Ein kurzes Piratenwochenende – Achtung: lang
Mittwochabend, ich sitze in meiner Küche und mir gehen die vergangenen vier Tage durch den Kopf, die ich als ‘persönliche Referentin’ von Sekor erlebt habe. Was auch immer diese zwei Wörter beschreiben: ich koordiniere Termine, pflege Kontakte, antworte auf Mails, versuche ihn so gut es geht zu entlasten und wenn es passt, begleite ich ihn zu seinen Terminen.
Los geht das Piratenwochenende am Samstagnachmittag, es geht mit Sekor nach Bayreuth zu KV-Gründung. Gründungen sind ihm wichtig und es ist schön zu sehen, dass sich die Leute über den Besuch freuen.
Nach nur einer Stunde müssen wir leider wieder los und sind auf den Weg nach München zu einer Podiumsdiskussion der LMU zum Thema Hochschulfinanzierung. Kein einfaches Thema und die Anspannung ist entsprechend. Am Ende lief die Fragerunde dann aber relativ gelassen.
Anschließend folgend wir noch einer Einladung der AG Röllchen zum Essen, eine Gruppe Münchner Piraten, die sich öfter gegenseitig bekochen. Vielen lieben Dank für den gelungenen Abend. Geschuldet der Tatsache, dass der Heimweg von München in die Oberpfalz fast 200 km sind, waren wir weit nach Mitternacht zu Hause.
Sonntag: Nach ein paar Stunden der Ruhe, geht es gegen 16.oo Uhr zur Wahlparty nach München. Vor allem für mich eine tolle Gelegenheit, Leute kennenzulernen – wenn ich bestimmte Nasen öfter sehe, kann ich mir hoffentlich auch endlich die Namen merken
Die Wahlergebnisse tun ihr Übriges für einen erfreulichen Abend.
Damit ist das Wochenende zwar zu Ende, aber jetzt beginnt der eigentliche Spaß: Ich habe das Auto mit nach Hause genommen und stehe Montag um acht Uhr morgens vor Sekors Haustür. Mit Zwischenstopp beim Bäcker fahren wir zu einem Redaktionsgespräch mit den Redakteuren des ‘Neuen Tag’ in Weiden. Insgesamt fünf Personen sitzen – mehr oder weniger skeptisch – Sekor gegenüber und löchern ihn mit Fragen. Er antwortet umfangreich und wirkt durchweg entspannt und souverän – ich habe das Gefühl, dass im Gespräch viele Vorurteile und Missverständnisse abgebaut werden und das Bild der Piraten erheblich gerade gerückt wird.
Nachdem der Termin fast eineinhalb Stunden dauert, sind wir dem Zeitplan wieder hinterher – während ich Richtung München fahre, twittert und telefoniert Sekor nebenbei und versorgt mehrere Journalisten mit Infos und Statements zur bevorstehenden Facebook-Party.
Eigentlich fahren wir zum Arbeiten á la Geldverdienen in die Landeshauptstadt, allerdings sind wir erst gegen Mittag dort und die Zeit wird knapp. Sekor geht arbeiten und ich verwerfe spontan den Plan, in der Bibliothek für die Uni zu recherchieren und gehe mit einem guten Freund, den ich länger nicht gesehen habe, Mittagessen.
Für Sekor gibt’s nur eine Breze zwischendurch und dann wieder ab in die Landesgeschäftsstelle (LGS). Dort wartet ein Team der dapd für einen O-Ton und Bilder zur Party – zwischendurch, wie immer, Interviews und Anfragen per Telefon.
Von der LGS kommen wir zu spät weg und düsen nach Neurieth. Hier warten zwei Künstler auf uns, die einen Piratensong produziert haben und uns diesen zur Verfügung stellen wollen. Eine coole Sache und ein eingängiges Lied – allerdings sind die beiden Mitglieder der GEMA und das Projekt ist somit leider gestorben. Immerhin haben sie angefangen, über den ‘gemeinnützigen’ Verein nachzudenken, in dem sie Mitglieder sind.
Später ist auch für ein Abendprogramm gesorgt: Sekor Termin am Stammtisch in Erding. Ein voller Raum mit circa 20 Piraten und Interessierten, die sich über den Landesvorsitzenden freuen und viele Fragen stellen – eine tolle Stimmung. Wir fahren noch einen Münchner heim, gehen kurz was Essen und sind mal wieder nach Mitternacht auf dem Weg in die Oberpfalz. Ich war so müde, dass ich glatt eingeschlafen bin.
Dienstag: Erster Termin für Sekor ist um 8:oo ein Interview beim BR in Amberg. Um 9.oo holt er mich ab (ich war echt froh, über eine Stunde mehr Schlaf) und der Plan wie gestern auch: zum Arbeiten nach München. Auf dem Weg dorthin ein Anruf vom Bayerischen Rundfunk aus Nürnberg. Also Route ändern, wir fahren erstmal zu denen ins Studio. Weil wir schon da sind, nehmen wir auch die Anfrage von SAT.1-Bayern an und fahren auch dort gleich noch vorbei – beide wollen O-Töne, Einspieler und Infos über die Facebook-Party haben. Es kommt einfach gut an, wenn man präsent und auch spontan für Gespräche bereit ist – und die Journalisten freuen sich über den Spontanbesuch.
Kurze Frühstückspause und vorm Bäcker steht ein verblüffter Sekor mit dem Handy in der Hand: „Wir kommen heute in den Tagesthemen und im heutejournal – krass!“ Dann doch auf dem Weg in die Landeshauptstadt trudeln weitere Anrufe, Mails und Terminanfragen für Gespräche mit ZDF, BR, Handelsblatt, Focus TV, Abendzeitung,.. ein. Den Plan zu arbeiten, haben wir mittlerweile aufgegeben.
In München angekommen, erst zum BR für einen kurzen O-Ton und eine Stunde Mittagspause und Zeit für Kaffee und etwas zu Essen. Die Sonne und die Verschnaufpause tun richtig gut. Gleich noch ein paar Tickets bearbeitet (die meisten wieder mit Interviewanfragen) und dann machen uns auf dem Weg in den Landtag, zum inzwischen vierten Interview für den Bayerischen Rundfunk alleine an dem Tag – ich war noch nie dort und jeep, ist ein schönes Gebäude
Noch ein paar freundliche Worte mit der Journalistin und schon sind wir wieder auf dem Weg zum nächsten Termin: in der LGS wartet der französische Generalkonsul und sein Stellvertreter. Zwei sehr angenehme Gesprächspartner, die ehrlich interessiert an den Piraten, unseren Ideen, der Struktur und den Parallelen zu Frankreich sind. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen auch die Frage nach Europa und wie die Piraten zur der Europäischen Union stehen, sehr wichtig sind.
Nach dem angenehmen Termin will Sekor eigentlich im Hotel einchecken. Für fast 200 Euro die Nacht lehnt er das Angebot dann aber dankend ab und auch ich bin froh, dass wir wieder heimfahren und ich nachts nicht noch die WG meines Bruders suchen muss. Mittlerweile ist es auch schon 19.oo Uhr und wir sind auf dem Weg zum P1 für ein Interview mit dem Team vom heutejournal. Uns erwartet ein gut gelaunter Journalist, eher wenig Ansturm und eine kooperative Security. Nebenbei bauen ein paar Münchner Piraten einen Infostand in bester Lage direkt vor dem Eingang auf: coole Sache und es verspricht ein toller Abend zu werden.
Bevor wir feiern können, fahren wir allerdings noch einmal weiter. Erster Stopp: Kaffee und Bagel zwischendurch und mal wieder klingelt das Telefon
Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät, dass wir uns beeilen müssen – ich kenne mich in München zwar immer noch nicht aus, das Navi und ich werden aber schön langsam warm miteinander.
Trotzdem läuft alles wie geschmiert: Sekor ist zum Stadtgespräch München mit Christian Ude eingeladen, wir sind pünktlich und meine einzige Sorge: habe ich das Handy tatsächlich ausgemacht oder störe ich die Livesendung? Das Gespräch läuft gut, Herr Ude sitzt strategisch besser und gibt sich gelassen, sehr aufgeschlossen und freundlich den Piraten gegenüber – aber Sekor schlägt sich mindestens genauso gut und wie schon beim ‘Neuen Tag’ kann er inhaltlich und persönlich überzeugen. Die beiden sind sich einig, dass sie sich wieder treffen und weiter inhaltlich austauschen wollen.
Dann der Termin, wegen dem die Presse die letzten Tage verrückt gespielt hat: auf zur Facebook-Party von Horst Seehofer. Parkplatz ist schnell gefunden, Piraten T-Shirt angezogen und wir sind auf dem Weg ins P1. Unsere Leute vom Infostand berichten über einen entspannten Herrn Seehofer, der vorbeigekommen ist und alle zur Party eingeladen hat.
Auf der Feier selber, sind gefühlt mehr Journalisten als Fans und dazu einige Piraten. Seehofer ist noch vor der Location und von der Presse umringt. Die ersten erspähen nun die Piraten und die Interviews beginnen – besonders gespannt sind alle auf das unser Gastgeschenk, das Sekor mehreren Journalisten angekündigt, aber nicht verraten hat. Dobrint bugsiert Sekor durch die Menge der Journalisten zu Seehofer und übergibt ihm den Mitgliedsausweis mit der besonderen Nummer. Seehofer ist erst überrascht und dann erfreut und bietet ihm im Gegenzug das “Du” an. Vor Presse sind die beiden in dem Moment kaum zu retten. Als wir doch auf dem Weg nach innen sind, stellt sich Sekor noch bei Innenminister Hermann vor – der kennt ihn, nach eigenen Angaben, allerdings schon
Auf dem Weg, weitere Mirkos, Kameras sowie Journalisten und Gespräche vielen mit neuen und bekannten Gesichtern.
Mit der Moderatorin auf der Bühne, stellt sich Seehofer mit betont lockeren Sprüchen dem Publikum vor. Auch Sekor wird auf die Bühne gebeten – die ausgesprochene Einladung zum CSU-Aschermittwoch muss er jedoch leider ausschlagen. Gegen Mitternacht endet die Sause für uns und wir machen uns mal wieder auf den Weg gen Norden. Sekor liefert mich zuhause ab und ist gegen 3:oo Uhr morgens auch daheim. Es sind nur 5 Stunden Schlaf für Sekor bis es wieder heißt: ab nach München und für mich: ab zum Studieren.
Oder kurz gesagt: es ist eine anstrengende aber richtig coole und erlebnisreiche Zeit.
Urheberrechtsdebatte: Sind die Urheber selbst schuld?
Liebe Urheber, liebe Kultur- und Wissenschaffende, liebe Kollegen. Ich lese gerade den von euch in Scharen mitunterzeichneten offenen Brief “Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums” – und ich tue das (Zitat) “mit Sorge und Unverständnis”. Ich bin tatsächlich ziemlich erschüttert, dass so viele (zumindest unterstelltermassen) intelligente Menschen sich (Vorsicht, böse Wörter) zum Werkzeug von Lobbyisten machen und aus einer diffusen und eigentlich unbegründeten Angst vor der Zukunft (oder besser der Gegenwart) heraus einen solchen Unsinn unterschreiben.
Im Prolog der Unterstützerliste erfahren wir etwa von “öffentlichen Angriffen gegen das Urheberrecht”. Leute, es gibt keine öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht. Ich weiss, ihr meint die Piratenpartei, aber die greift das Urheberrecht nicht an. Im Gegenteil, sie will das Urheberrecht in die digitale Gegenwart holen, und zwar zugunsten der Urheber (Ihr müsst mir nicht glauben. Lest selber nach).
Auch wird da frisch behauptet, die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen bilde das Urheberrecht. Dem muss ich widersprechen: Materielle Basis der Urheber ist das Geld auf dem Konto, nicht etwa Gesetze, die schon länger nicht mehr funktionieren. Unabhängig vom Geschäftsmodell. Und jede Forderung, “den Schutz des Urheberrechts zu stärken” läuft ins Leere, solange nicht konkretisiert wird, wie das gehen soll.
Kriminalisieren? Wollt ihr, dass Kinder ins Gefängnis kommen, weil sie eure Bücher, Filme, Bilder, Songs getauscht haben? Nein? Was dann? Muss man, wie es euer Klappentext verlangt “den global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt” (ich weiss, ihr meint damit Google) Schranken setzen? Oder ist es auch nur im Entferntesten sinnstiftend, wenn ihr das, was alle (vielleicht euch wenige ausgenommen) jeden Tag tun, nämlich kopieren, mit “Diebstahl”, “Gier” und “Geiz” beschimpft wird?
Jetzt wollen wir alle uns mal einen einen Augenblick zurücklehnen und dieses Jahr 2012 mit ruhigem Blick fixieren. Die digitale Revolution liegt hinter uns, wir leben nicht mehr im Industrie- sondern bereits im Informationszeitalter, und Information ist ubiquitär. Sie ist es, und wird es immer sein. Einfacher geagt: Das Internet ist nun mal da, und wird nie wieder weggehen. Weder können wir es einfach ausschalten, um damit die nostalgisch verklärten Wirtschaftswunderjahre zurückzuholen, noch können wir eine Totalüberwachung nach chinesischem Modell installieren. Schon gar nicht, um einer winzigen Bevökerungsgruppe, nämlich uns Urhebern, einen Gefallen zu tun.
Also? Was machen wir? Einfach bewährte Verfahren einsetzen. In der Kultur- und Wissensgeschichte unserer Zivilisation gab es nämlich immer wieder disruptive technische Entwicklungen, die ganze Wissens- und Kulturmonopole beiseite gefegt haben. Aber weil wir bekanntlich in der Lage sind, aus der Geschichte zu lernen, sollte es ein Klacks sein, das gegenwärtige Problem zur Zufriedenheit aller zu lösen. Das müssen wir auch erzielen, diese allgemeine Zufriedenheit, weil wir nämlich (mehr oder weniger) in einer Demokratie leben, und als Urheber nur eine Minderheit bilden. Wenn die überwiegende Mehrheit etwas ganz anderes will als wir, haben wir ziemlich Pech.
Also her mit der Konsenslösung. Wir stellen fest: Das Internet geht nicht mehr weg. Im Gegenteil, es expandiert in neue Technologien, die wir heute noch gar nicht kennen wollen. Und die Verbreitung von Daten durchs Netz lässt sich weder technisch noch juristisch verhindern. (Kurzer Einwand: Und was ist mit den Massenabmahnungen? Die treffen nur Leute, die nicht wissen, wie man unsichtbar bleibt. Alle anderen machen weiter, was sie wollen). Wie gehen wir aber mit einer Situation um, die sich nicht genau kontrollieren lässt? Die Antwort lächelt uns aus erwähnter Wirtschaftswundervergangenheit entgegen: Wir pauschalisieren uns eine Kopierabgabe, auf Kassetten, Xeroxmaschinen, DVD-Brenner, MP3-Player. Und jetzt auf auch auf Internetanschlüsse. Folge: Der Datenaustausch ist entkriminalisiert und, jetzt kommt die eigentliche Überraschung, bringt uns Urhebern Geld. Wie das alles genau gehandhabt werden soll, brauche ich hier nicht hinzuschreiben, das wird Ergebnis einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion, die von allen geführt werden wird, die mit der Sache zu tun haben. Urheber, Verwerter, Kommunikationsanbieter, Nutzer. Ja, letztere auch. Ohne die gehts nicht, die bezahlen am Ende nämlich alles. Auch unsere Miete, und die Kühlschrankbefüllung, liebe Kollegen.
Und jetzt hört bitte auf, schlechte Laune zu verbreiten, und setzt euch mit mir und anderen zusammen für die Pauschalabgabe ein. Ich will nicht verschweigen, dass es damit ein winziges Problem gibt: Die bisherigen Kultur- und Wissensverwerter (Verlage etc) haben Angst, dass durch die dekriminalisierte, freie Datenweitergabe die Verwerterumsätze verringert würden. Stimmt natürlich nicht, weil die einzeln verkauften Kultur- und Wissendaten eben einen Mehrwert transportieren. Oder ist die Musikindustrie mit Einführung der Compactcassette, die Filmindustrie wegen VHS oder die Literaturwelt durch das Fernsehen zugrunde gegangen? Nein. Im Gegenteil, immer haben die Urheber mit daran verdient. Also: Lasst euch nicht von der Angst der anderen beeinflussen, liebe Kollegen. Wer chronisch Angst hat, soll meinetwegen zum Therapeuten gehen, für alles andere gibts sachliche Lösungen. Packen wir’s an.
Gastbeitrag von fritz
Sekors piratiger April
Zum Ende des vergangenen Monats April hier exklusiv und unverfälscht die nackten Zahlen zum vergangenen Monat. Gewähr auf Vollständigkeit können wir nicht geben, dafür garantieren wir unser Bestes gegeben zu haben
* etwa acht Interviews für TV oder mit Bild- und Tonaufnahmen
* mindestens dreimal so viele Interviews per Telefon
* über 1400 versendete Tweets und nur 224 abgeschickte Mails
* über 800 Mails, die bei denen Sekor direkt adressiert wurde oder im CC stand (ohne Mailinglisten)
* sieben besuchte interessante Stammtische
* dank dem BPT in Neumünster: über 4000 gefahrene Kilometer auf deutschen Straßen
* vier piratige Hotelübernachtungen
* und dabei ungezählte Liter Kaffee und Unmengen an verschlungenen Pommes
* der fiesen Erkältung verdankt er außerdem mindestens 260 verbrauchte Taschentücher
* gut fünf herzhafte Lachanfälle gehen ebenso auf das Konto lustiger Anfragen per Mail
Die genau Anzahl der Caipis auf Einladung der tollen AG-Röllchen bleibt dabei sein Geheimnis und die grauen Haare, die im April hinzugekommen sind, haben wir leider nicht gezählt.
Schönen Monat Mai uns allen zusammen!
Kultur und Internet – von Denis Simonet
Denis Simonet, ehemaliger Präsident der Piratenpartei Schweiz hat sehr geschliffen seine Sicht auf das Thema Kultur und Internet zusammengefasst. Ich habe mir erlaubt, sein Posting hier als Gastkommentar zu veröffentlichen. Danke lieber Denis, für diesen Text!
Lieber Gimma
Ich bin ein anspruchsvoller Musikkonsument, der auf aussergewöhnliche Kombinationen steht. Wie schon mehrfach gebloggt, suche ich vor allem Bands, die für den Genre ungebräuchliche Instrumente einbinden, z.B. Querflöten oder Drehleiern. Auch Spielkonsolen-Synthesizer finde ich super. Mein Geld gebe ich vorwiegend für Filme aus, ich kaufe aber auch ab und zu mal eine CD. Zuletzt habe ich das Project Trio und die Piano Guys unterstützt. Sehr oft höre ich aber einfach nur Webradio – z.B. Digitally Imported, wofür ich einen Premium-Account habe. Ach ja, Metal-Konzerte besuche ich auch hin und wieder.
Mit 8 Jahren habe ich gelernt, Gitarre zu spielen. Gleichzeitig spiele ich Klavier, komponiere manchmal vor mich hin und fasse meine Gefühle in Klänge. Die wenigen ausgereiften Resultate stelle ich auf last.fm. Den Jingle unseres Podcasts parrot.fm habe auch ich komponiert und eingespielt. Du siehst also: Für mich hat Musik einen hohen Stellenwert und mir liegt viel an ihrer Vielfalt. Nachdem das gesagt ist, will ich auf deinen Blogbeitrag antworten, den du folgendermassen abschliesst:
Also, lieber Denis, liebe Piraten. Bitte masst euch nicht an, im Namen der Kulturschaffenden zu argumentieren. Wir sind hier in der Schweiz die durchs Band gefickten. Ganz unschuldig ist keiner von euch an diesem Umstand. Wir sind bei euch und mit euch wenn es um “Freiheit” und “Menschlichkeit” geht, und hey ich liebe meine Computer. [...] Jetzt seid ihr plötzlich am Ende des Hebels und siehe da: jetzt wo ihr die grossen seid, wollt ihr den kleinen nicht mehr helfen, sondern reitet sie schön Nazi mässig immer tiefer in die Scheisse. Ihr seid jetzt der Grosse. Der ganz Grosse. Ihr würdet den Unterschied machen. Und genau ihr verkackt es Breitband und Full-On. Statt Marxisten seid ihr Reichsregenten, think about it… tragt Verantwortung, ihr seid eine oft nicht ganz mündige Gruppe, die Schaden anrichtet am Mensch.
Ich will gar nicht auf die Schuldfrage eingehen. Mir ist wichtig, dass ein konstruktiver Dialog geführt wird. In diesem Beitrag will ich einfach nur darlegen, was meine persönliche Motivation ist, bei dieser Sache mitzureden. Eines vorweg: Mit Nationalsozialismus hat das Internet nichts zu tun. Von den paar zwielichtigen Seiten mal abgesehen.
Auch ich profitiere vom Urheberrecht
Eigentlich kommt mein Zugang zum Urheberrecht über Software. Schon mit 15 habe ich einen IRC-Bot, den SciBot, entwickelt. IRC-Netzwerke hatten damals einen grossen Einfluss auf mich, ich verbrachte viel meiner Zeit in diversen Entwickler-Chats; unter anderem in IRCSystems, wo die UnrealIRCd-Coder abhängten. Ausserdem war ich einer der Betreiber des BurnIRC. Für mich war aus diesen Erfahrungen heraus klar: Software stellt man unter Copyleft-Lizenzen online und man lässt dadurch andere daran teilhaben. Meinen Bot habe ich in der Programmiersprache C geschrieben und unter der GPL (GNU Public License) auf SourceForge veröffentlicht. Bei meinem Arbeitgeber habe ich mich beworben, weil er freie Software einsetzt und somit fördert. Mein Interesse liegt grundsätzlich darin, dass auch freie Lizenzen durchgesetzt werden können. Es liegt mir also fern, das Urheberrecht abschaffen zu wollen.
Filesharing
Du siehst, es geht bei der Urheberrechtsdebatte nicht nur um Musik und Filme. Nun aber trotzdem zurück zur Musik. Auf meinem NAS (Network Attached Storage) ist viel Musik gespeichert. Auch von dir ist etwas dabei. Allerdings muss ich gestehen, dass ich für deine Musik nicht gezahlt habe. Der Grund ist einfach: Ich mag dein Genre nicht so, wollte mir aber trotzdem einen Überblick verschaffen, was so an Hip-Hop/Rap-Musik auf dem Markt ist. Das ging von La Coka Nostra über die Army Of the Pharaohs und Celph Titled bis zu Stress, Bligg und dir. Die Lieder habe ich – wenn es hoch kommt – einmal gehört. Diese Musik ist mir allerdings kein Geld wert – ich bin eben eher der Metal- und Goa-Hörer. Ohne die Möglichkeit des Kopierens hätte ich schlicht darauf verzichtet, mir diesen Überblick zu verschaffen. Versteh mich nicht falsch – ich will deine Arbeit keinesfalls abwerten. Doch ich kann einfach nichts damit anfangen. Kunst ist ja bekanntlich Geschmackssache. Genau so wird es vielen anderen auch gehen, ein Download ist eben kein entgangener Verkauf. Und ganz wichtig: Die wenigsten teilen ihre Musiksammlung, weil sie die Arbeit der Musiker nicht anerkennen. Eigentlich ist es für viele sogar das Gegenteil, sie würdigen die Musik damit.
Dirk von Gehlen wagt einen Vergleich:
Wer negativ auf die Bitte reagiert, eine Datei zu verdoppeln, unterlässt eine Tätigkeit, die für ihn ohne Aufwand möglich wäre. Fast so als weigere man sich, einen unbesetzten Platz in der Bahn freizugeben, auf dem man lediglich die eigenen Tasche deponiert hat. Das gilt als unhöflich, unfreundlich und im Zweifel als moralisch falsch.
Genau so habe auch ich es erlebt. Sowohl an LAN-Partys wie auch bei Peer-to-Peer-Tauschplattformen ist die Einstellung: Es gehört zum Anstand, nicht nur zu saugen sondern seine Perlen auch für andere zugänglich zu machen. Für BitTorrent gibt es deshalb sogar Anti-Leech-Trackers, die alle zu einem bestimmten Verhältnis zwischen Up- und Download zwingen. Es wird eben als asozial angesehen, wenn man nur leecht und nicht gleichzeitig seedet. Dennoch ist es für mich selbstverständlich, meine Lieblingsbands zu unterstützen. Ich will ja, dass sie weiter Musik veröffentlichen.
Die digitale Revolution
Jetzt noch etwas abstrakter. Man kann heute fast kostenfrei eine exakte Kopie des Originals (was ist eigentlich ein Original?) erstellen, ohne dass die ursprüngliche Datei verschwindet oder abgenutzt wird. Kein Gesetz auf dieser Welt kann das ändern, das ist die Realität. Das heisst: Filesharing wird betrieben und es wird immer betrieben werden. Damit muss man umgehen können, ein Umdenken ist notwendig. Das Ziel eines guten Gesetzes muss sein, dass sich möglichst alle freiwillig daran halten, dass es gesellschaftlich akzeptiert wird, dass es nur wenige brechen. Werden hingegen Repression, Überwachung und Verfolgung zum Alltag, hat das zwei Effekte. Das Gesetz verliert seine Legitimation und die Musiker sind erst recht nicht zufrieden. Francis Gurry, Direktor der WIPO, hat mal gesagt:
Wir haben keine andere Wahl; entweder passt sich das Urheberrechtssystem dem natürlichen Lauf der Dinge an, oder es verschwindet. Die Geschichte zeigt, dass es unmöglich ist, den technischen Fortschritt aufzuhalten. Statt dagegen anzukämpfen, müssen wir uns dem Unvermeidlichen stellen und uns auf intelligente Weise anpassen.
Genau darum geht es mir. Ich will nicht, dass es wegen einem Kampf gegen die Realität am Ende nur Verlierer gibt. Deshalb lohnt es sich, der Frage nachzugehen, wie man trotz (oder gerade wegen) der Möglichkeit des Kopierens Geld verdienen kann. Und dabei geht es nicht einmal nur um die Internetuser.
Ein kulantes Urheberrecht dient auch den Musikern. Die Möglichkeit zu teilen und sich Teilen bedienen zu können ist eine wichtige Voraussetzung für neue spannende Produkte. Besonders auf YouTube fällt auf, wie kreativ Musiker sein können. Wenn ich mir die vielen Interpretationen von Super Mario oder nochmal Super Mario anhöre, bin ich ganz aus dem Häuschen. Oder diese Version von Coldplays Paradise. Einfach genial. Und sollten diese Videos den Geschmack nicht treffen: Keine Angst, es ist für alle etwas dabei. Auch beim Rap ist es keine Seltenheit, dass bekannte Melodien verwendet werden. Siehe z.B. Coolio. Ihm ist mit einer Interpretation des Pachelbel Kanons ein sehr schönes Lied gelungen. Allgemein frage ich mich: Was würde die Musikbranche nur tun, wenn der Pachelbel-Kanon geschützt wäre und der Urheber die Verwendung verbieten würde?
Marcel Weiss von neunetz.com rechnet vor, dass die Schutzfrist für das Urheberrecht heute auf 130 Jahre und mehr schiessen kann. Er schlussfolgert:
Damit wird klar, dass das Urheberrecht in seiner aktuellen Form vor allem ein Verwerterrecht ist und dass es die Kulturproduktion zugunsten vorhandener Werke schwächt: Denn je mehr Rechte man den Urhebern von heute und gestern zugesteht, desto geringeren Handlungsspielraum haben die Urheber von morgen.
Man kann ganz grundsätzlich sagen: Aus nichts kommt nichts, wir verarbeiten immer alte Ideen zu neuen Ideen; wir kombinieren sie und wir verbessern sie. Natürlich steckt Arbeit dahinter und es braucht auch eine Prise Talent. Deshalb gebührt dem Macher eine Anerkennung.
Unser Positionspapier sagt es folgendermassen:
Der Schutz geistiger Werke für die Gemeinschaft kann sich nur legitimieren, indem sie geistige Werke in ausreichender Anzahl und Qualität der Allgemeinheit zugänglich macht. Jedes geistige Werk enthält inhärent die Schöpfung anderer, daher hat jeder Urheber ein Interesse an der Begrenztheit dieses Monopols. Der Schutz geistiger Werke muss sich daher sowohl in Zeit, als auch im Umfang zurückhalten.
Nutzt die neuen Chancen!
Während Gesprächen mit Musikern, Labels und Verwertungsgesellschaften ist mir eine Sache besonders aufgefallen. Früher oder später wird das iPhone gezückt und die Hassrede gegen Apple beginnt. Oder gegen Youtube und Google. Ich denke, ich verstehe euer Leid. Ihr seht, wie sich Weltkonzerne mit Milliardenumsätzen eine goldene Nase an eurer Musik verdienen. Selber steht ihr aber vergleichsweise schlecht da. Verständlich, dass ihr euch dabei hilflos und benutzt fühlt. Auch ich empfinde das als ungerecht.
Allerdings wird die Situation nicht besser, wenn man immer nur das Internet verteufelt und die Moral der Musiktauschenden in Frage stellt. Lieber Gimma, man muss nicht glücklich sein mit der Situation. Im Gegenteil: Du darfst natürlich eine schlechte Meinung darüber haben. Mit dem Zeitgeist zu gehen wäre allerdings dennoch ein sinnvoller Schritt. Ein Vergleich. Gerade in der Software-Branche gibt es vor allem dann Geld, wenn die Dienstleistung um das verkaufte Produkt stimmt. Dazu gehören Bugfixes, regelmässig neue Features, guter Support, der Einbezug der Community und – wichtiger denn je – Usability. Auf diese Weise verdienen viele Firmen sehr viel Geld. Und das obwohl die verwendete Software quelloffen und kostenlos zur Verfügung steht.
Auch bei Musik erscheint mir ein Ausbau der Dienstleistung ale sinnvoll. Die Piano Guys machen es vor: Es ist möglich, eine Community aufzubauen und mit ihr zu interagieren. Man kann sie persönlich ansprechen, sich für ihre grossartige Unterstützung bedanken und die Fans bitten, das neue Album zu kaufen. Dope Stars Inc. ging noch einen Schritt weiter und liess die Community den Text zu einem Lied schreiben.
Mit dem Internet ist der Zugang zu den Fans leichter denn je. Das kann man für sich nutzen. Das muss man für sich nutzen, wenn man weiterhin erfolgreich sein will. Die CD ist out.
Parasiten
Natürlich gibt es, wie überall, auch Schmarotzer. Plattformen, die Premium-Accounts verkaufen, damit man mit voller Geschwindigkeit Musik und Filme saugen kann. Stichworte kino.to und MegaUpload. Diese haben viel Geld mit der Arbeit anderer verdient. Das ist auch für mein Empfinden falsch und daneben. Ein modernes Urheberrecht sollte haargenau solche Plattformen angehen. kino.to muss immer illegal sein und es muss Möglichkeiten geben, das auch durchsetzen zu können. Es gibt dabei zwei Knacknüsse: Ab wann steht kommerzielles Interesse hinter der Kopie? Sprich: Wie unterscheidet man zwischen privater und kommerzieller Verwendung? Und wie setzt man das durch?
Jederzeit aber muss der private Austausch vollständig legal sein. Es ist schlicht nicht möglich, eine andere Regel durch zu setzen. Die Konsequenzen müssen natürlich zusammen mit dieser Forderung betrachtet werden. Wenn Filesharing zu Umsatzrückgängen führt – und ich kann mir das gut vorstellen – dann ist es nur richtig, Möglichkeiten wie eine Kulturflatrate zu diskutieren.
Fazit
Natürlich ist das alles nicht einfach. Während wenigen Jahren wurde die Welt auf den Kopf gestellt. Das spürt nicht zuletzt die Unterhaltungsindustrie, die den Wandel verschlafen oder gar bekämpft hat, nun vor gewaltigen Herausforderungen steht und gleichzeitig mit einem angeschlagenen Image kämpft. Auch für mich ist es aufwändig und schwierig, den Überblick zu behalten. Das Urheberrecht ist komplex, die modernen Technologien ebenso. Sehr spannend zu diesem Thema ist die Folge “Diebe im Netz” von “1 gegen 1?.
Schlussendlich will ich schlicht meine Freiheiten im Internet behalten. Und natürlich will ich mir dabei nicht anmassen, für die Musiker zu reden. Verstehen will ich sie aber. So freue ich mich immer, wenn ich mit Bands oder Labels über dieses Thema reden kann. Dabei ist mir z.B. auch schon aufgefallen, dass ich Musik als Kultur ansehe, die Musiker allerdings sehen ihre Lieder als Produkte, die sie verkaufen wollen.
Trotz unterschiedlichem Hintergrund habe ich das Gefühl, dass sowohl die Piraten wie auch Musiker ein gemeinsames Ziel haben. Die entscheidende Frage ist doch: Was ist die Voraussetzung, damit vielfältig Musik produziert wird? Denn das ist es, woran wir alle stark interessiert sind. Es wäre eine öde Welt ohne gute Auswahl an Musik.
Parkgebührbetrüger und das “geistige Eigentum“
Die Wirtschaftswoche betitelte einen Beitrag über die Piraten kürzlich mit “Mein Kopf gehört mir”. Ein billiger Versuch, die Diskussion um das Urheberrecht mit der Emotionalität der Diskussion um den Abtreibungsparagraph 218 und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu würzen – dafür sollte sich das Blatt schämen.
Der Teaser zum Artikel lautete: “Die Piraten-Partei steigt in den Umfragen auf zwölf Prozent. Sie findet, das Recht auf geistiges Eigentum gehöre abgeschafft. Diesem Enteignungsprogramm der Piraten gehört widersprochen, bevor es Realität wird.”
Das “geistige Eigenthum” hatte sogar mal Verfassungsrang – 1848. Heute jedoch reden wir vom Recht des Urhebers am eigenen Werk. Es nennt sich Urheberrecht und darüber würden die Piraten gerne reden. Nicht um es abzuschaffen. Aber darüber, es an die Gegebenheiten der Zeit anzupassen.
Was mir persönlich in der Auseinandersetzung etwas auf den Keks geht, ist der plumpe Versuch, etwas was man bedroht sieht, durch billiges Wording in der Wahrnehmung zu verändern. Man will von einem Eigentumsdelikt statt einer Rechteverletzung reden – um den Diskussionsgegner, also die Piratenpartei, zu diskreditieren. Billig – nein schäbig.
Laut Straßenverkehrsordnung ist das Parken An einer abgelaufenen Parkuhr, ohne vorgeschriebene Parkscheibe, ohne Parkschein oder unter Überschreiten der erlaubten Höchstparkdauer geparkt (§ 12 Abs. 2 StVO) eine Ordnungswidrigkeit und wird derzeit mit einem Bußgeld von 5 € geahndet.
Warum sprechen wir hier von einer Ordnungswidrigkeit? Man könnte doch genauso gut von Betrug reden: Wikipedia definiert Betrug: “Betrug ist ein strafrechtliches Vermögensdelikt, bei dem der Täter in der Absicht rechtswidriger Bereicherung das Opfer durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen gezielt so täuscht, dass es sich selbst oder einen Dritten am Vermögen schädigt und damit materiellen Schaden zufügt.” Warum wir das nicht tun? Weil wir die Kirche im Dorf lassen. Und das ist auch gut so.
Klarmachen zum Ändern
Der Straßenverkehr darf kein rechtsfreier Raum blieben
“Die Partei stehe für Chaos und Anarchie und gefährde durch ihren Kampf gegen das Urheberrecht im Internet Künstler, Unterhaltungsindustrie und das Patentrecht. Die Piraten stünden damit gegen die bürgerliche Rechtsordnung, die ‘über Jahrhunderte hinweg sich so entwickelt hat’”.
Ich habe beschlossen, eine diesem Niveau angepasste Antwort zu verfassen:
Der Straßenverkehr darf kein rechtsfreier Raum bleiben
Sehr geehrter Herr Innenminister Herrmann,
ich fordere Sie auf, endlich Mut zu zeigen. Los, legen Sie sich doch mit den Deutschen Autofahrern an. Sagen Sie es! Es ist ganz einfach. Ich helfen Ihnen sogar: “Der Straßenverkehr darf kein rechtsfreier Raum bleiben!” Nochmal: “Der Straßenverkehr darf kein rechtsfreier Raum bleiben!” Machen Sie es richtig! Fordern Sie endlich eine lückenlose, verdachtsunabhängige Überwachung des gesamten Deutschen Straßenverkehrs. Allen ist doch klar: Autofahrer morden, vergewaltigen, rauben, stehlen, hehlen, überholen verbotenerweise und am Ende parken sie noch in zweiter Reihe.
Also, erklären Sie die 29,3 Millionen Autofahrer in Deutschland doch endlich auch pauschal zu Verbrechern, gegen die man hart vorgehen müsste. Stellen Sie klar, dass es keine Fahrt ohne Aufzeichnung geben kann, weil nur dann wirkliche Sicherheit gewährleistet ist. Jedes Auto mit Sender auszustatten ist für unsere Industrie ein Klacks. Nur Mut, es sind doch sogar viel weniger als die inzwischen über 70 Millionen Deutsche, die sich im Internet bewegen!
Sie sagen, das könne man nicht vergleichen? Richtig, Sie, lieber Innenminister Herrmann, können das nicht vergleichen. Sie können das nicht vergleichen, weil Sie vom Internet soviel Ahnung haben wie ein Eppelein von Gailingen vom heutigen Straßenverkehr. Sie gehen her und verunglimpfen über 4 Millionen Wähler, die sich derzeit vorstellen können, den PIRATEN ihre Stimme zu geben, als Wähler von Chaoten und Dieben. Und weil das so ist, werden wir weiter machen und allen Leuten, die wir erreichen können, genau das erklären. Wir erzählen allen, dass Sie keine Ahnung davon haben, worüber Sie da reden und wir klären auf, wie die Dinge heute wirklich funktionieren.
Reden Sie mit den Piraten, statt über sie. Reden Sie mit uns, statt gegen uns. Wir sind gesprächsbereit, nicht nur trotz, sondern auch wegen Ihrer Verlautbarungen. Wir mögen in manchen Belangen noch laienhaft wirken, in Sachen Internet sind wir Experten. Und das wissen Sie auch.
Und jetzt kümmere ich mich mit all den Piraten weiter darum, den Künstlern in unserem Land zu erklären, was wir zum Thema Urheberrecht wirklich zu sagen haben. Und dass sie Ihnen und Ihrer Taktik des Angstmachens nicht weiter auf den Leim gehen sollen. Weil es nämlich Bullshit ist, dass Piraten alles umsonst haben und das Urheberrecht abschaffen wollen.
Ach, und vorher parke ich noch mein Auto um, damit ich keinen Strafzettel bekomme.
Klarmachen zum Ändern!
Sekors piratige Woche
Jeder hat eine vage Vorstellung davon, was man als Vorsitzender der bayerischen Piraten die ganze Woche so anstellt und was für Termine anstehen. Alle piratigen Termine kann jeder hier im Blog nachlesen – aber: Was passiert denn die Woche über wirklich? Was gibt’s zum Lachen und zum Fast-Verzweifeln? Wo macht das Pirat-Sein so unglaublich viel Spaß und wann müssen die Akkus einfach mal wieder aufgeladen werden?
Um die Termine mit mehr Inhalt, Geschichten und Kuriositäten lebendiger werden zu lassen, versuchen wir in Zukunft mehr über Sekors Woche zu bloggen und so amüsant und nah wie möglich darzustellen. Fragen, Kritik oder Anmerkungen – jederzeit und immer herzlich gern!
Anfangen möchte ich mit der vergangenen Woche, die man in Kurzform wahrscheinlich als „Interview-Woche“ betiteln könnte. Nach dem Landesparteitag in Straubing und dem fulminanten Einzug der Piraten im Saarland letzten Sonntag war Sekor live zu Gast bei Sat1-Bayern, beim BR-quer-Team und bei diversen Zeitungen gefragt.
Die Sendestudios von Sat.1-Bayern haben mehrere Piraten vor einigen Wochen besucht und die Sicht auf eine Sendung verändert sich auf jeden Fall, wenn man schon einmal selbst im Studio genau an dem Platz stand. Wie sich Sekor geschlagen hat, kann man online unter SAT.1 Bayern nachvollziehen
Auch BR quer hatte sich für diese Woche angekündigt, den Stammtisch in Augsburg besucht und vorher noch ein paar O-Töne von und mit Sekor eingeholt. Dabei ist ein doch ganz amüsanter Beitrag entstanden, der auch in der BR-Mediathek nachzuschauen ist. Leider kann man hier nur die Beiträge einzeln ansehen und verpasst so den ironischen Beitrag über ein sinkendes (Parteien-)Schiff im Anschluss an den Piraten-Beitrag
Neben den Fernsehbeiträgen hat sich Sekor mit den Vertretern der Bayerischen Staatszeitung, der Augsburger Allgemeinen, der Passauer Neuen Presse und der FAZ unterhalten. Die meisten Interviews liefen hier über’s Telefon und gefragt waren neben kurzen Statements zur aktuellen Situation auch ausführlichere und lange Gespräche mit durchweg aufgeschlossenen und sehr interessierten Pressevertretern.
Sekor hat mittlerweile Veranstaltungen verschiedener Parteien besucht und so war er Mittwochabend auch sehr gespannt auf den ersten Kontakt mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie haben zum „52. Münchener Mediengespräch“ eingeladen und ein tolles Format mit interessanten Gästen und Themen präsentiert – eine gelungene Veranstaltung.
Gestern dann die Qual der Wahl: Neuwahl im Kreisverband Erlangen – quasi um’s Eck – oder doch um sechs Uhr morgens aufstehen und nach Schwaben zum Bezirksparteitag düsen? Den Friedbergern hatte er schon früher zugesagt und mit Am-Wochenende-gemütlich-ausschlafen ist es eh schon länger vorbei, also raus aus den Federn und ab an’s andere Ende von Bayern. Erwartet hat ihn eine tolle Location, nette Piraten und ein angenehmer Parteitag.
An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch an Astrid, Frank, Andreas, Timo und Jürgen vom (neuen) Vorstand des KV Erlangen und an Fritz, David, Wilhelm, Hans-Peter, Thomas, Michael und Claudius als Bezirksvorstand Schwaben, denen er gestern schon persönlich gratulieren durfte. Allen: Viel Erfolg, gutes Gelingen und vor allem, viel Freude und gute Zusammenarbeit für das nächste Jahr!
Nicht nur auf dem Bezirksparteitag, sondern auch auf den Stammtischen in Friedberg, Augsburg, München sind diese Woche gute Gespräche mit unterschiedlichen Menschen und vielen Piraten entstanden. Daneben hat Sekor viel telefoniert und Gespräche mit unterschiedlichsten Piraten geführt, und dabei versucht einige Gemüter zu beruhigen und Andere aufzubauen.
Die Woche war sicher nicht immer einfach und es gab definitiv anstrengende Momente – trotzdem war’s eine gute Woche und es überwiegen die lustigen Augenblicke. Zum Beispiel können wir verkünden, dass die bayerischen Piraten schon (ohne eigenes Zutun) ausgewähltes Fachpersonal für alle möglichen Stellen für unsere Landtagsfraktion 2013 zusammenhaben. Ob unsere Antwort mit dem Wink auf seine fehlende Piratenmitgliedschaft und die komische Vorstellung davon, wie wir Ämter verteilen, ankommt, werden wir sehen
Das Thema Ämterverteilung bewegt die Gemüter – das hat Sekor und Aleks vor Kurzem auf die Idee für einen piratigen Aprilscherz gebracht. Unser Presseteam hat die Idee gleich aufgenommen und weitergesponnen. Unter http://mdl-casting.piratenpartei-bayern.de/ ist eine klasse Homepage inklusiver Online-Bewerbung entstanden. Die Nachfragen, Samstag Abend 22:30 Uhr der mittelbayerischen Zeitung und von Antenne Bayern, ob wir das Ernst meinen zeigen ja die Plausibilität der Idee – und der Kommentar unter dem ersten Beitrag spricht doch Bände oder?
Damit’s auch in den nächsten Wochen nicht langweilig wird, nehmen die Ideen für einen Nachmittag zum Urheberrecht am 1. Juli konkrete Formen an und Sekors Idee, die gekaperte www.piraten-straubing.de á la Maibaum-Klauen im 21. Jahrhundert bei den JuLis in Straubing einzulösen, hat für gute Laune gesorgt.
Alles in allem also: eine aufregende, spannende und interessante – aber auch anstrengende Woche, die mit dem sonnigen Sonntag heute ein tolles Ende fand!
Der Leiter der Landesgeschäftsstelle
Am 21.03.2012 fasste der Landesvorstand der PIRATEN in Bayern nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller Argumente den Beschluss, Boris Turovskiy mit der Leitung der Landesgeschäftsstelle zu beauftragen.
Kurz danach ging es rund. Wie man so jemanden damit beauftragen könne. Wir wurden agressiv angegangen, zu unserer Entscheidung Stellung zu nehmen, sollten unseren Beschluss umgehend zurücknehmen.
Noch übler aber traf es Boris. Er wurde als Nazi, Rassist und vieles mehr beschimpft.
Ich bin mir sicher, dass die wenigsten, die diesen Shitstorm mitbefeuert haben, wissen, dass Boris ein russischer Jude ist, dessen Großvater gegen die Nazis gekämpft hat und an seinen im Krieg davongetragenen Verletzungen starb.
Ich bin mir sicher, dass die wenigsten, die diesen Shitstorm mitbefeuert haben, auch nur daran dachten, mit Boris persönlich zu reden und die Situation zu klären, bevor sie wüste Beschimpfungen ins Netz setzten.
Ich bin mir sicher, dass die wenigsten, die diesen Shitstorm mitbefeuert haben, das Protokoll zum Beschluss des Landesvorstands auch nur angelesen haben – obwohl dieser Beschluss der Auslöser der Welle war.
Der Landesvorstand beauftragt Boris Turovskiy die Leitung der Landesgeschäftsstelle zu übernehmen und in dieser Funktion folgende Punkte auszuüben:
* Organisation des Betriebs der Geschäftsstelle:
** eigenständige Budgetverwaltung zur Gewährleistung eines nachhaltigen Betriebs
** Regelmäßiger Newsletter, inkl. transparenter Darstellung von Budget und Spendensituation, sowie durchgeführter und geplanter Veranstaltungen
** Planung der Raumbelegung
** Sicherstellung des Zugangs bei geplanten Veranstaltungen
** Planung der Besetzung und der tel. Erreichbarkeit während der Öffnungszeiten
** Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Infrastruktur (Küche, sanitäre Anlagen, EDV,…)
** Verbrauchsmittelbeschaffung (Getränke, Toilettenpapier, Büromaterial etc.)
** Vergabe von Schlüsseln und Zutrittsrechten im geplanten System
* Leitung des S71-Orga-Teams
* Organisation der Verwaltungsaufgaben für den LV und dessen nachgeordneter Verbände:
** Bearbeitung der tägl. Post und Führen eines Posteingangsbuchs, ggf. zeitnahe Weiterleitung an entsprechende Gliederungen oder Einzelpersonen
** Annahme von Telefonaten
** zeitnaher Versand von Flyern, Material etc.
* Erfahrungsaustausch mit anderen Geschäftsstellen innerhalb der Piratenpartei aber auch denen anderer Organisationen
Es geht also um die Übernahme einer ziemlich unspektakulären und mit Sicherheit auch oft undankbaren Aufgabe.
Unstrittig ist Boris jemand, der gerne provoziert und eine Meinung zu vielen politischen Fragen hat, die nicht immer mit der Parteimeinung vereinbar ist – schon gar nicht, wenn es sich um die Meinung anderer Parteien handelt. Manche seiner Äußerungen in der Vergangenheit waren dabei absolut indiskutabel, was er auch selbst einsieht, schließlich waren sie der Grund für seinen Rücktritt aus dem Kreisvorstand in München. Der Versuch, jetzt diese Äußerungen ohne jeglichen Kontext und ohne Möglichkeit zum Widerspruch dazu zu verwenden, ihn und den gesamten Landesverband Bayern als Rechtsausleger darzustellen, ist einfach uncool.
Dass viele Grüne, einschließlich des Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen Dieter Janecek, sich an der unreflektierten Hetze gegen Boris Turovskiy via Twitter beteiligt haben, ist ebenfalls bezeichnend. So verständlich dieses Verhalten aus parteipolitischer Sicht ist, so unwürdig ist es von der menschlichen Seite her betrachtet.
Aber vielleicht findet sich ja irgendwo in den Tiefen des Webs auch ein Tweet mit einem entschuldigenden “Sry Boris…”, vielleicht ja sogar einer mit einem freundlichen “Viel Erfolg und schon mal danke für Deinen Einsatz…” Wie gesagt, vielleicht.
Sicherheitshalber mache ich das mal und sage: Boris, danke für dein Engagement und viel Erfolg bei der Leitung der Landesgeschäftsstelle!
Klarmachen zum Ändern!
Hommage an die Piraten
Die Berlinerin @undividet hat gestern eine wunderschöne kleine Hommage an die Piraten gepostet:
Das tollste an den Piraten ist: dass es sie gibt! Der Dornröschenschlaf der unbeteiligten Bürger ist vorbei. Wir wollen nicht mehr Pest statt Cholera und endlich zeigt sich, dass unsere Youngsters Arsch in der Hose haben. Wir segeln in eine neue Ära der Politik. Keine Partei, wirklich KEINE wird mehr an Transparenz und direkterer Mitwirkung der Bürger vorbeikommen. Es ist so ne Art Entdeckung Amerikas, was gerade stattfindet und dieses Amerika wird aus der politischen Landkarte nicht mehr wegzumauscheln sein. Endlich macht es wieder Spaß und Hoffnung, mitzudenken, sich zu beteiligen und ein Land zu besiedeln, dass es so lange schon gibt: Demokratie. Ihr habt zwar noch keine Antworten, liebe Piraten, aber es war höchste Zeit, große, unübersehbare und laute Fragen zu stellen und alle mit ins Boot zu holen, die das Dümpeln in seichten Gewässern satt haben. Ich bin bewegt, wie lange nicht über diesen Umbruch, und ja: froh, dass es euch gibt.
Das einzige, was mir dazu enfällt, ist: Danke. Vielen Dank!
Stefan
Hör mal zu, Sven Regener
Zunächst mal, Sven, sag ich du zu dir, weil ich wir aus der selben Szene sind, und ich ein halbes Jahr älter bin als du. Wie haben auch eine teilparallele Entwicklung, ich bin in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern mit meiner Band auf Tour gewesen, habs aber dann gelassen, weil die Welt so ungleich viel grösser ist als dieses ausgetrocknete Biotop Rockmusik. War in der Gema, bin wieder ausgetreten. Ich hab mich danach mit Computerspielen beschäftigt, mit Internet und Gadgets, einfach weil da was passierte, und in der Rockmusik nicht. Die ist heute noch genauso wie vor dreissig Jahren, nur die Aufnahmequalität ist besser, weil die digitale Revolution auch hier die Maschinen billiger gemacht hat. Aber Mensch, weisst du noch? Wie wir beide uns die Platten von unseren Kumpels ausgeliehen haben, weil wir selber nicht genug Geld für alle geilen Scheiben hatten? Und wie wir die ganz schrägen Sachen nachts aus dem Radio aufgenommen haben? Genau so, wie das die Teens, Tweens und Millennials heute mit dem Internet machen.
Erste grosse Überraschung: Das Internet ist kein Plattenladen. Sorry, aber da habense dich angelogen. Das Internet ist statt dessen so eine Art Radio- oder Fernsehsender. Merkt man schon daran, dass es Strom braucht. Du kannst da Sachen draus “aufnehmen”, wie beim Radio, aber nichts draus wegnehmen (“stehlen”).
Zweite Überraschung: Es gibt kein Musikloch seit 15 Jahren, sondern geile neue Genres, die du aber wohl verpasst hast, weil du ja lieber Bekanntes hörst. Kein Problem damit, hör was du willst, aber beschwer dich nachher nicht, es gäbe nicht Neues, das so klingt wie das Alte. Ich hör inzwischen Dubstep, und hab auf dieser Grundlage ne neue Gitarrenband angefangen.
Dritte Überraschung: Ich lebe von meiner Arbeit als Urheber, vor allem als Journalist, mit Artikeln, die zu 100 % frei im Internet zu lesen sind. So leid es mir tut, das schon wieder sagen zu müssen, aber die Industrie-Ära ist vorbei, und mit ihr das Geschäftsmodell der massenproduzierten Kulturdatenträger. Viele Musiker auf der Welt leben inzwischen von neuen Geschäftsmodellen. Mach das doch auch, bitte.
Vierte Überraschung: Leute wie ich sind inzwischen aktiv in der Piratenpartei, weil nur noch hier ein Urheberrecht diskutiert wird, das auch den Urhebern nützt, und nicht nur den industriellen Verwertern. Sorry, aber als Autor oder Musiker kriegst du üblicherweise nicht mehr als 5 Prozent vom Endverkaufspreis. Auf deinem YouTube-Channel bekommst du 50 % der Werbeeinnahmen, wenn du den Deal direkt mit Amazon machst, 70 % des Umsatzes. Überleg dir das mal. Nur wenn jemand Kunst macht, hat er kein Recht auf Geld dafür. Er muss die Kunst dazu verkaufen. Er muss die Leute überzeugen, ihm Geld zu geben.
Fünfte und letzte Überraschung: Mensch, Alter, mach die Augen auf, die haben dich verarscht. Du warst zu oft mit den Unkreativen beim Biertrinken. Die Wirklichkeit ist: Noch nie war es für uns Urheber besser als heute, zu Zeiten von Internet und digitaler Kopie. Glaub mir. Ich weiss, wovon ich rede. Weil ich beide Seiten kenne.
Svens rant auf br2
gastbeitrag: fritz
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