SIGINT 2012: Vorläufiger Fahrplan
Eine Vorabversions des Programms der SIGINT 2012 wurde inzwischen bekannt gegeben. Ich freue mich sehr, dass auch mein Vortrag zum Thema “Linked Open Data” angenommen wurde. Aus der Vortragsbeschreibung:
Open Data ist auf dem Vormarsch. Doch es reicht nicht CSV-Daten in ein Zip-Archiv zu packen und zum Download anzubieten. Wenn wir die Stärken von frei verfügbaren Behördendaten voll ausschöpfen wollen, dann müssen wir ein “Web of Data” schaffen, in dem Rohdaten miteinander verlinkt sind, so wie im WWW HTML-Seiten miteinander verlinkt sind. Der Vortrag stellt das Konzept “Linked Data” vor, erklärt, wie wir zum “Web of Data” beitragen können und erläutert das gesellschaftliche Potential von Linked Open Data.
Der Vortrag wird nach derzeitigem Stand am Tag 2 der Konferenz, Samstag, 19.05.2012 um 19 Uhr stattfinden.
Besonders gespannt bin ich auf dem Vortrag “The Semantic Web – Raising of the Dead?” von Carina Haupt, welcher sich im gleichen thematischen Umfeld bewegt, aber auch näher auf Technologien und Konzepte wie RDF, Triple Stores, Reasoning and SPARQL eingehen wird, während ich den Bezug zur Open Data Bewegung herstelle.
Als Verfechter von dezentralen sozialen Netzwerken freue ich mich auch sehr auf die Vorstellung des Projekts “Social Swarm”, mit dem ich mich schon seit einiger Zeit mal näher beschäftigen wollte.
Darüber hinaus wird wird die Konferenz aber vermutlich wieder so interssant, dass man sich kaum entscheiden kann, welchen Beitrag man als nächstes besuchen soll. Ganz zu schweigen von den vielen tollen Menschen die man dort trifft.
Die SIGINT geht von Freitag, 18. Mai bis Sonntag, 20. Mai 2012. Tickets bekommt ihr hier. (Achtung: Vorverkauf nur noch bis 26.04, beeilt euch!) Wir sehen uns in Köln!
Dringend: EU-Abgeordnete kontaktieren, PNR-Abkommen verhindern
Das EU-Parlament steht kurz davor, über den Massen-Transfer von Fluggastdaten an die USA abzustimmen. Wir müssen umgehend handeln, um die Vorratsdatenspeicherung unserer Reisedaten zu verhindern. Kontaktiert eure EU-Abgeordneten!
Das sogenannte EU-USA-PNR-Abkommen wird in Kürze abgestimmt werden. Sollte das Europäische Parlament dem zustimmen, werden umfassende Datenbestände der Fluggesellschaften zur vermeintlichen “Terrorismusbekämpfung” an die Vereinigten Staaten übermittelt und für 15 Jahre(!) gespeichert. Wen die US-Regierung so alles als Terroristen und Schwerverbrecher betrachtet, dürfte spätestens seit dem Fall Bradley Manning bekannt sein.
Das PNR-Abkommen stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Privatsphäre aller Flugreisenden dar.
Was tun? Wir können das Abkommen noch verhindern, wenn wir die sozialdemokratische Fraktion im EU-Parlament überzeugen, dagegen zu stimmen. Denn sie Sozialdemokraten sind sich noch unschlüssig, wie sie abstimmen und das Abkommen steht dadurch auf der Kippe.
Wir müssen deshalb die SPD-Abgeordneten umgehend davon überzeugen, gegen das PNR-Abkommen zu stimmen!
Die Fraktion wird sich voraussichtlich noch diese Woche entscheiden – es ist also Eile geboten.
Eine Liste der Abgeordneten mitsamt Kontaktdaten wurde bereits von der Digitalen Gesellschaft vorbereitet. Bitte nimm dir einen kurzen Augenblick Zeit und schicke mindestens einem von ihnen eine persönliche E-Mail. Vorlagen für Mails gibt es hier auf deutsch und auch auf englisch.
Um nicht im SPAM-Filter zu landen, sollte deine Mail eine persönliche Anrede enthalten und du solltest einen individuellen Betreff wählen und die Mailvorlage nach Möglichkeit anpassen. Je mehr Zeit du dir persönlich nimmst, desto eher wird die Überzeugung gelingen. Wenn du nur wenig Zeit hast, ist eine Standardmail mit abgewandeltem Betreff aber besser als nichts.
Noch besser ist es, wenn du kurz anrufst und dem/der Abgeordneten sachlich erklärst, worum es geht. Argumentationshilfe gibt es ebenfalls auf flugggastdaten.digitalegesellschaft.de
Wir müssen unseren Abgeordneten klar machen, wie wichtig die Ablehnung des Abkommens ist. Je mehr potentielle Wähler sie kontaktieren, desto wirksamer ist die Aktion. Deshalb brauchen wir auch deine Hilfe! Gemeinsam haben wir eine realistische Chance dieses Abkommen noch zu verhindern.
Weitere Infos zum PNR-Abkommen gibt es auf nopnr.org. Dort gibt es auch eine genaue Analyse des Abkommens.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Wähle einen Abgeordneten aus dieser Liste aus
- Kopiere diese Mailvorlage in eine Mail an den Abgeordneten
- Wichtig: Den Abgeordneten persönlich anreden. Nicht an mehrere Abgeordnete auf einmal schreiben, das landet ungelesen im Müll!
- Einen individuellen Betreff wählen (Wenn wir alle den gleichen Betreff wählen, landet es ebenfalls im SPAM-Filter)
- Die Mailvorlage individuell anpassen, oder eine komplett eigene Mail schreiben. Eine persönliche Mail von dir, ist überzeugender als eine Massenmail, die zum x-ten Mal im Postfach auftaucht. Bleibe dabei immer sachlich.
- Die Schritte 1-6 mit dem nächsten Abgeordneten wiederholen
- Optional aber wirkungsvoll: Die Abgeordnenten zusätzlich anrufen
Privacy Barcamp und Webmontag
Auf die Schnelle ein paar kurzfristige Veranstaltungshinweise:
Montag, 05.03.2012: 5. Braunschweiger Webmontag, in den Räumen der LINEAS Informationstechnik GmbH. Um 19 Uhr gehts los. Neben spannenden Themen rund ums Web gibt es auch leckere Pizza und Hackerbrausen
Freitag, 09.03 & Samstag, 10.03.2012: Privacy Barcamp in Hannover, CeBIT Halle 9. Wie schon im letzten Jahr organisiert vom Grünen Europaabgeordneten Jan Philipp Albrecht. Wer sich rechtzeitig bei ihm meldet, bekommt die nötige CeBit-Karte für lau.
Ich werde an beiden Veranstaltungen teilnehmen, beim Privacy Barcamp bin ich jedoch voraussichtlich nur am Samstag.
Offenes Köln
Mit “Offenes Köln” ist kürzlich ein offenes Informationssystem nach dem Vorbild von frankfurt-gestalten.de für die Stadt Köln online gegangen:
Ziel von Offenes Köln ist es, Informationen, Dokumente und Daten aus der Kölner Lokalpolitik für jedermann offen zugänglich zu machen.
Dazu werden auf offeneskoeln.de Dokumente und Daten, die im Ratsinformationssystem (RIS) der Stadt Köln veröffentlicht werden, gesammelt, aufbereitet und in einer nutzerfreundlichen Art und Weise dargestellt.
Über die Suchfunktion und eine eingebundene OpenStreetMap können interessierte Bürgerinnen und Bürger Dokumente und Vorgänge aus ihrer unmittelbaren Umgebung finden. Über eine offene API können auch die Rohdaten abgefragt werden.
Bedauerlich ist wie so oft nur, dass die Stadt keine offenen Daten liefert, sondern die Entwickler von “Offenes Köln” die Daten mühsam mit einem Scraper erschließen mussten. Auch mit ausgedruckten und wieder eingescannten Dokumenten hatte man zu kämpfen!
Obwohl es sich um ein noch sehr junges Projekt handelt, macht es bereits einen sehr guten Eindruck und ich bin gespannt wie es sich weiter entwickelt. Wer wie ich auf dem Laufenden bleiben will, dem empfehlen sich das Blog und der Twitteraccount zum Projekt.
Aufzeichnung des Open Data Vortrags
Am Mittwoch habe ich im Wolfenbütteler Rathaus einen Vortrag zu Open Data gehalten. Die Aufzeichnung des Vortrags und der anschließenden Diskussions- und Fragerunde ist dank der Piraten Wolfenbüttel bereits online abrufbar. Ich habe das Video zudem noch bei Vimeo eingestellt:
Auch die Vortragsmaterialien sind online abrufbar, hier die Folien (PDF), das Handout (PDF) und alle Quelldateien auf GitHub. Die Präsentation steht unter Creative-Commons-Lizenz und darf gerne weiter verwendet werden.
Der Infoabend hat sehr viel Spaß gemacht und auch wenn recht wenige Leute direkt vor Ort waren, so freue ich mich doch, dass das Thema Open Data in Wolfenbüttel Gehör findet und erwarte gespannt die Abstimmung des Stadtrats über den Antrag der Piratenpartei.
Offene Daten für Wolfenbüttel
Die Piratenfraktion Wolfenbüttel lädt zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Open Data ein:
8. Februar 2012, 19 Uhr
Ratssaal des Rathauses
Wolfenbüttel
In einem Antrag (PDF) an den Rat fordert die Fraktion,
[...] auf den Internetseiten der Stadt Wolfenbüttel einen Hauptnavigationspunkt “Offene Daten” zu schaffen und unter diesem durch die Stadt Wolfenbüttel erhobene, erarbeitete oder erstellte Daten im Sinne des allgemeinen Verständnisses von Open Data in Bezug auf Open Government zu veröffentlichen und zum Herunterladen anzubieten.
Auf der Veranstaltung werde ich erklären, was Open Data eigentlich bedeutet und welche Potentiale offene Daten für die Stadt Wolfenbüttel – und darüber hinaus – bieten.
Der Vortrag gibt nicht nur den Ratsmitgliedern die Gelegenheit, sich vor der Abstimmung ausführlich über die Sache zu informieren, sondern bietet auch interessierten Bürgern und Mitarbeitern der Verwaltung eine verständliche Einführung in das Thema.
Stratum 0: Hackerspace Braunschweig startet mit Lightning Talks
Mit dem Stratum 0 e. V. besteht seit kurzem ein Hackerspace in Braunschweig.
Stratum 0 ist ein Hackerspace für Braunschweig und Umgebung: Ein Ort für technikaffine Menschen, der Raum für die Hackerkultur und den kreativen Umgang mit Technik bietet. Wir haben seit kurzem eine 60 m2 große Räumlichkeit und freuen uns immer über neue Mitglieder.
Seit Mitte Januar hat der Verein nun Räume angemietet und in wenigen Tagen wird es dort erste Vorträge zu hören geben. Am 31.1.2012 finden sogenannte Lightning Talks statt, Kurzvorträge von wenigen Minuten Dauer, die einen Vorgeschmack auf bestimmte Themen geben sollen.
Ich werde dort mit einem Lightning Talk zum Thema Linked Data vertreten sein. Die vollständige Agenda sieht derzeit (aktualisiert 30.01.2012 22:00 Uhr) so aus:
- Networt Time Protokoll und Stratum 0 (rohieb)
- Zeitmessung mit Atomuhren (ktrask)
- Praxis: Arbeiten mit Kinect und Freenect (S0ul_Killer)
- Linked Data (Angelo)
(wird noch bekanntgegeben)C++: Lokale Klassendefinitionen im new-Operator (Drahflow)Stratum 0 Netzwerktopografie. Wie und Warum? (DooMMasteR)- (Chilis (dadrc))
- Freenet: Wo der rechtsfreie Raum im Internet zu finden ist, und warum wir ihn brauchen. (Ortwin)
Lesung: Musikcomputer – Computermusik (falls noch Zeit ist, ansonsten wann anders) (Neo)
Wer mag darf sich natürlich mit eigenen Vorträgen oder Themenwünschen einbringen (it’s a wiki)!
Der Space befindet sich in der Hamburger Str. 273A, genauere Angaben inklusive Anfahrtsbeschreibung stehen hier im Wiki. Die Talks gehen voraussichtlich gegen 20 Uhr los.
SIGINT: Konferenz zu den Diskursen im digitalen Zeitalter
Zum 3. Mal findet in diesem Jahr die SIGINT, eine “Konferenz zu den Diskursen im digitalen Zeitalter” statt. Ich war bereits 2009 und 2010 dabei (2011 fand leider keine SIGINT statt) und bin sehr begeistert von dieser Konferenzform. Wie der Chaos Communication Congress wird auch die SIGINT vom CCC veranstaltet, legt aber einen größeren Schwerpunkt auf Politik und Gesellschaft als auf Technik an sich (was nicht heißt, dass technische Themen fehlen!)
Die Konferenz findet vom 18. bis 20. Mai 2012 im KOMED in Köln statt und liegt somit auch in Reichweite vieler Leute, denen Berlin ggf. zu weit ist. Weitere Infos gibt es auf der offiziellen Website.
Ich habe diesmal selbst einen Vortrag zum Thema “Linked Open Data” eingereicht. Wer dort ebenfalls einen Vortrag halten oder Workshop veranstalten möchte, der findet hier alle nötigen Infos, was dazu zu tun ist.
Ich bin sicher, auch diese SIGINT wird wieder sehr spannend und bietet Gelegenheit interessante Menschen und Projekte kennen zu lernen.
Unerforschte Grabstätte in Ägypten
Ihr glaubt ja gar nicht, worüber man in Ägypten alles stolpern kann, wenn man nicht den ganzen Tag in Sharm-el-Sheikh oder Hurghada am Strand liegt. In der Oase Dakhla zumindest, gibt es eine Grabstätte, die bisher offenbar nicht von Archäologen erschlossen wurde.
Ein paar meiner einheimischen Freunde haben mich bei meiner letzten Ägyptenreise hingeführt. Einer davon ist selbst studierter Ägyptologe und war überwältigt, von dem was wir vorfanden.
Nach einer holprigen Fahrt mit dem Eselskarren durch die Felder, erreichten wir zunächst ein paar eher langweilige Steinhäuser. Nachdem wir diese erkundet hatten, widmeten wir uns den dahinter gelegenen Grabhügeln.
Auf dem Boden waren bereits überall Tonscherben verstreut und hier und da taten sich große Löcher auf. Gräber!
Zu den Tonscherben gesellten sich einige Schritte weiter kleinere Knochen und Mumientücher. Auch wenn sich noch kein Historiker mit diesem Ort befasst haben mag, Grabräuber haben es leider getan.
Wenige Augenblicke später stießen wir auf weitaus größere Knochen und auch Schädel. Es handelte sich eindeutig um die Überreste von Menschen.
Den Höhepunkt erreichte unsere kleine Entdeckungsreise, als wir tatsächlich auf eine freigelegte Mumie stießen. Im Museum hatte ich sowas ja auch schon gesehen. Aber so in Natura, plötzlich vor einem liegend… Das hat was.
Auch wenn das Grab schon geplündert wurde, werde ich keine genauen Ortsangaben machen. Wer jedoch Archäologe ist, oder einen solchen kennt, der sich damit näher befassen möchte, kann sich gerne an mich wenden.
BPT 2011.2 Lost & Found
Update: Ein weiteres Fundstück hat sich im Gepäck eines Gastes gefunden – der/die Besitzer/in dieses Schals möge sich ebenfalls bei mir melden:
Ein toller Parteitag geht zu Ende, als letzte Orga-Amtshandlung wurde mir die zweifelhafte Ehre zuteil, die Lost & Found-Kiste in meine Obhut zu nehmen. Die Fundstücke können gegen Porto ihren rechtmäßigen Besitzer/innen zugeführt werden. Wenn Euch etwas davon gehört und Ihr es wiederhaben wollt, schickt mir einfach eine Mail an:
julia[dot]reda[at]junge[minus]piraten[dot]de
unter Angabe der Bildnummer und eurer Adresse.
The Loot:
Bitte meldet euch bald, sonst gehen die Sachen schnell in Familienbesitz über, @gedankenstuecke freut sich schon:
Dieser Post hat mir auf ganz merkwürdige Weise Spaß gemacht, vielleicht hätte ich Archivarin werden sollen…
PolitCamp 2011: Ein Erfahrungsbericht
Hier ein kleiner Erfahrungsbericht vom PolitCamp #pc11 vom 03. bis 05. Juni in Bonn.
Ich war eingeladen worden, das JugendPolitCamp am Freitag zu betreuen. Der Deal war, dass Teilnehmer unter 18 dort Barcamp-Sessions unter Anleitung vorbereiten und dafür ermäßigten Eintritt bekommen. Dieses Angebot hat leider nur ein einziger Jugendlicher wahrgenommen. Mit dem haben wir dann immerhin eine Session zum Jugendmedienschutz aus Sicht der Jugendlichen vorbereitet, die am Samstag auch auf großes Interesse gestoßen ist. Spontan haben sich an der Session neben “dem Jugendlichen” (der von der Grünen Jugend war) noch Max von den Jungen Piraten und ein neunzehnjähriger JuSo beteiligt. Ich glaube, das waren auch die einzigen Jugendlichen, die da waren. Die Session war im Prinzip ähnlich wie unsere im letzten Jahr zu HDDDZ, die Erwachsenen sind ihre Fragen zu Erfahrungen der Jugendlichen aus der Schule und mit “entwicklungsgefährdenden Inhalten” losgeworden. Einen Pressebericht von der Westen zu der Session gibt’s hier.
Im Vergleich zu letztem Jahr, wo zumindest die JuPis stark vertreten waren, gab es diesmal also so gut wie keine Jugendbeteiligung, obwohl durchaus im Netz und bei Jugendorganisationen geworben wurde. Ich würde gerne auch mal Eure Vermutungen hören, woran das liegt. Meint Ihr, so eine Einrichtung wie das JugendPolitCamp macht Sinn? Ist die Altersbegrenzung bis 18 zu niedrig? Ist die Veranstaltung/Anreise zu teuer, die Themen langweilig? Warum sind die JuPis, die letztes Jahr dabei waren, diesmal größtenteils zuhause geblieben?
Ich fand vor allem die Podiumsdiskussionen wie immer ziemlich unspannend – besonders auf der zum JMStV wurde viel um den heißen Brei geredet und Medienkompetenz beschworen, die entscheidende Frage, ob wir den JMStV überhaupt brauchen, wurde aber nicht gestellt (außer von mir aus dem Publikum, ziemlich erbost). Leider fanden die Podiumsdiskussionen dieses Jahr auch nicht parallel zu den Barcamp-Sessions statt, sodass man sich kein Alternativprogramm suchen konnte. Auch fehlte ein kühler Aufenthaltsort für persönliche Gespräche, aus denen ich trotz widriger Umstände definitiv am meisten mitgenommen habe.
Zwar waren hauptsächlich die Politiker da, die auch sonst mit der Netzgemeinde im Dialog stehen (Jimmy Schulz von der FDP, Peter Tauber von der CDU, Tabea Rösner von den Grünen etc.), was ich aber positiv fand, war, dass die Mitglieder von Bundestag und Europaparlament nicht nur in den Podiumsdiskussionen waren, sondern auch in den Barcamp-Sessions. Z.B. hat Thomas Jarzombek von der CDU (!), der auf der ziemlich lahmen Podiumsdiskussion zum JMStV war, mit uns zusammen die Barcamp-Session zum Jugendschutz gemacht und dabei hauptsächlich den Jugendlichen zugehört. Das war definitiv ein gutes Zeichen. Erschreckend hingegen war, dass Netzpolitik-Spezialisten der Grünen offensichtlich den Kirchentag wichtiger fanden und dem PolitCamp fernblieben. Ich hatte alles in allem den Eindruck, dass das Politcamp beginnt, ein wenig im eigenen Saft zu kochen, und ich frage mich, wie man die Politiker und auch Jugendlichen dorthin bekommt, die den Dialog besonders nötig hätten, weil sie sich nicht eh schon das ganze Jahr auf Konferenzen treffen.
Insgesamt war das Politcamp jetzt keine große Offenbarung für mich, aber für die spannenden Gespräche am Rande, die Jugendschutz-Session und die zur Europapolitik mit zwei MEPs und Joe McNamee von EDRi hat es sich schon wieder gelohnt. Ich hoffe, nächstes Jahr sind wieder ein paar mehr Leute unter 20 dabei. Es ist definitiv eine gute Chance, ein paar Politiker in die Finger zu kriegen und ihnen die Meinung zu sagen. Faszinierenderweise hören die meisten sogar zu!
Auf die Panikmache ist Verlass
„Wir dürfen keine Technologien einsetzen, deren Risiken wir nicht hundertprozentig unter Kontrolle haben“
„Die Frage ist nicht, ob in Deutschland so etwas passieren kann, sondern wann“
„Wann, wenn nicht jetzt, muss diese Debatte geführt werden?“
Für diese und ähnliche Sätze haben Politiker zu Recht viel Häme einstecken müssen, als es um die Verschärfung von Sicherheitsgesetzen und die Kontrolle des Internets in Reaktion auf Terroranschläge ging. Erstaunlich, dass dieselbe angstgetriebene Rhetorik nun ausgerechnet in der Piratenpartei, die damals zur Besonnenheit aufgerufen hat, hoffähig zu werden scheint. Es geht, wie unschwer zu erraten war, um den Reaktorunfall in Fukushima.
Nach Bekanntwerden der starken Schäden an Kernkraftwerken in Folge des Erdbebens in Japan wurden sofort Rufe laut, aus dieser Katastrophe Konsequenzen für den Betrieb deutscher Kernkraftwerke zu ziehen. Wie im Falle der Terroranschläge ist der Wunsch nach mehr Sicherheit menschlich und nachvollziehbar. Aber wieviel ist von den obigen Aussagen zu halten?
„Wir dürfen keine Technologien einsetzen, deren Risiken wir nicht hundertprozentig unter Kontrolle haben“
klingt auf den ersten Blick so schlüssig, wie es bei längerem Nachdenken unmöglich zu erfüllen ist. Ohne die Komplexität und das Risiko von Kernenergie mit denen des Straßenverkehrs gleichzusetzen, ist offensichtlich, dass die menschliche Zivilisation auf etliche Technologien fußt, deren Risiken wir nicht hundertprozentig zu bändigen vermögen. Die Diskussion über den Einsatz von Atomenergie kann – wie bei jeder anderen Technologie auch – nur auf der Grundlage einer Abwägung von Nutzen und Risiken stattfinden. Dass überhaupt ein Unfall möglich ist, kann dabei aber nicht alleine den Ausschlag geben.
„Die Frage ist nicht, ob in Deutschland so etwas passieren kann, sondern wann.“
Das Problem solcher Aussagen ist, dass sie nicht widerlegbar sind. Ein Leben in ständiger Angst ist aber weder hilfreich noch lebenswert, also muss eine Risikoabwägung in irgendeiner Form stattfinden. Genauso wenig, wie ein Unfall ausgeschlossen werden kann, wird er mit absoluter Sicherheit eintreten.
„Wann, wenn nicht jetzt, muss diese Debatte geführt werden?“
Es bleibt also der Aufruf zur erneuten Debatte des Atomausstiegs. Gegen eine Diskussion ist natürlich grundsätzlich nichts einzuwenden. Dabei müssen wir aber im Hinterkopf behalten, dass die aktuelle Lage weniger neue Informationen als neue Ängste gebracht hat. Die Erkenntnis, dass deutsche Kernkraftwerke auf einen Tsunami dieses Ausmaßes nicht vorbereitet wären, ist keine neue und für Deutschland auch keine hilfreiche – völlig unabhängig davon, was in Japan geschehen ist.
Wenn uns die Terrorhysterie eines gelehrt hat, dann ist es, dass unmittelbar nach einer Katastrophe der denkbar schlechteste Zeitpunkt ist, politische Entscheidungen von größerer Tragweite als der unmittelbaren Schadensbegrenzung zu treffen. Solche Entscheidungen wären überwiegend von unseren unmittelbarsten Ängsten geprägt und wir wären zu einer wertfreien Beurteilung des Für und Wider gar nicht in der Lage, weil jede kritische Stimme als Verhöhnung der Opfer abgebügelt würde – wie es auch nach dem 11. September unmöglich war, eine unaufgeregte Diskussion über die Prävention terroristischer Kriminalität zu führen. Es gibt keine Zeitperiode, die sich einer neutralen Betrachtung stärker entzieht als die unmittelbare Vergangenheit.
Vom politischen Gegner instrumentalisierte Ängste – etwa die vor Terroranschlägen – als eiskaltes Kalkül abzutun, das gezielt eine politische Agenda umsetzen soll, aber die eigenen politischen Positionen von Angst leiten zu lassen, ist unredlich. Die Reaktionen auf die Katastrophe in Japan können wir uns wenigstens zum Anlass nehmen, zu einer faktenbasierten Diskussion über Atomenergie zurückzufinden (Quellen und seriöse Links zum Fukushima-Kraftwerk-Störfall findet man übrigens unter anderem hier). Und Verständnis dafür zu entwickeln, dass Angst zu irrationalen Kurzschlussreaktionen führen kann. Glücklicherweise gibt es auch bei den Piraten Stimmen, die dazu beitragen.
Bundesadler ohne Horst
Es widerspricht der menschlichen Würde
Google Webfonts — ein neuer Krakenarm?
ePetition — Eine iPhone App entsteht
Gender-Diskurs und Schutzräume
Offener Brief an die Piratinnen-Mailingliste
Ahoi, neu hier!
Ich habe mich auf der Mailingliste angemeldet, nachdem ich Lenas Interview angehört hatte und zu meiner Schande feststellen musste, dass ich ein Stück weit den vielfach doch recht negativen Berichten anderer Piraten über das Anliegen der Piratinnen aufgesessen war. Aber schon da hatte ich was gelernt, beim nächsten Mal lieber gleich Primärquellen konsultieren. Das, was Lena da gesagt hat, kann ich zu 90% unterschreiben, und ich habe mich an der ein oder anderen Stelle sogar unangenehm ertappt gefühlt.
Zum Beispiel argumentiere ich in der Gender-Satzungsfrage immer, dass der entsprechende Passus nur eine Regelung für offizielle Parteidokumente darstellt und eben zur Klarstellung dort steht, dass Frauen von dem Begriff „Pirat“ explizit eingeschlossen sind, womit ich sehr gut leben kann. Gleichzeitig sei mir aber noch nie ein Pirat untergekommen, der mir auf Basis der Satzung ernsthaft versuche vorzuschreiben, dass ich mich nicht als Piratin bezeichnen dürfe, was ich schon länger zu tun pflege. So weit, so gut. Das Problem ist, beim Hören des Interviews und den Ausführungen zum Schutzraum ist mir aufgefallen, dass ich in dieser Argumentation gelogen habe. Mir sind schon mehrfach Piraten untergekommen, die mich ernsthaft dafür angegangen sind, dass ich mich Piratin nenne, und sich auf die Satzung berufen haben. Witzigerweise wurde ich von wiederum anderen Personen schon angegangen, weil ich mich als Pirat bezeichnete. Als Frau kann man es in dieser Frage augenscheinlich nicht allein recht machen. Nun waren diejenigen, von denen solche Äußerungen kamen, natürlich einzelne Spinner und bei weitem nicht die Mehrheit. Die meisten Piraten meinen es mit der Gleichberechtigung durchaus ernst und lassen sich auch auf Diskussionen darüber ein.
Das viel interessantere für mich ist, dass ich im Brustton der Überzeugung gesagt habe, so eine Form der Diskriminierung sei mir bei den Piraten NIE NIE untergekommen, obwohl das einige Male eben doch passiert ist. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich da die Unwahrheit erzählte. Um ja nicht vor all den emanzipierten Männern als die Rückschrittliche dazustehen, die alte Geschlechterkämpfe wieder aufnehmen will – so interpretiere ich mein Verhalten jetzt im Nachhinein – habe ich also selbst so getan, als gäbe es kein Problem. „Es besteht Diskussionsbedarf, seit jemand postuliert hat, es gäbe keinen Diskussionsbedarf“, hat ein mir lieber Pirat den Sachverhalt beschrieben. Als er das sagte, pflichtete ich ihm sogar bei, habe es bloß noch nicht auf mich bezogen. Ich habe mich zwar nicht explizit gegen diese Mailingliste ausgesprochen, wäre aber auch nie auf die Idee gekommen, dass ich möglicherweise zu den Frauen gehören könnte, für die sie eingerichtet wurde. Zu denen, die am lautesten demonstrieren wollen, dass sie keinen „Schutzraum” brauchen und sich damit mal eben selbst widerlegen. O.o
Wie dem auch sei, ziemlich viel Selbsterkenntnis für einen Montag Abend, aber ich hatte noch nicht genug und habe mich gleich mal in die Debatte gestürzt. In diversen IRC-Channels habe ich an dem Abend sehr produktive Gespräche über die Genderfrage mit Piraten geführt, die diese sonst immer sehr schnell und genervt abgetan haben. Dadurch, dass ich ihnen meine kleine Geschichte erzählt habe, haben sie sich aber viel bereitwilliger auf die Diskussion eingelassen, weil sie sich ausnahmsweise nicht auf die Anklagebank gerückt fühlten. Wir kamen an dem Abend zu so erfreulichen Ergebnissen wie dass die Bezeichnung „Pirat“ für alle Parteimitglieder genauso legitim ist wie die Bezeichnung „Feminismus“ für die Gleichberechtigungsbewegung. Und das waren teilweise Männer, denen zwei Tage zuvor bei dem Wort „Feminismus“ noch die Haare zu Berge standen, weil sie dachten, man wolle sie übervorteilen.
Ich denke, wir müssen viel mehr betonen, dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht an feste Rollenverteilungen gebunden ist. Männer diskriminieren gegen Frauen, Frauen gegen Männer, aber sehr oft auch Männer gegen Männer oder eben Frauen gegen Frauen. Ich denke, dass viele Männer bei den Piraten sich der Genderdebatte nur deshalb verweigern, weil sie das Gefühl haben, dass der Bedarf an einer geschlossenen Frauenmailingliste bedeutet, sie als Männer hätten etwas falsch gemacht. Viele, die von Post-Feminismus reden, tun das nicht, weil sie ernsthaft glauben, es gäbe nirgendwo in unserer Gesellschaft Diskriminierung, sondern weil sie denken, die Anerkennung eines Handlungsbedarfs sei gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis.
Diese Piraten haben sich wirklich oft selbst nichts groß vorzuwerfen und teilen unser Ziel einer echten Gleichberechtigung. Nur weil das Bild des unterdrückenden Mannes und der unterdrückten Frau (auch ein überholtes Klischee) noch so tief in ihren Köpfen verankert, merken sie nicht, dass die fortbestehende Diskriminierung in unserer Gesellschaft allen Geschlechtern schadet – vor allem all jenen, die es wagen, aus der klassischen Rollenverteilung auszubrechen. Ich habe mich nun also dieser Mailingliste angeschlossen, in der Hoffnung, hier nicht das befürchtete Männergebashe zu lesen, genauso wie mir in den Chats mit Piraten in den letzten Tagen nicht die erwartete Ablehnung der Genderdiskussion widerfahren ist. Ich war zwar von der Ankündigung der Piratinnen in Form der PM nicht begeistert, aber so lange hier ein konstruktiver Dialog stattfindet, bin ich dabei. Ich werde mir vielleicht trotzdem die Frechheit herausnehmen, diesen Beitrag noch irgendwo anders zu posten, Eure Antworten aber selbstverständlich nicht.
Piratige Grüße,
Julia
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