert die Welt?: Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden“
- WP: Geld (Schuldgeld)
- WP: Esperanto
- WP: Esoterik
- Amazon: Frank Schirrmacher: “Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind…”
- WP: Erfolg
- WP: Beruf
- WP: Al Jazeera
- WP: Autogesellschaft (Automobil)
- WP: Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
- WP: Wirtschaftswunder
- Amazon: Jules Verne: “Paris im 20. Jahrhundert”
- WP: Steampunk
- WP: Transrapid
- WP: Druckluft
- WP: Metropolis
- WP: Modern Times
- WP: Smartphone
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- Chip: Google: Fahrerlose Autos überzeugen die Politik
- WP: Carsharing
- WP: Individualverkehr
- WP: Finanzkrise
- WP: Kapitalismus
- WP: Infrastruktur
- WP: Neoliberalismus
- dradio: Das überschätze Projekt
- WP: Freiheit
- WP: Liberalismus
- dradio: Lechts und rinks Was bleibt von den großen Politischen Ideologien
- WP: Bedingungsloses Grundeinkommen
- weezerle: Gedanken zum BGE
- WP: Grundgesetz
- WP: Grundrecht
- WP: Anreizsystem
- WP: Volkswirtschaft
- WP: Deutsche Bahn
- WP: Bahn-Werbekampagne “Alle reden vom Wetter. Wir nicht.”
- WP: Deutsche Telekom
- WP: World Wide Web
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- WP: Netzneutralität
- WP: Anstalt des öffentlichen Rechts
- WP: ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers)
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- WP: Stiftung
- WP: Stipendium
- WP: Lehman Brothers
- WP: Bürokratie
- WP: Hochschulrat
- WP: Bucerius Law School
- YouTube: Grüne: „Computer als Teufelszeug“
- WP: Studiengebühren
- WP: Französische Revolution
- Handelsblatt: Ansgar Heveling: “Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!”
- WP: Inflation
- WP: Euro
- WP: Automatisierung
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- WP: Soziale Ungleichheit
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- Not Safe For Work! – Podcast
- Alternativlos! – Podcast
- taz-Flattr
- WP: CRE – Podcast
- WP: Meme
- WP: identi.ca
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- WP: YouTube
- WP: Shazam
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Folge 82: 100 Tage Piraten im Abgeordnetenhaus
Seit der Konstituierung des Abgeordnetenhauses von Berlin am 24. Oktober 2011 sind etwa 100 Tage vergangen. Maha zieht Bilanz mit den Abgeordneten Simon Kowalewski, Philipp Magalski und Wolfram Prieß.
Podcast
Dauer: ca. 2 h 42 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 27. Januar 2012 im Abgeordnetenhaus von Berlin, Raum 439.
Links
„PW“ verweist auf das Wiki der Piratenpartei, „WP“ auf die Wikipedia:
Gesprächspartner
- WP: Philipp Magalski
- WP: Wolfram Prieß
- WP: Simon Kowalewski
andere Rückblicke
- Küchenradio: 100 Tage Piraten mit Philip Banse
- RBB-Beitrag bei der ARD: Piraten in der Politik: 100 Tage einer Aufsteigerpartei
weitere Links
- Portal: Piratenfraktion Berlin
- WP: Abgeordnetenhaus von Berlin, Portal: Abgeordnetenhaus
- WP: Fernuniversität in Hagen
- erwähnte Person (WP): Martin Delius
- erwähnte Person (PW): plaetzchen
- WP: aktuelle Stunde
- erwähnte Person (WP): Susanne Graf
- erwähnte Person (WP): Simon Weiß, … im Piratenwiki
- PW: Berliner Wahlprogramm
- WP: Funkzellenabfrage
- WP: Große Anfrage
- WP: Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin
- netzpolitik.org: Schultrojaner
- WP: Staatstrojaner
- erwähnte Person (WP): Alexander Morlang
- Youtube: Alexander Morlang: Sendung mit der Maus
- WP: Lobbyismus
- WP: Gasbeleuchtung, Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin
- PW: Squads
- WP: Freifunk, PW: Kategorie:Freifunk
- Abgeordnetenhaus: Ausschuss für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit
- Verwaltungssystem der Piratenfraktion: Redmine
- WP: Mumble
- Redmine: Cluster
- Piratenpad: Startseite
- erwähnte Person (WP): Sven Kohlmeier
- Fraktion: Nebeneinkünfte
- für die erwähnten Gates wird auf den vorletzten Klabautercast verwiesen
- Portal: alextv überträgt die Sitzungen des AGH
Sofort Anhören:
We are not Anonymous but we are still legion!
ACTA droht uns verstummen zu lassenHier das Transkript meiner Rede die ich auf der ACTA-Demo in Nürnberg gehalten habe. Wer nicht Lesen möchte kann sich natürlich auch einfach das Video anschauen!
An manchen Stellen bin ich im Script vor Ort etwas gehüpft, ich wollte nicht ganz so viel Zeit in Anspruch nehmen.
“Das zentrale Anliegen unseres Ausschusses in dieser Wahlperiode ist zweifellos die laufende Reform der gemeinsamen Fischereipolitik, an der das Europäische Parlament mitwirkt.”
Das steht so auf der Webseite des Fischereiausschusses der Europäischen Union. Warum diese Worte heute so wichtig sind? Nun, wir reden hier ja über das Internet und irgendwie muss das was mit Fischerei zu tun haben, oder zumindest irgendwas mit Netzen oder so. Scheinbar hat für die EU-Kommission Fischerei und Internet was miteinander zu tun, denn genau dieser Fischereiausschuss wurde missbraucht – übrigens nicht zum ersten mal – um still und heimlich und möglich öffentlichkeitsarm etwas abzusegenen in der EU:
Die Unterschrift unter ACTA.
Das Anti Counterfeitng Trade Agreement. Der Grund warum wir heute hier sind. Der Beschluss seiner Unterzeichnung zeigt deutlich welchen Stellenwert das freie Internet, unser aller Freiheit und unserere elementarsten Bürgerrechte für manche Entscheidungsträger haben.
Diese Klüngelei im Fischerreiauschuss war aber nur der krönende Abschluss. Der Abschluss einer unglaublichen Art und Weise, wie kaum ein anderes Internationales Handesabkommen ausbaldowert wurde. Nicht die zuständigen Organisationen WIPO oder die Welthandelsorganisation durften mitverhandeln. Ebenfalls ausgeschlossen an der Arbeit an gesetzesähnlichen Texten wurden die Menschen, die uns vertreten sollen: Gewählte Parlamentarier. Aber Ersatz war vorhanden, denn für sie saßen die Lobbyisten mit am Verhandlungstisch. Allen voran Hollywood mit der MPAA, die Musikindustrie mit der RIAA und der Saatgutexperte Monsanto.
Und diese Lobbyisten diktierten den Regierungen dieser Welt unverhohlen ihre Wünsche aufs Papier – natürlich hinter verschlossenen Türen. Erst 2010 erreichte eine erste Version des Papiers die Öffentlichkeit. Nicht etwa weil man sich besann, eine öffentliche Debatte wäre notwendig. Nein, das Papier wurde geleaked, ein Whistleblower hat den Stand der Verhandlungen nach außen geschmuggelt.
Selbst die Parlamentarier des EU Parlaments sollten lange Zeit keinen Zugriff auf den Stand der Verhandlungen bekommen, denn das Volk und ihre Vertreter sollten sich natürlich nach Möglichkeit nicht einmischen.
In welchem System leben wir eigentlich, in dem gewählte Volksvertreter, gewählt um die Gesetze zu erarbeiten und zu beschließen zu gesetzesähnlichen Texten und Vertragswerken noch nicht mal Zugang bekommen? Was für ein demokratisches Verständnis herrscht da eigentlich vor?
Irgendwann 2011 wurde dann das fertige Abkommen veröffentlicht und wird seitdem fleißig von Regierungen ohne große Diskussionen munter unterzeichnet. Auch schon zahlreiche EU-Staaten haben ihre Unterschrift geleistet. Ist ja auch vollkommen richtig so, meint die EU-Kommission, lief doch alles super transparent, der Vertragstext ist ja jetzt am Ende doch noch öffentlich, ganz so als müssten wir dankbar sein, dass unsere Regierungen und Parlamente lesen dürfen, was sie unterzeichnen sollen.
Liebe EU-Kommission: Das ist nicht mein Verständnis von Transparenz. Mein Verständnis von Transparenz bedeutet: Alle Informationen, die ich zu einer guten Meinungsfindung brauche, rechtzeitig zu bekommen, sodass ich mich argumentativ in den Prozess einbringen kann. Transparenz heißt nicht nachträgliche Veröffentlichung. Transparenz heißt umfassende Veröffentlichung um TEILHABE ZU ERMÖGLICHEN.
Transparenz ist die Voraussetzung für Mitmachpolitik – das wird gemeinhin gerne auch Demokratie genannt. Ich sage das deshalb so deutlich, weil hier manche offenkundig noch Nachhilfe benötigen.
Das richtig peinliche für die westlichen Staaten Europas ist aber meiner Meinung nach, dass die ach so gerne kritisierten Staaten im Osten vorgemacht haben, wie das mit der Demokratie funktioniert.
Erst setzte Lettland die Unterzeichnung aus, dann kam Polen und dann folgte Tschechien dem Beispiel. Alle um weitere Diskussionen zu ermöglichen. Für die Teilhabe des Volkes an den Entscheidungen. Für manche eine Revolution für andere bekannt seit der französischen.
Und seit gestern zögert – vorerst – auch Deutschland mit der Unterschrift!
Richtig so. Schade allerdings, dass es erst unseren Druck brauchte. Schade auch, dass Deutschland da nur hinterher läuft und nicht vorneweg. Frau Leutheuser-Schnarrenberger: Das nächste Mal sollte sowas schneller geschehen und vor allem, liebe Justizministerin: Nicht vorerst, nicht den schwarzen Peter auf die EU schieben und warten, was das EU-Parlament macht. Gehen sie mit guten Beispiel voran, haben sie Mut, blasen sie die Unterschrift unter ACTA ab! Nicht Vorerst sondern dauerhaft!
Weg damit!
Sie fragen warum?
Ganz einfach, es geht bei ACTA nicht um die Urheber. Durch die Abschaffung von ACTA wird kein Urheber am Hungertuch nagen. Hier geht es um etwas ganz anderes. ACTA lässt sich für mich auf eine simple Frage reduzieren:
Wollen wir der Kulturverwertungsindustrie dauerhaft Einnahmen garantieren für Leistungen, die heutzutage keiner mehr braucht und nicht mehr in Anspruch nimmt? Wollen wir ein totes Geschäftsmodell ewig zwangsstützen?
Ich erinnere mich da an ein Sprichwort der Indianer: Wenn du bemerkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab. Das aktuelle Urheberrecht ist ein totes Pferd und es wird Zeit es zu reformieren und nicht es zu zementieren.
Liebe Verwertungsindustrie, liebe Politiker: Wir wissen, ACTA bringt für uns in Deutschland keinen Zwang zur Gesetzesänderung, aber der Ton und der Sinn von ACTA ist doch klar: Das jetzige repressive Urheberrechtssystem soll bestehen bleiben – am besten noch verschärft werden, Provider sollen Hilfspolizisten werden und Leuten soll der Zugang zu Informationen gekappt werden, wenn sie sich nicht so benehmen, wie ihr euch das vorstellt.
Das ist doch das eigentliche Ziel, das ihr erreichen wollt und wir sind heute hier um euch zu zeigen:
Wir werden uns wehren!
In euren Augen sind wir keine Konsumenten sondern nur Schmarotzer die zu zahlen haben, egal ob uns gefällt was ihr uns bietet oder nicht, aber time has changed:
Wir brauchen keine Kulturverwertungsindustrie, wir wollen lieber wieder Kultur. Wir wollen iTunes, wir wollen YouTube. Wir wollen Livebands, wir wollen gute DJs, wir wollen Remix-Culture.
Liebe Kulturverwertungsindustrie, diese Welt hat sich gewandelt. Ihr seid Dinosaurier und das Internet ist euer Meteroiteneinschlag!
Genau deswegen stehen wir hier: Damit ihr, damit die Politik den Glockenschlag endlich hört: Wir brauchen ein neues Urheberrecht, wir brauchen Fair Use, wir brauchen kürzere Schutzfristen, wir brauchen den garantierten Zugang zu freier Kommunikation wie ihn unser Grundgesetz vorsieht – dauerhaft und ohne wenn und aber!
Das ist für unsere Generation genauso wichtig, wie Zugang zu frischem Wasser und Strom. Wir brauchen das Internet, wir brauchen die Vernetzung für unsere Kommunikation und wir lieben die Möglichkeit, uns jederzeit und überall frei zu äußern und zwar so, das die ganze Welt es hören könnte und wir werden uns diese Freiheit nicht mehr nehmen lassen!
Und nein, dass macht uns nicht zu Schwerverbrechern!
Und wir werden eben nicht schweigend zusehen, wie ihr uns diese Bürgerrechte, diese neue Dimension der Rezipientenfreiheit – geschützt durch Artikel 5 unseres Grundgesetzes – versucht wegzunehmen, in dem ihr Provider zu Hilfssheriffs macht und zur Vorzensur drängt.
Liebe Verwertungsindustrie, liebe Konservative Politiker, liebe Lobbyisten: Wir stehen immer noch am Anfang der digitalen Revolution und wir lieben bereits jetzt diese neue Welt und die unglaublichen Möglichkeiten uns zu Beteiligen und Kund zu tun – wir werden sie uns nicht mehr nehmen lassen.
Liebe Verwerter, liebe Lobbyisten, liebe Konservative schaut hierher, schaut auf die mehr als 50 anderen Städte auf dem ganzen Kontinent in denen heute demonstriert wird. Schaut sie euch an, hört unsere Rufe und bemerkt, dass sich hier eine Generation erhebt, die ihr bisher für ach so unpolitisch gehalten habt.
Bemerkt, dass hier Menschen bereit sind, für ihre Zukunft laut zu werden.
Seht uns uns an und bemerkt:
We are not Anonymous but we are still legion!
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Gedanken zum Anti-ACTA Tag
Demonstrant auf ACTA-Demo NürnbergBild: Bernhard Hanakam
Ich denke es wird ein Streitpunkt für die Historiker werden, ab wann die Netzpolitik in Deutschland “angekommen” ist. Für manche mag das der Tag sein, an dem die Onlinepetition gegen das Zugangserschwerungsgesetz die 50 000 Zeichnungen knackte. Für andere mag es der Einrichtungsbeschluss der Enquete “Internet und Digitale Gesellschaft” sein. Für die nächsten mag es der Einzug der Piratenpartei ins Berliner Parlament sein. Für mich ist es der gestrige Tag.
Wahrscheinlich haben mehr als 100 000 Menschen in ganz Deutschland demonstriert gegen ein Internationales Handelsabkommen, das vor fünf Jahren den meisten Zeitungen nicht mal eine Randnotiz wert gewesen wäre.
Und ich möchte mit diesem Post allen Beteiligten für diesen Erfolg danken. Dem CCC und seinen Vertretern, die mit jahrelanger Grundlagenarbeit und Fachkompetenz das Politikfeld in Deutschland eigentlich prägten und erfanden. Den Piraten, die mit ihrer breiten, deutschlandweiten Basis und der extrem guten Vernetzung dafür sorgten, dass nicht nur in Berlin, sondern flächendeckend in Deutschland demonstriert werden konnte. Den Grünen, die vor Ort immer mithalfen, die durch ihre Seriosität dafür sorgten, das keiner sagen konnte: Da demonstrieren halt die üblichen Spinner und die, die Netzpolitik in Gesellschaftsschichten tragen, in die die anderen es nie könnten.
Und ich möchte Markus Beckedahl und seinen Jungs und Mädels von der “Digitale Gesellschaft” danken. Was wurde nicht für eine Häme über euch ausgeschüttet als ihr vor fast einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen seit. Auch ich hatte Zweifel, weil ihr euch auf Berlin konzentriert. Aber ihr konntet jetzt dadurch die Hauptstadtpresse unglaublich effektiv bearbeiten und zwar so, dass sie sich gut und halbwegs objektiv informiert fühlte und sich dadurch traute, zu berichten.
Sicherlich, wir alle streiten uns, kritisieren uns, kappeln uns und stehen im Teilen in Konkurrenz zueinander, aber alle genannten Organisationen hatten am gestrigen Tage ihren Anteil. Wir alle haben durch den Einsatz unserer speziellen Fähigkeiten etwas unglaubliches gemeinsam geschafft: Wir haben bei eisigsten Temperaturen so viele Menschen auf die Straße gebracht, wie es sonst nur Aufregerthemer wie die Atomkraft schaffen.
Das ist eine unglaubliche Leistung gewesen. Wir haben gezeigt, dass Netzpolitik massenfähig ist. Wenn mich in Zukunft die Menschen fragen, ab welchem Zeitpunkt es offensichtlich war, dass die Netzpolitik ein Thema für die gesamte Gesellschaft ist, ab wann sie angekommen ist in den Köpfen, dann werde ich den 11.02.2012 nennen.
Und für diesen Erfolg danke ich dem CCC, den Grünen, den Piraten und der Digitalen Gesellschaft. Einzeln hätten wir das nie geschafft.
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Folge 81: Politik und Medien
Maha spricht mit Christopher Lauer und Volker Beck über das Verhältnis von Politik und Medien.
Podcast
Dauer: ca. 2 h 55 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 14. Januar 2012 in Berlin.
Der Vorspann enthält einen Ausschnitt aus der 1. Pressekonferenz der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.
Vorschau
Im nächsten Klabautercast wird es um die ersten hundert Tage der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus gehen.
Links
„PW“ verweist auf das Wiki der Piratenpartei, „WP“ auf die Wikipedia:
Gesprächspartner
- WP: Volker Beck, Blog/Homepage: Volker Beck
- WP: Christopher Lauer, Blog: Christopher Lauer
weitere Links
- WP: Bundespressekonferenz, Homepage: Bundespressekonferenz
- Bundeszentrale für politische Bildung: geregelter Journalismus
- Bundespressekonferenz: Saalordnung
- WP: Berliner Presse Club
- erwähnte Person (WP): Christian Wulff
- erwähnte Person (WP): Johannes Rau
- WP: Düsseldorfer Flugaffäre
- erwähnte Person (WP): Egon Geerkens
- WP: Homestory (Yellow Story)
- WP: Transparenz in der Politik
- erwähnte Person (WP): Herbert Rusche
- WP: Geschichte der Grünen
- Youtube: Christopher Lauer bei Anne Will
- Bundestag: verschleppter Schwulenaktivist in Moskau, Queer.de: Nikolai Aleksejew: Tagebuch der Angst
- erwähnte Person (WP): Michel Foucault
- WP: Telex
- erwähnte Person (WP): Hans Herbert von Arnim
- Bundestag: Volker Beck u.a. zur Abgeordnetenentschädigung
- WP: Populismus, Blog: Mahas Blogbeitrag zu Rechtspopulismus
- erwähnte Person (WP): Jens Seipenbusch, Jens Seipenbusch im PW
- Portal: Piratenfraktion Berlin
- WP: Kontroverse um die A100
- WP: Realpolitik
- erwähnte Person (WP): Karl-Theodor zu Guttenberg
- WP: Moral
- erwähnte Person (WP): Simon Weiß, … im Piratenwiki
- Bildblog: „Salzschnupfgate“, storyfy: „Pseudokoks“
- erwähnte Person (WP): Christian von Boetticher
- erwähnte Person (WP): Horst Seehofer
- erwähnte Person (WP): Kai Diekmann, WP: Bildzeitung
- taz: Mail an Diekmann
- erwähnte Person (PW): Sebastian Nerz
Sofort Anhören:
Kurz notiert: Webseite für die Piraten in Bamberg
In letzter Zeit war es ja eher ruhig hier im Blog, was daran lag, dass ich derzeit ziemlich viel um die Ohren habe. So habe ich für die nach der damaligen offenen E-Mail nochmal zur Videoüberwachung am Brückenrathaus Stellung bezog.
Die Gründung eines Kreisverbandes in Bamberg ist ebenfalls geplant, auf der hoffentlich viele inhaltliche Anträge zur Lokalpolitik gestellt werden.
Darüber hinaus war ich etwas mit dem Neujahrsempfang der Piraten in Forchheim und der Oberbürgermeisterwahl in Bayreuth beschäftigt. Es tut sich also um mich herum einiges – da muss der Blog leider derzeit kürzer treten.
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- Aus “Under skull and bones” wird “Freiheitsworte” (Veröffentlicht: 22. Februar 2011 und 2 mal kommentiert)
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- Das Grün-Bayerische Selbstbild – oder auch “Lieber Dieter”. (Veröffentlicht: 20. September 2011 und 1 mal kommentiert)
- Kurz notiert: Interview mit Alvar Freude (Veröffentlicht: 4. Februar 2011 und 1 mal kommentiert)
- Ansprache an die ewig Strahlenden (Veröffentlicht: 23. September 2010 und 3 mal kommentiert)
Sieben Thesen zum Urheberrecht
Dies ist ein Gastartikel von Bruno Kramm. Er ist Musikproduzent, Labelmacher und aktiver Tierrechtler. Der Text steht unter der Lizenz CC-BY-NC-SA mit Namensnennung “Bruno Kramm”. Ich bin für Gastbeiträge immer offen.
Der öffentliche Diskurs um das Urheberrecht nimmt täglich an Fahrt auf. Die Schlacht um die Deutungshoheit von Verwertungsrechten an Immaterialgütern und geistig kreativen Schöpferleistungen wird auf dem Feld der Unterhaltungsbranche ausgetragen und das Urheberrecht als Alibi vorgeschützt. Die einstmals allmächtigen Traumfabriken kämpfen gegen das Marktversagen und das Zusammenbrechen der eigenen Paradigmen mit unsportlichen Mitteln: Der weitverzweigten Lobby und der Instrumentalisierung des Urheberrechts für die eigenen Wertschöpfungsinteressen. Doch Urheberrecht und Verwertung müssen strikt getrennt werden, um der Debatte um den größten gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit gerecht zu werden, dem digitalen Wandel. Hierzu möchte ich sieben Thesen zur Diskussion in den Raum werfen.
These 1
Digital speicherbare Geistesleistungen und informationelle Schöpfungen dienen bereits heute als immaterielle Almende. Sie weisen einer der Bildung und Teilhabe wechselseitig verpflichteten und verpflichtenden Gesellschaft den Weg in die Zukunft.
These 2
Die Möglichkeiten der vernetzten Welt als Schlüsseltechnologie des kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritts bedürfen einer dringenden Neufassung und Anpassung des Urheberrechts. Dies ist eine wichtige Aufgabe um die Rahmenbedingungen für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle auf eine sichere Grundlage zu stellen.
These 3
Die Adaption des Urheberrechts an verschiedene Medien und Vertriebswege verlangt eine genaue Unterscheidung der Interessen, insbesondere bezogen auf die Neugewichtung und flexible Verkürzung von Schutzrechten und Fristen, Nutzung- und Auswertungszeiträumen.
These 4
Sie benötigt eine klare Unterscheidung zwischen den Trägermedien der Information und der Ausweitung von bisherigen Schranken aber auch die Ächtung von standardisierten Abmahnungen und stufenweisen Verwarnmodellen.
These 5
Das gestiegene Interesse des Benutzers an freier Verfügbarkeit, Creative Commons, Open Source kollidiert mit den Ansprüchen von Verwertern, Verwertungsgesellschaften und Medienkonzernen. Die Lösung der Interessenkonflike um Urheberrechte im Internet muss zu Gunsten der Schwächsten – Urheber und Konsument – ausgestalten werden.
These 6
Dem häufig von Verbänden beschworenen strukturellen Marktversagen im Internet steht eine horizontale und vertikale Diversifizierung eines expandierenden Longtail-Marktes gegenüber, der sowohl den Urhebern als auch den Nutzern zu Gute kommt. Diesen neuen kleinteiligen Individualmarkt gilt es zu fördern.
These 7
So sehr wie Technologien des Internets von Heute vor wenigen Jahren unvorhersehbar waren, so wenig können verbindliche Aussagen über die Technologien der nächsten Jahre getroffen werden. Eine flexible und anpassungsfähige Beschreibung des Urheberrechts von Morgen schafft Freiräume für Zukunftstechnologien und gesellschaftliche Teilhabe.
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- Die verfassungsrechtliche Bewertung des Urheberrechts der Enquete (Veröffentlicht: 17. März 2011 und 2 mal kommentiert)
- Studien zur Jugend im Netz und 5 daraus folgende Thesen zum Jugendschutz (Veröffentlicht: 15. Februar 2011 und 3 mal kommentiert)
- Die Enquete und die Schutzdauer im Urheberrecht (Veröffentlicht: 18. März 2011 und 0 mal kommentiert)
- Die neuen Regelungsansätze im Urheberrecht in der Enquete (Veröffentlicht: 8. März 2011 und 3 mal kommentiert)
- Die Enquete und die Privatkopie (Veröffentlicht: 17. März 2011 und 3 mal kommentiert)
Ich bin Equalist!
Das weibliche sticht aus dem männlichenDas männliche sticht aus dem weiblichen
Über mein Problem mit dem (Wort) Feminismus, Gleichberechtigung und meine Abrechnung mit einer Welt, in der ich mich oft diskriminiert fühle.
Note: Ich weiß, dass ich mich hier mit einem heiklen Thema beschäftige, habe aber dennoch – wie es stets meine Art ist – “frei von der Leber” schreiben und bin dabei teilweise in einen Rant abgeglitten – Der Text ist durch seine – sagen wir plakative – Wortwahl nicht absolut jugendfrei. Ich bitte vor dem Kommentieren den Artikel ganz zu lesen – und sich auch gut überlegen, ob etwas, was als “Angriff” gewertet werden könnte, wirklich zweifelsohne von mir so gemeint ist.
Darüber hinaus werde ich in dem Artikel oft die Wörter “Mann” und “Frau” sowie “männlich” und “weiblich” benutzen. Ich bin mir bewusst, dass damit Menschen – wie zum Beispiel Intersexuelle – in gewissem Maß ausgegrenzt werden, dies ist allerdings leider für diese Diskussion Gang und Gäbe und soll ein anderes Mal von mir aufgegriffen werden
Ich bin ein Antifeminist. So oder so ähnlich hätte ich das wohl vor zwei Jahren noch lautstark festgehalten. Mittlerweile würde ich es wohl nicht mehr so ausdrücken, aber es bleibt in mir ein Unbehagen, wenn ich das Wort “Feminismus” höre. Warum? Nun, das liegt unter anderem an meiner ersten Begegnung mit dem Begriff: Er ist extrem negativ geprägt:
Mitte der Neunziger – ich war gerade in der Pubertät angelangt – las ich, was eine der bekanntesten deutschen Feministinnen davon hielt, wenn Frauen ihre Partner “entmannten”. Zugegeben, genau erinnere ich mich nicht mehr daran was ich damals alles gelesen hab, aber ich finde die Wikipedia gibt den Kern, der damals bei mir hängen blieb gut wieder:
Schwarzer begrüßte die Tat der US-Amerikanerin Lorena Bobbitt, die ihrem schlafenden Mann John den Penis abgetrennt hatte, nachdem dieser sie angeblich betrogen, zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen und vergewaltigt hatte. Obwohl Lorena Bobbitt einer Verurteilung nur wegen der Annahme geistiger Unzurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt durch die Geschworenen entging, und obwohl ihr Mann später vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde, äußerte Schwarzer:
„Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!“ – Alice Schwarzer: Emma 1995
Liebe Feministinnen: Stellt euch vor, eure erste Begegnung mit dem Feminismus wäre genau so abgelaufen: Irgendein Mann fabuliert darüber, eure primären Geschlechtsmerkmale zu zunähen, denn es sei eine Waffe oder Schwarzes Loch. Er bezeichnet dieses Verhalten als gerecht und freut sich darüber, dass sich das “endlich” jemand traute. Ich denke auch bei euch hätte die Marke “Feminismus” generell verschissen, um es mit den Worten der modernen Politik auszudrücken.
Dass ich schon seit Jahren eigentlich Feminist bin – zumindest wenn ich so manchen feministischen PiratInnen glauben darf – lässt mein negatives Gefühl gegenüber diesem Begriff nicht schwinden. Das hat durchaus auch mit dem Worststamm zu tun hat: Geht es doch – dem Worte nach – um die Frauenrechte. Zugegeben, wenn man eine Benachteiligung der Frau annimmt, so muss sie sich die Gleichberechtigung erkämpfen. Nur ist das heute noch so, wo auf dem Papier die Geschlechter ja gleichberechtigt sind?
Oh ja, ich spüre schon wie manche zur spitzen Feder greift um mich nieder zu schreiben, aber ich behaupte: Jede gesellschaftliche (nicht juristische) Benachteiligung des Femininen ist auch automatisch eine Benachteiligung und Diskriminierung des Maskulinen. Wenn man femininen Wesen nachsagt, dass sie beschützt werden müssen, sind masculine Wesen implizit dazu aufgefordert sie zu beschützen. Diskriminierung des einen Geschlechts kann man (fast) immer in die Diskriminierung der anderen Geschlechts umdrehen.
Und ja, ich fühle mich häufig in meinem Leben durch mein Geschlecht (Sex und Gender) diskriminiert. Jedes Mal, wenn ich mit einem hübschen femininen Menschen in einem Cafe sitze und die (gemeinsame) Rechnung auf meinem Platz landet, ohne dass dies explizit gewünscht wurde, fühle ich mich diskriminiert. Nicht nur, dass es offenkundig im Jahre 2011 für Kellner dieser Republik (stark erhöht übrigens in der Hauptstadt) Normalität zu sein scheint, dass Männer bezahlen. Nein, ich persönlich fühle immer die Ansage mitschwingen
Du armer
alterfetter hässlicher Mann kannst solche Frauen eh nur dazu bringen sich mit dir abzugeben, wenn dafür Geld fließt. Ohne implizite Prostitution kann das nicht funktionieren – du bist nichts wert! Zumindest nicht mehr als dein Geldbeutel hergibt.
Sicher, das Empfinden ist übertrieben. Ich versuche mir das auch immer wieder bewusst zu machen – dennoch schießt dieser Gedanke in meinen Kopf und es fühlt sich einfach schlecht an.
Ja ich fühle mich diskriminiert, zum Beispiel durch eine Vielzahl von Frauen. Noch heute hört man von Ihnen.
Natürlich müssen Männer den ersten Schritt machen und um die Frauen werben.
Gesellschaftliche Normalität und die Macht des Faktischen? Zugegeben, wäre ich Frau und heterosexuell, ich würde es mir wohl auch gemütlich machen, denn Frau wird ja oft genug angeflirtet. Wie sagte es eine Bekannte von mir vor einiger Zeit:
Frauen die Schwänzen hinterher laufen machen was falsch, die kommen doch von ganz alleine.
Dass dann dummerweise diese Männer meist nachher natürlich sich als psychisch beziehungsunfähig und notorisch ignorant herausstellen erleichtert das dem Opfer Frau dann alle Männer – und damit auch mir – die Schuld zuzuweisen.
Gut, ich weiß was jetzt in manchem Kopf vorgeht: “Ohhh, der Arme, bekommt gar keine ab”. Sicher, richtig – aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass dem so ist, weil ich mit etwas zwischen den Beinen geboren wurde, was die andere Hälfte der Menschheit nicht hat. Es geht um gesellschaftliche Chancen, Akzeptanz und Verhaltensweisen.
Und dieses Ungleichgewicht lässt sich fortsetzen: Während Feministinnen sich zu Recht beschweren, dass Frauen – im Schnitt – weniger verdienen als Männer wird gerne übersehen, dass Männer damit eben meist mehr verdienen als ihre Frauen. Und ja, das ist ein fucking Problem. Das bedeutet nämlich auch, wenn der Mann eine Familie gründen will, wird er in der Regel dem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt der Ernährer zu sein, denn objektiv ist es nunmal unlogisch – oder zumindest unrealistisch – dass der Besserverdienende zu Hause bleibt um die (Klein)Kinder zu hüten.
Nebenbei, liebe Feministinnen: Es fühlt sich extrem als Hohn und Spott an, wenn man als Mann, der unter anderem auch deswegen verlassen wurde, weil er gerne auch eine Zeit lang “Heimpapa” sein wollte, von seiner damaligen fast Verlobten verlassen wurde, von euch vorgeworfen bekommt, er sei Sexist, weil er zum Beispiel einzelne Maßnahmen wie die Frauenquote für kontraproduktiv hält. Dabei erlebe ich das männliche Rollenbild ständig und lebe es deswegen zwangsweise täglich. Beispiele gefällig? Ich habe vor einiger Zeit eine junge Mutter gedatet. Irgendwann erzählte sie mir, dass ihre Tochter ja gerne mit “Hello Kitty” und lila Glitzerponys spiele. Meine spontane Reaktion: “Cool lila Glitzerponys”. Zugegeben, es war mein Nerd-Humor der dabei durchschien und er ist für die meisten Non-Nerds nur schwer zu verstehen. Dennoch fand ich den Blick der darauf folgte mehr als sexistisch: Ich konnte sehen wie mir die Augen die Fragen stellten: “Was bist du denn für ein Mann?”.
Überhaupt: Kindererziehung. Nun ist es ja so, dass ich aufgrund von persönlichen Enttäuschungen nicht mehr daran glaube, dass ich “Die Frau fürs Leben” finde. Zugegeben, das hat etwas mit mir und meinen Erfahrungen und nicht Geschlechtergerechtigkeit zu tun, aber ich wollte auch immer Kinder. Warum sollte ich eigentlich mit irgendjemanden Kinder zeugen, wenn ich davon ausgehe, die Beziehung “verlebt” sich nach ein paar Jahren eh. Wenn sich die Frau dann weigert, was hab ich dann von den Kindern? Ich darf zahlen und seh sie einen Tag in der Woche. So urteilen deutsche Gerichte doch gerne. Und wehe man arbeitet sich dann nicht den Arsch auf, um den Unterhalt möglichst hoch zu treiben: Dann ist man der Rabenvater! Zeit für die Kinder? Geschenkt. Dein Geld ist dann das Beste an dir. Da fühlt Mann sich richtig wohl.
Und im Allgemeinen? Nun haben Männer ja immer noch unfehlbar zu sein! Beispiel gefällig? Ich war mal im Bundesvorstand der Piratenpartei. Und die Amtszeit war nicht sonderlich glücklich, um es mal charmant auszudrücken. Direkter gesagt: Es war scheiße, ich habe Fehler gemacht. Natürlich haben diese Fehler Gründe, welche zum guten Teil noch nicht mal bei den Piraten liegen. Das Ganze ist jetzt mehr als ein Jahr her – für die Piraten ist das eine Ewigkeit, in der Zeit krempelt sich da einmal die Partei um. Dennoch ist das immer wieder Thema wenn Piraten mich umgeben und dennoch werde ich dafür gestichelt, gefragt und dumm angeschaut. Zugegeben, geschenkt: Ich komm mit so einem Scheiß ganz gut zurecht. Aber ich bin mir sicher: Wäre ich eine Frau, würde das Ganze so nicht passieren. Frauen dürfen Fehler machen, fehlbar sein. Männer dürfen das in der Regel nicht: Gesellschaftlich werden ihnen Fehler länger nachgetragen, sie haben unfehlbar zu sein. Man könnte sagen: Fehler sind für die Gesellschaft weiblich. Und ja, das ist ein Problem – und meiner Meinung vor allem eins für Männer!
Ja liebe Feministinnen, es ist richtig, dass die beherrschenden Rollenbilder endlich verschwinden müssen. Ich will nicht mehr obligativ doof angeguckt werden, wenn ich nicht weiß das Schweinsteiger sich ja irgendwie verletzt hat. Ich will nicht mehr immer der Starke sein müssen, der in jedem Moment der Schwäche von anderen ein “Mimimi” oder ein übergefaktes “Ohhh” hört, anstatt einfach mal Verständnis zu erhalten. Ich hasse es, dass 95% der Frauen die ich kennenlerne in mir einen Prinzen sehen, der irgendwie sie und ihr vermaleidetes Leben rettet. Ich bin es verfickt nochmal leid, dass ich gefragt werde warum ich keine Karriere anstrebe und eben kein dickes Auto fahre. Ja verdammt, ich hab ein kleines Gemächt und ich brauch trotzdem keine scheiß Statussymbole oder eine junge Blondine um meine Männlichkeit zu erhöhen.
Wie ihr seht, liebe Feministinnen teile ich durchaus einen Teil eurer Ziele und dennoch bin ich kein Feminist. Wäre das Wort nicht noch schlimmer verbrannt als Feminismus, ich müsste mich wohl Maskulist nennen. Denn ich hätte auch gerne Gleichberechtigung, und zwar nicht nur für euch sondern auch für mich: Weiß, Maskulin, Mann und jung. Ich habe es satt für alles Leid der Welt verantwortlich gemacht zu werden.
Ja in gewissen Dingen habe ich es leichter als andere: Die Gesellschaft erlaubt mir leichter Karriere zu machen. Die Gesellschaft erlaubt mir meine Frau – wenn ich eine hätte – bei den Kindern zu parken und dabei mein Ego-Ding-durchzuziehen. Nur: Das wird im Gegenzug auch alles von mir erwartet und in mich hineinprojeziert: Ich habe auch Karriere zu machen, ich habe das Geld ranzuschaffen, ich habe keine Schwäche zu zeigen und ich habe verdammt nochmal Fußball zu gucken, Bier zu trinken und sowieso hab ich die weibliche Welt ins Bett kriegen zu wollen. Und dann kommt ihr, liebe Feministinnen und erzählt mir, dass die Gesellschaft die Frauen benachteilige, ja diskriminiere und ich es doch gut habe. Denn ich habe was ihr gerne hättet. Ob ich das so möchte, hat mich nur niemand gefragt.
Und jaa, jedes mal wenn ich das Wort “Feminismus” höre, dann fühle ich mich auf der Anklagebank. Oft lese und höre ich:
Wir armen Frauen werden von euch Männern unterdrückt.
Und das hört sich dann ganz schnell irgendwie danach an:
DU behandelst MICH ungerecht.
Und mein Problem ist: Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich denke über mich nach und frage mich, wo ich Frauen in meiner Umgebung schlecht oder anders behandle als Männer. Vielleicht hat sich der Feminismus bei mir auch einfach überlebt, frage ich mich dann.
Ich bin ein Mann Anfang 30 wie viele Männer meiner Generation: Erzogen von alleinerziehenden, voll berufstätigen Müttern und großen Schwestern. Bei mir gab es in der Jugend das Rollenbild “starker Mann” und “schwache Frau” einfach so nicht. Der Vater war der witzige Kerl den man alle 2 Wochen mal gesehen hat und mit dem man dann schwimmen war – oder so.
Erziehung? Die strenge harte Hand? Die ging bei mir von meiner Mutter aus. Von meiner Schwester. Den weiblichen Erziehern im Hort, den weiblichen Lehrern. Wenn ich meine Kindheit so betrachte, dann waren Männer eigentlich immer die, die hintenan standen: Weniger Zeit, weniger zu sagen, mehr zu zahlen. Männer? Das gearschte Geschlecht!
Vielleicht sehe ich deswegen die Welt anders. Vielleicht komme ich deswegen in einer Welt mit gesellschaftlichen Normen aus dem 19 Jahrhundert nicht immer zurecht. Ja ich verstehe sie nicht, zumindest nicht immer. Julia Schramm schoss mit ihrer Diagnose zwar über das Ziel hinaus, traf aber einen Kern unglaublich gut:
Der durchschnittliche, männliche Pirat hat in der Vergangenheit meist nur starke Frauen erlebt, wurde verschmäht, unterdrückt, verhöhnt. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit trifft ihn ins Mark, haben doch die Jahre der Suche nach einem respektvollen Umgang beim Flirten eine hohe Frustration aufstauen lassen. Mehr noch: In der Pubertät gemobbt und verprügelt, ausgestoßen und exkludiert trifft der Vorwurf des „Privilegienpenis“ auf blankes Unverständnis.
Ja, liebe Feministinnen, ich habe Unverständnis und noch viel mehr: Ich bin es leid, es geht mir auf meine Eier, wenn ich – gefühlt – immer wieder höre ich sei Schuld, Teil des Problems. Denn ich fühle mich maskulin. Ja ich bin ein Mann und ich kann es nicht mehr hören, dass diese 12 cm zwischen meinen Beinen mir ein besseres Leben per se beschert, sowieso eine Waffe ist und jede Frau das verdammte Recht hat es mir abzuschneiden.
Denn des öfteren renne ich gegen genau die gleichen Mauern wie ihr liebe Feministinnen, nur von der anderen Seite. Und dennoch kann und will ich mich nicht als Feministin bezeichnen, denn mein Kampf hat nichts mit dem Weiblichen zu tun, sondern mit mir, den Männern – ja mit allen Menschen. Und deswegen bin ich Julia Schramm dankbar, dass sie über einen neuen Begriff für das Problem nachgedacht hat. Equalismus heißt ihr Zauberwort. Zugegeben, er soll dazu dienen die Piratenpartei zu infiltrieren, aber er ist so herrlich geschlechterübergreifend und unbelastet. Liebe Feministinnen, Liebe Welt:
Ich bin Equalist!
Ich bin Equalist, weil ich mit Frauen gleichberechtigt leben will und will das Frauen mit mir und meinen Geschlechtsgenossen gleichberechtigt leben können.
Ich bin Equalist, weil nicht das Geschlecht sondern Intoleranz und Vorurteile in der Gesellschaft das Problem sind und diese von beiden Seiten der Mauer gelöst werden müssen, sonst reißen wir sie nie ein.
Ich bin Equalist, damit ich verdammt nochmal auch mit Rosa Glitzerponnys spielen darf ohne ausgelacht zu werden.
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Die Abgeordnetensteuer, die Piraten und Volker Beck
Ihn kennt vielleicht nicht jeder, aber jeder Bürger sollte ihn kennen: Den Mandatsträgerbeitrag. Kennt ihr nicht? Das sind die Schutzgeldzahlungen Sonderbeiträge, die Mandatsträger aller großen Parteien als zusätzliche Beiträge an die Parteien zu zahlen haben.
Sozusagen als Dankeschön, dass die Partei einen aufgestellt hat oder wieder aufstellen wird. So als Dankeschön halt, das man gemocht wird – oder so. Anders ausgedrückt: Jeder der bei den großen Parteien MdB, MdL oder ähnliches wird, darf monatlich einen Teil seines Gehaltes freiwillig und in großer Freude seiner Partei spenden als Sonderbeitrag entrichten.
Die Höhe dieser Beiträge für die Finanzierung der Parteien sollte man nicht unterschätzen (Quelle Wikipedia):
Im Jahr 2003 wurden laut Rechenschaftsbericht zugunsten der SPD insgesamt 22,5 Mio. € Mandatsträgerbeiträge geleistet; dies entspricht einem Anteil von 12,5 % an den Einnahmen der Partei. Bei der CDU waren es insgesamt 18 Mio. € (12,9 %). Die Mandatsträger der FDP leisteten 1,3 Mio. € (4,6 %). Die Vorgängerin der Linkspartei, die PDS, sammelte 1,1 Mio. € Mandatsträgerbeiträge ein (5,1 %). Die Mandatsträger der Partei Bündnis 90/Die Grünen leisteten insgesamt 4,5 Mio. € (17 %). Zugunsten der CSU wurden insgesamt 3,3 Mio. € Mandatsträgerbeiträge geleistet (6,9 %).
Diese Mandatsträgerbeiträge sind sogar im Parteiengesetz verankert:
Mitgliedsbeiträge sind nur solche regelmäßigen Geldleistungen, die ein Mitglied auf Grund satzungsrechtlicher Vorschriften entrichtet. Mandatsträgerbeiträge sind regelmäßige Geldleistungen, die ein Inhaber eines öffentlichen Wahlamtes (Mandatsträger) über seinen Mitgliedsbeitrag hinaus leistet.
Und ja, verfassungsrechtlich ist das ok- zumindest solange der Zwangsbeitrag an den allwissenden Verein die Partei nicht in die Abgeordnetenbeiträge einberechnet wird. Wird es ja auch nicht, niemals nicht!
Und die machen das ja auch alle total freiwillig, wetten? Also gut, die CDU hat da zum Beispiel in ihrer Satzung stehen (§13):
Erheblich gegen die Ordnung der Partei verstößt insbesondere, wer seinen Pflichten als Mitglied beharrlich dadurch nicht nachkommt, dass er über einen längeren Zeitraum trotz Zahlungsfähigkeit und trotz Mahnung seine persönlichen monatlichen Mitgliedsbeiträge oder seine etwaigen weiteren, satzungsrechtlich festgelegten monatlichen Beitrage als Amts- oder Mandatsträger der CDU (Sonderbeiträge) nicht entrichtet.
Für Menschen die sich noch nicht in das Parteigesetz eingelesen haben, da steht:
Wenn du net zahlst, dürfen wir dich rausschmeißen.
Gut, andere Parteien werden da im Wortlaut nicht ganz so deutlich, aber die Verpflichtung zum Zahlen steht bei ihnen allen. Bei der CDU wird die Höhe abhängig von der Art des Mandats (Beispiel Ba-Wü §4) festgelegt. Bei den Grünen (§6 Absatz 3) wird die Höhe von der BundesDeligiertenKonferenz bestimmt. Bei der SPD (§2 Finanzordnung) legt sie der Vorstand fest. Ähnlich gehen FDP (§ 12 Finanzordnung) und Linke §4 , allerdings klingen die Regelungen in der Satzung so, dass es dort jedem Mandatsträger unterliegt darüber zu verhandeln.
Das alles ist natürlich nicht neu sondern schon seit Jahrzenten so Gang und Gäbe. Ich persönlich finde das Verhalten der großen Parteien für unsere Demokratie aber extrem schädlich: Es zeigt meiner Meinung nach offen, wie viel die Parteien von der Unabhängigkeit ihrer Mandatsträger halten. Ich würde das offenes Schutzgeld nennen. Die Parteien zeigen damit deutlich: Wir haben dich da hin gebracht, du bist dort von unser Gnaden und jetzt zeig deine “Dankbarkeit”! Ja das kann man anders sehen, tu ich aber nicht.
Und warum blogge ich heute darüber? Nun ja, Volker Beck twitterte gestern über die Piraten Friedrichshain-Kreuzberg. Diese würden eigentlich einen Stadrat stellen, wenn ja wenn sie nicht zu wenig Kandidaten auf ihrer Liste gehabt hätten.
Jetzt fällt dieser Posten wohl den Linken zu. Die Linken versprachen einen Deal: Unser Stadrat behandelt die Piraten- und Linkenfraktion beim Durchreichen der Anträge gleich. Er nimmt auch an den Fraktionssitzungen der Piraten teil und vertritt so beide Fraktionen. Nun ist ein Stadrat ja ein Mandatsträger und wie das eben bei Mandatsträgern so ist: Von ihrem Gehalt überweisen sie ihre Sonderbeiträge an die Partei.
Anstatt die Sonderbeiträge prinzipiell abzulehnen dachten sich die Piraten in Friedrichshain-Kreuzberg: Na, überweist er einfach die Hälfte an uns, ist doch nur fair. Und wir sind jung und brauchen das Geld.
Genau das bemängelt der Grüne MdB jetzt: Es sei Stimmenkauf nach §108 StGB. Denn da die Zahlung nicht an die eigene Partei sondern an eine andere Partei ginge, sei das nicht unter die Sonderzahlung des Parteiengesetzes zu fassen.
Ohne das ich mich eingelesen habe: Juristisch hat Volker Beck auf den ersten Blick durchaus Recht. Moralisch halte ich seine Anmerkung und Vorwürfe aber für fragwürdig – im Prinzip macht er das gleiche Spielchen. Ich sehe kaum einen Unterschied, ob das Geld an die eigene oder eine andere Partei geht.
Auf meine Nachfrage was mit ihm passieren würde, wenn er sich der Sonderbeiträge verweigern würde antwortete er:
erst einmal nichts, ob meine Partei mich dann noch lieb hat, wäre ein Experiment mit ungewissen Ausgang.
Nun, es ist ein Satzungsverstoß. Was in so einem Falle droht, weiß Volker Beck selbst ganz genau. Zu wünschen wäre es ja, dass MdBs der Parteien hier mal mutiger würden und sich dieser unsäglichen Praxis verwehren. Gesünder für unsere Demokratie und ihre Unabhängigkeit wäre es.
Und die Piraten? Nun, ich hoffe das sie in Kreuzberg zu Sinnen kommen. Von den Mitgliedern der Fraktion im Abgeordnetenhaus verlangt die Berliner Piratenpartei derzeit keinen “Sonderbeitrag” an die Partei abführen, lies mich Martin Delius wissen. Sehr schön, ich hoffe es bleibt dabei.
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Equalismus bei den Piraten auf der #OM11

Logo der Open Mind
Diesmal eine Sonderfolge von der Open Mind auf der Julia Schramm eine Barcampsession über den Equalismus anbot. Ich habe die Session aufgezeichnet und veröffentliche sie hier, auch wenn das ganze nach einer Zeit in eine innerparteiliche Debatte abglitt.
Ich denke, dass man daran durchaus Standpunkte der Piraten ableiten und auch den ein oder anderen Bekannten Piraten erhellend bewerten kann.
Sofort Anhören:
Merkbefreit => Deutsch
Vorsicht, dieser Beitrag enthält bitterböse Satire, überspitzt, übertreibt und ist parteiisch.
Unsere liebste bayerische Justizministerin, Dr. Beate Merkbefreit, hat sich gestern im Landtag bei der Diskussion zum Bayerntrojaner zu Wort gemeldet. Freiwillig. Denn eigentlich hätte sich nur der Innenminister in die Nesseln setzen müssen. Was sie dann ablieferte ist ein Zeugnis ihrer Staatstragenheit und Weitsicht. NOT.
Da die Frau Ministerin sich sehr kompliziert ausgedrückt hatte, dachte ich, ich übersetze die wichtigsten Aussagen, die sie getroffen hat ins Deutsche. Die Übersetzung erfolgte frei und gibt wieder, wie ich sie verstanden habe. Eine Garantie auf Korrektheit wird nicht übernommen. Die wörtlichen Zitate sind grau hinterlegt, meine Übersetzung steht jeweils darunter.
In unserem Rechtsstaat haben die Sicherheitsbehörden die Aufgabe, dass sie die Bürger sicher leben lassen. Und zwar was ihre Daten angeht auf der einen Seite und auf der anderen Seite was den Zugriff von Verbrechen und Kriminalität angeht.
Die Bürger in diesem Land leben in einem goldenen Käfig, den wir, die einzig wahre Staatspartei, gebaut haben. Nur dort sind sie sicher. Nur so können wir sie schützen, vor sich selbst und vor allen anderen.
In dieser Diskussion wundere ich mich schon über das durchscheinende Grundmisstrauen [...] Das Grundmisstrauen das etwa nicht den Verbrechern in diesem Land entgegengebracht wird, sondern den staatlichen Behörden in diesem Land. Denen, die die Menschen schützen!
Ich habe in Staatsrecht und Geschichte nicht aufgepasst und ich habe die Gewaltenteilung eh nie verstanden. In Bayern hat die CSU eh Allmacht und uns darf man nicht misstrauen, denn wir sind die Guten (™) mit den angenehmen, schönen goldenen Käfigen.
Unsere Gesellschaft lebt davon, dass Verbrechen Ausnahmezustand sind und für einen Ausnahmezustand gelten andere Regeln, müssen andere Regeln gelten.
Verbrecher haben keine Rechte! Und sobald ein Verbrechen passiert, haben die anderen Bürger auch keine Rechte mehr, solange wir deren Unschuld nicht geklärt haben.
Und ich sage ihnen klar: Wir tun das, was wir tun dürfen im Rechtsstaat. Wir tun nicht mehr als wir tun dürfen, aber ich sage ihnen auch ganz klar, wir tun nicht weniger.
Wir machen alles was wir wollen, solange man uns nichts nachweisen kann dabei. Denn das ist alles was man tun darf in einem Rechtstaat, so rein praktisch gesehen.
Und es handelt sich um Applicationsshots, das heißt auch nicht, dass der gesamte Bildschirm fotografiert wird sondern Programmfenster.
Wir haben den Desktop nicht ausspioniert, aber dafür die verwendeten Programme. Nur in den Desktopsymbolen hast du noch Privatsphäre.
Ich danke ihm, dass er Transparenz bringt und wie wir heute sehen sein Wort und das Wort des Innenministers genügen ja gar nicht. Sie fragen warum wir überprüfen, darum weil ihnen dieses Wort nicht genügt und weil sie so viel Unruhe in die Gesellschaft bringen, das wir hier etwas unternehmen müssen.
Also jetzt echt, sie haben uns nicht zu kritisieren, was fällt ihnen ein. Wir von der CSU sind der Staat und uns muss man vertrauen. Wer gegen uns redet hetzt nur die Bevölkerung auf, weswegen wir Nebelkerzen werfen müssen. Sie stören unsere die Ruhe!
Alle Maßnahmen waren richterlich genehmigt. Die Gerichte sehen die Rechtsgrundlage unstreitig in der STPO, da gibt es kein deuteln.
Wir haben den Richtern nicht alles erzählt und Richter höherer Gerichte fanden jetzt das, was wir erzählt haben auch noch doof und stellten fest, dass des ja unrechtsmäßig sei. Wir haben dennoch einfach weitergemacht damit, denn WIR sind der Staat, und das darf von niemandem in Frage gestellt werden.
Statt Panikmache wäre es besser zu sagen, wir wollen nicht Sicherheit auf das “Real Life” reduzieren und den Menschen in unserem Land sagen, wenn der Betrug, der schwere Betrug oder die Mordverabredung oder ähnliches, wenn das übers Internet gekommen ist, tut uns schrecklich leid uns sind die Hände gebunden, wir haben keine Möglichkeit zu handeln.
Wir haben den Trojaner bisher fünf mal eingesetzt. Kein einziges mal ging es um Mord, sondern eher um Drogen und Medikamentenverkauf und Betrug. Aber hey, das klingt nicht so geil und überhaupt muss ich das ja nicht sagen. Mordplanungen bekommen wir auch nur in Bayern vorher schon mit. Wir kennen ja all unsere Pappenheimer.
Nicht Chaos und Piraten dürfen festlegen wie Innere Sicherheit zu gewährleisten ist, das legen allein Verfassung, Recht und konsequente Politik fest.
Wer dagegen ist, der steht eh nur dieser ominösen Protestbewegung Piratenpartei nahe und wenn es nach uns geht seid ihr alle Verfassungsfeinde, denn nur wir machen konsequente Politik: Für mehr goldene Käfige in denen Ihr zwar alle sicher aber niemals frei seid, wo kämen wir da auch hin!
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Kurz notiert: Piraten – Partei oder Posse?
Jakob Augstein, Verleger des Freitag, und Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadtbüros der Bildzeitung, streiten sich regelmäßig über aktuelle Themen auf Phoenix. Diesmal streiten sie sich über die Piratenpartei und die Diskussion finde ich extrem faszinierend und verbreite sie hier mal weiter.
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Offene E-Mail wegen geplanter Videoüberwachung auf der Unteren und Oberen Brücke in Bamberg
Der Stadtrat Bamberg entscheidet heute über eine geplante Videoüberwachungsmaßnahme am Brückenrathaus in Bamberg. Diesbezüglich habe ich eine offene E-Mail an die Stadträte und den Oberbürgermeister der Stadt verfasst:
Sehr geehrter Oberbürgermeister Starke, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates,
mein Name ist Benjamin Stöcker und ich lebe seit sechs Jahren in Bischberg. Obwohl dies nicht zu Bamberg gehört, hat es Bamberg in den sechs Jahren meiner Anwesenheit mit seinem jungen Leben, seiner Weltoffenheit, seiner Freiheit und all seinen Eigenarten geschafft, dass ich hier nicht nur lebe und arbeite, sondern das ich in “Freakcity” meine Heimat fand.
Mit Verwunderung nahm ich bereits die Regelungen zu den Sperrstunden in der Sandstraße/Innenstadt zur Kenntnis. Auch wenn ich die Maßnahme mit Blick auf die Anwohner nachvollziehen konnte, halte ich sie im Sinne einer langfristigen Stadtentwicklung für schädlich. Es nimmt Bamberg viel von seinem jugendlichen Leben.
Mit Erschrecken las ich gestern den Bericht von infranken.de über die geplanten Videoüberwachungsmaßnahmen zur Eindämmung von Vandalismus am Brückenrathaus. Ich verstehe, dass die stetige Restauration der Gedenktafeln nur ärgerlich und für die Stadt mit hohen Kosten verbunden ist und dass man deswegen ein starkes Interesse daran hat, die Täter zu fassen. Allerdings sollte man sich fragen, ob eine Videoüberwachung das richtige Mittel ist.
Wenn wir davon ausgehen, dass der Vandalismus wirklich politisch motiviert ist, wäre es dann nicht auch anzunehmen, dass die Vandalen angesichts der Kameras Gegenmaßnahmen ergreifen werden? Sie könnten sich vermummen oder noch effektiver die Kameras selbst mit Farbbeuteln beschädigen, oder gar einfach abmontieren und mitnehmen. Vielleicht erinnern sie sich schon, aber so erging es bereits den berühmten Kameras für die nie funktionierende Durchfahrtssperre im Sandgebiet?
Aber gut, gehen wir dennoch einmal kurz davon aus, das die Kameras eine Chance hätten bei der Aufklärung der bedauerlichen Fälle von Vandalismus zu helfen, erschreckt es mich dennoch, dass scheinbar kein Stadtrat über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme nachgedacht hat. Diesen Eindruck erweckte zumindest bei mir die Berichterstattung von infranken.de.
Halten Sie es wirklich für angemessen, einen so belebten Touristenweg zu filmen und diese Aufzeichnungen sieben Tage aufzubewahren? Ich persönlich hatte Bamberg als einen Hort der Freiheit und der freien Lebensart mit stolzer Geschichte in diesem Bereich erfahren. Umso mehr bin ich schockiert über die Leichtigkeit, mit denen die politischen Entscheidungsträger dieser Stadt offenkundig über selbige bereit sind hinweg zu gehen.
Leider wird in dem Artikel nicht erwähnt, ob man erwägt die Kamaras wieder abzumontieren, wenn diese Jagd mit Kanonen auf Spatzen Erfolg haben sollte. Was würde in so einem Fall mit den Kamaras geschehen? Und wäre der Stadtrat für den Fall, dass die Kameras die Vandalen wirklich abschrecken, und sie sich dafür einfach ein neues Ziel suchen bereit, die Überwachung auf weitere Teile der Stadt auszuweiten?
Aber ich will nicht nur an ihr Gewissen und ihr Gefühl für Bürgerrechte, und dazu gehört auch das Recht sich in öffentlichen Räumen ohne Überwachung zu bewegen, appellieren. Nein ich nenne Ihnen auch gerne Alternativen zu einer Videoüberwachung.
Man könnte doch die Tafeln in Acrylglas einfassen, so dass eine Restaurierung der Tafel bei einem erneuten Anschlag nicht nötig würde, sondern nur ein – technisch wesentlich einfacheres – säubern der Acrylglas-Umhüllung. Acrylglas hält darüber hinaus Attacken mit Bierflaschen oder Hammerschläge mit Leichtigkeit aus. Sicherlich, damit sind die Täter nicht gefasst, aber die Kosten sind um einiges niedriger.
Eine weitere sinnvolle Maßnahme könnte sein, die Brücke besser zu auszuleuchten. Denn im Gegensatz zu einer Kamera dürfte dies die Täter tatsächlich abschrecken – sie wären für Passanten und Anwohner sichtbar, und beide haben gegenüber von Videokamaras entscheidende Vorteile: Man wird sie weder entwenden noch beschädigen und sie rufen sofort die Polizei.
Auch unterschätzen Sie scheinbar die Folgekosten der Kameraüberwachung. Ich will Sie noch einmal an die Situation der Polleranlagen im Sandgebiet erinnern: Kameras und die Aufzeichnungen müssen regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Geschieht dies nicht, besteht die Gefahr, dass die Kamera im Ernstfall nichts brauchbares aufzeichnet.
Es gäbe also durchaus – im Gegensatz zur Meinung der Stadträtin Ursula Sowa – Alternativen, die man im Sinne der Freiheit und den Grundrechten des Einzelnen zumindest vorher ausprobieren sollte, bevor man zum harten Mittel der Videoüberwachung greift. Ich bitte sie daher, stimmen sie am Mittwoch gegen eine Videoüberwachung der oberen und unteren Brücke und erhalten sie Bamberg als einen Ort, an dem man sich weitestgehend unüberwacht in der Innenstadt bewegen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Benjamin Stöcker
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Das Grün-Bayerische Selbstbild – oder auch “Lieber Dieter”.
Wer mich und mein Wirken seit zwei Jahren verfolgt, der weiß durchaus, dass ich die Piraten derzeit eher kritisch begleite, gerade und vor allem den Landesverband Bayern. Um so überraschter bin ich, dass ich mich jetzt doch genötigt fühle, ihnen zur Ehrenrettung mal zur Seite zu springen.
Nun beschäftigte ich mich ja seit einiger Zeit mit Politik und seit geraumer Zeit auch intensiv mit den Grünen. Ich besuche ihre Plenas hier im Landkreis, ich besuche die Kongresse von “Mein Bayern” und war auch auf dem Zukunftskongress in Berlin. So langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, wie die Grünen im Allgemeinen so ticken.
Und ich muss leider sagen, dass das, was der Vorsitzende der Grünen in Bayern heute vom Stapel ließ (ja, Seemans-Wording), mich gerade dazu zwingt, mich diesmal nicht zurückzuhalten. Deswegen schrieb ich eine kleine Brief E-Mail an den lieben Dieter:
Lieber Dieter,
vielleicht erinnerst du dich an mich. Ich war der etwas pummelige, unscheinbare Kerl im Hemd, der dir fast gegenüber saß, als du im Landkreis Bamberg warst. Wir haben uns auch schon mal über facebook gedisst unterhalten.
Wie du vielleicht weißt, war ich mal Pirat. Sogar eine kurze Zeit lang ein nicht unwichtiger. Mittlerweile hat sich das zwar erledigt, aber irgendwie stehe ich den Piraten doch durchaus nahe, auch wenn ich sie kritisch begleite. Das gleiche gilt auch für die Grünen, weswegen ich natürlich regelmäßiger Leser deines Blogs bin.
Über deinen Blogpost heute habe ich mich sehr geärgert gewundert und muss mich schon fragen, was du dir dabei gedacht hast. Schon allein die Überschrift: Was ist denn bitte “Grüne Freiheit”? Hat die Freiheit jemand angemalt? Ich denke, ich weiß schon, was du sagen wolltest: Die Piraten seien nicht frei – aber das ist dann doch einfach ziemlich lächerlich, findest du nicht? Gerade die Piraten verstehen sich doch als Libertär und Visionär. Gerade im Piratenprogramm wird die Freiheit des Einzelnen über die Zwangsbemutterung der Gesellschaft gestellt.
Lieber Dieter, kannst du mir erklären, warum die Presseseite der bayerischen Piraten ein Beispiel für deren Intransparenz ist, oder hast du nur den Link falsch gewählt und meinst den Landesverband? Wenn ja, dann kann ich dir durchaus Recht geben: Die bayerischen Piraten sind im Gegensatz zu anderen Landesverbänden der Piraten eher intransparent, aber daran solltest du sie nicht messen. Warum? Nun, lieber Dieter, wo finde ich denn die Protokolle der letzten Vorstandssitzungen der bayerischen Grünen? Wo kann ich nachschlagen, wie du bei welchen Beschlüssen wie gestimmt hast? Werde ich, wie bei den Piraten in Bayern, zur nächsten Vorstandssitzung eingeladen, sogar als Externer? Wenn ja, wo muss ich mich eintragen? Darf ich dann aus den Sitzungen auch berichten und live Twittern? Gebt ihr mir auch die Möglichkeit, per Telefon/Internet daran teil zu haben, so dass ich mein Wohnzimmer nicht verlassen muss? Nach München ist es ein weiter Weg – so von Bamberg aus!
Du siehst lieber Dieter, die eigene Nase kann manchmal durchaus ein schöner Ort sein, an den man mit seinen Fingern greifen könnte.
Und ja Dieter, ich muss durchaus zugeben, dass die Grünen durchaus fähige Netzpolitiker haben. Ich persönlich habe großen Respekt vor Konstantin von Notz und Malte Spitz. Aber lieber Dieter, in der breiten Masse ist das nicht gerade eure Kernkompetenz. Die Grünen hier in Bamberg – alles sehr nette Menschen – sind sehr kompetent wenn es um Umweltpolitik geht und auch Soziale Gerechtigkeit bewegt sie immer wieder, aber Netzpolitik oder gar Transparenz sind nicht wirklich ihre Steckenpferde. Das mach ich ihnen nicht zum Vorwurf, ich habe ja schließlich auch nur geringe Kompetenz und Interesse in Sachen Umweltpolitik. Aber ich konnte eben feststellen, dass die breite Masse der Grünen doch sehr weit von dem ach so gerne gezeichneten Bild entfernt ist.
Auch auf den Kongressen in Augsburg und Berlin konnte ich feststellen, dass viele Grüne das Netz und die digitale Revolution nicht verstanden haben. In Augsburg wurde ich für die These, dass es in 20 Jahren kaum noch Totholzzeitungen gibt, ausgelacht. In Berlin mussten sich die Netzpolitiker erwehren gegen Menschen, die Netzzensur und Überwachung forderten um doch endlich das Filesharing einzuschränken und die armen Künstler zu stützen.
Lieber Dieter, nur weil bei euch die meisten – was schon mal besser als bei anderen Parteien – ein Windows XP bedienen können, macht euch das noch lange nicht zur Partei der Netzpolitik. Dazu gehört weit mehr. Und auch wenn die Grünen hier sicherlich kompetente Menschen und auch Vordenker in den eigenen Reihen haben, ist die breite Masse der Grünen hier noch weit hinten dran. Die Netzpolitiker in euren Reihen brauchen ja die Erfolge der Piraten um innerparteilich besser wahrgenommen zu werden – nur ganz offen zugeben will das keiner.
Leider wird es in deinem Text danach nicht besser, lieber Dieter. Besteht für dich – als Mitglied der ehemaligen Partei der Basisdemokratie – Demokratie nur noch aus den fünfjährlichen Wahlen? Kannst du mir erklären, warum man direkte Demokratie schwächt, wenn man versucht, sie zu verwenden? Es mag sein, dass die Piraten am Ende an den Gesetzen scheitern und die Studiengebühren durch ein Volksbegehren nicht abschaffen. Aber es besteht auch eine Chance, dass sie damit durchkommen.
Und selbst wenn nicht, lieber Dieter: Sollte man nicht eher die Regeln kritisieren, die Bürger an der (direkt) demokratischen Beteiligung hindern, als die Bürger, die es versuchen? Wie verträgt sich das eigentlich mit dem Grünen “demokratischen” Gewissen, dass du jemandem wie mir, der sich aus Überzeugung bald in die Innenstädte stellt und Unterschriften sammelt, sagst, er beschädige damit die Demokratie? Glaubst du nicht, lieber Dieter, dass viele Unterschriften – nehmen wir mal an, die Piraten sammeln nicht nur 25 000 sondern 100 000 oder mehr – ein Zeichen der Menschen in diesem Land sind, das vielleicht auch die CSU zum Umdenken bewegen kann? Ich muss dich nochmal fragen: Besteht Demokratie für Bürger für dich nur noch aus einem Kreuzchen alle fünf Jahre? Lieber Dieter, ich verstehe Demokratie anders. Demokratie ist für mich ein stetiger Prozess. Demokratie ist ein Spiel der Mächte bei dem jeder das Recht – wenn nicht gar die Pflicht – hat, seinen Vers dazu beizutragen.
Und wenn der Vers vieler Menschen nur aus deiner Unterschrift unter ein Volksbegehren, das am Ende scheitert, besteht, ist nicht allein die Tatsache, dass sie das Spiel der Mächte mitspielten eine gute Sache, Dieter? Ist nicht alleine dieser artikulierte Wille, das Land durch eine Tat zu verändern, Demokratie? Für mich Dieter, ist das alles höchst demokratisch und ich bin dankbar für jeden, der sich die Zeit nimmt und seinen Vers beiträgt – auch wenn dies nur eine vergebliche Unterschrift ist.
Und ja, ich muss darauf jetzt herumreiten, aber das liegt eigentlich nur daran, dass ich über diesen Absatz am meisten schockiert bin. Lieber Dieter, standen die Grünen nicht mal für Bürgerbeteiligung? Ist der Versuch eines Volksbegehrens – der Versuch von mehr direkter Demokratie – nicht immer ein Versuch für mehr Bürgerbeteiligung? Sind die Grünen nur dann für mehr Bürgerbeteiligung, wenn der Bürger damit garantierten Erfolg hat oder die Grünen damit garantierten Erfolg haben?
Wenn dem so ist, dann bleibt nur noch eine rhetorische Frage zu stellen: Sind die Grünen zu Opportunisten geworden, die nur dann aktiv werden, wenn sie nicht mehr kämpfen müssen, wenn die Sache eh schon klar ist? Wo ist er hin, der Grüne Kampfgeist der Achtziger- und Neunzigerjahre? Wo ist er hin, der Rock ‘n’ Roll von früher? Ist er wirklich mit Joschka Fischer gegangen – auf nimmer wiedersehen? Ja Dieter, die Fragen waren rein rhetorischer Natur. Trotzdem möchte ich dir einen Rat mit den Worten des Kaberettisten Fritz Eckenga geben:
Denk mal 15 Minuten darüber nach. 15 Minuten – das schaffst du schon.
Mir war natürlich klar, dass du dir als Grüner den Seitenhieb auf die fehlende Frauenquote oder gar die fehlenden Frauen bei den Piraten nicht verkneifen kannst. Aber, lieber Dieter, gerade wenn es um das Thema Netzpolitik und Frauen geht, würde ich an deiner Stelle ganz ruhig sein. Wo sind den die “Grünen Netzpolitikerinnen”? Kannst du sie mir zeigen? Also die in Amt und Würden? Denn ja, Anke Domscheidt Berg ist eine Open Goverment Koryphäe in Deutschland und ja, sie ist Grüne. Aber sie ist eben keine Parteipolitikerin, sondern eher nur beratendes Mitglied. Die Netzpolitiker bei den Grünen, die mir einfallen, sind alle ausnahmslos eins: männlich.
Die fähigen Netzpolitikerinnen mit Verantwortung in Parlament, Partei oder Organisation in Deutschland, die mir einfallen, sitzen bei den (Jungen) Piraten sowie – und das sollte gerade für die bayerischen Grünen doch ein Alarmsignal sein – bei der CSU. Im Allgemeinen zeigt aber das Sticheln an diesem Punkt, dass man die Piratenwähler nicht versteht, denn für sie haben die Piraten offenkundig keine Quote und keine gegenderten Wahlprogramme gebraucht. Die Plakate mussten nicht politisch überkorrekt sein. Vielleicht wollen die Wähler dieser Partei eben keinen rückständigen Geschlechterkampf, für welchen die Grünen stehen. Vielleicht fragen sie sich – wie ich mich das immer wieder frage – warum 10-20 cm zwischen den Beinen maßgeblich dafür sein sollen, ob jemand ein fähiger und kompetenteR PolitikerIN ist. Vielleicht erwächst unter dem Radar der Grünen eine Generation von Männern, die es Leid ist, sich ihres Geschlechtes zu schämen und für die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit ist?
Lieber Dieter – und ja, die Frage wird persönlich – warum bist du eigentlich Landesvorsitzender und zum Beispiel nicht Ulrike Gote? Sie scheint mir persönlich weit qualifizierter zu sein und ist obendrein noch eine Frau! Gut – ich bin ja nicht Mitglied der Grünen und sollte mir vielleicht solche Fragen nicht stellen, aber wenn ich schon mal beim Fragenstellen bin….
Vielleicht lieber Dieter, aber nur vielleicht, haben die Grünen schlicht den Draht verloren zu dem progressiven Teil der jungen Bevölkerung, der Deutschland vorantreiben möchte in eine neue Zeit. Ich meine das ernst: Was unterscheidet euch denn eigentlich noch von der CSU oder SPD? Die Quote? Nö (und geschenkt). Anti Atom? Nö! (Gut ihr seid glaubwürdiger in diesem Punkt, aber das ist auch schon alles). Anti-Krieg? Nö! (Das macht ja neuerdings die FDP). Basisdemokratie? Die habt ihr nicht mehr. Euch kommt ein Markenkern nach dem anderen abhanden.
Alternativ seid ihr schon lange nicht mehr. Ihr seid jetzt eben Mainstream. Ihr seid die neue Mitte. Das ist nichts Schlimmes – wirklich nicht! In der Mitte werden ja die Wahlen gewonnen und die Mitte bestimmt den Wertekanon der Gegenwart. Ihr habt eure Schlachten geschlagen. Einige Eurer Ideen haben sich durchgesetzt und ihr habt sie in die Gesellschaft getragen – dort habt ihr gewonnen. Andere Ideen habt ihr über Bord geworfen und euch der Gesellschaft angepasst. Das ist normal. Ganz wie Joschka Fischer einst sagte, verändert einen das Amt meist mehr, als man selbst das Amt.
Nur eins fehlt nun diesem Land: Jemand muss die Rolle übernehmen, die ihr einst inne hattet und dem Querdenkertum eine Stimme geben, das nicht in der Mitte der Gesellschaft liegt, aber dem immer das Potenzial inne liegt, das Wertesystem der Zukunft zu bilden. Die Piraten haben diese Fähigkeiten prinzipiell, auch wenn es ihnen – vor allem in Bayern – massiv an poltischem Feingefühl und einem großen Talent fehlt, haben sie das Potential, eine gesellschaftlich notwenige Aufgabe zu erfüllen. In jeder Gesellschaft bedarf es einer Gruppe, die die Grenzen testet, die die Gesellschaft vor sich her schiebt, sie treibt, Reibefläche bietet und unkonventionell neue Ideen begreift, die hin und wieder auch mal träumt. Jede Gesellschaft verlangt auch nach den Spinnern, den Träumern, den Revoluzzern die an den Denkverboten rütteln und über die sich deswegen das Establishment die Nase rümpfen kann. Und jetzt Dieter aktzeptiere, dass ihr Grünen das nicht mehr seid.
Was ich damit sagen will? Nun, lieber Dieter, die Piraten haben eine Berechtigung – ja, eine Aufgabe, die ihr Grünen nicht mehr erfüllen wollt und könnt. Und dass die Piraten in Bayern für euch noch keine Gefahr darstellen, liegt weder an der fehlenden Lücke (sie ist da) noch an eurem großen Talent oder eurer Fähigkeit, sondern an ihrer Unfähigkeit, diese Chancen zu nutzen. Von daher lieber Dieter, empfehle ich dir und deinen Mitgliedern – und so etwas kann man den Grünen in Bayern durchaus empfehlen – zu beten, dass sich bei den bayerischen Piraten nicht doch noch ein politisches Talent findet, dass ihnen etwas politische Führung und Ideologie gibt. Denn dann, lieber Dieter, habt ihr ein Problem.
Mir wurde mal gesagt, so ellenlangen Ansprachen sollte man zum Schluss nocheinmal mit einem Satz zusammen fassen. Und so lieber Dieter, schließe ich mit folgenden Worten ab:
Komm mal runter von deinem hohen Ross, sonst fällst du – und das tut meist mehr weh als abzusteigen.
Besorgte Grüße
Benjamin Stöcker
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Interview mit Anja Schillhaneck zur Abgeordnetenhauswahl 2011

Anja Schillhaneck
Ben hat diesmal Anja Schillhaneck (GRÜNE) zu Gast. Sie ist Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Kandidatin zur Abgeordnetenhauswahl. Mit ihr spricht er über das Wahlprogramm der Grünen.
Die Folge wurde bereits am 3. Juli aufgezeichnet und wurde aufgrund von persönlichen Angelegenheiten des Autors erst jetzt veröffentlicht. Ich bitte dies zu entschuldigen. Die Shownotes werden ggf. nachgereicht.
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Interview mit Karin Seidel-Kalmutzki zur Abgeordnetenhauswahl 2011

Karin Seidel-Kalmutzki
Ben hat diesmal Karin Seidel-Kalmutzki (SPD) zu Gast. Sie ist Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses und Kandidatin zur Abgeordnetenhauswahl. Mit ihr spricht er das Wahlprogramm.
Die Folge wurde bereits am 3. Juli aufgezeichnet und wurde aufgrund von persönlichen Angelegenheiten des Autors erst jetzt veröffentlicht. Ich bitte dies zu entschuldigen. Die Shownotes werden ggf. nachgereicht.
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Verbot der Vorratsdatenspeicherung – Die E-Petition
Endlich gibt es mal wieder eine richtig sinnvolle E-Petition beim Deutschen Bundestag. Unter dem Titel “Strafprozessordnung – Verbot der Vorratsdatenspeicherung” wird kurz und knackig das Ende jeglicher Vorratsmindestdatensdatenberganaufspeicherung gefordert:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die verdachtlose Vorratsdatenspeicherung nicht zulässig ist. Darüber hinaus möge er die Bundesregierung auffordern, sich für eine Aufhebung der entsprechenden EU-Richtlinie und für ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.
Die Begründung ist natürlich ausführlicher:
Im Zuge einer Vorratsdatenspeicherung werden ohne jeden Verdacht einer Straftat sensible Informationen über die sozialen Beziehungen (einschließlich Geschäftsbeziehungen), die Bewegungen und die individuelle Lebenssituation (z.B. Kontakte mit Ärzten, Rechtsanwälten, Betriebsräten, Psychologen, Beratungsstellen usw.) von 500 Millionen Europäern gesammelt. Eine derart weitreichende Registrierung des Verhaltens der Menschen in Deutschland ist inakzeptabel. Eine Vorratsdatenspeicherung höhlt Anwalts-, Arzt-, Seelsorge-, Beratungs- und andere Berufsgeheimnisse aus und begünstigt Datenpannen und -missbrauch. Sie untergräbt den Schutz journalistischer Quellen und beschädigt damit die Pressefreiheit im Kern.
In mehreren EU-Mitgliedstaaten sind die Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung, mit denen die EU-Richtlinie 2006/24 umgesetzt werden sollte, von höchsten Gerichten bereits für unvereinbar mit den Verfassungen der jeweiligen Staaten und somit für ungültig erklärt worden. Eine einheitliche Regelung, wie sie die Richtlinie ursprünglich aus Wettbewerbsgründen herstellen wollte, ist daher mit Vorratsdatenspeicherungen nicht herbeizuführen. Die notwendige einheitliche Regelung kann folglich nur darin bestehen, Vorratsdatenspeicherungen jeder Art in allen EU-Mitgliedstaaten zu untersagen.
Die Bundesregierung aufzufordern, die Abweichung Deutschlands von der EU-Richtlinie 2006/24 zur Vorratsdatenspeicherung genehmigen zu lassen (Art. 114 Abs. 4 AEUV) und nötigenfalls die Genehmigung einzuklagen.
Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs über die Gültigkeit dieser Richtlinie und über den Genehmigungsantrag nicht umzusetzen, selbst wenn der Gerichtshof gegebenenfalls eine Geldbuße gegen Deutschland verhängen könnte.
Weiterhin konnte in der Vergangenheit, in der in einigen Staaten bereits Vorratsdatenspeicherungen stattfanden und die Daten für die Strafverfolgung bereitgestellt wurden, nicht schlüssig nachgewiesen werden, dass diese Daten für den vorgesehenen Zweck der Verfolgung schwerer Straftaten zwingend erforderlich sind. Die Erfahrungen lassen nicht erkennen, dass alternative Ermittlungsmethoden signifikante Nachteile für die Strafverfolgung nach sich ziehen.
Umgekehrt besteht bei vielen Menschen die Sorge, dass solche Daten, wenn sie erst einmal angehäuft werden, an verschiedenen Stellen Begehrlichkeiten wecken werden, die ursprünglich vorgesehenen Grenzen für die Verwendung der Daten aufzuweichen, und dass dem Druck der Interessenverbände auf Herausgabe von Daten irgendwann nachgegeben wird.
Die Geschichte lehrt uns, dass das Funktionieren eines demokratischen Staates zwingend davon abhängt, dass sich die Menschen, die in ihm leben, frei fühlen und bewegen können. Die Nutzung von Telekommunikation gehört in der Moderne unabdingbar zur Teilnahme am öffentlichen Leben, an Hilfe- und Selbsthilfegruppen und an politischen Diskussionen. Dieser Grundpfeiler unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung gerät bereits ins Wanken, wenn sich die Menschen beobachtet und kontrolliert fühlen, oder gar unter Generalverdacht gestellt sehen. Eine Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte durch Vorratsdatenspeicherung würde insofern eine ernste Gefahr für unser Land darstellen. Dem sollte sich der Deutsche Bundestag entschieden entgegenstellen und durch Drängen auf ein EU-weites Verbot von Vorratsdatenspeicherungen die Freiheitsrechte für alle 500 Millionen Menschen in der EU verteidigen.
Und auch wenn klar ist, dass so eine Petition, selbst wenn sie sehr erfolgreich sein sollte, das Mächtespiel zwischen den Akteuren nur geringfügig ändern wird, wäre ein Erfolg natürlich eher hilfreich als verschwendet. Also nicht warten sondern sofort Zeichnen.
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Interview mit Dorothee Bär ueber die Digitalpolitik der CSU

Dorothee Bär
Ben hat diesmal Dorothee Bär (CSU) zu Gast. Sie ist Mitglied des Bundestages und stellvertretende Generalsekretärin der CSU. Mit ihr spricht er über die Digitalpolitik der CSU.
Links und Zitate
- [2:00] Netzkongress der CSU (csu.de)
- [4:00] Bewertung des Positionspapier von Ben (Freiheitsworte)
- [5:00] Erwähnte Person: Beate Merk (Wikipedia)
- [6:10] Schäuble räumt Fehler bei Netzsperren ein (Spiegel Online)
- [10:00] Vorratsdatenspeicherung (Wikipedia)
- [13:30] Erwähnte Person: Jörg Zierke (Wikipedia)
- [15:30] Podcast mit Alvar Freude und seinen Ausführungen zur Vorratsdatenspeicherring (Politology)
- [16:00] Erwähnte Person: Ilse Aigner (Wikipedia)
- [20:00] Datenschutz: Aigner nimmt Werbungtreibende ins Visier (Horizont.net)
- [29:00] Vergleich von Killerspielen mit Kinderpornographie durch Joachim Herrmann (Zeit)
- [31:30] Leistungsschutzrecht für Presseverleger (Wikipedia)
- [32:00] Initiative gegen Leistungsschutzrecht (Homepage)
- [40:00] Co:laboratory – Geschichte und Wesen des Urheberrechts (Youtube)
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Automobilindustrie im Umbau: Es gibt viel zu tun
In all dem Trubel rund um Fukushima und dem deutschen Ausstieg aus der Atomenergie ist es in der Öffentlichkeit ruhig geworden um einen ökologischen Umbau, der bis Februar häufiger in der öffentlichen Diskussion stand: Der Umbau (Individual)Mobilität – weg vom Öl und hin zum Strom. Im Sinne der Grünen kann das nicht sein, und so macht es mehr als Sinn, diesem Thema eine eigene Session auf dem Zukunftskongress in Berlin zu gönnen.
Die Probleme, die mir bei diesem Umbau einfallen sind auf Anhieb vielfältig. Nicht nur, dass eine der größten deutschen Industrien umdenken muss, was ist in guten Stücken bereits geschafft ist, wie zum Beispiel BMW-I beweist – Nein, auch die ganze Versorgungsstruktur muss sich mit ändern. Von der Autowerkstatt bis hin zur Tankstelle wird sich das Bild der gesamten Branche um des Deutschen liebstes Kind in den nächsten 30 Jahren komplett wandeln.
Die Dimensionen sind gewaltig. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2008 fast 2000 Peta Joul im Straßenverkehr in Deutschland verbraucht (Quelle:Umweltbundesamt). Das entspricht in etwa 553 TWh und ist damit nur marginal weniger als der gesamtdeutsche Stromverbrauch. Ganz plastisch ausgedrückt: Es ist die Jahresproduktion von 45 Atomkraftwerken moderner Bauart – unter Annahme von Dauerbetrieb und Vollast. Selbst wenn wir bei der neuen Technologie Effizienzsteigerungen erwarten können und von einem Rückgang des Individualverkehrs ausgehen, werden wir in naher Zukunft unglaubliche Strommengen zusätzlich benötigen.
Aber nicht nur die Energieversorgungslücke ist ein Problem, dass der Umbau der Mobilität mit sich bringt, nein es gibt auch Probleme, die die Politik direkt betrifft. So berechnet sich die KFZ-Steuer nach Hubraum und CO2 Ausstoß – beides fällt bei Elektromotoren weg. Mit knapp 9 Milliarden Euro wäre der Wegfall für den Bundeshaushalt allerdings leichter zu verkraften als die fast 40 Milliarden Euro die der Bund über die Energiesteuer (f.k.A. Mineralölsteuer) einnimmt. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundeszentrale für politische Bildung). Bei einem Gesamthaushalt von 280 Milliarden Euro und der neuen Schuldenbremse wird kein Finanzminister auf die Einnahmen aus den beiden Steuern verzichten können.
Wie man sieht, bringt der Mobilitätswandel bereits auf den ersten Blick Probleme mit sich, die den Atomausstieg wie einen Nachmittagsspaziergang aussehen lassen. Ein klares Zukunftsthema und damit auf einem Zukunftskongress bestens aufgehoben.
Leider ist das vorher publizierte Thesenpapier reichlich unkonkret. Es spricht im Allgemeinen von dem natürlichen Zwiespalt zwischen Wirtschaftlichkeit und Zukunftstechnologie, welche die Umwelttechnologie ja ist. Es ist nicht leicht beides miteinander zu versöhnen, was – strategisch gesehen – schon immer ein Imageproblem der Grünen war. Wer die Welt zu einem Besseren verändern will, der muss Geld in die Hand nehmen beziehungsweise andere dazu bewegen, und seinen „Ruf“ im Bereich der Wirtschaftspolitik damit nahezu garantiert ruinieren
Nur ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich auch ungeniert – das weiß zumindest die altdeutsche Mundart. Meiner Meinung nach ist es politisch gesehen ein großer Vorteil für die Grünen, dass von ihnen keine Jobwunder erwartet werden. Ein wirkliches Problem ist allerdings der im Thesenpapier beschriebene „Reboundeffekt“:
Die Erfahrung zeigt, dass Effizienzgewinne durch Ausweitung der Nachfrage schnell wieder aufgefressen werden (sog. Rebound Effekt). Das klassische Beispiel dafür ist das spritsparende Auto, mit dem dann mehr gefahren wird und das zum Kauf eines Zweitwagens einlädt. Rebound-Effekte können auch auf der volkswirtschaftlichen Ebene auftreten: wenn viele Akteure versuchen, ihre Abhängigkeit vom teuren Öl zu reduzieren. Dann sinkt die Nachfrage und damit der Preis, was wiederum die Nachfrage erneut steigen lässt.
Volkswirtschaftlich ist dieses Spiel aus Angebot und Nachfrage beileibe kein Unbekanntes. Wer aber auf eine Senkung des Ressourcenverbrauches zielt, der hat mit diesem Effekt verständlicherweise so seine Probleme.
Wir steuern also auf Probleme auf vielen Schichten und Ebenen zu, sollten wir unser „Verkehrsverhalten“ im Grünen Sinne verändern. Und gerade von den Grünen dürften auf all diese Fragen Antworten erwartet werden. Antworten, die nicht einfach sein werden und vor allem nicht einfach zu vermitteln sein werden.
Glücklicherweise hatten die Grünen das entsprechende Panel auf dem Zukunftskongress prominent besetzt. Mit Winfried Kretschmann nahm der grüne Ministerpräsident eines der größten „Automobilbundesländer“ Teil und mit Matthias Wissmann – Präsident des VDA und damit der Cheflobbyist der Automobilindustrie – steht sicherlich unter keinerlei Verdacht grünen Träumereien nachzuhängen.
Wer sich die Session lieber anhören möchte als meine Zusammenfassung zu lesen, der kann sie gerne downloaden.
Im Eingangsstatement der Session wurden nochmal die Kernpunkte des Positionspapier wiedergegeben. So wurde Umwelt und Wirtschaft bis vor kurzem noch als Gegensätze wahrgenommen. Als Beispiel führt der Referent einen Hamster an, der die Ansiedlung einer Industrie im kommunalen Bereich verhindert hätte. Mittlerweile ist das allerdings anders. Das ganze würde als zwei Seiten derselben Medaille wahrgenommen. Dabei sehe man Probleme, neben dem Reboundeffekt gibt es eben Abhängigkeiten zu Strukturen die in mehr als einem Jahrhundert gewachsen ist. Die Automobilindustrie hat sich bereits auf den Weg gemacht, allerdings ohne die bisherige Produktpalette sofort einzustellen. Die Frage, die sich die Grünen Stellen müssen, ob es Förderung im Sinne von Fordern und Fördern brauche?
Nach dem Eingangsstatement gab Anja Heiduck den beiden Kontrahenten die Möglichkeit jeweils ein Eingangsstatement abzugeben. Angefangen hat Herr Wissmann.
Er kenne Kretschmann von Sondierungsgesprächen als er noch Stellvertretender vorsitzender der CDU war. Er hat im Blog zu der Veranstaltung einen Eintrag gefunden der im Gut gefiele:
.. Mobilität sei für ihn die Freiheit überall hinkommen….
Natürlich habe diese Mobilität negative Effekte, wie etwa Lärm oder die Veränderung des Klimas. Für Wissmann sei die Frage aber wie man die Freiheiten in der Mobilität erhalten kann bei der größtmöglichen Reduzierung der Schatten dieser Bewegungsfreiheit. Für ihn ist sei Kernherausforderung bei diesem Thema eben nur durch Innovation zu lösen. Damit sei man bereits auch ganz gut vorangekommen. So hätte man bereits eine Verringerung des reinen Schadstoffausstoßes um 98% in den letzten 20 Jahren erreicht. In den letzten 10 Jahren alleine sei eine Verringerung von 20% des CO2 Ausstoß bei deutschen Automobilherstellern erfolgt.
Deutschland sei eines der ganz wenigen Ländern der Welt, in dem es rückläufige CO2-Ausstöße im Straßenverkehr gäbe. Als Beispiel des Fortschritts führt er die S-Klasse von Mercedes an, die weniger als 6 Liter auf 100 Kilometer verbrauche. Natürlich langen diese Anstrengung noch nicht, aber die Automobilindustrie ruhe sich auch nicht aus. So stecken die deutschen Hersteller viel Geld in die Forschung um die Effizienz ihrer Fahrzeuge weiterhin massiv steigern zu können. Er erwartet bei den Verbrennungsmotoren eine Effizienzsteigerung von 20% in den nächsten 10 Jahren. Das ist wichtig, da der Verbrennungsmotor in absehbarer Zeit den Massenmarkt bestimmen würde.
Die deutschen Automobilindustrie sei weltweit die einzige, die in mehrere alternativen Antriebsmethoden gleichzeitig investiere. Die ist auch sinnvoll, da es noch nicht festzustellen sei, welche neue Technologie sich am Ende durchsetzen werde. So seien die Batterien für die Elektromobilität nicht ausgereicht genug für den Massenmarkt. Ihm sei allerdings auch klar: Es geht nicht nur um neue Autos, sondern es geht auch um neue Mobilitätskonzepte. So erarbeite die Automobilindustrie bereits heute Warentransportkonzepte zusammen mit der Deutschen Bahn.
Leider gebe es gerade bei den Grünen Vorurteile gegen das Premiumsegment in der Automobilindustrie. Dieses definiere sich nicht aber gar nicht Größe und Gewicht, sondern nach Attraktivität, Qualität, Innovation und Markenwert. So sei der Mini ein Premiumauto.
Wenn man sich frage wo in Zukunft die Jobs in der Automobilindustrie in Deutschland möglich sind, dann ginge dies zwar nicht nur aber vor allem im Premiumsegment – denn nur dieses lasse sich von den deutschen Automobilindustrie wirtschaftlich besetzen. Das zeige sich auch an VW: Das kleinste Fahrzeug, dass in Deutschland Produziert würde wäre der Golf, da es sich beim Polo nicht mehr rechne. Nicht der Staatlicher Zwang wird eine Veränderung mehr zu effizient bringen, denn am Ende wird das der Verbraucher bereits bewirken.
Anschließend hielt Winfried Kretschmann sein Eingangsstatement. Für ihn ist der Wandel in der Mobilität mit dem Atomausstieg vergleichbar. Der sei zwar beschlossen, aber damit beginne erst die Herausforderung. Man müsse zeigen, dass es ein Wirtschaftliches Modell ist, erst dann würde ein Dominoeffekt eintreten. Für ihn als gläubiger Mensch sei es kein Zufall, das er Ministerpräsident in einem der wirtschaftsstärksten Region Europas geworden ist. Die Grünen müssen jetzt beweisen, dass sie mit dem ökologischen Umbau Wirtschaftswachstum kreieren können.
Grundlage für den Wandel sind Unternehmertum und kreative Leistung – und beides sei in Baden Württemberg vorhanden. Für Ihn ist es wichtig, dass man dabei klare Ordnungspolitik macht, die die Industrie stimuliert und nicht stranguliert. Er wurde dafür gewählt, das er das falsche Jammern der Industrie vom richtigen Jammern unterscheiden kann.
Er will damit einen Rahmen schaffen, in der allerdings Technologieoffenheit gelten solle. Natürlich müsse man einzelne Antriebsarten – wie Elektroauto – fördern, allerdings dürfe man dabei nicht übertreiben. Auch er sieht den Verbrennungsmotor in naher Zukunft als die Massenmarkttechnologie, daher seien Effizienzsteigerungen in diesem Bereich Elementar.
Er zeigt Verständnis dafür, dass die Industrie bei den Investitionen vorsichtig ist, da noch nicht feststehe, welche Technologie sich am Ende durchsetze. Ein weg aus diesem Dilemma sei für ihn die universitäre Grundlagenforschung, welche Baden Württemberg natürlich nicht vernachlässigen wird.
Das die derzeitigen Mobilitätskonzepte keine Zukunft auf globaler Ebene haben, könne man doch bereits in Deutschland sehen. So käme man im mittleren Neckarraum dem Stau kaum hinterher bauen. Man braucht also neue Verkehrskonzepte, für die eben interdisziplinäre Forschung nötig ist. Von der Software für Carsharing bis hin zu neuen Antriebskonzepten. Diese Innovationen müssen dann im Premiumsegment schnell einziehen, da man sich hier die Kosten dafür leisten könne und sie so Massenmarkttauglich gemacht werden können.
Anschließend gab es eine moderierte Diskussion. Zu erst musste Wissmann auf die Frage Antworten, was für Ihn die größte Sorge der Industrie ist, ob und wie zum Beispiel die CO2 Ziele erreichbar seien. Für ihn sei ein Problem, wie eine Industrie sich in Deutschland halten kann, wenn die größte dynamik- aus Ländern wie China und Indien kommen. Vor allem wenn dort teilweise völlig anderen Rahmenbedinungen herrschen. So seien zum Beispiel die Energiekosten in Deutschland ein Problem für die Carbonindustrie.
Herr Kretschmann wurde anschließend gefragt, ob die Differenzen zwischen der Politik und der Industrie nur temporär wären. Hierzu müsse man seiner Meinung nach nur eine Broschüre der Automobilindustrie von vor 5 Jahren anschauen, die Entwicklung gehe doch eindeutig in die richtige Richtung. Für die energieintensive Wirtschaft müsse man in Deutschland was tun, allerdings sei die Politik bereits heute nicht untätig. Im allgemeinen muss man sich aber auch überlegen, wie man Energieeinsparungen in der Industrie durch Effizienzsteigerungen erreichen kann.
Die Moderationen hielt fest, dass es zwar gut sei, dass die Grünen die Win-Win Situationen beim Ökologischen Umbau herausstellen, aber es besteht dabei die Sorge, dass dadurch der Umbau insgesamt verlangsamt wird. Kretschmann antwortete, dass er darauf achten muss Härten zu vermeiden, das habe er bei der Diskussion um seine “Weniger Autos sind manchmal mehr” Aussage bemerkt. Natürlich müsse die Politik bei dem Thema Tempo machen, allerdings muss die Politik dabei Brüche vermeiden. Er möchte daher zwar eine harte aber verlässliche Ordnungspolitik. Genau aus diesem Grund habe er dem aktuellen Atomkonsens zugestimmt, da sich so jeder darauf einstellen könne.
Zuletzt wurde Wissmann gefragt, ob er dran glaube, dass das technologische „Vorangehen“ der Treiber für die deutsche Automobilindustrie ist. Wissman glaube nicht nur daran, sondern könne dies täglich sehen. Wenn man in einem Hochlohnland wie Deutschland dauerhaft erfolgreich sein möchte, ginge dies nur mit einem ständigen Wissensvorsprung. Genau auf diese weise hat sich die deutsche Automobilindustrie weltweit immer höhere Marktanteile erarbeitet. Für ihn stellen sich nur 2 Fragen ernsthaft. Wer an den wachsenden Märkten durch seine Produktion einen Anteil haben wird und wie umweltfreundlich diese Fahrzeuge sein werden. Weltweit gesehen wird aber die Anzahl der verkauften Autos auf absehbarer Zeit definitiv steigen. Dazu wirft Kretschmann ein, dass jede gebaute S-Bahn dazu da ist, dass weniger Autos benötigt werden. das sei für ihn höchst banal, einsichtig und wünschenswert.
Anschließend gab es Raum für Publikumsfragen, wobei das in guten Teilen eher Publikumsstatements waren. Meistens Antwortete nur Wissmann auf die Fragen konkret. Winfried Kretschmann war da ganz Politiker und antwortete mit charmanten allgemein Phrasen. Die erste Anmerkung aus dem Publikum war, dass die Automobilindustrie davon ausgeht, dass sich die Autoflotte weltweit in den nächsten 10 Jahren verdoppeln wird. Gleichzeitig würde aber die Menge des geförderten Öl um 30% sinken. Wissmann wurde gefragt, womit diese Autos eigentlich alle fahren sollen. Er Antwortete, dass bereits jetzt die Industrie 50% der Forschungsgelder in alternative Antriebe stecke, obwohl sie in den nächsten Jahren höchstens 5% Marktanteil haben werden. Die Industrie investiere hier bereits in die Zukunft, genau aus den genannten Gründen.
Fritz Kuhn gefiel es nicht, wie undifferenziert der Premiumbegriff sei. Er meint Premium müsse ökologisch gedacht sein, so sei der alte SMART aufgrund des Spritverbrauches kein Premium Fahrzeug. Er frage sich, ob die Automobilindustrie benötigte Innovationsstrategie von selber mache oder ob nicht staatliche Rahmenbedingungen die das Tempo forcieren notwendig würden. Der Staat könne an vielen Stellen eingreifen. Bei Firmenwagen zum Beispiel oder mit einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung, die viele technische Probleme lösen würde. Drauf antwortete Wissmann, das es in Deutschland keine Option sei sich aus dem Premiumsegement zurück zu ziehen, diesen Fehler haben die Franzosen gemacht. Allerdings könne man Premium neu definieren. Bedarf an den passenden Rahmenbedingungen bestünde natürlich, allerdings müssen diese auch fair sein. Es ginge zum Beispiel nicht an, dass ein ineffizienter Kleinwagen die Grüne Ampel bekäme, aber der effizienteste Großwagen nicht. Man könne beide Fahrzeuge einfach nicht vergleichen.
Michael Kramer, MdE, hielt fest, dass wir dringend neue Mobilitätskonzepte benötigen. Wenn die Chinesen nur halb so viel Auto fahren würden wie die Deutschen könnte es keiner mehr. Es gäbe schlicht zu wenig Stahl und Öl. Die deutsche Automobilindustrie hätte nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich zu einer ganzheitlichen Mobiltätsindustrie wandelt: So könnte man Züge, Fahrräder, Auto, LKWs und Busse aus einer Hand anbieten. Wissmann antwortete, dass die Industrie bereits an neuen Logistik und Mobilitäskonzepten arbeite, die deutsche Automobilindustrie habe bereits viele Kooperationen gestartet. Es gäbe allerdings in den Grünen Reihen den Irrtum, nämliche dass neue Mobilitätskonzepten weltweit zu weniger Autos führen würde. Es wird in Zukunft definitiv weltweit mehr Autos verkauft werden.
Ein weiteres Mitglied des Publikums hielt fest, dass die größte Herausforderung in Deutschland die inteligente Verknüpfung von vielen Verkehrskonzepten sei. Er Frage sich allerdings, warum deutsche Zulieferer für ausländische Kleinwagen teile billiger liefern können als für die deutsche Produktion. Wissmann antwortete, dass man im Hochlohnland Deutschland Kleinstwagen nicht Wettbewerbsfähig herstellen könne. Das zeige sich am Beispiel VW: Das kleinste in Deutschland produzierte Auto sei der Golf, der Polo werde zum Beispiel im Ausland produziert. Er erwarte, dass in Deutschland sich nur die Produktion von Premiumautos halten könne.
Kretschmann antwortete auf alle Anmerkungen gemeinsam. Für ihn ist natürlich klar, dass der ÖPNV in Deutschland gefördert werden muss. Die eigentliche Herausforderung sei aber der integrale Tacktfahrplan. Wir müssten eben öfter in Software und seltener in Hardware machen. Was man allerdings machen könnte ist den Druck zu spritsparenden Fahrzeugen auf die Automobilindustrie erhöhen. Man darf allerdings nicht zu viel erwarten, da Veränderungen immer Zeit bräuchten, allerdings kann die Politik immer mit guten Beispiel voran gehen. So werde sich zum Beispiel der Fuhrpark seiner Regierung natürlich drastisch ändern. Natürlich sind Premiumautos und der damit verbunden Luxus was feines und man solle das nicht verbieten. Wer sich hier die Werbebroschüren ansieht, der kann aber auch sehen, dass es Verbesserungen gebe. So würde heutzutage der Benziverbrauch deutlich herausgestellt. Auch ein Tempolimit sei in seinen Augen natürlich sinnvoll. Er hielt fest:
Was dem Ami die Waffe ist dem Deutschen das Rasen.
Danach kam es noch zu einer zweiten Fragerunde, die ich persönlich eher eine Vorwurfsrunde an den Hern Wissmann nennen würde. Wer sich dafür interessiert, sie findet sich ab Minute 70 in der Aufzeichnung.
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Interview mit Sebastian Czaja (FDP) zur Wahl in Berlin
Ben hat diesmal Sebastian Czaja zu Gast. Er ist Sprecher für Sport, berufliche Bildung, Wissenschaft und Forschung und Stellvertrenender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin. Mit ihm spricht Ben über die Ziele der FDP bei der diesjährigen Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.
Links und Zitate
- [1:00] FDP Berlin (Homepage)
- [2:00] Klara Herrman (Wikipedia)
- [2:35] Sebastian Czaja über die Chancen der FDP bei der Wahl:
Ich glaube eins ist klar geworden, dass die FDP jetzt wieder da ist und das sie wieder liefern wird. Und ich glaube schon das wir die Chancen haben – auch in Berlin – am 18. September mit einem Soliden Ergebnis wieder ins Berliner Parlament einzuziehen.
- [4:05] Sebastian Czaja über über Koalitionsoptionen:
Ich hab noch eine ganz andere Sorge, nicht das es nach Grün-Rot aussieht sondern das es möglicherweise nach Grün-Schwarz aussehen könnte. Denn jede CDU-Stimme die am 18. September gegeben wird ist natürlich auch eine Stimme für die Berliner Grünen und ist eine Stimme für Renate Künast. Denn eins ist in den letzten Monaten sehr deutlich geworden: Das die CDU bereit ist als Juniorparnter in diese Koaltion einzusteigen und letztlich leider auch bereit ist eine vielzahl von Positionen aufzugeben dafür.
- [5:30] Wahlprogram der FDP: “Die richtigen Antworten” (PDF)
- [6:30] Berlin kauft voraussichtlich selbst S-Bahnzüge (maerkischeallgemeine.de)
- [7:00] Vergleich der Bildungsausgaben der einzelnen Budnesländer (PDF S.2 ff)
- [8:00] Das Berliner Schulsystem (PDF)
- [9:00] Sebastian Czaja über die Schulreform in Berlin:
Und das Problem war ja auch, dass man dieses Problem nicht innerhalb der Schule gelöst hat, das heißt bessere Betreuungsrelation geschaffen hat (Schüler/Lehrer-Verhältnis), sich darum bemüht hat, dass der Stundenausfall den wir in Berlin imens beklagen zurückgeführt wird. Sondern man hat einfach Türschilder in dieser Stadt geschraubt. Man hat dem Kind schlichtweg einen anderen Namen gegeben und dann gehoft damit das Problem hinter einen neuen Türschild zu verstecken. Und da gehen wir einen anderen Weg als FDP, wir stehen dafür das wir das Fördern und Fordern in den Mittelpunkt stellen.
- [11:15] UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ()
- [14:55] Türkische Gemeinde zu Berlin e.V. ()
- [15:30] Doppelte Abi-Jahrgänge erschweren Zugang zum Wunschstudium (Berlin.de)
- [21:30] Stellenausschreibung Ausbildungsplatz Frisör in Berlin (Beispiel)
- [23:00] Schuldenbremse (Wikipedia)
- [23:30] Länderfinanzausgleich (Wikipedia)
- [25:20] Bericht des Landesrechnungshofes 2011 (PDF)
- [26:10] Offene Forderungen: Behörden wollen 273 Millionen in Berlin eintreiben (Morgenpost)
- [28:20] Doppelhaushalt 2010/2011 des Landes Berlin (Berlin.de)
- [32:00] Karten zum Stadtklima Berlin (Berlin.de)
- [32:50] Autobahn A 100 (Wikipedia)
- [36:00] Auch zum Großeinkauf ohne Auto (Tagesspiegel)
- [39:50] Sprühanlage wirbelt verbal Staub auf (Der Westen)
- [42:30] Howoge-Affäre – Hillenberg bestätigt Vergabepraxis (Morgenpost)
Sofort Anhören:
E-Petition: Nebenverdienste der Abgeordneten veröffentlichen – ab dem ersten Euro
Der Deutsche Bundestag gibt sich derzeit neue Transparenzregeln bei den Nebeneinkünften der Abgeordneten. Der Bundestag gab dazu vor einiger Zeit eine Pressemitteilung heraus, die einige Wellen schlug. Auch im neuen System sollen die einzelnen Nebeneinkünfte der Abgeordneten durch Stufen “verschleiert” werden. Die Stufen sollen allerdings verändert werden. Eine Veröffentlichung fände nach dem Vorschlag nur noch bei mehr als 10 000€ pro Auftraggeber statt. Was sich in der Pressemitteilung des Bundestages wie ein Fortschritt las empfand der Verein Lobbycontrol als Schlag ins Gesicht. Sie starteten eine Protestaktion – die Kritik hatte Erfolg, der Vorschlag wird noch einmal überarbeitet.
Mir persönlich wird aller Voraussicht nach auch der neue Vorschlag nicht weit genug gehen: Ich bin der Meinung, dass jeder der sich in ein Vollzeitabgeordnetenmandat wählen lässt jeden Euro den er durch anderweitige Tätigkeiten verdient veröffentlichen sollte. Und nein, damit möchte ich den Abgeordneten nicht das Leben oder die beruflichen Möglichkeiten erschweren – ich denke nur einfach, dass jeder Wähler das Recht besitzt zu wissen wovon sein Abgeordneter noch so abhängt. Ob diese Tätigkeiten integer und zu der politischen Einstellung und Persönlichkeit des Abgeordneten passt und ob der Abgeordnete (m)eine Stimme verdient hat muss dann jeder für sich entscheiden. Aber hierzu muss man die Nebenverdienste seiner Abgeordneten einsehen können und zwar in Art, Höhe und Herkunft. Anders ist ein objektives Beurteilen kaum möglich.
Im Deutschen gibt es ein Sprichwort, dass die Gefahr der Nebenverdienste sehr schön aufzeigt:
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Natürlich ist das nur eine Gefahr und ich glaube sogar, dass sich der Großteil der Abgeordneten von ihren Nebentätigkeiten nur bedingt beeinflussen lässt. Das trifft allerdings auch auf fast alle Angestellten zu. In fast jedem Arbeitsvertrag finden sich Klauseln, die Arbeitnehmer zur Anzeige genau dieser Daten einer Nebentätigkeit verpflichten. Nur so kann der Arbeitgeber entsprechend damit umgehen.
Für mich ist der Arbeitgeber eines Abgeordneten das Volk, das er vertreten soll. Es wäre also nur konsequent wenn er diesem über seine Nebentätigkeiten offen, ehrlich und knallhart Bericht erstattet. Dieser kann dann überlegen, ob er den Vertrag mit dem Abgeordneten dann für eine weitere Legislatur verlängert oder nicht.
Da es unsere Gesellschaft nicht weiter bringt, wenn man immer nur über “die da oben” mosert, sondern sich immer nur durch das Handeln seiner Mitglieder weiterentwickeln kann, hatte ich mich entschieden zu diesem Thema eine E-Petition einzureichen. Das Prüfen und Veröffentlichen dauert leider immer etwas – der Petitionsausschuss hat viel zu tun, aber heute ist meine erste Petition online gegangen:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass ab der nächsten Legislaturperiode Abgeordnete ihre Nebeneinkünfte ab dem ersten Euro zur Veröffentlichung beim Bundestagspräsidenten anzeigen müssen.
Das ich die Neuregelung der Transparenzregeln erst für die neue Legislaturperiode fordere, hat gute Gründe. Ich finde es moralisch nur schwer vertretbar, wenn man einem Abgeordneten, der bereits im Bundestag sitzt, neue Regeln aufdiktiert. Wenn dem Abgeordneten diese Regeln nicht gefallen, so kann er sicherlich den Bundestag verlassen. Die meisten Abgeordneten fühlen sich aber ihren Wählern verpflichtet. So manchem Abgeordneten könnte dadurch eine schwere Entscheidung aufgedrückt werden. Kurz könnte man auch sagen, dass es nicht fair sein kann mitten im Spiel die Spielregeln zu ändern.
Mir ist nämlich durchaus bewusst, dass das Veröffentlichen aller Nebenverdienste ab dem ersten Euro einen Einschnitt ins Leben mancher Abgeordneten bringen würde. Wenn man diesen aber erst zur nächsten Legislatur beschließt, dann kann sich jeder überlegen, ob er sich als Kandidat für den nächsten Bundestag aufstellen lässt. Er muss vor seiner Kandidatur mit seinem Gewissen ausmachen, ob er für die Rechte und den besonderen Status den er von den Wählern zugeteilt bekommt auch die damit verbundenen Pflichten annehmen möchte.
Bevor mir jetzt vorgeworfen wird, ich gönne unseren Abgeordneten nichts und will sie ja nur an ihrem Fortkommen hindern kann ich sagen, dem ist nicht so. Ich persönlich hätte kein Problem damit, wenn der Bundestag dafür das Salär der Abgeordneten erhöht – sogar drastisch. Für die Verantwortung, die unsere Abgeordneten tragen und die Qualifikationen, die wir uns von ihnen wünschen verdienen sie viel zu wenig.
Meiner Ansicht nach ist meine Forderung auch vom Grundgesetz gedeckt, denn selbst das Verfassungsgericht sieht die Parlamentarier in einer besondern Pflicht. Ich möchte meinen Lesern das entsprechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts ans Herz legen. Zugegeben, die Entscheidung fiel mit 4 zu 4 Stimmen sehr knapp aus. Aber ich sehe meinen Vorschlag von der Begründung der 4 Richter, die sich für die Verfassungskonformität des Offenlegens der Nebenverdienste aussprachen, gedeckt.
Mit der Freiheit des Mandats (Art. 38 Abs. 1 GG) sind nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten verbunden, deren Reichweite durch das Gebot, die Repräsentations- und Funktionsfähigkeit des Parlaments zu wahren, bestimmt und begrenzt wird. Zu den Pflichten eines Abgeordneten gehört es, dass er in einer Weise und einem Umfang an den parlamentarischen Aufgaben teilnimmt, die deren Erfüllung gewährleistet. Dabei verlangt die parlamentarische Demokratie einer höchst komplizierten Wirtschafts- und Industriegesellschaft vom Abgeordneten mehr als nur eine ehrenamtliche Nebentätigkeit. Vielmehr fordert sie den ganzen Menschen, der allenfalls unter günstigen Umständen neben seiner Abgeordnetentätigkeit noch versuchen kann, seinem Beruf nachzugehen. Nur der Umstand, dass die Abgeordneten bei pflichtgemäßer Wahrnehmung ihres Mandats auch zeitlich in einem Umfang in Anspruch genommen sind, der es in der Regel unmöglich macht, daneben den Lebensunterhalt anderweitig zu bestreiten, rechtfertigt den Anspruch, dass ihnen ein voller Lebensunterhalt aus Steuermitteln, die die Bürger aufbringen, finanziert wird.
Schöne Worte, die ich sofort unterschreibe. Wer genauso denkt wie ich und möchte, dass Abgeordnete ihre Nebenverdienste ab dem ersten Euro offenlegen, der kann meine Petition einfach mitzeichnen. Für ein kleines bisschen mehr Transparenz im Bundestag.
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Halbzeitbilanz des bayerischen Landtags aus grüner Sicht

Ulrike Gote
Ben hat diesmal Ulrike Gote zu Gast. Sie ist hochschul-, medien- und religionspolitische Sprecherin sowie Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen Fraktion in Bayern und erklärte ihre Sicht auf die erste Halbzeit des aktuellen bayerischen Landtags.
Links und Zitate
- [0:40] Ulrike Gote (Homepage)
- [2:50] Grüne Landesverband Bayern (Homepage)
- [3:10] SPD Bayern (Homepage)
- [3:30] Freien Wähler Bayern (Homepage)
- [4:05] Ulrike Gote über die Rolle der SPD im Lantag:
Die SPD, schwieriges Verhältniss im Moment, also gerade jetzt zur Halbzeit, wir sind ja in den letzten Monaten stetig gewachsen in den Umfragen und sind glaub ich auch im Landtag recht präsent und mitunter haben die Kollegen und Kolleginnen der SPD ein kleines Problem damit [...] Also ganz wichtig ist, dass sie immer noch der Oppossitionsführer – wir sagen immer der Oppossitionsanführer – sind, das lassen sie sich nicht nehmen, also zumindest formal. Aber es mangelt ein bischen an Selbstbewusstsein. Was sehr schade ist, weil wir brauchen ja die Genossen für unsere Politik.
- [6:05] Ergebnisse der Landtagswahl 2008 (Wikipedia)
- [7:40] Sepp Daxenberger (Wikipedia)
- [8:00] Nachruf zum Tod von Sepp Daxenberger (Bayrischer Rundfunk)
- [9:20] Fraktionschef ohne Handy (sueddeutsche)
- [10:55] Untersuchungsausschuss Bayerische Landesbank (Homepage des Landtages)
- [12:00] Erwin Huber (Wikipedia)
- [12:30] Vorstand der BayernLB soll vor Gericht (Handelsblatt)
- [12:40] BayernLB-Bericht geleakt (Zeit)
- [13:15] Hausdurchsuchung im Attac Bundesbüro (Gulli.com)
- [14:45] Republica (Homepage)
- [15:45] CSU und das Rauchverbot – Rolle Rückwärts (sueddeutsche)
- [16:45] Bayern verordnen sich radikales Rauchverbot (Stern)
- [17:30] ÖDP (Wikipedia)
- [18:00] Erdinger Wirt wirft Frankenberger raus (Wochenblatt)
- [19:30] Verbesserte Rahmenbedingungen für Volksbegehren (Abgeordnetenwatch)
- [21:00] Über das Minarettverbot in der Schweiz (Bens Blog)
- [22:15] Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Datenschutzgesetzes (Homepage Landtag)
- [24:30] Die Datenschutzkritische Spackeria (Homepage)
- [25:00] Podcast-Folge über Datenschutz (Politology)
- [25:30] Weg für Schülderdatenbank frei (Donaukurier)
- [28:15] Aufweichung des Ladenschlussgesetzes verhindern (Abgeordnetenwatch)
- [33:00] Stille Tage (Wikipedia)
- [34:35] Laizismus (Wikipedia)
- [36:10] Gleichstellung eingetragener Lebenspartner im Beamtenrecht (Abgeordnetenwatch)
- [37:50] Folge über Queerpolitik der Piraten (Politogy)
- [38:30] Abitur in Bayern (G8) (Wikipedia)
- [39:30] G9-Abiturienten nehmen Uni-Sonderangebot dankend an (Nordbayern)
- [41:45] Was die Beschäftigten an Deutschlands Hochschulen verdienen. (sueddeutsche)
- [43:10] Grün-Rot:Studiengebühren weg, Verfasste Studierendenschaft her (studies online)
- [44:10] Flughafen Hof: 170 Euro Steuergeld für jeden Passagier (sueddeutsche)
- [52:30] Was bedeutet Open Access (open-access.net)
- [54:30] Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) (Wikipedia)
- [55:30] Die Posse um die BLM (Teil 1) (Freiheitsworte)
- [56:15] ZDF Mann Seibert ist neuer Regierungssprecher (detektor.fm)
- [56:45] Beck klagt gegen ZDF-Rundfunkstaatsvertrag (Spiegel)
- [59:00] Die Posse um die BLM (Teil 3) (Freiheitsworte)
- [61:45] Affäre um Resonanzstudien (BR-Online)
- [68:00] JMStV-Camp (Homepage)
- [69:15] Der #JMStV und das Bußgeld für die Kunst (Freiheitsworte)
- [70:10] Kunstfreiheit im Artikel 5 des Grundgesetzes (dejure.org)
- [71:30] Rechtsgutachten zur Finanzierung des bayerischen Lokalrundfunks vor (Grüne Fraktion)
- [75:45] BVerfG: 8. Rundfunkentscheidung / Kabelgroschen (Telemedicus)
- [79:30] Zukunft der BürgerInnenmedien in Bayern – Diskusionsveranstaltung (Grüne Fraktion)
- [80:30] CCC Präsentiert die Kulturwertmark (Netzpolitik.org)
- [81:40] Kulturwertmark – Kulturflatrate mit Tücken (Freiheitsworte)
- [89:15] Zukunft der BürgerInnenmedien in Bayern – Diskusionsveranstaltung (Grüne Fraktion)
Sofort Anhören:
Eine Polizei die eine Partei mal schnell lahmlegt #Update5
Heute morgen gingen die Server meiner Ex-Partei offline. Nun, die Leid geplagten Piraten sind derlei durchaus gewohnt, obwohl die Zuverlässigkeit in den letzten Monaten durchaus stieg.
Diesmal war aber nicht die eigene IT an der Unerreichbarkeit der eigenen Services schuld, sondern die Polizei lies die Server kurzerhand vom Netz nehmen, verlautbarte der offizielle Twitter Account der Partei.
Ich sehe es prinzipiell kritisch wenn die Polizei gegen Parteien vorgeht, aber scheinbar bekam sie einen Durchsuchungsbeschluss. Wenn wir davon ausgehen, dass der Richter hier sorgfältig geprüft hat und das ganze nicht eine peinliche Aktion ist wie bei Attac wird, muss der Vorwurf sicherlich schwerwiegend sein.
Man kann sich natürlich auch die Frage stellen, ob die Durchsuchung nicht etwas mit den Mannigfaltigen Angeboten der Partei zu tun hat, die von vielen Menschen verwendet werden. Vielleicht war im Piratenwiki Dateien, die Urheberrechtlich geschützt waren? Nutzten vielleicht Terroristen das Piratenpad? Wurden Bombenbaupläne über den Jabberserver getauscht?
Noch konnte ich die Pressestelle der Piraten – ihre Infrastruktur ist ja komplett down – nicht erreichen. Ich hoffe für die Polizei, den Staatsanwalt und den Richter, dass sie was verdammt gutes haben um mal eben eine ganze Partei abzuschalten.
Sobald ich mehr weiß, werde ich davon berichten.
Update1
Nun, die Nachricht hat auf Twitter – wie zu erwarten war – eingeschlagen wie eine Bombe. Unter dem Hashtag #Servergate geht die Post ab. Pavel Mayer – eher als ruhiger und durchdachter Mensch bekannt – twitterte Gerüchte die Piratenpartei kooperiere mit der Polizei gab das Admin-Passwörter heraus. Klingt höchst unwahrscheinlich – aber Gerüchteküche kann ja Spaß machen
Update2
Der Westen berichtet, dass keine Ermittlungen gegen die Piraten geführt würden. Die Franzosen baten die Deutschen Behörden um Rechtshilfe. Das macht Luft für Spekulationen. Einerseits könnte es wirklich sein, dass jemand das Piratenpad oder den Jabber Server verwendete um eine Straftat in Frankreich zu begehen oder zu planen. Andererseits war der letzte Serverprovider der Piraten – OVH – in Frankreich ansässig.
Update3
So eben wurde mir von der “temporären” Pressestelle der Piraten folgendes gegeben (Mitlerweile auch im Vorstandsportal verfügbar:
Polizei beschlagnahmt Server der Piratenpartei Deutschland
Am Morgen des 20.Mai 2011 hat die Polizei in Folge eines französichen Ermittlungsersuchens eine Vielzahl an Servern der Piratenpartei Deutschland, die bei der Firma AixIT in Offenbach gemietet sind, beschlagnahmt.
Dazu stellt der Bundesvorstand fest:
Der Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland wird im Rahmen seiner gesetzlichen Verpflichtungen zur Aufklärung der durch die französischen Ermittlungsbehörden erhobenen Vorwürfe beitragen. Die Zugänge zu technischen Infrastruktur der Piratenpartei sind aus diesem Grund – so weit es den Ermittlungszielen dient – zur Verfügung gestellt worden. Damit soll die zielgerichtete Suche nach einzelnen Daten ermöglicht werden.
Gegenwärtig geht der Bundesvorstand davon aus, dass kein schuldhaftes Verhalten der Piratenpartei Deutschland vorliegt. Das Vorgehen der Ermittlungsbehörden richtet sich nicht gegen die Piratenpartei Deutschland oder deren Untergliederungen, diese ist lediglich als Betreiber der Server involviert. Insofern werden die Ermittlungsresultate der Polizei mit Neugierde erwartet. Den eigenen Ansprüchen gerecht, wird der Bundesvorstand – sobald gesicherte Informationen zur Verfügung stehen – in hoher Transparenz und erschöpfend zu den aktuellen Vorhaltungen Stellung nehmen.
Der Bundesvorstand hat derzeit jedoch keinerlei Kenntnis von Informationen, die eine komplette Abschaltung aller Server der Piratenpartei Deutschland rechtfertigen würden. Betroffen waren nach den vorliegenden Informationen lediglich ein einzelner, öffentlicher Dienst auf einem virtuellen Server der Piratenpartei.Die Abschaltung aller Server ist ein massiver Eingriff in die Kommunikations- und Informationstruktur der sechstgrößten Partei Deutschlands. Angesichts der in zwei Tagen anstehenden Landtagswahlen in Bremen wird hier politisch ein massiver Schaden angerichtet, den der Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland aufs entschiedenste verurteilt.
Im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungsarbeiten wird daher zu klären sein, ob die erfolgte Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung rechtlichen Vorgaben entsprochen hat, insbesondere ob die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurden. Immerhin hat die Maßnahme zu einem großflächigen Zusammenbruch der technischen Infrastruktur der Piratenpartei Deutschland geführt. Geklärt werden muss zudem, ob Daten betroffen sind, die mit dem Ermittlungsziel in keinerlei Zusammenhang stehen.
Der Bundesvorstand bitte zudem um Verständnis dafür, dass das derzeitige, primäre Augenmerk auf die Wiederherstellung der Funktionstauglichkeit der davon betroffenen Infrastruktur gerichtet ist.
Der Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland Sebastian Nerz, Bernd Schlömer, Marina Weisband, Rene Brosig, Wilm Schumacher, Matthias Schrade, Gefion Thürmer
Damit verdichten sich die Vermutung, dass ein/das Piratenpad Grund der Durchsuchung ist.
Update4
Was ich gerüchteweise bereits gehört hatte macht scheinbar nun eine breitere Runde. Ein Piratenpad wurde – angeblich – verwendet um ein DDoS in Frankreich zu koordinieren. Man kann sich die Frage stellen ob dieser Vorwurf ausreicht um die wichtigsten Informationsknoten der bekanntesten deutschen Kleinpartei lahmzulegen. Ich vermute, dass der Richter der das genehmigte nicht wusste was er tat. Sollte das wirklich alles sein was vorgeworfen wird, dürfte die verantwortliche Staatsanwaltschaft einen gewaltigen Shitstorm am Hals und die Juristen der Piratenpartei ihren Spaß haben.
Update5
Die Grüchte, dass ein Piratenpad in dem ein DDoS geplant worden sei, Anlass für die Untersuchung seien, wurden mir gerade von einem Vertreter der Partei bestätigt
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Kulturwertmark – Kulturflatrate mit Tücken
Viele werden es bereits mitbekommen haben, der Chaos Computer Club kaperte vor kurzem die Diskussion um die Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken im Internet mit lautem Gebrüll. Ein eigenes neues Konzept – die Kulturwertmark – soll die bisherigen Diskussionsblockaden lösen und bekam im Konzeptpapier den Untertitel: “Ein Vorschlag zur Güte” verpasst.
Das vorgeschlagene Konzept beinhaltet nichts wirklich revolutionär neues, aber die Abmischung hat in dieser Form noch keiner vorgeschlagen. Und es ist für jede Interessengruppe des Urheberrechts ein Bonbon enthalten. Einfach ausgedrückt fordert der CCC eine Kulturflatrate, welche mit einem flatträhnlichem System und einer radikalen Urheberrechtsreform gemischt wird. Es ist daher kein herumdoktern am aktuellen System sondern stellt durchaus einen großen Wurf bei der Reform der Urheberrechts dar.
Das Konzept
Ich werde das Konzept hier nur kurz und knapp beschreiben, da der CCC das ganze durchaus gut und in verständlichen Worten selbst erklärt. Die Kulturwertmark ist wie bereits erwähnt eine Art Kulturflatrate. Auf der Einnahmenseite kann sich der CCC verschiedene Modelle vorstellen, zum Beispiel eine Abgabe auf den Internetanschluss oder aber auch eine Finanzierung über sonstige Abgaben oder Steuern. Verteilt werden soll das Geld aber nicht wie bei den bisherigen Kulturflatratemodellen oder den Modellen der VG Wort oder GEMA nach Positionen in den Charts, den Downloads oder der Reichweite sondern durch die User der Kultur selbst. Einerseits soll es möglich sein Guthaben wie bei Flattr gleichmäßig auf alles zu verteilen was man in einem Zeitraum mit einem Klick bedacht hat, andererseits soll es aber auch möglich sein für Downloads mit einem festen Betrag in Kulturwertmark zu bezahlen.
Als Gegenleistung für diesen staatlich garantierten Mindestumsatz für die Kulturindustrie sollen die Werke nach einer festgelegten Einnahmeschwelle pro Werk für die Öffentlichkeit freigegeben werden, in dem sie etwa in dem es unter eine CC-Lizenz gestellt werden. Darüber hinaus sollen die Schutzfristen im Urheberrecht allgemein drastisch gekürzt und die nicht kommerzielle Verwendung und Verbreitung legalisiert werden.
Die Tücken
Aufmerksamen Lesern dürfte nicht unbekannt sein, dass ich ein Fan von Flattr bin. Vor einiger Zeit forderte ich sogar von meiner damaligen Partei das System zu fördern, wobei die Mehrheit der Mitglieder leider anderer Meinung waren. Prinzipiell stehe ich dem Konzept des CCC daher positiv gegenüber. Ich würde sogar sagen schon allein für das vorlegen hat sich mein Mitgliedsbeitrag gelohnt. Leider bin ich beim tieferen Nachdenken über das vorgeschlagene Modell und seine Vorteile auf einige Nachteile und Tücken gestoßen. Sie sind teilweise so offenkundig, dass ich mich einerseits wundere, dass sie der CCC nicht selbst erwähnt – das Frank Rieger und fefe diese Lücken übersehen haben erscheint mir unwahrscheinlich. Andererseits habe ich ich bisher nicht gesehen, dass sie von außerhalb des CCC bisher angebracht wurden.
Internationale Verpflichtungen
Eher eine Kleinigkeit aber nicht außer acht zu lassen ist meiner Meinung nach, dass es nicht so leicht sein wird das System nur national einzuführen. Zwar wird vom CCC eine nationale Einführung als erster Schritt dargestellt, aber das Urheberrecht ist längst europaweit harmonisiert und Deutschland unterliegt hier europäischem Recht. Ohne Veränderungen des EU-Rechts ist eine Verkürzung der Schutzdauer ohne Strafverfahren der EU gegen Deutschland nicht möglich. Natürlich kann man das EU-Recht dahingehend ändern den einzelnen Ländern mehr Freiheiten in der Gestaltung des Rechts einzuräumen, allerdings ist der Sinn der Richtlinien in der Regel genau diese Harmonisierung. Und wenn man für das gewünschte System eh in ganz Europa werben müsste, kann man es auch gleich auf Europäischer Ebene einführen. Zugegeben, dass ist jetzt kein Showstopper, aber man sollte vermeiden zu suggerieren, dass der deutsche Gesetzgeber das System auf Wunsch zeitnah einführen könnte – es ist eben leider nicht ganz so einfach.
Parallelwährung
Das gesamte Konzept wurde unter den Namen Kulturwertmark vorgestellt und impliziert durch den Namen den Anspruch ein Zahlungsmittel zu sein. Es ist durchaus interessant, ob die Kulturwertmark eine eigene Währung darstellt. Eine Währung ist im Prinzip eine vom Staat anerkannte Geldform. Aber wäre die Kulturwertmark Geld? Nun Mankiw schreibt zu Geld in dem Buch Grundzüge der Volkswirtschaftslehre auf Seite 682:
Geld ist ein Bündel von Aktiva, die die Menschen in einer Volkswirtschaft regelmäßig dazu verwenden, Waren und Dienstleistungen von anderen Menschen zu erwerben. [...] Geld hat drei Funktionen in einer Volkswirtschaft: Es ist Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel. Diese drei Funktionen zusammen unterscheiden Geld von anderen Aktiva.
Also die Kulturwertmark wäre definitiv auf der Aktivaseite der Bilanz. Sie würde regelmäßig dazu verwendet Waren und Dienstleistungen (Kulturgüter) von anderen Menschen zu erwerben. Sie wäre sowohl Tauschmittel als auch Recheneinheit. Ob sie als Wertaufbewahrungsmittel dienen könnte, käme auf die genauere Ausgestaltung des Systems an: So bald ich meine Kulturwertmark direkt nach der Einnahme weiterverteilen kann oder längere Zeit behalten kann, trifft das tendenziell zu. Da die Kulturwertmark zwar von einer Stiftung verwaltet wird, aber wahrscheinlich in irgendeiner Form im Gesetzestext gegossen sein würde, hätte sie in gewisser Weise eine staatliche Anerkennung. Grob gedacht stünde durch die verwaltende Stiftung sogar eine Art Zentralbank bereit, die den eigentlichen Wert durch Einlagen einer anderen Währung – dem Euro – “absichert”. Zugegeben, zu 100% passt der Anzug Währung der Kulturwertmark nicht, aber man ist schon sehr nahe dran.
Wenn die Kulturwertmark eine Währung darstellt, leiten sich für mich schnell andere Fragen ab: Wie steht es in dem System um Inflation? Wird versucht das Geldangebot und das Warenangebot aufeinander abzustimmen? Wie wird der Wechselkurs in andere Währungen festgelegt? Wie weit darf die Stiftung in das System eingreifen? Darf sie vielleicht sogar Geld schöpfen? Auf den ersten Blick neigt man bei den Fragen zum Kopfschütteln, aber sie sind gar nicht so trivial wie sie scheinen. So könnte man zum Beispiel argumentieren, dass der Wechselkurs unweigerlich zum Ende einer Auszahlungsperiode steigen wird, da jede einzelne Kulturwertmark einen Anteil an der Ausschüttung des nicht aktiv verwendeten Geldes sichert.
Je nach Ausgestaltung des Systems steigt entweder die Menge an Geld im System hin zum Auszahlungszeitpunkt (Inflation entsteht), einzelne Kulturwertmark werden zum Ende ihres Lebens mehr Wert – damit wäre es dann als Recheneinheit ungeeignet. Man könnte das System auch so ausgestalten, dass nur Transfers in Kulturwertmark stattfinden und im Konto sofort in Euro umgerechnet werden. Hier müsste man sich allerdings überlegen, wie man die Ausschüttung der nichtverwendeten Kulturwertmark vornimmt. Wenn man es anteilig an den Transaktionen austeilen würde, schafft man eine negative Transaktionsgebühr für Geld – jeder würde das Geld möglichst häufig hin und her wandern lassen. Allein der Wechselkurs ist der Währung ist also schon ein Problem, das liegt an dem im System verankerten “Hebeleffekt”.
Der Hebeleffekt
Kommen wir zum echten Showstopper des Systems. Auch wenn geplant ist, dass jeder Bürger in das System einbezahlen soll, können wir ziemlich mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen, dass nicht jeder Bürger auch aktiv am System teilnehmen wird – also sein Geld auch wirklich selbst verteilt. Daran hat der CCC natürlich gedacht, im Konzept heißt es:
Beträge, die von den Teilnehmern innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (etwa ein Jahr) nicht ausgegeben werden, werden automatisch entsprechend aller vergebenen Beträge verteilt. Es gibt also eine vorhersehbare Menge Geld, die pro Jahr tatsächlich verteilt wird.
Man wird vor der Einführung lange darüber streiten können, wie viele Menschen ihr Recht nutzen werden ihre Kulturwertmark selber zu verteilen. Ich persönlich würde schätzen, dass nur 5-10% der Nutzer davon ernsthaft gebrauch machen werden. Wenn wir eine Beteiligungsrate von 10% annehmen bedeutet das automatisch, dass jeder der an dem System aktiv teilnimmt effektiv das Zehnfache seines Anteils verteilen kann. Und das eröffnet einem schöne Möglichkeiten:
Nehmen wir einfach an, ich würde jeden den ich kenne darum bitten meinen Podcast mit allen Kulturwertcoins zu bedenken, die der Person zur Verfügung stehen und ihr dafür den doppelten Betrag in Euro geben. Dann verdiene ich immer noch gut daran, schließlich erhalte ich dafür das 10-fache des eingesetzten Betrages. So einen Effekt gab es übrigens auch zeitweise im GEMA System. So gab es Fälle, in denen Produzenten ihre eigenen CDs im Laden gekauft haben um ihre Chartpositionen zu verbessern. Nicht nur, dass die GEMA Einnahmen der Produzenten von der Chartposition abhing, wer hoch in den Charts ist, wird auch öfter im Radio gespielt – was wiederum gesteigerte GEMA-Einnahmen für den Produzenten bedeutet. Ähnliche Fälle sind also bereits in einem weit komplizierteren System mit einem geringeren Hebeleffekt bekannt. Ich denke sie würden Feuchte träume bekommen angesichts einer Rendite von 900%!
So eine hohe Rendite wird unweigerlich viele findige Ideengeber anziehen. Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass man seinen Hausbau über Kulturwertmark bezahlt. Der Handwerker muss dafür eben ein Video des Hausbaus produzieren. Wer hier hofft, dass die Stiftung dem ganzen Einhalt gebieten kann, der sollte sich damit vor Augen führen, dass diese Stiftung damit entscheidet was Kunst oder zumindest was kulturell ist. Und selbst wenn wir außer acht lassen, dass Videos – ohne Schöpfungshöhegrenze – immer dem Urheberrecht unterliegen, können wir das Video unter den Titel “Do it yourself – so einfach baust du dein eigenes Haus” produzieren oder wir lassen die Handwerker beim Bauen des Hauses singen. Schon haben wir Kunst – egal wie grottig die Gesangkünste deutscher Handwerker sind.
Denken wir noch weiter, landen wir zum Beispiel bei Geldwäsche – Kunsthandel war schon immer für diese Tätigkeit anfällig – oder gar bei Großinvestoren. Was hindert die deutsche Bank daran einfach mal 1.5 Milliarden Euro – der im Konzept genannte Jahresgesamtumsatz – durch das System zu jagen? Zugegeben, das zu begründen dürfte aufwendiger und kniffliger werden, aber bei einer Renditeerwartung von >100% werden Banker sicher ganz schnell kreativ. Herr Ackermann würde für eine Rendite wie diese sicherlich gerne Verträge bei mehr als einem Teufel unterschreiben.
Die einzig wirksame Gegenmaßnahme gegen Missbrauch dieses Systemfehlers wäre das freiwillige Eintauschen von “echtem Geld” in Kulturwertmark gar nicht erst zu erlauben. Das würde aber dem System den Charme nehmen, dass man mehr Geld als den festgelegten Betrag für Kultur ausgeben kann. Da das Konzept auch erlaubt, für Downloads mit der Kulturwertmark zu bezahlen, wäre das ein echtes Hindernis – man müsste weitere Bezahlungsmöglichkeiten – Paypal, Amazon Payments – pflegen.
Fazit
So toll ich das Konzept auf den ersten Blick fand, so sehr bin ich bei genauerem hinsehen skeptisch geworden. Nein, es ist nicht absoluter Mist, denn jedes System für die Verteilung von Geldern hat seine Vor- und Nachteile, so auch das derzeitige System von GEMA, VG Wort und Co. Es scheint mir aber doch, dass die Nachteile an diesem neuen System im Vergleich zu den anderen Systemen überwiegen – leider.
PS: Wer jetzt noch mal seine Fantasie anwerfen will, der sollte die Kulturwertmark auch mal mit Blick auf eine bisher ignorierte Industrie – es lebe die Prüderie – betrachten. Was ist eigentlich mit Pornos in dem System? Ob Pornographie Kunst ist, mögen andere entscheiden, aber sie unterliegen auf jeden Fall dem Urheberrecht und müssten damit in das System der Kulturwertmark integriert werden. Was das bedeutet möge sich jeder selbst ausmalen. ;o)
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Die Autosuggestion des deutschen Innenministers
Autosuggestion ist der Prozess, durch den eine Person ihr Unbewusstes trainiert, an etwas zu glauben. Dies wird erreicht durch Selbsthypnose oder wiederholte Selbst-Affirmationen, und kann als eine Form von selbstinduzierter „Gehirnwäsche“ angesehen werden.
So steht es in der deutschen Wikipedia geschrieben. Autosuggestion nennt man also unter Anderem den Prozess, sein eigenes (Unterbewusstsein) durch ständiges Wiederholen von Behauptungen von etwas zu überzeugen, das man selbst nicht glaubt. Der Deutsche Innenminister gab der Rheinischen Post ein Interview, in der er den Bedarf für die deutschen Anti-Terrorgesetze damit begründet, dass die kürzlich festgenommen Terroristen nur aufgrund ihrer auffälligen Flugzeugnutzung erwischt worden wäre. Während ich mich Frage, wie man auffällige Flugbewegungen so produziert, vermutet fefe eine dreiste Lüge und lacht sich schlapp.
Was das jetzt mit Autosuggestion zu tun hat? Nun achtet mal bei den Antworten des deutschen Innenminister im Interview auf die Verwendung des Wortes “rechtsstaatlich”:
Auch die Auswertung der Flugpassagierdaten ist ein wichtiges Element für diesen Fahndungserfolg gewesen. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass die Hinweise der Nachrichtendienste nicht zufällig zustande kommen, sondern auf der systematischen Auswertung rechtsstaatlicher Fahndungsmöglichkeiten beruhen. Alle Erkenntnisse lassen sich zurückführen auf die Instrumente, die wir den Diensten an die Hand geben. Nur so werden wir unseren Verpflichtungen bei der internationalen Terror-Abwehr gerecht.
Und weiter:
Es gibt auch hier viele Beispiele dafür, dass Fahndungserfolge letzten Endes auf den rechtsstaatlichen Grundlagen beruhen, die die Anti-Terror-Gesetze zur Verfügung gestellt haben. Ich bin froh, dass diese Gesetze sehr umsichtig und in nur ganz wenigen gravierenden Fällen angewendet worden sind.
Manch einer könnte meinen, er will damit betonen, dass alles was er gerne hätte und alles was ist vom deutschen Grundgesetz gedeckt wäre. Wen man aber ehrlich ist, sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass alles was der deutsche Staat tut, rechtsstaatlich ist. Das Wort heißt nämlich eigentlich nur, dass sich die Regierung an die geltenden Gesetze hält. Es heißt nicht unbedingt, dass alles dabei Gerecht ist, und irgendwie nur bedingt, dass es grundgesetzkonform ist.
Ob der Innenminister sich das alles überlegt hat? Vor allem, dass das Wort anders “empfunden” als “definiert” wird? Vielleicht befrage ich dazu mal Martin Haase, der sich mit der politischen Sprache ja auskennt. Ich persönlich aber glaube, der Innenminister versucht sich selbst von seinem eigenen tun zu überzeugen. Vielleicht hilft es ihm ja nachts beim Einschlafen.
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Da findet sich viel im Rot-Grünen Koalitionsvertrag aus RLP – ein Überblick
Der heute vorgestellte Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz (PDF) ist der zweite dieses Jahr mit grüner und roter Beteiligung, wobei diesmal allerdings der Koch Rot und der Kellner Grün ist. Ich versuche mich daran hier einen Überblick in Sachen Bürgerrechts- und Digitalpolitik über das Vertragsstück – ausgehandelt von Kurt Beck (SPD) sowie Eveline Lemke und Daniel Köbler (Grüne) – zu geben.
Transparenz sowie Verbraucher- und Datenschutz
Auf Seite 35 werden mehr Verbraucherrechte und Datenschutz versprochen:
Wir wollen die Verbraucherrechte und das Beratungsangebot zu Ernährung, Finanzprodukten und -dienstleistungen, Telekommunikationsdiensten und Internet, Datenschutz sowie im Energiebereich stärken. Wir wollen auch die Flug- und Fahrgastrechte weiter verbessern. Wir treten für eine Stärkung der Verbraucherrechte bei Vertragsabschlüssen am Telefon durch eine Bestätigungslösung und im Internet durch eine Buttonlösung ein.
Wer nicht weiß, was eine Buttonlösung ist, der wird beim deutschen Bundestag fündig. Auf Seite 80 wird man konkreter und möchte ein “digitales Verfallsdatum”
Die Landesregierung setzt sich auf europäischer und auf Bundesebene für ein hohes Niveau des Datenschutzes ein. Im Zentrum unserer Überlegungen stehen der Schutz der Privatsphäre und der Persönlichkeitsrechte im Netz sowie die Einführung eines digitalen Verfallsdatums.
Nach dem etwas über das Meldegesetz (Betroffene stärken) gesagt hat, bezieht man Stellung zur Stiftung Datenschutz:
Wir stehen einer Stiftung Datenschutz auf Bundesebene nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Sie muss jedoch föderal verträglich gestaltet sein und darf die Arbeit des Landesdatenschutzbeauftragten nicht schwächen.
Ansonsten möchte man dem Verbraucher die “Datenhoheit” über die Daten der “intelligenten Stromzähler” geben und im Internet mehr Druck auf Anbieter machen und bevorzugt Privacy by Default:
Wir werden uns bei der Verwendung sogenannter intelligenter Stromzähler dafür einsetzen, dass ein hohes Schutzniveau dieser entstehenden umfangreichen und differenzierten Datenbestände gesichert wird. Die Datenhoheit muss beim Verbraucher verbleiben. Wir werden den Schutz von Minderjährigen im Internet, vor allem in den sozialen Netzwerken besser zur Geltung bringen. Wir werden auf eine größere Sicherheit der onlinegespeicherten Daten drängen. Die Anbieter sollen verpflichtet werden, datenschutzfreundliche Standardeinstellungen vorzunehmen.
Darüber hinaus spricht man sich für eine Einführung eines Lobbyregisters aus:
Der Einfluss von organisierten Lobbyistinnen und Lobbyisten auf politische Entscheidungsprozesse hat in den letzten Jahren allerdings bundesweit stark zugenommen. Nicht immer sind die damit verfolgten Ziele und Mittel lauter. Lobbyistentätigkeit im politischen Bereich muss daher für die Öffentlichkeit transparent sein. Durch die Herstellung größtmöglicher Transparenz können unlautere Versuche der Einflussnahme neutralisiert und jeglicher böse Schein von vorneherein vermieden werden. Wir werden daher die gesetzlichen Grundlagen für ein verbindliches öffentliches Register für Interessenvertreterinnen und -vertreter schaffen, in dem die Tätigkeit von im Bereich von Landesregierung und Landtag tätigen Lobbyistinnen und Lobbyisten erfasst wird.
Demokratie, Teilhabe und Gleichberechtigung
Man möchte eine Enquetekommission für Bürgerbeteiligung über das Netz und mehr direkte Demokratie einrichten (Seite 75):
Mit einer Enquetekommission wollen wir bis Ende 2012 die verschiedenen, auch elektronischen Möglichkeiten der aktiven Bürgerbeteiligung genauer untersuchen und im Ergebnis weiter stärken. In diesem Zusammenhang streben wir noch in dieser Legislaturperiode an, Abstimmungen zu erleichtern, indem wir zum Beispiel die Quoren absenken und Unterschriftensammlungen erleichtern. Empfehlungen der Enquete wollen wir zeitnah aufgreifen und werden auf die CDU-Fraktion zugehen, um notwendige Verfassungsänderungen zu erreichen. Unabhängig davon wollen wir die Möglichkeiten erleichtern, kommunale Bürgerbegehren durchzuführen
Neben der Förderung der Integration von Migranten möchte die Regierung den Homosexuellen den Rücken stärken (Seite 78):
Die Landesregierung bekämpft aktiv Ausgrenzung und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität, des Alters oder aufgrund einer Behinderung im Arbeits- und Alltagsleben. Besonders gravierend sind Benachteiligungen im Arbeitsleben: bei der Einstellung, beim beruflichen Aufstieg, beiden Arbeitsbedingungen, bei der Entlohnung. Die Landesregierung wird innovative Konzepte zur Stärkung gleichgeschlechtlicher Familien und des familiären Zusammenhalts unterstützen und dazu Projekte zu den Kernthemen „Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien (Regenbogenfamilien)“, „Homosexualität als Herausforderung für Familien“ sowie „Homosexualität in Migrationsfamilien“ fördern. Wir werden Initiativen zur Stärkung der Akzeptanz von Schwulen und Lesben, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender und Intersexuellen (LSBTTI) ins Leben rufen. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärungsarbeit und Kampagnen werden wir für Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und LSBTTI werben
Innere Sicherheit
Man möchte man die Videoüberwachung einschränken (Seite 81):
Es ist das gemeinsame Ziel der Koalitionspartner, die Videoüberwachung generell einzugrenzen. Weil die öffentliche Hand Vorbildfunktion hat, wollen wir die Videoüberwachung durch öffentliche Stellen deutlich einschränken. Dazu gehört auch, dass auf Videoattrappen verzichtet wird. Insbesondere die Überwachung im privaten Bereich, wie zum Beispiel in Einkaufzentren, wollen wir kritisch überprüfen.
Das Internet darf aber kein rechtsfreier Raum sein! Die Horrorgesetzgebung aus der letzten Legislaturperiode wird nicht verschärft, aber auch nicht sicher zurückgenommen -sondern nur in Teilen geprüft:
Das Internet und die neuen technischen Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen vor allem Chancen, aber auch Risiken. Auch im Netz müssen Grundrechte und allgemeine rechtsstaatliche Prinzipien gewahrt werden. Bei Überlegungen, neue Befugnisnormen für Eingriffe in Bürgerrechte einzuführen, ist zu beachten, dass es bereits weitreichende repressive Befugnisse nach der Strafprozessordnung zur Strafverfolgung gibt. Daher sehen wir aufgrund der erfolgten Neuregelung des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes in der vergangenen Legislaturperiode keinen Bedarf für weitere präventive Eingriffsbefugnisse zur Gefahrenabwehr Online-Durchsuchungen begegnen erheblichen rechtspolitischen Bedenken. Daher vereinbaren wir, die im Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) getroffenen Regelungen der Online-Durchsuchung zu überprüfen. Die im Paragraphen 100 POG vorgesehene qualitative Evaluierung soll bereits mit Ablauf des Jahres 2013 durch eine externe wissenschaftliche Begutachtung erfolgen. Ebenfalls evaluiert werden die Rasterfahndung und die bisher fehlende Benachrichtigungspflicht sowie die Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ). Unabhängig von der Evaluierung wird die Frist bei der Quellen-TKÜ umgehend auf zwei Monate herabgesetzt.
Es gibt rechtspolitische Bedenken gegen die Speicherung von Kommunikationsdaten aller Bürgerinnen und Bürger. Deshalb hat das Bundesverfassungsgericht hohe Anforderungen in Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung aufgestellt. Im geltenden rheinland-pfälzischen POG ist die Vorratsdatenspeicherung nicht vorgesehen. Diesbezügliche Änderungen werden die Koalitionspartner nur im Konsens vollziehen.
Netzpolitik
Besonders interessant ist der gesamte Punkt 14 “Medien und Netzpolitik” (Seite 92 ff), hier nur die Highlights:
Netzneutralität? Ja Bitte!
Für die Freiheit der Information im Netz und den ungehinderten Transport von Daten ist es unerlässlich, die Neutralität des Netzes durch die Betreiber sicherzustellen. Die Gleichbehandlung von Daten im Sinne der Netzneutralität ist für uns hier ein wichtiges Ziel.
Netzsperren? Nein Danke!
Wir lehnen Netzsperren jedweder Art entschieden ab und treten für den Grundsatz „Löschen statt Sperren“ ein.
JMStV? Ähm, mehr Beteiligung einer privaten Firma und das nächste Gesetz bitte Transparent ausarbeiten – der Inhalt scheint dann gar nicht so wichtig zu sein. Hat man hier einen Streitpunkt in die Legislatur verschoben?
Wir bekennen uns zu den Zielen des Jugendmedienschutzstaatsvertrages und treten für eine transparente und offene Fortentwicklung in den Beratungen auf Länderebene ein und eine breite gesellschaftliche Debatte voranbringen. Die Aktivitäten von jugendschutz.net wollen wir ausbauen.
Netzausbau? Bis Ende 2012 soll jeder Haushalt Breitband haben:
Wir werden dafür sorgen, dass bis Ende 2012 jedem Haushalt in Rheinland-Pfalz eine Grundversorgung mit leistungsfähigem Breitband unter Einbezug aller vorhandenen Technologien zur Verfügung steht. Darüber hinaus wollen wir eine flächendeckende Versorgung mit leistungsstarkem Breitband vor allem auch im ländlichen Raum erreichen. Zur Unterstützung der Breitbandstruktur im Land soll ein Infrastrukturausbaugesetz auf den Weg gebracht werden. Für den Breitbandausbau soll als Anreizsystem auch das Instrumentarium der Förderbanken genutzt werden.
Medienkompetenz? Fördern mit dem Medienkompass!
Wir wollen einen „Medienkompass“ für die Schülerinnen und Schüler einführen, um den Erwerb von Kompetenzmodulen zu ermöglichen. Das Programm „Medienkompetenz macht Schule“ mit seinen infrastrukturellen Komponenten soll zunächst auf alle Schulen der Sekundarstufen I übertragen werden. In den Grundschulen wollen wir Anreizsysteme für die Schulträger zum Einsatz von elektronischen Wandtafeln schaffen.
eGoverment? Einführen!
Wir werden die Verwaltung mit elektronischen Verfahren noch effizienter und schneller gestalten. Dazu werden wir im Sinne von eGovernment schrittweise alle wesentlichen Verwaltungsleistungen online und barrierefrei bereitstellen und Antragsverfahren überwiegend elektronisch abwickeln. Dabei sorgen wir für sichere Kommunikationswege sowie eine sichere Datenhaltung. Dadurch gewährleisten wir den Datenschutz.
ePetion und eVoting? Her damit!?!
Wir wollen die digitalen Möglichkeiten nutzen, um die Bürgerbeteiligung an demokratischen Prozessen und Entscheidungen auszubauen. Dies betrifft etwa kommunale Bürgerhaushalte, die Online-Petition und andere Formen von Bürgerentscheidungen. Zur Unterstützung werden wir eine eParticipation-Plattform schaffen, die eine Kombination von Information, Konsultation und Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht
Open Source? Nun, wir prüfen das mal!
Bei öffentlichen Beschaffungsmaßnahmen wollen wir prüfen, vermehrt offene und freie Software statt lizenzpflichtiger Produkte einzusetzen, sofern fachliche Eignung, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit dem nicht entgegenstehen. Dies gilt auch für den Einsatz von Software in Bildungseinrichtungen.
Was fehlt?
Nun, ich konnte beim überfliegen keinerlei digitalpolitische Forderungen im Bereich “Bildung” finden. Gut, der größte Brocken “Medienkompetenz” kommt wo anders vor, aber mir fehlen Forderungen zum Ausbau der technischen Infrastruktur zum Beispiel. Gut, ich kenne den aktuellen Zustand der Schulen in RLP auch nicht. Darüber hinaus fehlt eine klare Aussage zum Glücksspielstaatsvertrag, normalerweise finden solche aktuellen Themen in Koalitionsverträgen gerne statt. Und sonst? Nun 102 Seiten sind ein ordentliches Programm und ich habe hier natürlich nicht alles wiedergeben. Man kann da zwar eine grüne Handschrift erkennen, aber grade bei strittigen Themen der Bürgerrechts- und Digitalpolitik hat sich scheinbar eher die SPD als die Grünen durchgesetzt.
Wobei am Ende natürlich zählt, was in der Legislaturperiode wirklich alles so passieren wird, denn Papier – auch das auf denen Koalitionsverträge stehen – ist ja bekanntlich geduldig.
Update: Bei der grünen Netzpolitikerin aus RLP Pia Schellhammer liest sich das ganze natürlich etwas positiver.
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Kurz geranted: Der Satan ist tot
Es gibt Momente, in denen – manchmal – hin und wieder – also ganz ganz selten – bei mir der Glaube an jeglichen Verstand in den Medien verschwindet. Heute ist mir dieses Gefühl wieder begegnet.
Osama bin Laden ist tot. Das ist scheinbar ein guter Grund für Medien zu feiern, die Welt ist jetzt endlich etwas sicherer, denn das Böse in Persona hat diese Erde verlassen. Es wird vorsichtshalber auch nirgends erwähnt, dass der gute man Teil DER Bin Laden Familie ist, die sich super gut mit dem Bushs aus Amerika – genau diese Präsidenten – versteht.
Auch ist es nicht von Relevanz, dass es das ach so heldenhafte Amerika war, dass Bin Laden über Jahre gefördert und aufgebaut hat. Wenn der Teufel gegen den Kommunismus kämpft, dann werden die Hörner ganz schnell zum Heiligenschein. Und genau diese Bigotterie kotzt mich an. Hält man seine Hörer für zu dämlich solche Informationen überhaupt zu verstehen? Ist das reine Absicht? Ist es für die Medienschaffenden selbst leichter, wenn die Bilder immer einfach sind? Oder sind schon die Menschen in den Massenmedien selbst so unkritisch geworden, das sie nicht denken und eine schwarz weiße Welt ohne Graustufen sich wünschen und nicht nachdenken wollen?
Ich weiß es nicht, ich weiß nur eins: Wenn das nächste mal der Sarazin, die NPD oder die Berliner Rechtspopulisten von der Freiheit um die Ecke kommen, dann sind sie alle wieder betroffen, dass die Rechten ja mit ihren vereinfachenden Thesen wahrgenommen werden, wetten?
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Kurz notiert: Grün-Rot vereinbart im Koalitonsvertrag Nein zu Netzsperren
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Im veröffentlichten Koalitionsvertrag der neuen Grün-Roten Regierung in Baden Württemberg wird wie vom AK-Zensur gefordert klar festgehalten, dass man bei Netzsperren nicht mitmachen werde. So heißt es auf Seite 68 (letzter Absatz):
Wir werden auch initiativ werden, um die Erarbeitung eines internetfähigen Datenschutzrechts, das sich den Gegebenheiten der globalen Netzwelt anpasst, voranzutreiben. Dabei gilt: Das vom Bundesverfassungsgericht neu entwickelte Grundrecht der Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme muss unverletzt bleiben. Die Kommunikationsdaten von Geheimnisträgern dürfen nur unter hohen Auflagen untersucht werden. Bei der Vorratsdatenspeicherung setzen wir uns dafür ein, die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts präzise einzuhalten. Das Sperren von Internetseiten lehnen wir ab und vertreten stattdessen das wirksamere und effizientere Prinzip „Löschen statt Sperren“.
Mal schauen ob die Koalition diesen schönen Worten beim Glücksspielstaatsvertrag auch taten Folgen lässt oder ob man hier wieder parlamentarische exekutive Zwänge sieht.
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Folge 9 – Interview mit den Spitzenkandidaten der Piraten Berlin
Ben hat diesmal Andreas “rka” Baum und Philipp “Piratenbaer” Magalski zu Gast. Die beiden sind die Spitzenkandidaten der Piratenpartei für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2011 und standen Rede und Antwort darüber, was sie anders machen würden, wenn sie gewählt werden.
Links
- Landesverband Berlin der Piratenpartei (Homepage)
- Erwähnte Person: Stephan Urbach
- Die Geschichte um die #7Piraten (Fabio Reinhard)
- Erwähnte Person: Gerhard Anger (Twitter)
- Podcast Edelstoff: “Sind Piraten Anders?”
- Liquid Feedback (Wikipedia)
- Liquid Democracy (Wikipedia)
- Grüne: Mehr innerparteiliche Demokratie wagen (Blog Steffi Lemke)
- Bürgerbefragung zur Kastenienalle abgelehnt (Berliner Morgenpost)
- Klabautercast Folge über Bildung mit Martin Delius
- Rot-Rot setzt Losverfahren in Berlin durch (Morgenpost)
- Daten und Fakten zur Haushaltslage (Berlin.de)
- Länderfinanzausgleich (Wikipedia)
- Bürgerinitiative Berliner Wassertisch
- Informationsfreiheitsgesetz Berlin
Zitate
Phillipp Magalski:
Bei Minute 12 und 0 Sekunden, über Verhältnis der Grünen und Piraten:
Die Grünen sind auch mal angetreten mit dem Anspruch flache Strukturen und niederschwellige Beteiligungsmöglichkeiten zu haben. Aber das ist tatsächlicherweise nicht mehr so bei den Grünen, die Grünen sind sehr konservativ geworden …. Ich glaube eher, dass die Grünen bei uns etwas abschauen und nicht wie du gerade meintest, dass wir etwas bei den Grünen abzuschauen haben. Das ist nicht so, denn dann würden wir ja zurück rudern, in die Steinzeit möchte ich jetzt nicht sagen, aber in die achtziger Jahre und die haben wir ja Gott sei Dank hinter uns Gelassen. Wir sind die progressive Partei der Zukunft. Wir sind diejenigen die die Zukunft mitbestimmen werden.
Andreas Baum
Bei Minute 19 auf die Frage wie Berlin aus der Schuldenfalle kommen kann:
Naja ganz klar durch besseres Wirtschaften. Wir bringen jetzt auch keinen Goldesel mit, der irgendwie die Dukaten scheißt und wenn man uns wählt wird alles super und wir fallen den anderen Ländern nicht mehr zur Last.
Bei Minute 31 und 30 Sekunden über den ersten Antrag im Abgeordnetenhaus der Piraten:
Die erste Geschichte wird davor losgehen, nämlich gleich mit dem Hammer Transparenz. Wir haben intern darüber diskutiert, was passiert, wenn man mit uns sprechen möchte. Meine Antwort war, dass das transparent geschehen muss. Das heißt man wird schon einiges vor der ersten Sitzung von den Piraten hören.
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