Mein Kopf gehört uns allen
Unter den 100 Prominenten ist da zum Beispiel Julia Franck, angeblich soll man sie für ihre Bücher kennen. Sie sagt, dass „Es erscheint doch als offensichtlicher Irrglaube, wenn im Internet geistige und künstlerische Errungenschaften für den Privatgebrauch kostenlos runtergeladen werden.“. Abgesehen davon, dass der Satz keinen Sinn macht (denn er bezeichnet die Ist-Situation als Irrglauben), beschäftigt sich diese Frau offenbar damit, Bücher zu schreiben. Überlegen wir uns einmal, was wäre, wenn dieses Konzept des geistigen Eigentums konsequent angewandt würde. Frau Franck hat für ihre Bücher zahlreiche literarische Quellen aus der ersten Jahrhunderthälfte quergelesen - sich von Ihnen inspirieren lassen. Doch im eigentlichen Sinne nimmt sie hier die Ideen dieser Autoren, und passt sie an. Verändert sie. Remixt sie. Sie verstößt gegen das geistige Eigentum der ursprünglichen Autoren. Diese Autoren haben im übrigen auch schon selbst vorher gelesen - und Ideen übernommen.
Denn wir sind alle wie Zwerge auf den Schultern von Riesen. Jedes literarische Werk ist ohne die, die vor ihm da waren nicht denkbar - neue Ideen sind extrem selten. Die allermeisten Autoren verknüpfen nur immer wieder den alten Stoff auf andere Weise.
Später beschwert sich ein anderer "Prominenter" darüber, dass "Wenn eine Idee, sobald sie sich als spannend erweist, zum Allgemeingut wird, löst sich der Lohn der Pionierarbeit im virtuellen Nichts auf". Stellen wir uns vor, dass technische Entwicklungen genauso wie literarische Werke eine Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers hätten: Handys z.B. gäbe es noch lange nicht, da der erste Computer noch geschützt wäre. Heimcomputer wohl auch nicht - denn durch den starken Schutz, wäre es ja auch nicht nötig gewesen, diesen ersten Computer weiter zu entwickeln. Wir wären niemals auf den Mond geflogen, dazu brauchte man ja bessere Computer. Und Satelliten im All? Fehlanzeige.
Wer Geld mit seiner Idee machen möchte - muss einfach damit anfangen. Schützen kann man sie nicht - nur schneller sein als andere. Und wenn man sie wirklich schützen will - dann behält man sie einfach für sich. Denn sobald sie jemand Anderen erreicht, ist eine Idee frei.
Und das ist auch gut so. Nicht umsonst sagen unsere Vorfahren vor etwa 175 Jahren beim Aufstieg "Die Gedanken sind frei".
Unwissenheit schützt vor Kritik nicht
Immer noch wird diskutiert, ob die Kritiker von Joachim Gauck vorschnell aufgrund von Linkfetzen urteilten. Ich habe diesbezüglich schon hier etwas dazu geschrieben.
Das Thema Joachim Gauck und Sarrazin möchte ich aber noch mal expliziter darstellen, da mir hier zu viel in der Diskussion durcheinandergerät.
Das Interview, um welches es sich in diesem Zusammenhang handelt, ist hier zu finden.
„Warum überlassen wir den Stolz den Bekloppten?“ (Süddeutsche)
Seite 1
Folgende Fragen + die dazugehörigen Antworten sind wichtig, um die Kritik an Joachim Gauck richtig einordnen zu können.
sueddeutsche.de: Herr Gauck, Sie sagen, mutige Politiker seien Ihnen lieber. Ist Thilo Sarrazin mutig?
Joachim Gauck: Er ist mutig und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. Er setzt sich dem Missbehagen von Intellektuellen und von Genossen seiner Partei auseinander - darunter werden viele sein, deren Missbilligung er eigentlich nicht möchte. Nicht mutig ist er, wenn er genau wusste, einen Punkt zu benennen, bei dem er sehr viel Zustimmung bekommen wird.“
Manchmal wird in die Debatte eingeworfen, dass die Mutbescheinigung Gaucks für Sarrazin eigentlich kein Lob sei, da zum einen Mut nicht Lob bedeuten muss und zum anderen Joachim Gauck seine Mutpreisung dadurch wieder relativiert, indem er Sarrazin in dem Falle keinen Mut bescheinigt, wenn er wüsste, dass er viel Zustimmung erfahren würde.
Ersteres Argument finde ich nicht schlüssig, da der Begriff Mut eine eindeutig positive Konnotion hat, denn die negative Umschreibung dafür ist Übermut, Leichtsinn und Torheit.
Der zweite Einwand überzeugt mich auch nicht, da dieser Sarrazin nur dann den Mut abspricht, wenn eine Bedingung (nämlich das Wissen Sarrazins um die breite Zustimmung) gegeben ist. Dies weiß jedoch nur Sarrazin und ist deswegen nicht verifizierbar. Die Aussage, dass Sarrazin mutig ist, ist jedoch vorbehaltlos von Joachim Gauck ausgesagt worden.
Die Aussage, dass Sarrazin mit der Öffentlichkeit „sein Spiel macht“, empfinde ich ebenfalls als hochproblematisch, aber zu diesem Punkt möchte ich weiter unten beim Thema „Zuspitzung & populistische Übertreibung“ kommen.
„sueddeutsche.de: Haben Sie sein umstrittenes Buch Deutschland schafft sich ab gelesen?
Gauck: Nein, habe ich nicht. Aber wie ich die Debatte verfolgt habe, gibt es eben einen Teil, wo man sagen muss: Da weist er auf ein Problem hin, das nicht ausreichend gelöst ist. Das andere sind seine biologistischen Herleitungen.“
Diese Stelle ist für die unterschiedliche Bewertung des Interviews für die Menschen fundamental. Joachim Gauck hat das Buch nicht gelesen und hatte allem Anschein nach auch keine Kenntnis von den umstrittenen Passagen, weswegen Sarrazin so kontrovers in der Diskussion war und sein Buch teils als rassistisch eingeordnet wurde. Zu diesem Punkt im nächsten Interviewausschnitt mehr.
„sueddeutsche.de: Sarrazins Thesen von erblich weniger intelligenten Kindern bei bestimmten Gruppen.
Gauck: Wenn er das so behauptet, dann würde ich das auch kritisieren. Ich kann nicht einfach zum Parteigänger werden, aber ich würde mir sehr sorgfältig überlegen, ob ich den Typ aus der SPD ausschließe.“
Joachim Gauck kennt die kontroversen Passagen nicht und kann sich deshalb nur recht halbherzig (würde distanzieren Konjunktiv) von diesen distanzieren. Dies ist sogar verständlich, da sich kein Mensch von etwas wirklich distanzieren kann, was er nicht einmal kennt. Zu diesem Thema aber weiter unten mehr.
Seite 2
„sueddeutsche.de: Wie würden Sie das deutsche Integrationsproblem beschreiben?
Gauck: Es besteht nicht darin, dass es Ausländer oder Muslime gibt - sondern es betrifft die Abgehängten dieser Gesellschaft. Darum erscheint es notwendig, und das ist meine Kritik an Sarrazin, genauer zu differenzieren und nicht mit einem einzigen biologischen Schlüssel alles erklären zu wollen. Und plötzlich wird aus einem Hype eine nüchterne Debatte.“
Dieser Interviewabschnitt wird häufig verwendet, um Joachim Gaucks Distanzierung zu Sarrazins biologistischen Thesen aufzuzeigen. Nur ist hier keine klare Distanzierung gegeben.
Wie Enno Park hier schon richtig festgestellt hat, sagt Joachim Gauck nur, dass Sarrazin nicht alles! mit einem biologischen Schlüssel erklären sollte. Nun könnte man genauer nachfragen, was nun mit dem biologischen Schlüssel erklärt werden kann und was nicht.
Wenn man jedoch den Kontext einbezieht (ja, auch das machen die Gauck Kritiker manchmal ;-) ), dass Gauck Sarrazins Buch nicht gelesen und auch die strittigen Passagen nicht kannte, dann relativiert sich auch Joachim Gaucks Aussage. Ich nehme stark an, dass er während des Interviews mit den Passagen Sarrazins konfrontiert worden ist, aber in der Kürze der Zeit sich verständlicherweise keine abschließende, reflektierte Meinung diesbezüglich bilden konnte und deswegen salomonisch einfach mal gesagt hat, dass man mit dem biologischen Schlüssel nicht alles erklären kann. Er hat einfach darauf spekuliert, dass wie meistens die Wahrheit in der Mitte liegt und in den biologistischen Thesen Sarrazins sowohl zustimmungswürdige als auch abzulehnende Elemente enthalten sind.
„sueddeutsche.de: Macht Sarrazin nicht mit seinen oft polemischen Äußerungen eine nüchterne Debatte unmöglich?
Gauck: Zu solchen Debatten gehört die Zuspitzung und auch die populistische Übertreibung. Daran krepiert das Land nicht gleich. Darum schaue ich etwas ängstlich auf eine Entwicklung, die Peer Steinbrück jüngst als "Kultur der Wohlfahrtsausschüsse" umschrieben hat: Da fällen die Weisen ihr Verdikt, eines Anathemas des Papstes gleich: Verschwinde aus meiner Partei, Du bist der Teufel! Nein, wir sollen ihn kritisieren, wo es nötig ist, und seine Anregungen aufnehmen. Was mir an diesem Teil des Medienhypes nicht gefällt, ist, dass ein großer Teil der Bewegung angstgesteuert ist. Ich bin unglaublich allergisch gegenüber einer Politik, die maßgeblich auf Angstreflexe setzt. Das gilt auch bei anderen Themen, etwa wenn es um die Nutzung der Atomenergie geht. Wir sollen auf Aktionsformen verzichten, die auf die Angst von Menschen setzen und daraus eine Dynamik ableiten.“
Diese Aussage halte ich von Joachim Gauck einfach nur für grob fahrlässig. Einerseits gibt er zu das Buch und nicht mal die kritischen Passagen zu kennen, aber hält dies für eine legitime „populistische Übertreibung“, an der das Land schon nicht gleich krepiert. Was man jetzt genau unter die "polemischen Äußerungen" subsumiert ist zwar nicht genau definiert, aber es ist anzunehmen, dass "Kopftuchmädchen" etc.. dazugehören.
In dem Aufsatz von Sigmar Gabriel in der ZEIT sind die umstrittensten Passagen mit Erläuterung aufgelistet.
„Welch hoffnungsloses Menschenbild!“ (ZEIT)
Für manche ist damit das Thema Joachim Gauck und Sarrazin weitestgehend entschärft, da er nicht seine biologistischen Thesen geadelt hat, sondern nur den Mut Sarrazins zum Ausdruck bringen wollte, eine wichtige gesellschaftliche Debatte über Migration und Islam anzustoßen. Die „Zitatfetzen“ hätten nur vordergründig ein anderes Bild ergeben.
Ich und viele andere Kritiker dieses Interviews sehen es aber nicht so einfach. Zwar ist es richtig, dass Joachim Gauck bezüglich dieses Interviews nicht direkt als Sarrazin Befürworter angesehen werden kann. Aber dies liegt nur am Umstand, dass er über Dinge, die er im Interview sprach, keine Kenntnisse hatte.
Unwissenheit schützt vor Kritik nicht!
Wenn Joachim Gauck keine Kenntnisse von den kritischen Passagen hatte, wieso macht er dann so klare Aussagen, dass Sarrazin halt sein Spiel mit den Leuten macht und seine Stilmittel der Zuspitzung und der populistischen Übertreibung legitim sind, um eine solche gesellschaftliche Debatte über Islam und Migration anzustoßen? Wenn er diese macht, dann darf es nicht verwundern, wenn seine Aussagen im Kontext des gesamten! Sarrazin Buches gemacht werden und nicht nur hinsichtlich der Teile, die man als konstruktiv bezeichnen kann.
Denn gerade die strittigen Passagen, auch wenn sie nur einen Bruchteil von Sarrazins Buch ausmachen, welches zum allergrößten Teil Zustandsbeschreibungen enthält, sind es, welche das Buch in meinen Augen nämlich nicht mehr konstruktiv und zielfördernd erscheinen lassen. Diese Passagen, welche eine Art Quintessenz des Buches darstellen sind diejenigen, die Rassismus und gesellschaftsspalterisches Material in sich bergen und in meinen Augen abzulehnen sind. Denn die allermeisten von uns gehören nicht der Minderheit an, welche von den populistischen Übertreibungen und dem Spiel mit den Leuten betroffen sind, an denen „das Land schon nicht gleich krepiert“.
Aus diesem Grund machen es sich diejenigen etwas zu einfach, wenn sie die Kritik an Joachim Gauck und seinen Äußerungen zu Sarrazin schon deswegen als erledigt ansehen, weil dieser die biologistischen Thesen zumindest zum Teil ablehnt und diese nicht mal kannte und nur die Motivation Gaucks sehen, die Tatsache gut zu finden, dass eine wichtige gesellschaftliche Debatte angestoßen wurde. Denn durch sein Interview entsteht für die Öffentlichkeit der Eindruck, dass die umstrittenen Passagen Sarrazins schon in Ordnung und legitim sind. Dies empfinden ich und andere nicht so!
Von einem zukünftigen Bundespräsidenten darf man in dieser Hinsicht mehr Reflexion erwarten.
Deswegen wäre ich in diesem Punkt für Klarstellungen Joachim Gaucks sehr dankbar, nachdem dieser mittlerweile mit Sicherheit von den strittigen Passagen Sarrazins wissen dürfte.
Kritik an der Kritik an der Kritik an Joachim Gauck
Als ich gestern mitbekommen hatte, dass Joachim Gauck ernsthaft als Kandidat in Erwägung gezogen wurde (nach denn viele andere potentiellen Kandidaten vorher abgesprungen sind), konnte ich es nicht glauben. Als er dann als Kandidat feststand war ich völlig perplex.
Nun wurde heute in den Medien die Kritik der „Netzgemeinde“ an der Kandidatur Gaucks thematisiert und es kamen auch Gegenreaktionen, welches die Kritik an Joachim Gauck stark verkürzt und aus dem Kontext gerissen empfand.
Stellvertretend zwei Links, welche auf twitter die höchste Resonanz erfahren haben.
Wie das Netz den bösen Gauck erfand (Cicero)
&
Gauck in der Filterbubble oder wie wir lernten den Kontext zu ignorieren (Karlshochschule)
Da sich beide Artikel sehr ähnlich sind, werde ich den Blogpost an dem Artikel von Karlshochschule ausrichten.
I. Analyse
1) Gauck Pro VDS & Co.
Joachim Gauck hatte sich laut Artikel des „der Standard“ pro VDS geäußert.
„Gauck möchte derlei Maßnahmen zumindest erklärt bekommen: "Wenn der Staat Rechte beschneidet, dann muss es verhältnismäßig sein. Ich will tragfähige Belege, was das Ganze bringt."
Dies ist auch zu hören im Video ab Minute 22:26.
Diese Aussage ist für Menschen, welche die VDS kategorisch ablehnen, schon zu wenig, da Gauck die VDS für legitim hält, sobald der Staat deren Nützlichkeit vorweisen kann und in einer Abwägung die Sicherheitsvorteile die Nachteile der Beschränkung der informationellen Selbstbestimmung überwiegen.
Hier muss man jedoch ehrlich sein und sagen, dass dies fast jeder andere potentielle Bundespräsidentschaftskandidat auch so sehen würde. Es gibt sogar einige, die bei der Abwägung weitaus schneller Pro Sicherheit und Contra informationelle Selbstbestimmung argumentieren würden. An dieser Stelle ist dem Artikel von Karlshochschule Recht zu geben.
„Er tut das meines Erachtens sehr reflektiert, differenziert und kritisch. Gaucks moralischer Kompass ist streng nach dem deutschen Rechtsstaat ausgerichtet. Das kann man jetzt konservativ oder engstirnig nennen, ganz gewiss kann man ihm aber nicht unterstellen er befürworte eine bedingungslose Vorratsdatenspeicherung. Ganz im Gegenteil, er wägt die Argumente sorgfältig ab und respektiert beide Pole in diesem Diskurs und kommt zu dem Ergebnis, dass ihm bisher ungenügende Fakten vorgelegt wurden, die zu einer Rechtfertigung der Vorratsdatenspeicherung ausreichen.“
Was jedoch leider im Cicero und im Artikel von Karlshochschule nicht thematisiert wurde sind Gaucks Aussagen zu Wikileaks.
„Im Gespräch ist natürlich Wikileaks mit seinen umstrittenen jüngsten Enthüllungen der US-Diplomatendepechen, aus denen Medien nun weltweit zitieren. "Richtig und wichtig" findet Ströbele diese. Denn: "Das ist Pressefreiheit, diesen Mut muss man haben." Das eben empört Gauck. Er weist darauf hin, dass es sich bei den Daten um gestohlenes Material handelt. "Das kann ich nicht akzeptieren, dass das gefeiert wird, das ist ein elementarer Verlust von Recht."
Hier hat Gauck eine Meinung, die konträr meiner und vieler anderer ist, die das System Wikileaks richtig und wichtig finden. Dies darf auch kritisiert werden.
2) Aussagen zu Sarrazin
Die Aussagen zu VDS und Wikileaks waren es nicht, welche mich klar contra Gauck haben Position beziehen lassen, auch wenn dieses Gebiet für viele das Entscheidendste ist.
Weitaus schwerwiegender waren für mich seine Aussagen Pro Sarrazin.
Hier der Link zum Interview
„Warum überlassen wir den Stolz den Bekloppten“ (Süddeutsche Zeitung)
Die Behauptung, dass Gauck Sarrazin lobt ist völlig korrekt, da Joachim Gauck es explizit sagt, dass Sarrazin mutig sei.
„sueddeutsche.de: Herr Gauck, Sie sagen, mutige Politiker seien Ihnen lieber. Ist Thilo Sarrazin mutig?
Joachim Gauck: Er ist mutig und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. Er setzt sich dem Missbehagen von Intellektuellen und von Genossen seiner Partei auseinander - darunter werden viele sein, deren Missbilligung er eigentlich nicht möchte. Nicht mutig ist er, wenn er genau wusste, einen Punkt zu benennen, bei dem er sehr viel Zustimmung bekommen wird.“
Hier muss ich mal kurz ein Zitat des Artikels von Karlshochschule einwerfen.
„Gleichzeitig nennt er die Ansprache des Themas durch Sarrazin und den damit verbundenen Problemen und den Ängsten bei den Menschen mutig, mutiger jedenfalls als das Thema durch “Political Correctness” zu übertünchen. Auch wenn es sich um eine Provokation zweifelhafter Natur handelt, so sei eine Debatte entfacht worden, die unter streng politisch korrekter Verhaltensweise wohl so nicht zum Vorschein gekommen wäre.“
Wohl dem, welcher nicht zur gesellschaftlichen Gruppe gehört, auf deren Rücken dieses „Spiel“ ausgetragen wird. Denn für diese kann dieses „Spiel“ sehr schnell bitterernst werden, wenn Fremdenfeindlichkeit genau durch solche „Spiele“ wie Sarrazin sie betreibt, gefördert wird.
„Wenn man sich das gesamte Interview nämlich aufmerksam durchliest, so entsteht wieder einmal – jedenfalls für mich – ein ganz anderes Bild. Zum einen hat Gauck das Buch von Sarrazin nicht gelesen, er distanziert sich auch ausdrücklich von seinen Inhalten, die er über die öffentliche Debatte mitbekommen hat, vor allem in Bezug der biologischen Kausalzusammenhänge.“
Dass er das Buch von Sarrazin nicht gelesen hat ist nachzulesen. Dass er sich von den biologischen Kausalzusammenhängen von Sarrazin distanziert hätte, sehe ich jedoch nicht. Denn Gauck sagt nur folgendes.
„sueddeutsche.de: Sarrazins Thesen von erblich weniger intelligenten Kindern bei bestimmten Gruppen.
Gauck: Wenn er das so behauptet, dann würde ich das auch kritisieren. Ich kann nicht einfach zum Parteigänger werden, aber ich würde mir sehr sorgfältig überlegen, ob ich den Typ aus der SPD ausschließe.“
Joachim Gauck sagt nur, dass er das kritisieren würde (Konjunktiv!), wenn Sarrazin es so behauptet haben sollte. Er sagt nicht, dass diese Äußerungen Unsinn seien oder er sich von diesen klar distanziere. Dass er es nur so "schwach" kritisieren kann liegt daran, dass er die entsprechenden Passagen nicht kennt, weil er das Buch nicht gelesen hat. Dass er aber dennoch das Buch mutig findet, ist ein Kritikpunkt, den er sich anlasten muss. Die kritischsten Stellen Sarrazins sind auch im Inet einsehbar und sogar aufbereitet.
Welch ein hoffnungsloses Menschenbild (ZEIT)
„Diese Meinung kann man nun tragen oder widersprechen, ich persönlich teile Gaucks Ansicht übrigens auch nicht, weil ich den Schritt von Sarrazin einfach nicht mutig finde und man die Thematik auch anders hätte formulieren können und müssen. Was aber meines Erachtens gar nicht geht ist die Stilisierung von Gauck als Sarrazin-Sympathisant oder gar Rassismusverharmloser.“
Wie oben schon erwähnt ist es ihm aber anzulasten, wenn er Sarrazin mutig nennt, ohne zumindest die Stellen zu kennen, weswegen Sarrazin gelegentlich in der Debatte rassistische Züge nachgesagt werden. Diesen Punkt so einseitig mit dem positiven Aspekt, dass ein gesellschaftliches Thema in die Öffentlichkeit gekommen und eine Diskussion angestoßen wurde, als geringer einzustufen, ist eine Einstellung, die ich nicht teile, da sie für die im „Spiel“ stehenden Minderheiten ernsthafte Folgen haben kann.
3) Occupy Kritik /Finanzsystemdebatte /Hartz IV
Karlshochschule schreibt folgendes.
„Nicht die Occupy-Bewegung an sich bezeichnet er als albern, sondern die Forderung nach einer Abschaffung des kapitalistischen Systems und der Marktwirtschaft und zwar im Hinblick auf die Forderung nach Verstaatlichung der Banken. Er selbst hat erlebt, dass die Verstaatlichung der Banken in der DDR kein Garant dafür ist, dass plötzlich alles prima läuft.“
Joachim Gauck hält die Occupy Proteste für albern, weil die Forderungen der Occupy Bewegung, namentlich die Verstaaatlichung der Banken, schon in der ehemaligen DDR kein Erfolgsrezept gewesen seien, wo im Grunde alles staatlich war.
Dies ist ebenfalls eine verkürzte Sicht der Occupybewegung, welche in der Gesamtheit allgemeinere Ziele formuliert.
http://www.occupyfrankfurt.de/unsere-ziele/
In Sachen Banken hat sich folgende Forderung durchgesetzt.
http://neuwal.com/index.php/2011/10/31/occupy-what/
„Ein Slogan ist eine konkrete Forderung, die sich mittlerweile so als Konsens durchgesetzt hat: “Die Zerschlagung von Großbanken”. Dies ist nicht unbedingt gleich einer Verstaatlichung von Großbanken zu sehen.“
Zerschlagung bedeutet nicht automatisch Verstaatlichung. Aber abgesehen davon, kann man die eher despektierlichen Äußerungen Gaucks über die Occupy Bewegung durchaus kritisieren, je nach politischem Standpunkt. Dass es Menschen gibt, welche die Occupy Bewegung nicht albern finden und sich nicht mit „Alternativlosigkeit“ abfinden, damit muss Joachim Gauck leben und auch mit der Kritik daran, dass Menschen seine Äußerungen an der Occupy Bewegung kritisieren. Dass man durchaus auch seiner Auffassung sein kann bedeutet ja nicht, dass man diese nicht ebenfalls auch kritisieren könnte.
Bezüglich Hartz IV schreibt Karlshochschule.
„Gauck bezeichnet Hartz4-Proteste als “töricht und geschichtsvergessen”
Auch das stimmt so einfach nicht wenn man sich allein nur die Zitatfetzen anschaut. Gauck empörte sich über die Benennung der Hartz4-Demos mit dem bekannten Begriff “Montagsdemonstration”. Für ihn stehen diese Demonstrationen verständlicherweise in einem ganz anderen geschichtlichen Kontext. Er bezeichnete ganz bestimmt nicht den Hartz4-Protest an sich als töricht, sondern den Versuch den parteipolitisch motivierten Protesten die Marke “Montagsdemonstrationen” überzustülpen. Oder wie es rp-online formuliert hat:
Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, nannte es “töricht und geschichtsvergessen, wenn der Protest gegen Sozialreformen unter dem Titel Montagsdemonstration stattfindet”.
Auch dieser Meinung muss man natürlich nicht zustimmen. Gauck aber deshalb soziale Kälte vorzuwerfen und ihn als Gegner von Hartz4-Empfängern und deren Recht auf Protest darzustellen ist einfach nur desinformativer Unsinn.“
Diese Interpretationen bezüglich der Hartz IV Demos kann ich so nicht teilen. Beispielsweise hat Joachim Gauck auch über Gerhard Schröder gesagt:
Was Gauck wirklich gesagt hat (Süddeutsche)
„Des Weiteren lobt Gauck in dem Interview den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder für dessen Hartz-IV-Reform: "Als Bundeskanzler Schröder einst die Frage aufwarf, wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen. (...) Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder."
Dass seine Aussagen gegenüber den Montagsdemos gegen Hartz IV nicht inhaltlicher Natur waren, kann ich nicht glauben. Wenn Joachim Gauck die Agenda 2010 und die damit zusammenhängenden Hartz IV Reformen als mutig bezeichnet und solche „Versuche“ sich heute wieder wünscht, dann glaube ich nicht, dass er die Montagsdemos nur deswegen kritisiert, weil er deren Bezeichnung für unangemessen gegenüber den Montagsdemos in der ehemaligen DDR hält, welche letztlich für den Zusammenbruch dieses Staates mitursächlich waren. Aber wie dem auch sei, dass man Joachim Gauck in diesem Punkt „Herzlosigkeit“ attestieren könnte ist eben nicht nur in Bezug seiner Aussagen zu den Montagsdemos, sondern auch im Bezug zu seinen Aussagen bezüglich Gerhard Schröder /Agenda 2010 zu sehen. Aus diesem Grund ist dieser Kritikpunkt an Joachim Gauck auch kein „desinformativer Unsinn“.
Man kann ja die Agenda 2010 als gut und richtig ansehen, als eine Reform die Deutschland fit für die Globalisierung gemacht hat. Aber dass es Menschen gibt, die dies nicht so sehen und die Agenda 2010 als Sozialabbau und Herzenskälte empfinden, damit muss auch ein Joachim Gauck leben.
II. Hintergrund von Joachim Gauck
Dieser Abschnitt befasst sich mit der m.E. nach wahren Kritik an der Kritik an Joachim Gauck.
Das Problem ist, dass seine Aussagen deswegen aus dem Kontext gerissen gesehen werden, weil seine Vita nicht genügend berücksichtigt gesehen wird. Er sieht halt alles aus der Sicht seines Lebenslaufes, welches von dem Unrechtsstaat DDR geprägt wurde. Bei der Kritik an den Occupy Protesten ist es am offensichtlichsten, da hier von ihm im konkreten Beispiel die Verstaatlichung der Banken mit der DDR assoziiert wird. Aber ich glaube im Grunde zieht sich dieses Erklärungsmuster durch alle Kritikpunkte. Beispielsweise wird er Sarrazin, auch wenn er das Buch und die kritischen Textpassagen nicht kannte, deswegen als mutig gelobt haben, weil er den Mut Sarrazins ein heißes Eisen in die gesellschaftliche Debatte zu tragen, bewundert. Dies ist damals in der DDR undenkbar gewesen. Da gab es das nicht, dass jemand ein Buch veröffentlicht hat und freie Medien darüber eine Diskussion angeschoben haben.
Diese Erklärungsmuster meine ich auch in Passagen von Karlshochschule wiederzufinden.
„Für ihn stehen diese Demonstrationen verständlicherweise in einem ganz anderen geschichtlichen Kontext.“
„Er selbst hat erlebt, dass die Verstaatlichung der Banken in der DDR kein Garant dafür ist, dass plötzlich alles prima läuft.“
Im Grunde ist das der Hauptkritikpunkt, den ich an Joachim Gauck sehe. Er sieht alles mit der Brille der Vergangenheit. Er richtet seine politischen Äußerungen an einem Konstrukt aus, welches in Osteuropa seit über 20 Jahren nicht mehr existent ist (namentlich der real existierende Sozialismus). Wenn seine Aussagen immer danach ausgerichtet sind, dass eine politische Forderung ja nicht an das Unrechtssystem der DDR erinnert (wie z.B. Verstaatlichung der Banken oder Montagsdemos oder das Nicht-Aufbrechen von gesellschaftlichen Tabu’s wie im Falle Sarrazins), dann ist das eine Sichtweise, die ich bei einem Bundespräsidenten als verfehlt ansehe. Denn so sehr seine Äußerungen im Hinblick auf seinen Lebenslauf auch erklärlich sind (z.B. seine Äußerungen gegen den Sozialstaat aufgrund seiner Erfahrungen in einem totalitären, sozialistischen Unrechtsstaat), so sind sie deswegen nicht weniger kritikwürdig. Dass Joachim Gauck zu einseitig aufgrund seiner DDR Erfahrungen reflektiert stellt für mich ein Problem da. Denn beim Beispiel Sarrazin sieht er hier nur die positiven Seiten des Tabubruchs, die Öffnung einer gesellschaftlichen Debatte, wie es in der ehemaligen DDR nicht möglich gewesen wäre. Dass er die Folgen für Muslime nicht reflektiert und sein Lob einfach nur daran anknüpft, dass diese Debatte in der DDR so nicht hätte angestoßen werden können, kreide ich ihm an.
Ein Bundespräsident sollte aber mit der Zeit gehen und in die Zukunft gerichtet sein. Wenn Joachim Gauck mit seinen Aussagen gegen Dinge steht, die ich und viele andere für richtig halten, nur weil ihn das in irgendeiner Form an sozialistisches DDR Unrecht erinnert, dann ist es in einer Demokratie richtig und wichtig dies auch zu kritisieren. Hier Kritikern zu unterstellen, dass diese nur „Linkfetzen“ aufgenommen hätten und den Kontext dazu nicht kennen würden, ist in dieser pauschalisierenden Form einfach nicht wahr.
III. Fazit
Joachim Gauck wird zum Bundespräsidenten gewählt werden und damit Deutschland als Ganzes repräsentieren. Nun gut, auch wenn mir und anderen seine Äußerungen in den letzten zwei Jahren größtenteils überhaupt nicht zugesagt haben, besteht ja die Möglichkeit, dass er mir in seiner Amtszeit positiver auffällt (und ich glaube dies hoffen SPD und Grüne auch). Die Kritik, die in den letzten Tagen im Social Web gegen Joachim Gauck publik wurde, kann durchaus auch helfen seine Amtszeit zu einer insgesamt besseren zu machen, als wenn es die (durchaus berechtigte und nicht nur verkürzte) Kritik niemals gegeben hätte. Hierzu würde ich mir von ihm auch klarere Aussagen wünschen (z.B. ein aktualisiertes Statement bezüglich Sarrazin, nachdem Gauck wenigstens von den kritischen Passagen weiß). Auch hege ich die Hoffnung, dass Joachim Gauck seine DDR-Brille abnehmen und Dinge neutraler beurteilen wird.
Nun denn, dann soll er seine Chance bekommen, aber ich und andere Kritiker werden in Zukunft ganz genau hinhören, was Joachim Gauck in seiner Funktion als Bundespräsident aussagen wird und ihn so bewerten, wie jeden anderen Bundespräsidenten auch.
Warum ich Georg Schramm als Bundespräsidentschaftskandidat ambivalent sehe..
Nun ist also Christian Wulff zurückgetreten, der Rücktritt psychologisch analysiert worden und nun geht es darum einen Nachfolgekandidaten zu finden. Da die Piraten durch den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus diesmal auch ein Vorschlagsrecht haben, gehen natürlich auch bei uns die Diskussionen los, welcher Kandidat von uns ins Rennen geschickt werden sollte.
Eine Auswahl, welche Kandidaten sich die Piraten vorstellen könnten, ist im Liquid Feedback einzusehen.
https://lqfb.piratenpartei.de/pp/issue/show/1365.html
Wie man ersehen kann, gibt es bei den Piraten einen klaren Favoriten, den Kabarettisten Georg Schramm. Auch in Facebook wächst die Seite, welche Georg Schramm als Bundespräsidentschaftskandidaten sehen will, recht schnell.
Ich kannte Georg Schramm bisher fast ausschließlich aus der ZDF Sendung „Die Anstalt“, wo er mir immer sehr gut gefallen hat und in satirisch überspitzter Form viele Dinge gesagt hat, welche ich unterschreiben kann. Deswegen habe ich gestern noch eine Nominierung Schramms positiv gegenüber gestanden, auch wenn ich weiß, dass dieser Kandidat wohl keine Chance hätte von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt zu werden.
Ich möchte kurz auf die Frage eingehen, ob wir einen Kandidaten nur dann ernennen oder unterstützen sollten, wenn dieser auch tatsächliche Erfolgsaussichten hätte. Manche empfinden die Kandidatur eines chancenlosen Kandidaten als reine Marketingmasche. Dies sehe ich nicht so. Mich hat es nie sonderlich interessiert, ob irgendeine Meinung, Kandidatur, etc.. der Piraten mehrheitsfähig in der Gesellschaft oder sonst wo war. Ich habe rein gar nichts gegen Mindermeinungen und diese sollten auch immer in vollem Umfang in die demokratischen Prozesse eingeworfen werden, wo es nur möglich ist. Denn dadurch steigt m.E. nach die Chance, dass diese mal zu Mehrheitsmeinungen werden können. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich automatisch jede Mindermeinung als „richtig“ und gut empfinde.
Dies bedeutet, dass es für mich kein Grund ist Georg Schramm nicht zu nominieren, weil dieser zum Einen Kabarettist und damit für manch einen politisch zu "unseriös" sein könnte (Georg Schramm ist Diplom-Psychologe), noch ist es für mich ein Ausschlussgrund Schramm deswegen nicht zu nominieren, weil dieser von den anderen Parteien bei der Bundesversammlung keine Stimmen erwarten und somit chancenlos sein dürfte. Dass die Piratenpartei weder einen eigenen Kandidaten nominiert, noch einen anderen Kandidaten unterstützt, sehe ich nur dann als sinnig an, wenn wir die Abschaffung des Bundespräsidentenamts fordern würden.
Natürlich ist hier auch abzuwägen, ob ein sonstiger Kandidat der anderen Parteien explizit (nur) durch die Piraten Chancen hätte und ob dies nicht die bessere Variante wäre, als selber einen chancenlosen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Einen solchen Kandidaten, welcher diese Variante zur besseren machen würde, sehe ich nicht. Die momentan am heißesten gehandelten Joachim Gauck (Grund: Link Link Link Link) und Bischof Huber sind für mich keine Kandidaten, deren Unterstützung ich durch die Piraten empfehlen würde.
Um wieder auf den Top-Kandidaten der Piraten Georg Schramm zurückzukommen, empfiehlt es sich doch manchmal genauer zu recherchieren, was ich in Zukunft öfters tun sollte (meinen damaligen Blogpost mit der Empfehlung Joachim Gaucks, vertrete ich heute nicht mehr).
Bei einer Googlerecherche kam folgendes heraus.
http://
und
http://schlamassel.blogsport.
Kritik an Banken/Finanzsystem, etc.. empfinde ich richtig und nicht als antisemitisch, aber die Wortwahl mit "Wirtstier", etc.. finde ich schon hart an der Grenze.
Aussagen, dass es auf einen realistischen! Armageddon in Jerusalem hinauslaufen würde, finde ich schon sehr daneben und macht seine ansonsten in meinen Augen guten Denkanstöße bei seinen kabarettistischen Darstellungen zunichte. Dass er mit "wearechange" einer Seite ein Interview gegeben hat, welche auch an Chemtrails glaubt,
http://www.wearechange.ch/
fällt dann schon kaum mehr ins Gewicht. (Chemtrails gibt es nicht: http://www.frank-wettert.de/
Was mir an Schramm nicht gefällt, ist seine manchmal arg brutale Ausdrucksweise. Nehmen wir diese Rede auf einer Occupy Veranstaltung als Beispiel.
"Aber die Vorstellung, dass die, die darin arbeiten, eines Tages jeden Morgen aus dem Arbeitslager kommen müssen, mit einem Hammer und einer Sichel und müssen die Dinger (gemeint sind die Banken Hochhäuser in Frankfurt) langsam abtragen (ab Minute 09:20)."
"Heerschaaren von Spekulanten, Bankern und Gläubigern haben sich damals nicht wie heutzutage vor Regionalzüge geworfen oder vom Dach ihres Hochhauses, sondern vor vorbeigaloppierende Pferdekutschen, aber egal wovor sie sich hergeworfen haben, sie waren tot und das war das Happy End an der Geschichte (ab Minute 11:50)."
"Als Satiriker könnte ich es mir leisten, und es wäre kein Aufruf zur Gewalt, wenn ich darauf hinweisen würde, dass es Staatsbankrotte damals en masse gegen hat und dass z.B. in Frankreich vor der Revolution innerhalb von 80 Jahren 8x einen Staatsbankrott gab und der wurde immer so gelöst, dass alle noch im Lande befindlichen Gläubiger geköpft wurden. Das war eine etwas tiefer angesetzte Variante des "Hair Cut", wie er heute benutzt wird. Das war kein Handlungsvorschlag, das war ein Stimmungsaufheller (ab Minute 12:50)."
Auch wenn er das natürlich in seiner satirischen Rolle ausgesagt hat, so ist es ein Teil von Georg Schramm, den wir nominieren würden. Denn die satirische Figur des Georg Schramm ist ja diejenige, die wir kennen. Eine klare Unterscheidung zwischen Kabarettist Schramm und Privatperson Schramm ist kaum möglich, da Georg Schramm sich so gut wie immer in seiner satirischen Rolle geäußert hat und dies somit seine Persönlichkeit für die Öffentlichkeit darstellt.
Ich unterstütze die Forderung stärkerer Banken- und Finanzmarktregulierung. Ich bin für mehr Egalitarismus und gegen immer weiter ausufernde Einkommens- und Vermögensunterschiede (empfehlenswert Joachim Jahnke). Auch bin ich für mehr Bildungsgerechtigkeit und gegen frühe Separation von Schülern, welche häufig den Lebensweg vorzeichnen.
Aber ich distanziere mich von „Armageddon in Jerusalem“ Gedanken, von „Arbeitslagern“ für Banker, wünsche mir auch nicht deren (Frei)Tod, empfinde dies auch nicht als „Happy End“ und ächte alle Äußerungen, welche diese hingerichtet sehen wollen, auch wenn es als „Stimmungsaufheller“ gemeint ist.
Wie gesagt, der Mann sagt, wenn auch nicht politisch intellektuell, sondern satirisch überspitzt, viele Sachen, die ich unterschreiben kann (auch bei obiger Occupy Rede). Aber die Atmosphäre von Frustration und Gewalt, die bei ihm offensichtlich manchmal mitschwingt, ist etwas, was mir gar nicht zusagt.
Aus diesem Grunde bin ich nun unentschlossen, was ich von seiner Nominierung halten sollte.
Zuletzt noch ein Video aus der "Anstalt", wo mir Georg Schramm gut gefällt.
For President: Georg Schramm?
Vermutlich wird Wulff dieser Tage die permanente Amtsbeleidigung durch seine Gegenwart beenden.
Merkel wird einen austauschbaren Parteisoldaten ernennen - und damit einen "Rivalen" permanent absägen. Von der SPD wird ein mehr oder weniger guter Versuch kommen.
Wir können das ebenso handeln - und einen unserer geschätzen Parteimitglieder oder aus dem Umfeld des CCC benennen. Oder wir könnnen jemanden benennen, der Reden kann - und auf die Misstände unserer Gesellschaft hinweist.
Das ist eine Aufgabe, die bei uns sehr gut durch politische Kabaratisten erfüllt wird.
Da fallen zum Beispiel Schramm und Pispers ein. Schramm könnte ich mir in dieser Rolle tatsächlich vorstellen. Das könnte uns in den Medien tatsächliche Berichterstattung bringen - sehr wertvoll für die Wahlen im Saarland und in SH. Und dürfte eventuell auch Grüne und Linke zur Zustimmung bewegen.
Wie ich zur geplanten Hundesteuererhöhung stehe
Da ich bisher häufiger per E-Mail gefragt wurde, wie ich zur geplanten Hundesteuererhöhung in Mainz stehe, mache ich meine gegebene Antwort zu diesem Thema öffentlich.
„Sehr geehrte Hundefreunde aus Mainz,
die Piraten Mainz haben sich auf der Mitgliederversammlung ein Kommunalwahlprogramm auf den Weg gegeben. Hier der Link zum Kommunalprogramm.
http://wiki.piratenpartei.de/RP:Mainz/Kommunalprogramm
Dort ist kein Abschnitt zu finden, welcher sich mit der Thematik der Hundesteuer befasst. Deswegen kann ich Ihnen keine Parteimeinung geben.
Ich kann Ihnen jedoch sagen, wie ich es persönlich sehe. Ich bin gegen eine Erhöhung der Hundesteuer aus zwei Gründen.
1) Sozialer Aspekt
Hunde (generell Haustiere) haben eine hohe soziale Funktion in unserer Gesellschaft. Viele Menschen sehen sie nicht nur als Haustiere, sondern als Familienmitglieder. Hier durch Steuererhöhungen es Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln immer schwieriger zu machen, die teilweise sehr bedeutsamen „Lebensgefährten“ zu behalten, sehe ich als unsozial an. Steuererhöhungen machen in meinen Augen Sinn, wenn damit gesellschaftliche Ziele verwirklicht werden sollen, z.B. die Ökosteuer, um den Spritverbrauch zu senken bzw. alternative Techniken zu fördern.
Mit einer Erhöhung der Hundesteuer wird somit quasi signalisiert, dass Hunde etwas „Schlechtes“ wären, deren Anzahl begrenzt werden müsste. Natürlich sind Regelungen sinnvoll, die sicherstellen, dass es Hunden gut geht und Menschen diese nicht für ihre eigenen Bedürfnisse missbrauchen. Jedoch generell Hunde als etwas anzusehen, was man lieber nicht in der Stadt sehen will, halte ich für absurd.
2) Tierschutzaspekt
Wie sie vielleicht schon in Erfahrung gebracht haben, bin ich Vegetarier (mittlerweile sogar Veganer) und betreibe das Portal www.veggie.de, d.h. mir liegen Tiere und deren Bedürfnisse sehr am Herzen. Die Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass Erhöhungen der Hundesteuer dazu geführt haben, dass vermehrt Hunde einfach ausgesetzt oder ins Tierheim abgeschoben wurden.
http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11361967.htm
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Mainz im Vergleich zu den umliegenden Städten ohnehin schon eine sehr hohe Hundesteuer hat (Bsp: Mainz = 120 €, Wiesbaden = 75,60 €, Frankfurt: 90 €), dann halte ich hier eine Erhöhung für unsachgemäß. Diese soll einzig und allein dazu nützen, den Geldbeutel der Stadt zu füllen, was an sich auch kein verkehrter Gedanke ist. Aber aufgrund der oben genannten Begründungen halte ich es in diesem Fall für die falsche Maßnahme.
Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen,
Matthias Heppner"
Was mich antreibt Oberbürgermeister in Mainz zu werden
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich trete für die Piratenpartei Mainz zur OB-Wahl am 11. März an. Zuerst möchte ich mich Ihnen vorstellen.
Ich heiße Matthias Heppner, bin 32 Jahre alt und in Hanau geboren. Die ersten fünf Lebensjahre wuchs ich in Hammersbach auf, bevor ich daraufhin neun Jahre meines Lebens in Offenbach verbrachte. Danach folgte eine achtjährige Episode in Boppard am Rhein, bevor es mich im Oktober 2002 nach Mainz verschlug. Meine politischen Wege fingen in der FDP an, welcher ich 2004 beigetreten bin. Schon im Jahr 2009 sympathisierte ich stark mit der Netzbewegung und im März 2010 wechselte ich dann endgültig zu den Piraten.
Ich studiere Rechtswissenschaften an der FernUniversität Hagen, biete Webdesigndienstleistungen über minimaldesigns.de an und engagiere mich stark für die Idee der Tierrechte und der veganen Lebensweise auf veggie.de, wo ich demnächst auch unternehmerisch tätig werden möchte.
Ein weiteres politisches Feld, in welches ich mich vertieft eingearbeitet habe, ist die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Zu diesem Thema habe ich eine Mindmap erstellt und Vorträge gehalten.
Was treibt mich an, Oberbürgermeister dieser Stadt werden zu wollen, fragen Sie sich?
Mein politisches Interesse galt schon immer in erster Linie den Bürgerrechten. Für eine selbstbestimmte, freie Gesellschaft ist es wichtig, ein transparentes Staatswesen mit klar definierten Regeln vorzufinden.
Diese Transparenz fehlt aber in der Stadt Mainz. Die Vorfälle um die Wohnbau zeigen exemplarisch, dass zu wenig Transparenz in der Verwaltung vorhanden ist. Deswegen fordern die Piraten Mainz und ich die Öffentlichmachung von Finanzdaten und Kontotransaktionen.
Ein weiterer wichtiger bürgerrechtlicher Punkt ist die größtmögliche demokratische Beteiligung der Menschen. Man hat bei dem Thema Stuttgart 21 gesehen, welch tiefe Gräben entstehen können, wenn keine wirkliche demokratische Mitwirkung der Menschen von Anfang an erfolgt. In Mainz ist diese ist aber nur sehr eingeschränkt gegeben, da die Hürden für Bürgerbegehren sehr hoch liegen. Hier setzen die Piraten Mainz und ich uns dafür ein, dass diese Hürden gesenkt werden, damit Sie mit mir die besten Lösungen erreichen.
Mit der Einführung höchstmöglicher Transparenz in Verbindung mit weitgehender demokratischer Bürgerbeteiligung, ist die Basis gelegt, um jedwede Handlungsfelder von Politik und Bürgern gemeinsam zu bestmöglichen Ergebnissen zu führen.
Ebenso ein sehr bedeutsamer Punkt für die Mainzer Piraten und für mich ist die Durchsetzung des Bürgerrechts auf Mobilität, welcher durch einen fahrscheinlosen ÖPNV sozial und ökologisch erreicht werden kann. Dass diese Forderung keine utopische Fantasie ist, beweist die belgische Stadt Hasselt, welche 1996 einen solchen fahrscheinlosen ÖPNV eingeführt hat und dies bisher als Erfolgsmodell verbucht wird.
Diese dargestellten Forderungen sind aber nur die Spitze dessen, was die Mainzer Piraten und ich mir für Sie wünschen und was Sie auch verdient haben. Wir müssen in Zukunft nicht mehr viel Geld in Überwachungskameras investieren, welche nur ein Gefühl der Überwachung erzeugen und ansonsten, außer in Einzelfällen, keine empirisch nachweisbaren positiven Effekte bewirken. Ebenso benötigen wir neue kreative Ideen, wie Kultur in Mainz erhalten und ausgebaut werden kann, beispielsweise durch Konzepte wie „Zahl was es dir wert ist!“. Und auch die kommunale Bildungspolitik kann in vielen Punkten entscheidend verbessert werden.
All diese Punkte werden in Mainz derzeit einfach nicht in Angriff genommen, sondern die Stadt wird einfach nur von Jahr zu Jahr weiterverwaltet, ohne sie zu gestalten und ihr kreatives Potential zur vollen Entfaltung zu bringen. Wie viele sinnvolle Möglichkeiten es gibt, unser Mainz schöner, fortschrittlicher und lebenswerter zu gestalten, zeigt der Blick in das Kommunalprogramm, hinter welchem ich zu 100% stehe.
Aus diesem Grund habe ich mich bereit erklärt für die Mainzer Piraten zu kandidieren. Mit Ihrer Mitwirkung können wir die Weichen für eine erfolgreiche Mainzer Zukunft stellen!
Die Piraten und die Esoterik
Und wieder machen die Berliner Piraten mit Schlagzeilen auf sich aufmerksam und wieder sind diese nicht gerade positiver Natur.
Krude Esoterik - Die Piraten haben den Wertepluralismus falsch verstanden (Der Tagesspiegel)
Die Berliner Piraten und die Esoterik (ScienceBlogs)
Es geht, um die Berliner Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Scherler. Diese Frau Scherler gibt (Medizin)Seminare, welche esoterischer und nicht wissenschaftlicher Natur sind.
Das Problem ist, dass sie auch Meinungen zur Entstehung von Krankheiten kundtut, die nicht so ganz unproblematisch sind.
In ihrem Buch
Du hast die Macht über Dich!: Selbstbestimmt leben - ein Leitfaden für junge Menschen
hängt sie der in esoterischen Kreisen recht weit verbreiteten Meinung an, dass der Mensch für seine Krankheiten selbst verantwortlich wäre (sei es durch schlechtes Karma aus früheren Leben oder wie hier durch eigene schlechte Einstellung zu sich selbst). Auch empfiehlt sie anscheinend des Öfteren Bücher von Rüdiger Dahlke, einem Anhänger der neuen Germanischen Medizin, welches kein naturwissenschaftliches Fundament besitzt.
Es gab ja in den vergangenen Wochen schon einige Diskussionen, wer bei den Piraten mitmachen können soll und wer draußen zu bleiben hat. Dies waren
Und bei den konkreten Parteiposten
Nun also auch die Frage, ob Esoteriker überhaupt in der Piratenpartei erwünscht bzw. tolerierbar sind und ob diese gar ein Parteiamt oder ein Amt für die Partei in Anspruch nehmen dürfen.
Ich gebe zu, mir fällt diese Antwort sehr schwer. Ich bin zwar nicht esoterisch veranlagt und halte von den ganzen Esotheorien, Esotherapien, etc.. nicht sonderlich viel, aber meine persönliche Sicht kann ich schlecht einfach als allgemeine Betrachtungsweise postulieren.
Es gibt m.E. nach drei Dinge, die bei dieser Diskussion zu beachten sind.
1) Menschen funktionieren nicht alle nur nach rein rationalen-wissenschaftlichen Kriterien
Viele Menschen haben das Bedürfnis nach Erklärungsmustern und Behandlungen, die außerhalb unserer rein technisch-wissenschaftlichen Sicht der Dinge liegen. Im Bereich der Medizin dürfte in Deutschland das größte Spannungsverhältnis zwischen der Schulmedizin und der Homöopathie liegen.
Nach rein technisch-wissenschaftlicher Ansicht ist Homöopathie wirkungslos, da weder der Wirkmechanismus wissenschaftlich nachgewiesen werden kann (Stichwort „Schwingungen“), noch nach mancherlei Studie eine Erfolgsrate oberhalb des Placebo Effekts zu verzeichnen ist.
Medizinische Studie - Homöopathie beruht auf Einbildung (Spiegel)
Dieses wird von Homöopathiebefürwortern wiederum kritisiert.
Dr. Friedrich Dellmour: »Klinische Studien und Metaanalysen in der Homöopathie«
Die entscheidende Frage ist die, ob es zu einer freiheitlichen Gesellschaft passt, nur die rein technisch-wissenschaftliche Ansicht zuzulassen und andere Sichtweisen, die dieser entgegenstehen, auszuschließen? Denn der Placebo Effekt existiert tatsächlich.
Placeboeffekt Kein Hirngespinst (FAZ)
Symptomatisch für die Problematik ist folgendes Zitat:
Der Wissenschaftliche Beirat hält in seiner Stellungnahme auch die bewusste Verwendung von Placebos für gerechtfertigt. Allerdings darf dem Patienten keine wirkungsvolle Therapie vorenthalten werden, und die Beschwerden sollten gering sein. Die Patienten müssten zudem über die Placebo Anwendung aufgeklärt werden. Um die Wirkung nicht zu gefährden, hält Jütte einen Satz folgender Art für angemessen: „Sie erhalten jetzt kein Standardmedikament, aber wir wissen aus der Placeboforschung, dass auch diese Substanzen wirken.“ Wenn der Patient genügend Vertrauen hat, tritt eine Wirkung ein. Die Stellungnahme empfiehlt auch, Ärzte und Ärztinnen bereits während der Ausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung mit den Erkenntnissen der Placebo Forschung vertraut zu machen.
Hier merkt man, wie schwer sich die medizinische Wissenschaft damit tut, den Placebo Effekt zu nutzen, aber auch gleichzeitig diesen nicht zum Bestandteil der medizinischen Lehre zu machen. Der fett herausgehobene Satz verdeutlicht den Versuch der Quadratur des Kreises, indem der Placebo Effekt auch dann genutzt werden soll, wenn der Patient erfährt, dass es ein Placebo ist. Aber dadurch, dass der Placeboeffekt existiert, kann man die alternativen Heilmethoden nicht kategorisch ausschließen, denn wie nun eine Gesundung eintritt, ist für den Kranken nebensächlich. Und wenn es halt seine Vorstellungskraft und sein Glauben bewirkt, dann halte ich es für falsch dies pauschal abzuqualifizieren.
Nun ist ja die Problematik bei Frau Scherler nicht nur da zu sehen, dass ihre Heilmethoden wissenschaftlich nicht verifizierbar sind und deswegen als Unsinn qualifiziert werden müssen, sondern sie gibt auch noch den Kranken die Schuld für ihre Krankheit, ebenfalls aufgrund von Theorien, welche keine wissenschaftliche Grundlage haben.
Hier wäre für mich aber die große Frage, ob auch hier ein Placeboeffekt auftritt und manchen ihrer Seminarteilnehmer dadurch (wenn auch indirekt) gesundheitlich geholfen werden konnte oder ob ihre Seminare tatsächlich immer nur negativ gewirkt haben, in dem diese zum einen die Krankheit nicht heilen (oder zumindest lindern) konnten und zum anderen auch noch die Psyche belasten, in dem die Kranken sich auch noch Schuldvorwürfe machen müssen, weil sie ja mit ihrer Einstellung zumindest teilweise Schuld an ihrer Krankheit haben?
Ich kann nicht beurteilen, wie die Seminare wirklich aussehen und welchen Eindruck & Wirkung diese auf die kranken Teilnehmer hinterlassen haben.
Jedoch sollte man esoterische Sichtweisen, wenn es um medizinische Behandlung geht auch nicht nur als reine Privatsache ansehen.
Im Fall des krebskranken Dominik hat die irrationale Vitamingläubigkeit des Dr. Rath ihm das Leben gekostet.
Scharlatane - Vermarktung bis in den Tod (Spiegel)
Ein ähnlicher Fall war das der krebskranken Olivia, deren Eltern fast bis zum bitteren Ende an die Neue Germanische Medizin von Hamer glaubten und sie deswegen beinahe gestorben wäre.
Kampf gegen die Stärksten (Spiegel)
Hier sieht man wie gefährlich und schädlich der Glaube an Hamer und der (antisemitischen) Neuen Germanischen Medizin sein kann. Aber in dem Artikel ist auch folgendes zu lesen.
Nicht länger als allwissender Retter dürfe sich der Arzt aufspielen, eher in der Rolle des Begleiters und Gefährten für den Kranken verwirkliche er seinen Beruf. Eine "realistische Medizin, eine Medizin nach Maß" sei vonnöten, die "das Defekt-Reparatur-Modell der Krankheit", das die Schulmedizin noch immer bestimme, hinter sich läßt.
Unter Medizinern bahnt sich ein Paradigmen-Wechsel an. Mehr und mehr nehmen Ärzte zur Kenntnis, daß Körper und Seele sich nicht scharf trennen lassen. Beide sind miteinander verwoben und wirken aufeinander ein.
Speziell die Ergebnisse eines relativ neuen Wissenschaftszweiges, der Psychoneuroimmunologie, haben bisherige Vorstellungen von Krankheit verändert. Onkologe Gallmeier: "Ganze Organsysteme, von denen man bisher glaubte, sie funktionieren unabhängig voneinander, kommunizieren miteinander. Jede Zelle weiß um die Probleme der anderen und des Ganzen.
Ich denke hier liegt der Hund begraben und dies ist der Grund, weshalb so viele Menschen nach alternativen Heilmethoden und Erklärungsmustern suchen, außerhalb der reinen Schulmedizin. Viele Menschen wollen Körper und Seele nicht trennen und da die Schulmedizin bisher rein auf den körperlich-technischen Aspekt schielt, so wird der Anteil der Menschen, die esoterische Sichtweisen zumindest teilweise übernehmen, weiterhin groß bleiben.
Eine Abwägung, wie viel Esoterik als gut (oder als nicht schädlich) und sinnvoll aufgefasst werden kann und wann es wirklich gefährlich wird (z.B. indem man wirksame schulmedizinische Krebstherapien verhindert und stattdessen auf HokusPokus vertraut) ist eine sehr schwierige Angelegenheit.
2) Kein Beweis für absichtlichen Betrug von Daniela Scherer
Häufig wird auch angemerkt, dass die Piratenpartei niemanden dulden könne, welcher ABSICHTLICH das Leid der Menschen ausnutzt, sie täuscht und dies zum eigenen (monetären) Vorteil geschieht.
An sich auch eine richtige Forderung, aber man sollte dann doch auch vorsichtiger sein, bevor man anderen Menschen unterstellt, dass diese absichtlich andere Menschen täuschen. Nicht jeder Eso tut nur so, als würde er an das glauben, was er preisgibt, sondern tut es tatsächlich!
Das mag in der Praxis häufig keinen großen Unterschied machen (ob ein Kind eine lebensrettende Krebstherapie versagt bekommt, weil der Esoguru es verbietet und weiß, dass er Unrecht hat mit seiner Alternativmedizin oder ob der Esoguru es verbietet, weil dieser tatsächlich an die Wirksamkeit seiner Alternativmedizin glaubt, macht keinen praktischen Unterschied), aber es macht, zumindest für mich, schon einen Unterschied, ob eine Frau bei den Piraten angestellt wäre, die weiß, dass sie Humbug verzapft oder ob sie selber an ihre Thesen glaubt.
Einen Beweis, dass sie absichtlich Menschen zu ihrem eigenen (monetären) Vorteil täuscht, sehe ich nicht.
3) Jutta Ditfurth und Esowatch
In dieser Debatte wurden zwei Namen am häufigsten genannt. Dies sind Jutta Ditfurth und die Seite Esowatch.
An sich finde ich die Seite Esowatch ziemlich gut, da dort über allerlei Scharlatanerie aufgeklärt wird. Doch ich muss Esowatch dennoch den Vorwurf machen, nicht wirklich objektiv zu „watchen“, sondern mit einer klaren einseitigen Grundeinstellung ans Werk zu gehen. Dies wird der Skeptikerbewegung ja auch allgemein vorgeworfen.
Auch das Wissenschaftsblog ScienceBlogs hat dieses thematisiert gehabt.
Sind wir Kirk oder Spock? (ScienceBlogs)
Zudem stehen auf Esowatch auch einige sehr einseitige und wirre Dinge über Veganer und Tierrechte, die ich als solche auch so bezeichnen kann, da ich mich in diesem Bereich gut auskenne.
Dass Veganer nämlich längst nicht so beschrieben werden können, wie es auf Esowatch nachzulesen ist, ist selbst auf Wissenschaftsseiten wie auf den ScienceBlogs zu nachzulesen.
Geheimnisvolle Veganer (ScienceBlogs)
Dieselben Kritikpunkte sind auch bei Jutta Ditfurth anzumerken, welche in ihrem Buch
Entspannt in die Barbarei (Amazon)
ebenfalls viel krudes Zeug über Veganer und Tierrechte geschrieben hat, was der Glaubwürdigkeit des Gesamtwerks schadet.
Das heisst nicht, dass die Ansichten der Seiten von Esowatch oder Jutta Dittfurth generell unbrauchbar wären. Im Gegenteil, der Großteil der Informationen ist wirklich brauchbar und wichtig. Aber eine wirkliche Autorität, auf auf deren Meinungen man sich blind verlassen könnte, stellen sie nicht dar.
Fazit
Für mich ist das hier eine sehr schwierige Frage. Einerseits darf man Esoterik nicht verharmlosen und pauschal zur Privatsache deklarieren, da es für Menschen auch tödliche Folgen haben kann. Andererseits sollte man es auch tunlichst unterlassen die technisch-naturwissenschaftliche Sicht der Dinge als die einzig richtige zu halten und andere Sichtweisen pauschal als minderwertig und gefährlich abzutun, da dies einfach nicht den menschlichen Bedürfnissen entspricht.
In diesem Fall bräuchte ich mehr Hintergrundinformationen. Beispielsweise würde ich gerne wissen, inwiefern sie Hamer und die Neue Germanische Medizin propagiert. Lehnt sie beispielsweise einige seiner Thesen ab (z.B. die antisemitischen Bestandteile)? Fordert sie ihre Kursteilnehmer auf, sich auch weiterhin schulmedizinisch behandeln zu lassen oder rät sie davon ab?
Es ist aus der Ferne sehr schwierig diesen Fall wirklich objektiv zu betrachten. Ich kann aber die Berliner Piraten schon verstehen, wenn man sich dort nicht zu stark auf eine pauschale esoterikkritische Schiene begeben will.
Was ich gut fände, wäre eine persönliche Stellungnahme von Daniela Scherler, wie sie zu den ihr vorgetragenen Vorwürfen und ihren Heilansichten steht. Dann hätte man eine breitere Bewertungsgrundlage als mit den wenigen Buzzwords, die man in den Medien vernehmen konnte.
Update
Also wenn folgende Passagen wirklich in ihrem Buch stehen, dann ist die Grenze von hinnehmbarer Esoterik überschritten.
Ich war davon überzeugt, dass es [...] mir gut tun würde und ich die Zeit locker überlebe. Wie viele andere vor mir bin ich nicht verhungert, sondern habe innerlich entschlackt. Es gibt Menschen, die in ähnlichen Situationen sterben, weil sie noch in ihrem begrenzten Ego-Denken gefangen sind. So habe ich letztens von einem Flugzeugunglück in den Bergen gehört, bei dem einige der Überlebenden starben, nachdem sie drei Tage ohne Essen geblieben waren. Und das, weil sie sich nicht vorstellen konnten, länger ohne Essen zu überleben. Sie manifestierten so unbewusst ihr Verhungern.
Weshalb es richtig ist, dass wir ein BGE beschlossen haben, ohne ein konkretes Modell zu benennen
Der Beschluss des PA284 liegt nun schon über eine Woche zurück und noch immer spaltet dieser die Gemüter der Piraten.
Allen voran der Landesvorsitzende der Piratenpartei Bayern, Stefan Körner (@sekor), ist mit diesem Beschluss gar nicht einverstanden, was er medial auch explizit so kommuniziert.
Hier ein Artikel auf Telepolis
Bürgerversicherung statt Bedingungsloses Grundeinkommen
in welchem er einen Basisentscheid auf Landesebene bezüglich des BGE Beschlusses ankündigt.
In dieser Hinsicht kann ich noch akzeptieren, wenn er sich gegen das Konzept BGE wendet und eine Bürgerversicherung für zukunftsfähiger und sozialer hält, auch wenn ich die Aussage „Irrweg“ schon grenzwertig finde. Jedoch, wie im Zeitungsinterview geschehen, den BPT Beschluss noch zusätzlich mit der Bemerkung zu garnieren, dass ein „paar Populisten“ eine dünne Mehrheit bekommen hätten, finde ich arg daneben, weil es eine despektierliche Herabsetzung der Entscheidung der Piraten auf dem BPT bedeutet. Denn entweder sind die Piraten, die den Antrag positiv abgestimmt haben selbst die Populisten oder aber die Piraten sind auf die BGE Populisten „hereingefallen“. Dann hätten die Piraten keine emanzipierte und autonome Entscheidung getroffen.
Über seine Ansichten im Telepolis Artikel kann man jetzt geteilter Meinung sein, jedoch ist er hier sachlich geblieben und hat zwischen Privatmeinung und Parteimeinung differenziert. Insofern ist das obige Zeitungsinterview wohl wirklich aus seiner emotionalen Lage heraus entstanden, Schwamm drüber..
Außerdem war ich damals bezüglich Liquid Feedback in einer sehr ähnlichen Lage und habe auch analog ähnlich gehandelt bzw. mich geäußert, deswegen sollte gerade ICH nicht zu sehr deswegen aufheulen ;-)
Dies ist auch nicht das Hauptthema dieses Blogposts. Ich wollte auf die Kritik eingehen, die aufkam, dass wir als Piratenpartei keinen BGE Beschluss hätten fällen sollen, wenn wir selber kein konkretes BGE Konzept anbieten können. Beispielhaft für diese Kritik ist Andre Martens (@brainvibes)
Mittlerweile haben die Sozialpiraten ein eigenes BGE Konzept vorgestellt.
Dieses werde ich demnächst mal detailliert auseinandernehmen und beurteilen.
Jetzt geht es mir jedoch erst einmal darum, dass ich es richtig finde, den BGE Beschluss auch ohne konkretes Modell angenommen zu haben.
Begründung:
Das Konzept BGE geht von einem wichtigen Paradigmenwechsel aus, welcher m.E. nach so wichtig ist für die Gesellschaft. Das Konzept BGE (und zwar auch Modelle mit neg. Einkommensteuer, natürlich in wirklich sozio-kultureller Höhe) geht nämlich von dem Normalzustand aus, dass der Mensch seinen Grundbetrag für die sozio-kulturelle Teilhabe bekommt und ERST DANN, wenn derjenige ein Erwerbseinkommen hat, wird dieses hinzugefügt bzw. mit dem BGE verrechnet. Das heißt es wird die jetzige Hartz IV Systematik (und zwar auch eine entschärfte ohne Sanktionen und Bürokratie), welche im Normalfall davon ausgeht, dass man eine Erwerbseinkommen hat und NUR WENN NICHT, der- oder diejenige ein Ersatzeinkommen (auch wenn es unbürokratisch und ohne Sanktionsandrohungen gewährt wird) in Form von Hartz IV, etc.. bekommt, umgedreht.
Das bedeutet, die jetzige Systematik, dass zuerst die Ökonomie (Normalfall Erwerbseinkommen) und dann die Menschenwürde (Hartz IV, etc..) angenommen werden, wird umgedreht. Mit einem BGE werden zuerst die Menschenwürde (Normalfall BGE) und dann die Ökonomie (Erwerbseinkommen) angenommen.
Dies setzt politisch einen Zwang in Gang, unbedingt mit oberster Priorität die Menschenwürde sicherzustellen und darauf die Wirtschaft auszurichten. Nicht mehr hat sich die Menschenwürde der Ökonomie anzupassen, wie es seit Jahrzehnten Stück für Stück mehr der Fall ist, sondern die Ökonomie hat sich der Menschenwürde anzupassen. Diese gedankliche Änderung halte ich für essentiell, wenn eine gerechtere (Welt)Gesellschaft entstehen soll.
DAS ist für mich das Wesen eines BGE und deswegen halte ich es für richtig, dass hier die Richtung auch mit einem nicht genannten Modell von den Piraten vorgegeben wurde. Denn Konzepte und Lösungen darin zu suchen, welche wie bisher auf Wachstum basieren, sind keine zukunftsfähigen Konzepte, wie unsere Zukunft human und gerecht gestaltet werden kann.
Auch wenn es nicht zum BGE gehört empfehle ich hier 2 Videos, welche wirklich bewegen und zum Nachdenken anregen.
BGE - Wo liegt der fundamentale Unterschied zum Status Quo der Piraten?
Ich hatte ja schon einmal beschrieben gehabt, was ich unter einem BGE verstehe.
Eine kurze Klarstellung was ich unter BGE versteheMeine Definition von einem BGE ist die, dass jeder bedingungslos das BGE bekommt, auch wenn der- oder diejenige kein Einkommen aus Erwerbsarbeit verdienen kann oder verdienen will.
Ich gebe zu, dass ich eigentlich auch gerne das Vermögen bei dem BGE Modell berücksichtigt sehen würde, denn bei einem Vermögen ab einer gewissen Grenze kann man nicht mehr sagen, dass das BGE die sozio-kulturelle Grundabsicherung bewerkstelligen würde. Aber da in den allermeisten Fällen dort, wo viel Vermögen vorhanden ist, ebenfalls in der Regel ein hohes Einkommen existiert, ist dieser Punkt nebensächlich.
Ich möchte in diesem Blogpost noch nicht auf ein konkretes BGE-Modell eingehen, sondern vielmehr aufzeigen, dass ein BGE längst nicht so fundamental anders sein muss, als es viele Kritiker denken. Beispielsweise ist neben der Tatsache, dass jedes BGE Konzept Bedingungen stellt (ein BGE-Modell, welches es beispielsweise einem Kolumbianer mit kolumbianischer Staatsbürgerschaft in Kolumbien erlauben würde das BGE zu beziehen, gibt es nicht), auch die Höhe des BGE für verschiedene Personengruppen politisch gestaltbar.
Ich habe mal ein paar verschiedene Personengruppen herausgesucht und anhand dieser geschaut, inwieweit ein BGE sich von unseren sonstigen Forderungen unterscheidet.
1) Erwerbslose (Hartz IV)
Fangen wir mit der Gruppe der Erwerbslosen an. Die Piratenpartei fordert hier (und zwar in der großen Mehrheit!) folgende Abschaffungen:
Q038 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 1. Präambel
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q038
Q039 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 2. Höhe des Regelbedarfs
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q039
Q41 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 3. Sanktionen
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q041
Q42 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 4. Zuverdienstmöglichkeiten
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q042
Q43 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 5. Bedarfsgemeinschaften / Fürsorgepflicht
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q043
Q44 - Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 6. Feststellung der Erwerbsfähigkeit
Q45 - Positionspapier zur Hartz IV-Debatte
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q045
PA113 - Abschaffung der Sanktionen bei Hartz IV (§§ 31, 32 SGB II, § 39 a SGB XII)
https://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA113
Q055 - Datenschutzfreundliche Regelungen für Empfänger von Sozialleistungen
http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q055
Wir fordern also bei Hartz IV (und zwar auch die BGE Gegner) die Abschaffung von Sanktionen, von Auskunftspflichten, der Feststellung der Erwerbsfähigkeit, etc.. Worin besteht dann der fundamentale Unterschied eines solch modifizierten Hartz IV von einem der vielen BGE-Konzepte? Wenn wir einen Menschen, der partout nicht arbeiten will und somit kein Einkommen erwirtschaftet, nicht verhungern lassen wollen, warum sollte dann ein BGE abgelehnt werden?
2) Studenten
Studenten wären ja im Gegensatz zum Hartz IV System BGE berechtigt. Bisher ist die staatliche Grundversorgung über das BAföG System geregelt. Dieses weist aber den Nachteil auf, dass es elternabhängig ist. Für die Piratenpartei hat der freie Zugang zu Wissen und Bildung einen fundamental hohen Stellenwert. Wenn man hier fordert, dass das Bafög in der Hinsicht reformiert werden sollte, dass es elternunabhängig ist, was ist dann der fundamentale Unterschied zu einem der vielen BGE-Konzepte?
3) Kinder
Hier ist ein Kinder BGE sogar schon existent, nennt sich Kindergeld. Wo würde hier der fundamentale Unterschied zu einem der vielen BGE Konzepte bestehen?
4) Rentner
Auch hier ist mit der Rente ein quasi BGE existent, da selbst beim allerniedrigsten Rentensatz eine Arbeitspflicht wie bei HARTZ IV nicht existiert. Wo besteht hier der fundamentale Unterschied zu einem der vielen BGE Konzepte?
5) Ausländer
Ich glaube dies ist die einzige Personengruppe, wo ein BGE wirklich etwas anderes als das jetzige System bewirken würde. Dadurch, dass das BGE abgekoppelt von wirtschaftlicher Leistung wäre, wird befürchtet, dass eine Sozialeinwanderung stattfände, welches die Kassen sprengen würde.
Diese Ansicht ist nicht unbegründet, weswegen auch so gut wie kein BGE Modell allen in Deutschland lebenden Ausländern das BGE gewähren würde. Wenn nicht gleich (wie beim Götz Werner Modell) nur deutsche Staatsbürger berechtigt wären, dann max. Ausländer, welche sich mindestens 5 Jahre legal! In Deutschland aufhalten (z.B. bei der grünen Grundsicherung). Das einzige BGE-Modell, welches allen in Deutschland lebenden Ausländern das BGE zugestehen würde, ist das der Bundes-AG der Sozialhilfeempfänger-Initiativen, welches in der öffentlichen BGE Debatte quasi nicht existent ist.
Diese Personengruppe ist auch die, bei welcher die BGE Modelle beim B (=Bedingungslos) die größten Abstriche machen und hier so gut wie alle nicht bedingungslos sind.
Auch wenn dieses Thema schwierig ist (gerade für die Piratenpartei, welche alle Menschen als gleich ansieht und Ausländer nicht diskriminieren will), sollte das jetzt nicht der Punkt sein, weswegen wir das Prinzip BGE an sich ablehnen. Auch wenn erst einmal ein BGE eingeführt werden sollte, welches nicht alle Menschen zum BGE berechtigt, so wäre dennoch der erste Schritt getan und man könnte mit der Zeit die Kriterien für Ausländer beim BGE Schritt für Schritt aufweichen.
6) Sonderfälle (z.B. Behinderte, schwer Kranke, Pflegebedürftige, etc.., Liste ist nicht abschließend)
Diese Personengruppe ist diejenige, wo es wirklich angebracht ist hier auch individuelle Regelungen zuzulassen und damit vom pauschalisierenden Charakter des BGE abzuweichen. Damit wäre der positive Effekt der Entbürokratisierung nicht obsolet geworden, da es sich bei dieser Personengruppe um eine zahlenmäßig überschaubare Gruppe handelt (zumindest noch, wenn sich die Entwicklung der Pflegefälle weiter vollzieht, könnte man es irgendwann anders sehen). Hier noch individuelle Regelungen zuzulassen (die auf das BGE draufgepackt werden können) ist gar kein Problem. Zudem ist es auch heutige gesetzliche Realität. Denn auch heute unterscheiden wir immer noch ALG I/II und die Sozialhilfe, welche im SGB XII. normiert ist und für diejenigen Personen gilt, welche keiner Erwerbsarbeit nachgehen können. Beim BGE würde man also unterscheiden kein Sonderfall / Sonderfall und im jetzigen System unterscheidet man arbeitsfähig / nicht arbeitsfähig.
Fazit
Die Höhe des BGE für die einzelnen Personengruppen ist politisch voll gestaltbar. Man kann durchaus der Meinung sein, dass Rentner einen höheren Betrag bekommen sollen als beispielsweise Studenten. Was wir als GRUNDeinkommen für die jeweilige Personengruppe verstehen, ist uns überlassen und kann somit voll diskutiert werden. Einen Einheitsbetrag für alle Personengruppen postuliert das Konzept BGE nicht. Das Wort „Bedingungslos“ bezieht sich in allererster Linie auf die Abkopplung von der Arbeit, alles andere ist durch uns politisch gestaltbar.
Mein Favorit von allen BGE-Konzepten ist übrigens die grüne Grundsicherung.
Rückblick auf den #BPT112 in #Offenbings
So, der BPT ist nun zu Ende und ich finde wir haben auf diesem die Weichen für die Zukunft gestellt. Insgesamt war ich mit dem BPT sehr zufrieden, auch wenn ich einzelne Dinge zu kritisieren habe. Ich möchte hier mal die m.E. nach wichtigsten und kontroversesten Entscheidungen rekapitulieren.
Hier die gesamten angenommenen Anträge.
1) PA284 - Bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn
Zu dem sehr kontrovers diskutierten und nur mit knapper 8-Stimmen Mehrheit (also schon richtiger Mehrheit, dafür ist ja eine 2/3 Mehrheit notwendig, damit es eben eine deutliche Mehrheit ist) über der benötigten 2/3-Mehrheit positiv abgestimmten BGE-Antrag, habe ich hier
BGE – Für eine piratige und humane Gesellschaft
genug geschrieben. Einzig bleibt mir hier zu sagen, dass ich (ausnahmsweise) bei diesem strittigen Thema eine geheime Abstimmung gewünscht hätte, da es eine bessere Nachprüfbarkeit der Stimmen und eine freiere Willensentscheidung ermöglicht und diesem Antrag somit eine höhere Legitimation gegeben hätte.
Aber nun steht es im Grundsatzprogramm Wahlprogramm drin und ich bitte jeden BGE-Gegner sich die verschiedenen Konzepte anzuschauen und konstruktiv mitzuwirken ein piratiges BGE Konzept, welches soziale Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft eint, auf die Beine zu stellen.
Das ebenso die ganzen Positionspapiere zu Hartz IV + Anträge wie z.B. Begrenzung der Leiharbeit ebenso positiv abgestimmt wurden, war wichtig, weil das BGE NUR in unserem Grundsatzprogramm existiert und keine gesetzliche Realität ist. Deswegen kann man nicht sagen, dass diese ganzen „Brückentechnologien“ durch den BGE Beschluss obsolet wären.
2) SÄA063 - Änderung des §1 - Abschnitt A & SÄA064 - Änderung des §1 - Abschnitt A
Nun zu einem sehr heißen Thema. Auf dem BPT erhielten SÄA063 und SÄA064 nicht die erforderlichen 2/3 Mehrheiten, sondern scheiterten mit 50,x% (SÄA063) bzw. 48,x% (SÄA064) (genaue Prozentzahlen weiß ich nicht mehr). Ich habe nicht mit abgestimmt, weil wahrscheinlich am Vortag irgendeiner versehentlich meinen Stimmzettelblock mitgenommen hatte (hatte diesen nie irgendwo mitgenommen) und ich nie und nimmer damit gerechnet hätte, dass noch irgendeine geheime Abstimmung durchgezogen wird, wenn selbst beim umstrittenen BGE Antrag das benötigte 10% Quorum für die Durchführung einer geheimen Abstimmung nicht erreicht wurde.
Ich hätte den SÄA063 abgelehnt und dem SÄA064 zugestimmt.
Begründung:
1) SÄA063
Der SÄA063 besagt folgendes:
1] Hiermit beantrage ich den letzten Satz des §1 (1) der Bundessatzung wie folgt zu ändern: Ersetze “und faschistische“ durch “im Besonderen nationalistische, nationalsozialistische oder faschistische.
[2] Die neue Version des letzten Satzes in §1 (1) würde mit dieser Änderung wie folgt lauten: “Totalitäre, diktatorische und im Besonderen nationalistische, nationalsozialistische oder faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab."
Wie Alexander Morlang es in seinem Redebeitrag richtig gesagt hat. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Insofern ist die Hinzufügung der Begriffe nationalsozialistische (= Faschismus = Keine Meinung = Verbrechen) und faschistische (= Keine Meinung = Verbrechen) völlig problemlos.
Problematisch ist m.E. der Begriff nationalistische, welcher im selben Satz und im selben Kontext mit den faschistischen Nicht-Meinungen (= Verbrechen) genannt wird und grammatikalisch einzig mit einem Komma von diesen getrennt ist.
Was ist darunter alles zu subsumieren? Beispielsweise wurde die Forderung von Matthias Schrade den Euro auf „Kerneuropa“ zu beschränken manchmal zumindest als nationalistisch in Betracht gezogen. In Fabio Reinhardts Blogpost
Ohne gemeinsamen Wirtschaftsraum keine Demokratie
schreibt Fabio
Keine Renaissance des Nationalismus – für ein solidarisches Europa
Zudem ist die geäußerte Position durchaus national bzw. sogar nationalistisch angehaucht.
Die Kategorisierung der Forderung den Euro auf Kerneuropa zu beschränken kann durchaus als nationalistisch angesehen werden, da sich rein währungstechnisch Länder und Nationen von anderen Ländern und Nationen zurückziehen und somit eine nationalistischere Politik betreiben (als Argument es nicht als nationalistisch zu kategorisieren könnte man anbringen, dass mit Kerneuropa nicht nur eine Nation bzw. Land gemeint, sondern immer noch mehrere, z.B. Deutschland-Frankreich-BeNeLux). Auf jeden Fall ist m.E. die Kategorisierung dieser Forderung als nationalistisch möglich.
Wenn man aber diese Forderung als nationalistisch einstuft, dann wäre dies nach unserer Satzung dann gleichzusetzen mit einer Nicht-Meinung bzw. einem Verbrechen. Matthias Schrade hätte dann mit seiner währungspolitischen Forderung nicht nur eine Meinung geäußert, welche der Satzung der Piratenpartei widerspricht, sondern Matthias Schrade hätte mit der Äußerung seiner währungspolitischen Forderung ein Verbrechen begangen.
Dass die Piratenpartei (und auch ich persönlich) prinzipiell für Pluralismus (der Länder und Nationen, generell der Menschen wenn der ganze Nationenkrams endlich mal überwunden ist) und generelle Erweiterung ist (und für den Euro inkl. aller EU-Staaten), hat der BPT mit seinen vielfältigen positiven Abstimmungen (welche auch mit deutlicher Mehrheit positiv beschieden wurden, z.B. auch die positive Abstimmung Pro Europa) ja eindeutig gezeigt. Insofern wäre es für mich verständlich, wenn man der Meinung wäre, dass Matthias Schrade mit seiner Kerneuropa-Euro Meinung! gegen die Satzung der Piratenpartei verstößt, wenn der Begriff nationalistisch explizit in der Satzung erwähnt wäre.
Jedoch ist die währungspolitische Forderung von Matthias Schrade den Euro auf Kerneuropa zurückzuführen m.E. keinesfalls eine Nicht-Meinung und damit ein Verbrechen.
Es gibt faschistische Nicht-Meinungen, welche gleichfalls nationalistische Nicht-Meinungen und damit Verbrechen sein können. Aber es gibt, bei strenger Auslegung wie in diesem Beispiel, auch nationalistische Meinungen, welche nicht faschistisch sind (die Kerneuropa-Euro Meinung subsumiere ich darunter).
In einem Wortbeitrag wurde sogar explizit gesagt, dass man den Begriff nationalistische deswegen drin haben will, weil Nationalismus der Wegbereiter zu Faschismus ist bzw. sein kann. Dies entspricht auch zweifellos der Wahrheit, impliziert aber gleichzeitig, dass dennoch hier ein Unterschied zwischen Nationalismus und Faschismus gesehen wird und damit die Begriffe nicht wesensgleich sind.
Dies ist aber in dem Antrag nicht erkenntlich, da der Begriff nationalistisch, grammatikalisch nur durch ein Komma getrennt, vor dem nächsten Wort nationalsozialistisch (= faschistisch = Nicht-Meinung = Verbrechen) und dem Wort faschistisch (=Nicht-Meinung = Verbrechen), verwendet wird und sich somit nahtlos in die Begrifflichkeiten der Nicht-Meinungen einfügt.
Aus diesem Grund hätte ich diesen SÄA063 ebenfalls negativ abgestimmt, wenn ich einen Stimmzettelblock gehabt hätte. Ich hätte aber einem folgendermaßen modifizierten Antrag zugestimmt.
1] Hiermit beantrage ich den letzten Satz des §1 (1) der Bundessatzung wie folgt zu ändern: Ersetze “und faschistische“ durch “im Besonderen nationalsozialistische oder faschistische“ Ebenso lehnt die Piratenpartei Deutschland nationalistische Bestrebungen jeder Art entschieden ab."
[2] Die neue Version des letzten Satzes in §1 (1) würde mit dieser Änderung wie folgt lauten: “Totalitäre, diktatorische und im Besonderen nationalsozialistische oder faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab. Ebenso lehnt die Piratenpartei Deutschland nationalistische Bestrebungen jeder Art entschieden ab.“
Dadurch, dass das Wort nationalistische nicht mehr im selben Kontextzusammenhang mit den Nicht-Meinungen nationalsozialistische und faschistische steht, sondern in einem neuen, separaten Satz, ist hiermit klargestellt, dass es bei strenger Auslegung nationalistische Meinungen! (und hier sind es Meinungen und nicht nationalsozialistische oder faschistische Nicht-Meinungen) gibt, welche gegen die Satzung der Piratenpartei verstoßen können. Wenn die nationalistische Meinung als faschistische Nicht-Meinung aufgefasst wird, dann ist dieser Fall von dem ersten Satz gedeckt.
Dies macht in der Praxis den Unterschied, dass die Forderung von Matthias Schrade den Euro auf Kerneuropa zurückzuführen und man dies streng ausgelegt nationalistisch einstuft, nun eine MEINUNG wäre, welche gegen die Satzung der Piratenpartei verstoßen würde und nicht mehr eine Nicht-Meinung und damit ein Verbrechen. Denn ansonsten würde man bei strenger Auslegung des Begriffs nationalistisch die Kerneuropa-Euro Forderung mit der faschistischen Nicht-Meinung und dem Verbrechen, dass es einen Holocaust nie gegeben hätte, quasi gleichsetzen und dies kann nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.
Und jetzt noch zur geheimen Abstimmung dieses Antrags. In der kurzen Redezeit, die man auf dem BPT hat, kann man nicht in dieser Ausführlichkeit seine Gedanken darlegen. Deswegen ist es richtig, dass eine geheime Abstimmung diesbezüglich möglich war, denn wie oben dargelegt gibt es einen guten Grund diesen SÄA abzulehnen, selbst dann, wenn man der Forderung, dass die Piratenpartei nationalistische Bestrebungen jeder Art ablehnt, zu 100% zustimmt und somit kein Nazi ist.
Es gab noch den Einwand, dass eine solche Aussage nicht in die Satzung, sondern ins Parteiprogramm gehören würde, aber dies überzeugt mich nicht. Die bisherige Distanzierung der Piratenpartei von totalitären und diktatorischen Bestrebungen stand doch bisher auch in der Satzung und nicht im Grundsatzprogramm. Wieso sollte es bei der expliziten Erwähnung von nationalistischen, nationalsozialistischen und faschistischen Bestrebungen anders sein?
2) SÄA064
Was mich stark verwundert hat ist, dass sich über twitter (zumindest nicht für mich ersichtlich) keiner darüber aufgeregt hat, dass der wesentlich unproblematischere SÄA064, weniger Zustimmung als der SÄA063 bekommen hat. Der SÄA064 sagt folgendes aus.
1] Ich beantrage an den §1 (1) der Bundessatzung folgenden Satz anzuhängen:
[2] “Hierbei wendet sich die Piratenpartei auch gegen jeden Versuch den Holocaust und die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes zwischen 1933 und 1945 zu negieren oder relativieren.“
Diese Aussage ist doch vollkommen problemlos, da dies ohnehin unserer Grundüberzeugung in der Satzung entspricht und auch gesetzlich bestimmt ist.
Man könnte mokieren, dass dann in der Satzung etwas explizit stehen würde, was ohnehin selbstverständlich sein sollte. Dass man als Pirat quasi bei jedem Blick in die Satzung daran erinnert wird, dass die Piratenpartei eine potentielle Holocaust Leugner/Relativierer Partei sei, mag manch einen stören. Jedoch beschreibt diese Aussage jegliche Leugnung und Relativierung des Holocaust nicht zu tolerieren schlicht die Parteimeinung und auch die gesetzliche Maßgabe und deswegen ist es absolut kein Problem dies explizit in der Satzungspräambel klarzustellen.
Das dieser SÄA064 mit 48,x% Zustimmung von der Mehrheit der Piraten abgelehnt wurde, verwundert mich weit mehr als die knappe 50,x% Mehrheit des SÄA063.
Auf dem nächsten BPT würde ich einen modifizierten SÄA063 und den jetzigen SÄA064 positiv abstimmen.
Und vielleicht bequeme ich mich auch dazu beim nächsten BPT die SÄA vorher zu lesen, auch wenn mich in der Regel der ganze Satzungskram 0 interessiert. Aber dann hätte vielleicht im Vorfeld eine solch hitzige Debatte mit gegenseitigen Anschuldigungen vermieden werden können. Dass die Piraten nicht nationalistisch sind beweisen ja die (mit sehr, sehr breiter Mehrheit) positiv abgestimmten Anträge.
X016 - Engagement gegen Rechtsextremismus
PA165 - Gemeinsam gegen Rassismus
PA052 - Migration bereichert die Gesellschaft
Q065 - Piratenappell pro Europa
3) PA041 - Für die Trennung von Staat und Religion – Grundsatzprogramm
Meiner Meinung nach der beste PA bezüglich des Themas Staat-Religion. Sehr gute Entscheidung der Piraten.
4) PA023 - Drogenpolitischer Antrag der AG Drogen & PA299 - Suchtpolitisches Programm der Piratenpartei Deutschlands
Hier war ich für den PA023, aber Leute, diese Anträge könnten konkurrierender nicht sein! Wir haben mehr oder weniger zwei identische, recht lange drogenpolitische Anträge ins Grundsatzprogramm aufgenommen. Einer von beiden hätte es wirklich auch getan.
5) Q065 - Piratenappell pro Europa
Der Piratenappell Pro Europa war top, ist top und somit keine Überraschung, dass dieser mit großer Mehrheit angenommen wurde. Ich hoffe, dass wir in Zukunft ein Appell Pro Welt und gegeben falls (wenn man evt. mal auf Außerirdische trifft :D) einen Appell Pro Universum beschließen können. In der Nachbetrachtung ist einzig ein bisschen störend, dass bei diesem Appell keine explizite Ablehnung von FRONTEX eingefügt wurde. Aber Fabio hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass eine Ablehnung von FRONTEX implizit durch den angenommenen Antrag PA052 – Migration bereichert die Gesellschaft gegeben sei und damit hat er im Grunde auch Recht. Dennoch könnte die explizite Ablehnung von FRONTEX beim nächsten BPT noch in den Appell ergänzt werden.
6) PA149 - Reform des Urheberrechts - Stärkung der Interessen von Urhebern und Allgemeinheit
Habemus Urheberrecht :-) Und zwar ein wirklich Gutes.
7) Q070 - Einführung eines Nulltarifes im ÖPNV
Eines meiner Lieblingsvisionen (muss ich jetzt zum Arzt?). Ich finde es auch vollkommen richtig, dass dieser bundespolitisch beschlossen wurde, auch wenn ÖPNV in erster Linie Landes- und Kommunalpolitik darstellt. Die Festschreibung dieser Forderung auf Bundesebene zeigt jedoch das Leitbild auf, welches wir hinsichtlich der Mobilität des Menschen sehen wollen.
8) Sonstiges
So toll der Parteitag auch war, eines hat mich gestört. Wenn Meinungsbilder vorher ergeben haben, dass 80%+ Piraten für den Antrag stimmen, dann finde ich es einfach unsinnig, wenn x-Piraten sich in die Rednerliste einreihen, um dann ebenfalls zu 80%+ zu sagen, dass der Antrag toll ist und man diesen positiv abstimmen sollte und zwar wegen genau derselben Argumente, welche die 80%+ der Piraten schon kennen und genau deswegen mit so breiter Mehrheit den Antrag positiv abstimmen wollen. Ich weiß, dass auch immer das demokratische Recht (und eigentlich ist dafür auch ein BPT da) der Wortbeitragsmöglichkeit möglichst hoch gehalten werden sollte, aber bei der Masse an Piraten und Anträgen hätte ich es besser gefunden, wenn nur die Kritiker eines Antrags sich zu Wort gemeldet hätten, da nur dies relevant für die Entscheidung sein konnte, wenn wie gesagt vorher eh schon 80%+ der Piraten dafür waren.
Auch war manchmal suboptimal, dass bei nicht wenigen Redebeiträgen nicht auf die Unterschiede der jeweiligen konkurrierenden Anträge eingegangen wurde, sondern nur pauschal auf das Thema an sich.
Schade finde ich auch, dass es die Themen Umwelt und Tierschutz nicht mehr zur Abstimmung geschafft haben. Ich hoffe, dass für den nächsten Programmparteitag die Piraten dies im Hinterkopf behalten, wenn es darum geht, wo man sich dann nächstes Jahr programmatisch verbessern muss.
Fazit
Auch wenn ich hier etwas Kritik loswerden musste, insgesamt war das ein sehr, sehr guter BPT, welcher uns fit für die Zukunft gemacht hat. Auch habe ich viele tolle Piraten kennengelernt, explizit erwähnt seien hier @Deanna030 (thx für den veganen Schokokuchen an dieser Stelle!) @heliantje @piratenbaer @deBaer @Citrullin @Lucif0r @SuddenGrey & @PirateDraugr ohne die der BPT öder gewesen wäre. Auch die RLP Piraten haben den BPT für mich zu einer rundherum gelungenen Veranstaltung werden lassen.
Danken möchte ich auch ganz ausdrücklich dem tollen Orga-Team. 1300 Piraten zu managen ist eine Sissyphusaufgabe, aber sie wurde vom Orga-Team gelöst! Ebenfalls danken möchte ich den hessischen Piraten für den sehr guten Veranstaltungsort und das harmonierende Drumherum. Auch den Jupis sei für ihren Orgaeinsatz (Garderobe) herzlich gedankt. Und zuletzt möchte ich noch der Technik mein Lob aussprechen, die es tatsächlich (zum ersten Mal auf einem BPT für mich, war in Chemnitz und Heidenheim) geschafft haben von Anfang bis Ende Inet bereitzustellen (zumindest per Kabel), auch wenn es am ersten Tag oftmals gehakt hat, aber bei 1300 Piraten, die gleichzeitig ins Netz wollten auch kein Wunder.
Ich traue mich kaum einen Link des Burda-Focus zu setzen (Man erinnere sich an den "10 Frauen auf dem BPT" Artikel), aber dieser Artikel ist dann doch zu schön.
Parteitag der Piraten in Offenbach - Eine Generation hat wieder eine Vision (Focus)
Die nächsten Wahlen können kommen!
BGE – Für eine piratige und humane Gesellschaft
Nun ist ein Jahr vergangen, als im letzten Jahr beim BPT in Chemnitz der Antrag GP050 – Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe ins Grundsatzprogramm beschlossen wurde.
Seitdem ist die Diskussion um das BGE im vollen Gange. Ich selber hatte mich in der Vergangenheit mit diesem Thema schon beschäftigt gehabt.
Heraus kamen Vorträge
und eine Mindmap
Für den jetzigen BPT in Offenbach ist wieder ein BGE-Antrag eingereicht worden, diesmal ein „echter“ (bei ReSET war das ja ein umstrittenes Thema). Es ist der Antrag PA248 – Bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn.
Wir Piraten setzen uns für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ein, das die Ziele des "Rechts auf sichere Existenz und gesellschaftlicher Teilhabe" aus unserem Parteiprogramm erfüllt.
Ich habe auf dem BPT in Chemnitz für den GP050 gestimmt gehabt, obwohl es zu diesem Zeitpunkt eine knappe 51:49 Entscheidung war, da ich schon in diesem ein BGE gesehen hatte (meine Definition eines BGE). Damals war ich mir noch unsicher, ob ein BGE wirklich das geeignete Mittel ist, um sozialere und gerechtere Verhältnisse herbeizuführen.
Heute kann ich diese Frage für mich bejahen!
Hier die Gründe für meine Entscheidung:
1) Hartz IV ohne Sanktionen ist im Grunde BGE
Ich nenne mal am Anfang einen pragmatischen Grund. Ich halte die Sanktionsmöglichkeiten von Hartz IV für grundgesetzwidrig, da sie m.E. gegen Art. 1 GG (Die Menschenwürde ist unantastbar) verstoßen. Im Laufe meiner BGE Recherchen habe ich mich tiefer mit den Hartz Modalitäten auseinandergesetzt und das derzeitige Hartz IV System beruht zu nicht geringen Teilen auf reiner Willkür. Alleine schon, dass der Staat ureigene Aufgaben, nämlich den Schutz der Menschenwürde zu garantieren, quasi privatisiert, ist für mich ein unhaltbarer Zustand, weil elementare Menschenrechte niemals ökonomischen Gesichtspunkten unterworfen sein dürfen. Ich möchte jetzt an dieser Stelle dieses Thema nicht weiter vertiefen, Google spuckt beim Suchbegriff „Hartz IV Willkür“ schon einiges aus. Außerdem wird dieser Blogpost ohnehin wieder den Rahmen sprengen, den ich für wichtigere Gedanken aufsparen möchte.
Deswegen empfehle ich in diesem Kontext auch den Antrag Positionspapier zur Hartz IV Debatte - 3. Sanktionen positiv abzustimmen.
Da ich die Sanktionen im Hartz IV System für rechtswidrig erachte, betrachte ich den Unterschied BGE – Hartz IV (ohne Sanktionen). Und ganz ehrlich, ein fundamentaler Unterschied ist für mich hier nicht mehr auszumachen. Natürlich weiß ich, dass ein BGE für alle Personengruppen gelten würde, z.B. Studenten, welche bis dato nicht Hartz IV berechtigt sind. Welche Personengruppe welches BGE bekommt, ist aber wiederum eine politische Frage und somit gestaltbar (z.B. der Satz für Kinder). Da ich einen fundamentalen Unterschied zwischen sanktionslosem Hartz IV und BGE nicht ausmachen kann, ist es für mich auch kein Grund das Konzept BGE abzulehnen und stattdessen ein verbessertes Hartz IV Konzept zu fordern, nur damit man ja das Wort BGE umschiffen kann.
2) BGE ist im Sinne der politischen Forderungen der Piratenpartei
Ich sehe ein BGE auch konzeptionell im Sinne der politischen Agenda der Piratenpartei. Wir fordern freies Wissen, immer häufiger einen fahrscheinlosen ÖPNV, keine Kriminalisierung des Filesharing, etc.. Unsere Forderungen stehen also unter dem Primat den Menschen zur Freiheit und Selbstbestimmtheit zu verhelfen und künstliche Barrieren, die dies verhindern, abzubauen. Das BGE gesellt sich als sozialpolitische Maßnahme genau in diese „piratige“ Denkstruktur und ergänzt diese.
Der Freiheits- und Selbstbestimmtheitsbegriff ist nicht derjenige, wie ihn die FDP postuliert, nämlich die bloße Abwesenheit staatlichen Handelns, sondern vielmehr der Anspruch der Gesellschaft sich selber und ihre Individuen zu größtmöglicher Freiheit und Selbständigkeit zu befähigen. Einen ähnlichen Denkansatz hatte die FDP auch einmal in den 70er Jahren in den Freiburger Thesen postuliert gehabt, diesen Ansatz aber leider im Laufe der Jahrzehnte gegen immer marktradikalere Programmatiken ausgetauscht.
Der Freiheitsbegriff, den ich bei den Piraten sehe, ist am besten in diesem Artikel beschrieben.
Der neue Liberalismus (Oibelos)
Das BGE (wenn es in diesem Sinne konzipiert ist!) kann genau dies bewirken. Zum einen kann ein BGE die Freiheit des Menschen gewährleisten, indem es seine Existenz sichert, zum anderen kann es die Selbständigkeit des Menschen fördern, indem dieser ohne Existenzängste seiner Begabung und Neigung auch in wirtschaftlicher Hinsicht folgen kann.
Daher halte ich in diesem Kontext auch den Antrag PA135 – Leitlinien für Wirtschaftspolitik für wichtig, welcher die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen außerhalb der Grundsicherung eines BGE absteckt. Die Piratenpartei steht in liberaler Tradition für Selbständigkeit.
3) BGE kein Nischenthema mehr
Häufig wird das Argument eingewendet, dass das Thema ein absolutes utopisches Nischenthema wäre, mit welchem sich keine Partei ernsthaft beschäftigt oder das BGE einzig und allein mit dem Götz Werner (alleinigem Konsumsteuer-) Modell verknüpft wird. Häufig bezieht sich die BGE Kritik rein auf sein Konsumsteuermodell, weshalb es auch keine Partei als Grundlage für deren BGE Modell in Betracht zieht.
Zehn000 Euro für jeden! Götz Werner führt die Menschheit ins Paradies (Gero Jenner)
Kritik: Das bedingungslose Grundeinkommen nach Götz Werner fördert den Meudalismus (Dr. Harald Wozniewski)
Grundeinkommen à la Götz Werner (Egon W. Kreutzer)
Das Thema BGE wird von fast allen Parteien intern diskutiert und es existieren ausführliche ausgearbeitete Konzepte bei den Grünen, der Linken und (wenn man es als BGE Modell ansehen will) der FDP. Selbst ehemalige CDU Ministerpräsidenten wie Althaus plädieren für ein BGE Modell.
Der grünen Grundsicherung wurde sogar auf dem baden-württembergischen Landesparteitag im Oktober 2007 mit großer Mehrheit zugestimmt (ja, bei der Partei, welche heute den Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg stellt!), auf Bundesebene scheiterte es knapp mit 40:60%. Soviel zum Thema, dass das Thema BGE und dessen konkrete Konzepte nur eine gesellschaftliche Randerscheinung wären, mit welcher sich die (Real)Politik nicht beschäftigt.
Es gibt wirklich einige, gut begründete Argumente, die gegen ein BGE sprechen (es gibt aber noch mehr, die gegen das jetzige Hartz IV System sprechen), nur entspricht es einfach nicht der politischen Realität das Konzept BGE als "Utopistenmodell" abzustufen, dafür sind die politischen Diskussionen und Arbeiten an dem Thema BGE in den etablierten Parteien! zu weit fortgeschritten.
4) Kritikpunkt der fehlenden vorherigen Validierung nicht statthaft
Es wird manchmal gegen ein BGE angebracht, dass dieses noch nirgendwo im größeren Maßstab eingeführt und empirisch beobachtet worden sei. Deswegen dürfe man das Risiko nicht eingehen ein „funktionierendes“ (Sozial)System aufs Spiel zu setzen, in dem man ein BGE einführt.
Dieser Kritikpunkt geht aus drei Gründen fehl.
Zum einen ist es unstatthaft von anderen Ländern und Gemeinschaften etwas zu fordern, was man selber zwar evt. will, aber für zu riskant hält, sprich, dass diese als Erste (und zwar ebenfalls ohne vorherige Validierung durch andere Länder/Gemeinschaften) ein BGE einführen, damit man die empirischen Ergebnisse für sich nutzen kann. Wenn eine Gesellschaft etwas grundlegend verändern will, dann muss diese auch den Mut und die Risikobereitschaft mitbringen diesen Schritt ins kalte Wasser zu wagen.
Zum anderen ist es aus realpolitischer Sicht ohnehin nicht zu erwarten, dass die Piraten in naher bis mittlerer Zukunft ein solches BGE System einführen könnten, wie es uns vorschwebt. Ein BGE würde wohl nicht revolutionär, sondern vielmehr evolutionär Einzug in die Gesellschaft finden. Jedoch wäre das Bekenntnis Pro BGE ein eindeutiges Signal, dass man die rein ökonomische Sicht auf die Welt nicht mehr teilt und mit einem solchen Leitbild BGE sind Sanktionen von Hartz IV schlicht unvereinbar.
Als letzten Punkt in diesem Themenkomplex möchte ich anmerken, dass wir mit Hartz IV schon jetzt kein funktionierendes System mehr haben. Ein Sicherungssystem, welches Jahr für Jahr mehr Klagen produziert, bei welchen die Hälfte auch noch erfolgreich ist (mit anderen Worten: Der Staat handelt in der Hälfte der Fälle rechtswidrig), ist kein „funktionierendes“ Sicherungssystem mehr. Deshalb besteht mit der Einführung eines BGE auch keine Gefahr ein funktionierendes System leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
5) Kritikpunkt der fehlenden Mehrheit in der Bevölkerung und die „Links“lastigkeit eines BGE nicht statthaft
Manchmal wird auch argumentiert, dass ein BGE bei der Mehrheit der Bevölkerung auf geringe Akzeptanz stieße. Dies mag durchaus auch zutreffen, ist aber kein Grund als Partei dieses nicht zu fordern und Überzeugungsarbeit bei den Menschen zu leisten. Wir sind keine Populistenpartei! Als die Vorratsdatenspeicherung eingeführt wurde, war das Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern in der Bevölkerung ziemlich ausgeglichen. Mittlerweile hat die VDS selbst bei CDU Anhängern keine Mehrheit mehr.
Das ein BGE die Piratenpartei als politisch zu „links“ erscheinen lassen könnte ist erst recht kein Grund gegen die Forderung eines BGE’s, da die politische Programmatik sich nach den Grundüberzeugungen seiner Anhänger richtet und nicht nach Begriffen wie links, rechts, etc..
6) Hauptkritikpunkte gegen BGE aus christlicher/konservativer und sozialistischer Richtung
Es ist schon ein merkwürdiges Phänomen, dass die Hauptkritik am BGE ausgerechnet aus zwei Lagern stammt, die sich ansonsten spinnefeind sind. Ich fange mal mit der christlich-konservativen Kritik am BGE an.
a) christlich-konservative Sicht
Die christlich-konservative Sicht lehnt das Konzept eines BGE’s als unsozial ab, weil in vorderster Stelle jeder Mensch die ethische Pflicht hat für sich selber zu sorgen und seinen Teil für die Gemeinschaft beizutragen, bevor dieser Hilfe von anderen in Anspruch nimmt. Das Konzept BGE mit seiner undifferenzierten Gewährung des Grundeinkommens an jeden, ganz gleich, ob dieser der gesellschaftlichen Hilfe bedarf, wird als Schmarotzertum angesehen, in welchem der Faule den Fleißigen ausnutze.
Hier mal ein beispielhafter Link zu christlich-konservativer Kritik am Konzept BGE.
Auch wenn ich nicht gläubig bin, so kann ich diese Argumentation schon nachvollziehen. Es wirkt auf den ersten Blick wirklich unverständlich, weshalb jemand das Recht haben sollte von der Gesellschaft ein Grundeinkommen zu erhalten, wenn keine Gründe ersichtlich sind, weshalb dieser nicht sein eigenes Einkommen durch Arbeit erwirtschaften kann.
Hier halte ich jedoch die Entwicklung der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten dagegen. Die Arbeit ist uns zwar nicht bisher, wie häufig prophezeit, ausgegangen. Aber die Qualität der Arbeit hat eine immer höhere Spreizung erfahren (und da spielen Faktoren wie Automatisierung und neue Konkurrenz schon eine Rolle). Die Entwicklung ist dahingehend verlaufen, dass immer mehr Arbeit dem niedrig qualifizierten Bereich zuzuordnen ist, welcher mittlerweile massenhaft mit staatlichen Mitteln indirekt subventioniert werden muss (Stichwort Zeitarbeit, Subunternehmer, etc..). Zudem verschärft sich der Arbeitsdruck immer weiter. Krankheiten wie Burn-Out-Syndrom, Einnahmen von Medikamenten wie Anti-Depressiva, Mobbingopfer, etc.. nehmen zu.
Sprich, die Grundlage, um der christlich-konservativen Kritik zuzustimmen, fehlt. Denn diese Kritik gegen ein BGE wäre für mich nur dann valide, wenn wir einen Arbeitsmarkt hätten, welcher jedem ohne Druck und Zwang zu genau der Arbeit befähigt, die seinem Talent und seiner Neigung entspricht und diese Tätigkeit die gesellschaftliche Teilhabe garantieren würde. Einen solchen Arbeitsmarkt sehe ich nicht und ein solcher Arbeitsmarkt ist auch nicht durch alleinige Korrekturen wie Begrenzung der Leiharbeit, Mindestlohn, etc.. zu erreichen.
Zudem sehe ich in diesem Kritikpunkt auch ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Es mag ja durchaus sein, dass man es verwerflich findet, wenn jemand auf Kosten der Gemeinschaft lebt, obwohl dieser nicht auf diese angewiesen wäre. Das ändert jedoch nichts daran, dass Arbeitszwang verboten ist. Im Grunde genommen ist ein BGE also schon jetzt im GG verankert, nur unsere bisherige Hartz IV Praxis verstößt gegen das GG.
b) sozialistische Sicht
Die sozialistische Sicht lehnt das Konzept BGE ab, da durch dieses die kapitalistischen Verhältnisse akzeptiert werden, weil die Menschen nur einen Existenzsicherungsbetrag zugesichert bekommen, jedoch keine gleiche (=gerechte) Teilhabe an den Produktivmitteln der Gesellschaft. Politiker wie Hubertus Heil verstehen ein BGE als „Stillhalteprämie“.
Hier mal ein beispielhafter Link für sozialistische Kritik am Konzept BGE.
Oftmals wird ja das BGE als „linke“ Politik verstanden, obwohl wirklich links orientierte Politik das Konzept (in jeglicher Ausgestaltung) BGE ablehnt, wie der Teufel das Weihwasser.
An und für sich kann ich die sozialistischen Kritikpunkte am Konzept BGE sogar verstehen. In der Tat ist es nämlich so, dass ein BGE an sich noch nicht viel darüber aussagt wie sozial eine Gesellschaft ist oder ob damit emanzipatorische Ansprüche an die Freiheit, wie sie die Piraten fordern, damit erfüllt werden. Das hängt m.E. nämlich sehr stark von der konkreten Ausgestaltung des BGE + der zusätzlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik zusammen. Zu denken, sich einfach darauf ausruhen zu können, dass mit der monatlichen Auszahlung eines bestimmten Geldbetrages die Piraten alles getan hätten, um eine soziale und dennoch freiheitliche Gesellschaft herbeizuführen, ist ein Irrtum. Es könnte durchaus sein, dass ein BGE bei entsprechender Ausgestaltung und übrigem Finanz- und Wirtschaftskonzept in der Realität die soziale Spreizung verschärft anstatt verringert. Aber dies ist m.E. nach nicht im Wesen eines BGE begründet. Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung an, wie ein BGE wirken würde.
Ein BGE kann nur dann die piratigen Ziele einer freiheitlichen und sozialen Gesellschaft erfüllen, wenn es Machtkonzentrationen verhindert und Vermögen und Einkommen gerecht verteilt. Wer sich mal die Mühe macht sich auf dieser Seite umzusehen,
der wird erkennen, dass die Entwicklung seit geraumer Zeit dahin geht Vermögen von unten nach oben zu verteilen. Dies bedeutet, dass das Konzept BGE auch diese Fakten berücksichtigen muss und eben nicht nur Menschen eine Grundsicherung gewähren, sondern (allein schon zur Finanzierung des BGE’s) dafür sorgen muss, dass Einkommen und Vermögen gerechter verteilt werden. In diesem Zusammenhang empfehle ich auch die Zustimmung zur Finanztransaktionssteuer.
PA058 – Finanztransaktionssteuer
Jedoch kann ich der grundsätzlichen sozialistischen Kritik nicht zustimmen. Zum einen habe ich mit Vermögensunterschieden bei Menschen keine Probleme (auch nicht mit der Ungleichverteilung an Produktivmitteln in der Gesellschaft), solange sie sich in einem Verhältnis bewegen, welches ich nicht als pervers empfinde (dies ist natürlich subjektiver Natur und damit Gegenstand einer politischen Diskussion). Das sozialistische/kommunistische Gleichheitsideal lehne ich ab, da es jegliche Leistungsunterschiede von Menschen negiert und nur mit totalitären Mitteln durchzusetzen ist. Eine wirklich gleiche Teilhabe der Individuen einer Gesellschaft an den Produktivmitteln hat es nie gegeben (auch nicht in den sozialeren 70er Jahren und auch die sozialistischen/kommunistischen Staaten haben eine solche gleiche Teilhabe abstrakt herkonstruiert und nicht wirklich gewährleistet, genauso wie eine "Diktatur des Proletariats" nur ein Konstrukt und keine reale Begebenheit war) und wird es auch nicht geben. Die Geschichte sozialistischer/kommunistischer Staaten hat gezeigt, dass diese Gesellschaften unfrei und nicht stabil waren. Die Kritik, dass es noch nie „echte“ kommunistische/sozialistische Staaten gegeben habe, sondern sich die entsprechenden Staaten nur das Feigenblatt Kommunismus/Sozialismus vor sich hertrugen, kann ich nicht akzeptieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass nach den unzähligen Versuchen einen "wahren" Sozialismus/Kommunismus zu etablieren, welcher sich regelmäßig zu einem "unwahren" Sozialismus/Kommunismus entwickelte, es diesmal wirklich einen echten Kommunismus geben könnte, welcher nicht totalitär agieren würde, halte ich für quasi nicht existent.
Zum anderen gefällt mir an der sozialistischen Kritik nicht, dass sie den Menschen hauptsächlich immer noch in der Rolle des abhängigen Lohnbeschäftigten sehen. Ich assoziiere den Freiheitsbegriff der Piratenpartei jedoch sehr stark mit der Rolle der wirtschaftlichen Selbständigkeit. Die Menschen sollen nicht alleinig auf Schutzinstitutionen wie Parteien, Gewerkschaften, etc,.. angewiesen sein müssen, sondern das BGE an sich soll die Menschen befreien, ohne dass es noch zwangsläufig anderer politischer Maßnahmen wie z.B. Mindestlohn bedürfe (welches ich aber auch bei BGE Einführung befürworte).
Die sozialistische Kritik hat Recht, dass es eine Illusion ist, sich vorzumachen, dass es eine Chancengleichheit geben kann, wenn gleichzeitig die ökonomische Spreizung ungehindert fortschreitet. Hier irrten sich Schröder und Co. Und deshalb ist mehr Egalitarismus auch richtig und notwendig. Jedoch irrt sich die sozialistische Kritik ebenfalls, dass das Beharren auf ökonomischer Gleichheit mit den Prinzipien einer freien, selbstbestimmten Gesellschaft in Einklang zu bringen wäre.
7) Wir benötigen eine neue Idee für die Gesellschaft
Dieser Abschnitt ist für mich der bedeutendste, der für das Konzept BGE spricht.
Die Hauptkritik gegen das BGE wird meist ökonomisch begründet. „Utopisch“, „Unfinanzierbar“, etc.. sind die Begriffe, die bei diesem Thema häufig fallen. Doch damit macht man sich zum geistigen Sklaven des Dogmas, dass unsere moderne Gesellschaft (und ebenfalls unser Sozial- und Wirtschaftssystem) nur unter den (ökonomischen) Leitlinien wie „Wirtschaftswachstum“ „Effizienz“ etc.. bestehen kann.
Dies ist nicht meine Vorstellung einer humanen, selbstbestimmten Gesellschaft! Dafür bin ich nicht in die Piratenpartei eingetreten.
Nicht jede Arbeit, welche ökonomischen Mehrwert schafft, ist als gut zu klassifizieren. Ich habe es so satt jeden Tag mit ansehen zu müssen, wie unsere ethischen/moralischen Vorstellungen von Humanität und Gerechtigkeit immer häufiger missachtet werden (müssen), weil es „alternativlose“ ökonomische Regeln halt so erfordern.
Ich wehre mich dagegen, dass immer größer werdende Massenschlachtanlagen gebaut werden und die ethischen Kritikpunkte, die gegen solch inhumane Tierfabriken sprechen, häufig damit abgewendet werden, dass es ja auch Arbeitsplätze schaffe und der Ort ohne solch eine Anlage keine (wirtschaftliche) Zukunft hätte.
Man höre sich das Argument des jungen Mannes für diese Anlage an. (Ab Minute 01:52)
Bezüglich dieses Themas kann ich nur ans Herz legen den Tierschutzantrag PA166 positiv abzustimmen.
Müssen wir uns wirklich als Gesellschaft damit abfinden Waffenexporte zuzulassen, auch wenn mit diesen auf dieser Welt Menschen getötet werden, nur weil es Arbeitsplätze sichert?
Protest gegen deutsche Waffenexporte
Wenn selbst die IG Metall kritisiert, dass eine Kürzung des Rüstungsbudgets (welches dafür da ist Waffen zu produzieren, welche Menschen zerfetzen), Arbeitsplätze gefährdet, dann läuft gewaltig was schief in unserer Gesellschaft, die um jeden Preis an Arbeit als ökonomisches Allokationsmittel festhalten will.
Arbeitsplätze schaffen - mit Waffen
Nein, das Problem unserer Gesellschaft liegt nicht darin begründet, dass wir ökonomisch nicht effizient genug handeln. Unser Problem ist, dass wir nicht erkennen, dass wir uns von einer Wirtschaftsdoktrin unsere gesellschaftlichen Werte, die kulturell hart erkämpft werden mussten, Stück für Stück abnehmen lassen.
Was wir brauchen ist eine neue Idee! Mehr Mitgefühl! Keine reine Ökonomielehre, welche uns nach zahlreichen Studien nicht glücklicher, sondern unglücklicher macht.
Richard David Precht hat in einem Fernsehinterview etwas Bemerkenswertes gesagt (ab Minute 20:00).
Das der Geist in der Gesellschaft für eine bessere Welt (auch politisch) zu kämpfen in eine Randecke verdrängt wurde, ist etwas, was uns als Gesellschaft hat lethargisch und unglücklich werden lassen. Hier muss angesetzt werden. Wir Piraten sollten dafür einstehen die Welt für deren Bewohner wieder zu einer besseren zu machen. Visionen und Utopien zu entwickeln (auch wenn Helmut Schmidt meint, dass man dann zum Arzt gehen sollte, das Ergebnis einer solchen Denke kann heute begutachtet werden).
Auf keinen Fall sollten wir uns bei der Suche nach neuen Ideen und Möglichkeiten einzig und allein nach ökonomischen Faktoren richten (ganz um ökonomische Faktoren kommt man natürlich nie rum, aber es gibt ökonomisch realistische BGE Modelle, die jedoch einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft voraussetzen), denn genau diese haben die Entwicklung eingeleitet, welche wir heute überwinden müssen. Die Wirtschaft hat sich wieder unseren Werten anzupassen und nicht umgekehrt.
Bezüglich des Themas BGE lässt sich folgendes sagen.
Wenn wir die an sich richtige Forderung, dass ein jeder sich in der Gesellschaft einbringen soll, nur nach ökonomischen Kriterien bewerten, dann werden auch die Probleme und Fehlentwicklungen, welche gerade aus diesem „alternativlosen“ Ökonomisierungsgedanken resultieren, bestehen bleiben bzw. sich verschärfen.
Die calvinistische Arbeitsethik, die jede Arbeit als gut empfindet, ganz gleich welch sozialen, ökologischen, ethischen und kulturellen Preis diese fordert, hat genau zum jetzigen Hartz IV System geführt. Eine Reformierung von Hartz IV bzw. unseres Sozialsystems dürfen wir nicht nur aus rein ökonomischer Sicht in Angriff nehmen. Der gesellschaftliche Konsens, dass JEDER Mensch das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe hat (welches nicht nur unser ReSET Antrag, sondern auch Art. 1 GG postuliert) ist das Maß, an welchem sich unsere politischen Forderungen zu stellen hat (auch wenn es in der Praxis nicht einfach zu realisieren ist). Menschen bringen sich nicht nur dann in die Gesellschaft ein, wenn ein ökonomischer Mehrwert geschaffen wird, sondern auch dann wenn anderweitige Mehrwerte geschaffen werden, welche nicht nur nach ökonomischen Kriterien zu bewerten sind.
Wenn wir weiterhin das Thema rein ökonomisch auf politischer Ebene behandeln wollen, dann wird unsere Gesellschaft von Tag zu Tag unglücklicher und kälter werden. Hier ein Artikel des Machthabers Lee Kuan Yew von Singapur, welcher den Weg für uns vorzeichnen würde.
„Nichts ist kostenlos“ (Zeit Online)
In einer solchen Gesellschaft will ich nicht leben, auch dann nicht wenn die Städte blitzblank strahlen. Wie eine Gesellschaft sich verhält, die durch und durch ökonomisch gestaltet ist, zeigt sich in dem traurigen Fall der Yue Yue, welche angefahren wurde und sich 18! Fußgänger nicht um das verletzte Kind gekümmert haben.
„Wirtschaftsentwicklung fördert Egoismus
Der Vorfall erregte vor allem unter Internetnutzern in China viel Aufsehen. Zahlreiche Menschen zeigten sich überzeugt, dass die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit zunehmendem Egoismus und Werteverlust einhergeht. Andere Nutzer riefen einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2006 in Erinnerung, als ein Mann versucht hatte, einer älteren Frau zu helfen, die gestürzt war. Der 26-Jährige hatte seinen Wagen gestoppt, um nach der Frau zu sehen. Diese aber beschuldigte ihn später, sie überfahren zu haben - ein Gericht verurteilte ihn zu einem hohen Bußgeld.
Ärzte können die kleine Yue Yue nicht retten (Stern.de)
Wir Piraten können mehr als nur ökonomische Faktoren sehen. Wir setzen uns für Ideale ein. Für kostenfreien ÖPNV, für kostenfreie Bildung und dazu passt die kostenfreie Existenzsicherung eines BGE einfach perfekt.
Fazit
Deshalb am 03./04 Dezember beim BPT in Offenbach für den PA248 – Bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn stimmen!
Es gibt keine Verbindung...
Ursprünglich wollte ich einen umfangreichen Post erstellen, einen Rückblick, mit den immer neuen Dingen, warum man uns braucht, was wir erreicht haben und was wir noch alles tun sollten.
Stattdessen bin ich heute auf ein Zitat gestoßen, dass das alles doch irgendwie auf den Punkt bringt, was ich im letzten Jahr erlebt habe.
Es gibt keine Verbindung zwischen Politik und Wahrheit. Das ist etwas, was Sie sicherlich bald feststellen werden - Londo Mollari, Babylon 5, Episode Bombenterror
Rücktrittsgrund für Köhler
In "Neues aus der Anstalt" sprachen sie am 11.5.2010 darüber, dass sie es jetzt erfolgreich geschafft hätten, die Spitzen von FDP und CDU Pinkwart und Rüttgers in NRW abzusägen, oder wie sie es ausdrücken "von der Liste streichen können". Kurze Zeit später zeigt Schramm auf ein Plakat von Horst Köhler und merkt an "Den krieg ma auch noch dran!".
Keinen Monat später ist Horst Köhler nicht mehr der Präsident.
Die Szene könnt ihr euch bei diesem Video vollständig ansehen.
NOT MY PRESIDENT
Ich halte Zensursula für völlig ungeeignet für das Amt. Ein Bundespräsident sollte eine verhandelnde, friedensstiftende Funktion wahrnehmen. Von der Leyen dagegen polarisiert stark, läßt sich von Sachargumenten nicht überzeugen, und strebt nach nutzloser Symbolpolitik.
Der Präsident ist einer der wenigen Bewahrer unserer Verfassung, von der Leyen stört es nicht verfassungsfeindliche Gesetze, wie das Zensursula-Gesetz zu erstellen.
Ist nicht schon der Vorschlag Frau von der Leyen für das Amt des Präsidenten vorzusehen ein Verstoß gegen §90 StGB (1) ?
§ 90
Verunglimpfung des Bundespräsidenten
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Bundespräsidenten verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
Daher schließe ich mich der Bewegung an, die zum Ziel hat, Frau von der Leyen von diesem Amt vernzuhalten, der Schaden wäre einfach zu groß.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Präsident direkt gewählt werden sollte. Mehr Bürgerbeteiligung für die Piraten
In nicht allzu ferner Zukunft stehen diverse Wahlen, recht früh im Jahr 2011 wird unter anderem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen (Kommunalwahl) gewählt werden, und das ganze Jahr wird für uns Piraten durch permanenten Wahlkampf geprägt sein.
Wir wollen eine Partei sein, die nicht sagt "Hier Bürger, schluck unser tolles Programm" sondern zum Mitmachen anregt, und stattdessen auf den Bürger zugeht "Sag mir, was ich für dich tun erreichen soll". Nicht alles davon werden wir umsetzen wollen, aber es sollte wichtig sein, die Menschen da draußen anzuhören, und ihre Vorschläge einzuarbeiten, wenn sie denn zu uns passen.
Um dies zu erreichen, sollten wir ein Portal einrichten, auf dem interessierte Menschen Vorschläge nach dem Motto "Die Piratenpartei sollte sich dafür einsetzen, dass..." einreichen können und auch über andere Ideen abstimmen können, ob diese denn interessant wären.
Ganz wichtig ist hier eine möglichst einfache Usability, von komplexen Systemen wie Liquid Feedback ist daher eher abzuraten, da die Schwelle möglichst niedrig liegen sollte.
Eine mögliche Umsetzung könnte mithilfe des bereits hier von mir vorgestellten IdeaTorrents erfolgen.
Was haltet ihr davon? Wer setzt sich den Hut auf, um so was schnell umzusetzen?
ACTA-Petition
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=10695
Der Bundesparteitag
Es war von Anfang an klar, dass es nicht möglich sein würde, sämtliche Anträge zu bearbeiten. Dass wir allerdings praktisch nichts davon bearbeiten würden, ist eine Sache mit der ich selbst an sich auch nicht gerechnet hätte.
Wir haben es in zwei Tagen im Prinzip nur geschafft, sämtliche zu wählenden Posten zu besetzen und 5-6 "Kleinigkeiten" zu beschließen.
Woran liegt das denn? Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach, dass wir eine ernsthaft demokratische Partei sind. Bei uns darf jeder kandidieren, jeder darf seine Meinung sagen, jeder hat das Recht gehört zu werden, jeder darf seine Fragen stellen. Und wenn wir 10 Kandidaten haben, und jeder sich 3 Minuten vorstellt und 15 Minuten Fragen gestellt bekommt, dann vergehen da halt 3 Stunden für diese Vorstellungen. Wenn das ganze noch durch andere Dinge unterbrochen wird, werden es schnell mal vier Stunden.
Bei uns ist es halt nicht möglich, innerhalb weniger Stunden einen Spitzenkandidaten zu wählen, ein Wahlprogramm zu beschließen, und noch einige andere Dinge, wie das bei einigen Altparteien möglich zu sein scheint. Bei uns werden Entscheidungen eben nicht im Hinterzimmer getroffen, sondern transparent und unter Mitwirkung aller. Wir sind eine basisdemokratische Partei.
Demokratie ist Zäh. Demokratie kostet Zeit. Demokratie kostet Geld.
Wir sind demokratisch.
Und darauf bin ich stolz.
Ich bin Pirat.
Und stolz darauf.
Checkliste für den Bundesparteitag
- Kleidung
- Unterwäsche
- Zahnbürste
- Deo
- Duschgel
- Klopapier, um beschissene Erlebnisse auf der Location zu vermeiden ;)
- Steckdosenleiste
- Maus
- Laptop
- Handy
- Handyladekabel
- Digitalkamera
- Notizblock + Stift
- Regenschirm
- Schlafanzug
- LAN-Kabel
- Ausweis
- Handy
- Jacke
- Handtuch
- Ich
Zum Namen
Gestern hatte ich es ja schon angedeutet, dass es nach der Wahlschlappe in NRW eine große Suche nach einem Sündenbock geben dürfte.
Gestern wurde ein alter Sündenbock, mit dem ich ernsthaft nicht mehr gerechnet hatte, wieder ausgegraben.
Unser Name sei Schuld findet Wolfang Michal auf carta.info und bringt damit die gute alte Namensdebatte wieder ins Spiel.
Er schlägt vor, dass wir uns aufgrund des Wahlergebnisses in „Digitale Demokratische Partei" umbenennen sollten.
Er ist der Meinung, dass unser Name hauptsächlich Protestwähler anziehen würde. Und ich gebe ihm da recht, wer in der Wahlkabine noch unentschlossen ist, und „den Großen" eins auswischen will, der wählt wahrscheinlich eher eine Partei mit einem provokanten Namen.
Er übersieht dabei jedoch eine entscheidende Tatsache: Parteien mit seriösen Namen gibt es wie Sand am Meer. Parteien wie „Deutsche Soziale Union", die „Freie Bürger-Initiative" oder die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität" klingen dem Namen nach doch durchaus seriös.
Doch der Anteil der Stimmen für diese Parteien ist ziemlich niedrig, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese nur wählt, weil sie einen seriösen Namen haben, dürfte wohl eher gering sein.
Die meisten Menschen wählen eine Partei entweder, weil sie diese schon immer gewählt haben, oder weil sie sich die Inhalte angesehen haben, und davon überzeugt wurden. Gegen ersteres können wir ohnehin nicht viel tun, bei letzterem kann Überzeugungsarbeit viel erreichen.
In beiden Fällen dürfte der Name völlig irrelevant sein.
Der Name Piratenpartei dagegen, macht auf den ersten Blick klar, dass bei uns irgendetwas anders sein muss. Ja, die Assoziation zur Spaßpartei kommt da auf, aber ich denke, dass ist über gute Aufklärungsarbeit lösbar. Rebellion ist da ein anderer Gedanke, und der beschreibt unseren Ansatz eine andere, von unten nach oben gehende Politik zu machen dann doch ganz gut.
Wenn wir jetzt unseren Namen ändern, verlieren wir viele der jetzigen Überzeugten, die uns auf dem Wahlzettel demnächst vielleicht nicht wieder finden. Wir ziehen damit den Spot derer auf uns, die schon immer sagten, mit einem solchen Namen ließe sich keine Politik machen, und geben diesen damit Recht. Wenn wir uns aber nur an den Wertmaßstäben anderer Parteien messen lassen, können wir uns auch gleich auflösen.
Mit einer Umbenennung werden auch viele Menschen die Partei verlassen, den mit dem Namen verbinden viele von uns auch die Ziele, die Denkweise und das „Pirat sein" an sich. Kurze Zeit nach der Umbenennung wird eine neue Piratenpartei gegründet werden, und wir spalten unsere Bewegung unnötig auf.
Das können wir uns nicht leisten. Und das sehen glücklicherweise viele andere Piraten genauso.
Klarmachen zum Pirat bleiben!
Nach NRW und vor Bingen
NRW hat gewählt. Und um es ganz klar zu formulieren. Die Piratenpartei hat eine bedeutende Niederlage erhalten. Man kann vorsichtig sagen, dass wir in NRW mit 1,5% das Ergebnis der Bundestagswahl gehalten haben.
Die Wahrheit sieht anders aus. Bei der Bundestagswahl hatten wir noch 158.585 Menschen von unseren Zielen und Ideen überzeugen können.
Am 9.5.2010 dagegen waren es nur noch 119.581 Menschen, die uns gewählt haben. Wir haben also 39.004 Menschen nicht mehr überzeugen können, uns erneut zu wählen. Sicherlich waren nun auch viele Menschen dabei, die uns zum ersten Mal gewählt haben, die absolute Zahl der Wiederwähler ist also stark gesunken.
Wir haben nicht nur ein Ziel von 3% nicht erreicht, sondern sogar Menschen die an uns glauben verloren.
In den nächsten Tagen wird es eine Ursachensuche geben, und ich werde jetzt einfach mal vorgreifen und den Sündenbock benennen, auf den es hinauslaufen wird:
Die Programmerweiterung der NRW-Piraten im Kontrast zu unserem Grundsatzprogramm wird Schuld sein. Die umfangreichen Erweiterungen werden nun als undurchdacht gelten, die Kernthemen seien verwässert worden. Diese und ähnliche Argumente werden kommen. Und vielleicht stimmt es ja auch, vielleicht hat das ganze aber gar nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun.
In NRW sind die Piraten mit ihrem Wahlprogramm im wesentlichen so aufgetreten wie die anderen Parteien auch. Ein volles Programm, viele der Positionen fanden sich in ähnlicher Form bei SPD/LINKE/Grüne wieder.
Wir müssen aber weg von diesem „Wir sind eine Partei, genau wie die anderen Etablierten". Wir müssen uns als deutliche Alternative zu einem Politikstil von „Wähl mich, damit ich X Jahre tun und lassen kann, was ich will" positionieren.
Die Menschen wollen nicht noch ne Partei, die genauso ist, wie alle anderen, mit ein wenig anderem Programm.
Wir müssen nun dahin gehen, die wesentlichen Unterschiede zu anderen Parteien deutlich klar zu stellen.
Und der wesentliche Unterschied ist nicht, unsere Haltung zu Bürgerrechten oder zu dem Uhrheberrecht.
Nein, der wesentliche Unterschied ist, dass bei uns jeder mitmachen kann, jeder bei uns seine Ideen einbringen kann, und dass diese Ideen bei uns gehört werden.
Lasst uns vorantreiben, dass man bei uns Ideen einbringen kann, dass man bei uns nicht nur Stimmvolk ist. Lasst uns interaktiv sein.
Lasst uns nicht noch ne andere Partei sein. Stattdessen sollten wir „die Mitmachpartei" sein. Wir brauchen nun die Möglichkeit in der Partei jederzeit Meinungsbilder zu machen, jederzeit Meinungen einzuholen, jederzeit interaktiv Ideen einzubringen. Und wenn wir diese Möglichkeiten geschaffen haben, dann müssen wir dafür sorgen, dass diese nicht nur Parteiintern genutzt werden – sondern auch im öffentlichen Leben.
Wir sollten definitiv dafür sorgen, dass wir nun Liquid Democracy in der Partei voranbringen, und eine interaktive Mitmachpartei werden. Wir müssen die sein, die nun „mehr Demokratie wagen".
Ansonsten glaube ich, dass dies der Anfang vom Ende sein wird.
Aarons neuester Streich - der Präventivkrieg
Heute setzt er dem Ganzen die Krone auf und fordert nicht weniger als einen Präventivschlag gegen den Iran.
Da mir dazu eigentlich die Worte fehlen, lesst euch erstmal durch, was er selbst meint:
Ich fürchte, dass die Zeit für Verhandlungen und Kompromisse vorbei ist. Durch gezielte Schläge gegen die iranischen Atomanlagen muss der Westen jetzt den Machthabern in Teheran zeigen, dass wir uns von ihnen nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. Dies könnte im besten Fall das Regime so schwächen, dass die iranische Freiheitsbewegung es stürzt, so wie im Februar 1979 der Schah gestürzt würde. Dies wäre dem iranischen Volk und dem ganzen Nahen Osten zu wünschen. Hoffentlich besitzt Präsident Obama - der im Gegensatz zu seinem Vorgänger weder Kriegstreiber noch "Kreuzritter" ist - die Stärke, diesen unangenehmen aber notwendigen Schritt durchzusetzen.
Der Bundesparteitag kommt, und dort werde ich Herrn Koenig sicherlich keine Stimme mehr geben. Ich hoffe, ich bin nicht allein.
Noch ein Wallpaper
Ich gebe das Werk erneut unter der Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz frei.
Viel Spaß damit.
Ein Wallpaper
Ich gebe das Werk unter der Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz frei.
Viel Spaß damit.
Das Urheberrecht schadet den Künstlern
Heute auf der offiziellen Seite von Nightwish gesehen:
Darum helft uns Piraten, hier dringende Nachbesserungen zu machen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die großen Medienkonzerne nicht ihrem Profit, sondern den Musikern dienen sollten.
Geplante Gebührenerhöhung der GEZ
Ab 2013 sollen Besitzer von Internetgeräten nicht mehr den verminderten Preis von 5,76€ bezahlen sondern den vollen Preis von fast 18€.
Gegenüber Carta erklärte Stadelmaier:
Bei der modifizierten Gerätegebühr gibt es für eine verminderte Gebührenpflicht für PCs oder Smartphones keine sachliche Begründung mehr.Diese Begründung ist an sich nicht nachvollziehbar, da man Argumente durch die Behauptung es gäbe keine Gegenargumente ja nicht einfach wegzaubern kann. Gerichte haben die Gebühr bereits in Frage gestellt, es muss also sehr wohl Argumente gegen eine Gebührenpflicht geben.
Es ist nicht nachvollziehbar, die Gebühren für das Internetangebot der ÖR zu steigern, wenn gleichzeitig die Qualität und Quantität des Angebots massiv reduziert wird.
Wenn überhaupt, so müssten die Angebote der ÖR massiv ausgebaut werden, um die Gebührensteigerung zu rechtfertigen. Ich stelle mir das so vor, dass sämtliche jemals auf ÖR Sendern ausgestrahlten Inhalte kostenfrei nach und nach im Internet auf Abruf verfügbar gemacht werden. Dies beinhaltet vor allem Nachrichtensendungen und Dokumentationen, aber selbstverständlich auch Spielfilme und Serien. Wer Geld will, muss dafür auch Leistung bringen.
Selbst wenn dies erfüllt würde, ist eine Zwangsabgabe in einer freien Demokratie trotzdem kaum rechtfertigbar.
Desweiteren wird argumentiert, dass man mit internetfähigen Geräten auch auf die Angebote der öffentlich rechtlichen Sender zugreifen könne.
Diese Aussage mag richtig sein, allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem Fernseher und einem Computer:
Wenn ich einen Fernseher kaufe, so habe ich die Intention diesen zum Fernsehen zu Nutzen. Wenn ich ein Radio kaufe, so habe ich die Intention dieses zum Radio hören zu Nutzen.
Hier ist das Argument, dass Angebote der öffentlich rechtlichen Sender genutzt werden könnten zwar fragwürdig, aber immerhin nachvollziehbar.
Wenn ich jedoch einen Computer kaufe, so verfolge ich damit die Absicht diesen als Rechner zu nutzen. Das kann sowohl Arbeiten als auch Spielen sein.
Wenn ich ein Smartphone kaufe, so verfolge ich damit die Intention dies als Telefon und Organizer zu verwenden.
Die Internetnutzung ist bei beiden Gerätearten keine Kaufgrund, oder wenn dann nur ein Nebensächlicher Kaufgrund.
Ich bin der Meinung, dass in Zukunft bei der GEZ der Gedanke der "Nutzungsintention" von Geräten eingeführt werden muss. Nur wenn es bei Geräten offensichtlich ist, dass diese als Hauptzweck dazu dienen etwas zu empfangen, bei dem man auch öffentlich rechtliche Sender empfangen kann, dann ist GEZ zu entrichten.
Ich werde mich bei der Piratenpartei dafür einsetzen, dass wir für dieses Ziel kämpfen werden.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die GEZ abgeschafft werden muss, und durch eine andere Art des Einzugs, der nicht an kriminelle Methoden erinnert, ersetzt werden sollte.
Der "Erfolg" der FDP
Die FDP hat in sicherlich harten Koalitionsverhandlungen nun auch über diese Themen verhandelt. Der Spiegel titelt nun "FDP stoppt Internetsperren", was bei näherer Betrachtung durchaus anders interpretier ist.
Meine persönliche Erwartungsliste:
[] FDP holt sich das Innenministerium
Noch ist da nichts passiert.
[x] Das Zugangserschwerungsgesetz wird zurückgenommen
Bei den Internetsperren verständigten sich die Verhandlungspartner darauf, dass das Bundeskriminalamt (BKA) zunächst versuchen soll, kinderpornografische Seiten zu löschen, statt zu sperren. Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, dies sei ein "echter Durchbruch". Nach einem Jahr solle der Erfolg dieser Maßnahme überprüft werden.Der angebliche "echte Durchbruch" legt fest, dass das Gesetz um ein Jahr verschoben wird - bis dahin soll das BKA versuchen zu löschen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das BKA in einem Jahr melden wird, dass Löschen keinen Erfolg bringt, und dann stehen wir wieder auf der gleichen Stelle.
Das ist ein eindeutiger Misserfolg.
[] Die Vorratsdatenspeicherung wird zurückgenommen
Bei der Vorratsdatenspeicherung solle die Nutzung der Daten auf schwere Gefahrensituationen beschränkt werden, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).Das bestehende Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wird mit dieser Regelung in der Tat zurückgeschraubt, da es auch noch
- zur Verfolgung von Straftaten,
- zur Abwehr von erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit
- zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes und des Militärischen Abschirmdienstes an die zuständigen Stellen
- zur Erteilung von Auskünften über die Identität von Telekommunikationsnutzern nach § 113 TKG.
Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht bereits festgestellt, dass nur bei schweren Straftaten und Gefahrensitutionen die Daten der Vorratsdatenspeicherung genutzt werden dürfen.
Eine Einschränkung auf das vom höchsten Bundesgericht festgelegte Maß als Erfolg zu verkaufen ist lächerlich - diese Einschränkung ist selbstverständlich.
Alles spricht dafür, dass auch dies ein Misserfolg ist.
Aus dem Wahlprogramm der FDP:
[x] Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung (Seite 27)
siehe oben
[x] keine heimliche Online-Durchsuchungen privater Computer (Seite 27)
Für heimliche Online-Durchsuchungen von Computern Verdächtiger ist künftig eine Anordnung der Bundesanwaltschaft nötig. Zudem werden Online-Durchsuchungen nicht auf weitere Sicherheitsbehörden wie den Verfassungsschutz ausgeweitet.Die FDP hat hier lediglich eine Einschränkung erreicht, die keine ist. Der Bundesanwaltschaft wird von Kritikern vorgeworfen, in dieser Hinsicht eine reine "Wir unterschreiben alles was uns auf den Tisch kommt"-Behörde zu sein.
[-] Schutz von Berufsgeheimnisträgern - keine Spähangriffe (Seite 31)
Der Schutz von Berufsgeheimnisträgern wird von Strafverteidigern auf alle Anwälte ausgedehnt. Für andere Berufsgruppen wie Journalisten gibt es dem Kompromiss zufolge einen "Prüfauftrag", sagte der FDP-Innenexperte Max Stadler.Ein kleiner Teilerfolg. Allerdings ist davon auszugehen, dass der "Prüfauftrag" fehlschlägt.
[x]Schutz der Pressefreiheit und der journalistischen Recherche => keine "Beihilfe" bei Veröffentlichung von Geheimdokumenten (Seite 31)
Da es zum Schutz von Journalisten nur den oben erwähnten "Prüfauftrag" gibt, ist hier klar von einem Misserfolg zu sprechen.
Ohne Aussagen sind derzeit noch:
[] keine Erhebung von Fluggastdaten (Seite 28)
[] BKA kein FBI (Seite 28)
[] keine automatische Kfz-Kennzeichenerfassung (Seite 31)
[] Ein Bundesdatenschutzgesetz wird verabschiedet (Seite 26)
[] Recht auf informationelle Selbstbestimmung ins Grundgesetz (Seite 27)
[] Einführung einer "Stiftung Datenschutz" (Seite 27)
[] Bundesbeauftragter für Datenschutz wird zu einer "obersten Bundesbehörde" (Seite 27)
[] Datenschutzverstöße müssen (härter) bestraft werden (Seite 27)
[] Verbesserter Arbeitnehmerdatenschutz (Seite 27)
[] Opt-In Lösung für Verkauf der Daten von Einwohnermeldeämtern (Seite 27)
[] Verbot der Weiterleitung der Daten von Einwohnermeldeämtern an die GEZ (Seite 27)
[] Wiederherstellung des Bankgeheimnisses (Seite 27)
[] Abschaffung des „Großen Lauschangriffs“ (Seite 31)
Insgesamt sind die Ergebnisse eher enttäuschend. Noch ist nicht zu allen Punkten etwas gesagt, und letztlich sollten wir den Koaliationsvertrag wohl am besten abwarten, um uns die genaueren Formulierungen auch anzusehen.
Euer Jan "DarkX2" Gretschuskin
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Projekt der Woche: Piraten-Kalender-2010
Diese Woche führte ich ein Interview mit den Machern des Piraten-Kalender-2010 Projektes.
Stellt euch doch mal kurz vor. Wer seid ihr, woher kommt ihr, Pirat oder Sympathisant?
Die meisten der Mitarbeiter am Projekt sind Mitglied des Stammtisches in Dortmund und dort in verschiedenen Projekten und Crews tätig.Warum seid ihr Piraten? Seit wann?
Wie habt ihr zum ersten Mal von den Piraten gehört?Warum kann Tony Bennent singen? Warum ist Terra der dritte Planet von Sol? Wir - jedenfalls die meisten von uns - sind Piraten, weil diese Partei genau so wie sie ist und mit dem Programm, das sie hat (oder gerade entwickelt) eine politische Heimat ist in einem Land , in dem Freiheit und Demokratie immer mehr unter die Räder kommen.
Piraten sind wir seit drei Jahren oder drei Monaten, das ist nicht zu vereinheitlichen.
Das ist bei den verschiedenen Mitarbeitern sehr unterschiedlich. Einige kennen die Partei bereits längere Zeit, einige sind erst im Rahmen der Europawahl oder im Zusammenhang mit der Diskussion um Bürgerrechte und Zensur von Internetseiten auf die Piraten aufmerksam geworden.Was ist der Sinn von piraten-kalender-2010?
Wie seid ihr zu der Idee gekommen?An die Kreativität der Menschen appellierend, sollen Bilder, Aussagen und Themen gesammelt werden, die mit den Inhalten und Zielen der Piratenpartei in Verbindung stehen. Gleichzeitig soll der Wettbewerb den Spaß und aktive Teilnahme an Politik und Demokratie fördern und aufzeigen, dass Demokratie immer besser wird, je mehr an ihr teilnehmen und sich in ihr engagieren.
Wir hoffen, mit diesem Projekt die Partei bekannter zu machen, aber auch Mitglieder und Bürger allgemein für Engagement und Kreativität zu begeistern.
Der Kalender soll unter anderem auch als Werbemittel für den Landtagswahlkampf in NRW eingesetzt werden
Die Idee entstand bei einem Online-Treffen einiger Mitglieder des Dortmunder Stammtischs im Rahmen eines Brainstormings.Wie ist das Ganze umgesetzt?
Ähnlich wie bei dem Wettbewerb für die Wahlwerbespots der Piratenpartei sollen kreative Menschen die Möglichkeit haben, ihre Ideen für den Kalender zu präsentieren. Jeder kann danach eine Bewertung sowie Kommentare für die eingesendeten Bildbeiträge abgeben, so dass wir möglichst basisdemokratisch die 12 Seiten des Kalenders für 2010 auswählen können.Wie gut läuft das Projekt?
Da das Projekt erst seit dem 11.10. läuft, kann man die Frage wohl erst in ein paar Tagen/Wochen beantworten. Die Rückmeldungen sind bisher durchweg positiv.Was machst ihr sonst noch für die Partei?
Wir arbeiten -aufgrund unterschiedlicher Kompetenzen und Interessensgebiete - auch in unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen mit - z.B. bei der Entwicklung eines Konzeptes für Bildungspolitik auf Länderebene, beim Thema Bedingungsloses Grundeinkommen und bei der Kooperation mit verschiedenen NGOs zu unseren Kernthemen Freiheit, Demokratie, Verbraucherschutz und Transparenz.Abschließende Zusammenfassung eurerseits?Abschließende Zusammenfassung eurerseits?
Ich finde, dass Projekt klingt unglaublich spannend. Schaut es euch doch einfach mal selbst an, schickt Vorschläge ein oder lasst eure Meinung los.Der "Piraten-Kalender 2010 Wettbewerb" ist ein Projekt, das bei einem Onlinemeeting entstanden ist . Die Idee dazu entwickelte sich beim Brainstorming und hat seitdem eine positive Eigendynamik entwickelt.
Wir appellieren an die Kreativität der Menschen , mit uns Bilder, Aussagen und Themen zu sammeln, die mit den Inhalten und Zielen der Piratenpartei in Verbindung stehen. Gleichzeitig soll der Wettbewerb den Spaß und aktive Teilnahme an Politik und Demokratie fördern und aufzeigen, dass Demokratie immer besser wird, je mehr an ihr teilnehmen und sich in ihr engagieren.
Demokratie hat immer etwas mit Verantwortung zu tun, mit Selbst- und Mitverantwortung und meistens mit viel Arbeit. Arbeit, die sich lohnt. Wenn man die Probleme kennt, kann man sich an die Lösungen begeben.Das muss nicht immer nur mühsam sein oder grau und öde, sondern kann - und soll - auch Spaß machen: Aktives Gestalten für positive Veränderungen.
Diese Dinge zu fördern und in das Bewusstsein der Bürger zu holen, ist Sinn dieses Projektes. Dazu haben wir ein Mittel zu gewählt, das gleichermassen Spaß und Ernsthaftigkeit kombiniert
Das Projekt wird über Piraten-Kalender-2010.de umgesetzt und läuft seit dem 11.10.2009.
Wir Initiatoren sind zu unterschiedlichen Zeiten auf die "Piratenpartei" aufmerksam und Mitglied geworden. Da wir auch aus unterschiedlichen Bereichen kommen, engagieren wir uns in den unterschiedlichsten Fachprojekten und Themengruppen innerhalb des Stammtischs und der Partei z.B. im Arbeitskreis für Bildungspolitik.
Wir hoffen, mit diesem Projekt die Partei bekannter zu machen, als auch Mitglieder und Bürger allgemein für Engagement und Kreativität zu begeistern.
Euer Jan
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Projekt der Woche
In und um die Piratenpartei gibt es unzählige Menschen, die sich engagieren und kleine aber auch größere Projekte gestartet haben. Kaum jemand hat aber einen wirklichen Überblick, über die große Zahl an verschiedenen Sachen, die da ablaufen.
Ich dachte mir, es wird Zeit das zu Ändern - und werde ab sofort regelmäßig ein Projekt raussuchen, und ein Interview mit den Machern des Projektes führen, bei dem sie sich und ihr Projekt ausgiebig vorstellen können.
Unter den Fragen, die ich stellen möchte sind:
- Stell dich doch mal kurz vor (Wer bist du, woher kommst du, Pirat oder Sympatisant)
- Warum bist du Pirat? Seit wann?
- Wie hast du zum ersten Mal von den Piraten gehört?
- Was ist der Sinn des Projekts?
- Wie bist du auf die Idee gekommen?
- Wie ist das Ganze umgesetzt?
- Wie gut läuft das Projekt?
- Was planst du in der näheren Projektzukunft zu ändern?
- Was machst du sonst noch für die Partei?
- Abschließende Worte?
In Kürze wird es dann auch losgehen, die ersten Interview habe ich bereits geführt. Ihr dürft auf das erste Projekt der Woche gespannt sein.
Euer
Jan "DarkX2" Gretschuskin
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Wiedereröffnung einer AG Satzung
ich denke derzeit darüber nach, die AG Satzung zu reanimieren.
Die Satzung der Piratenpartei liegt derzeit brach, niemand kümmert sich speziell um sie, und wenn "Not am Mann" ist, müssen sich erst Leute zusammenfinden, die sich dann kurzfristig um die Satzung kümmern.
Eine Satzung regelt das Miteinander in einer Partei, und stellt einige grundlegende Regelungen auf. Diese Regelungen sollten aber nicht um ihrer selbst existieren, sondern müssen immer wieder an die Gegenbenheiten der Realität angepasst werden.
Deshalb halte ich es für sinnvoll, wenn wir die AG Satzung zurück ins Leben holen, die sich regelmäßig um die Satzung kümmert.
Bis jetzt hat sich die AG Parteiprogramm ab und zu mal um die Satzung gekümmert, aber spätestens mit der angedachten Umstrukturierung dieser AG wird eine eigene AG für die Satzung sinnvoll.
Ich habe mir mal Gedanken gemacht, welche Aufgaben die AG Satzung übernehmen könnte, und würde mich über Feedback freuen:
"Ausmisten" von Satzungsänderungsanträgen
Zu den Bundesparteitagen gingen in der Vergangenheit recht viele Satzungsänderungsanträge ein, so dass diese Anträge teilweise sogar verschoben werden mussten. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Anträgen, die in die gleiche Richtung laufen, und an der gleichen Stelle die Satzung ändern wollen. Hier könnte man vorher ansetzen, und mit den verschiedenen Antragstellern kommunizieren um dann weniger oder nur noch einen Antrag auf dem BPT übrig zu haben. Auch könnten wir diese Anträge schon vorher auf Konformität zum Parteiengesetz prüfen.
Aufbereitung und Vorstellung von Satzungsänderungsanträgen:
Auf den Parteitägen geht allein durch die Vorstellung dieser Satzungsänderungsanträge recht viel Zeit verloren. Eine AG Satzung könnte die Anträge ordnen und in eine gemeinsame Präsentation einbauen, so dass die Anträge schneller und übersichtlicher vorgestellt werden können. Diese Aufgabe wurde bisher von der sogenannten "Satzungskommision" erfüllt.
Erstellung eines Satzungskommentars:
In der Satzung steht einiges, bei dem nicht ganz klar ist, was es genau bedeuten soll. Wir könnten einen Kommentar erarbeiten, der beim Verständniss und der Auslegung dieser Paragraphen helfen soll. Das Bundesschiedsgericht arbeitet wohl auch an dieser Sache - hier könnte man sicherlich gemeinsam ansetzen.
Prüfung auf Gesetzeskonformität:
Es gibt gesetzliche Grundlagen, vor allem das Parteigesetz, an die sich auch unsere Satzung halten muss. Die AG Satzung könnte, u.U. gemeinsam mit der AG Recht, die Satzung prüfen.
Erarbeitung eigener Anträge:
Wenn uns beim Kommentar oder der Prüfung Dinge auffallen, die so nicht sinnvoll sind, so könnten wir eigene Anträge einstellen.
Beratung bei Satzungsfragen:
Es kommt ab und zu vor, dass Piraten Fragen zu unserer Satzung haben, oder für eine Untergliederung an einer eigenen Satzung arbeiten. Wir könnten hier helfend zur Seite stehen.
Das waren jetzt einige erste Ideen, warum und für was eine AG Satzung erneut sinnvoll sein könnte.
Ich würde mich über Feedback zu diesem Thema freuen, sowohl ob ihr es für sinnvoll haltet, diese AG neu zu gründen, als auch was ihr von den einzelnen Themenbereichen haltet.
Grüße
Euer Jan "DarkX2" Gretschuskin
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Bundesvorstand spricht über ein Meinungstool
Diskussion über die Einführung eines Online-Voting-Tools für die Erhebung von parteiweiten Meinungsbildern.
- Pros und Contras (z.B. Anonymität)
- inwieweit kompatibel mit Parteigesetz und Satzung?
- wie verbindlich sind Abstimmungsergebnisse?
- wer soll Abstimmungsvorlagen einbringen können?
- wieviele Abstimmungen pro Monat?
- wie langer Zeitraum pro Abstimmung?
- auf Bundesebene, auf Landesebene, regional?
- technische Umsetzung
Denn wenn wir warten, bis so ein System an all diese Punkte angepasst ist, kann es sein, dass es bereits die nächsten Wahlen vorbei sind.
Ich halte es für sinnvoll die Gründung einer AG zu beauftragen, die verschiedene bestehende Abstimmungstools aufsetzt und dann in einen Testbetrieb führt. Andere AGs holen dann damit Meinungsbilder ein. Dann wird Feedback gesammelt, aufgrund dessen dann das beste System ausgewählt wird.
Dieses System passen wir dann an unsere Bedürfnisse an.
So würde ich es zumindest machen ;)
Klarmachen zum Ändern. Fangen wir bei uns an!
Euer
Jan
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Meinungsmache
In einer ungezählten Anzahl von AGs werden derzeit Ergebnisse ausgearbeitet - die AGs arbeiten dabei allerdings meistens im stillen Kämmerlein vor sich hin, und werden dann möglicherweise irgendwo irgendwann ihre Ergebnisse präsentieren. Die Kommunikation nach außen ist das Problem. Nicht alle AGs stellen offen Zwischenergebnisse zur Diskussion - und so kann es zwar durchaus sein, dass die AG Mitglieder den Nerv der Partei getroffen haben, es kann sich aber auf einem Parteitag durchaus herausstellen, dass hier für die Mehrheit der Parteimitglieder völlig Undenkbares herauskommt.
Es sollte daher eine Möglichkeit her, bei der jeder Pirat (oder vielleicht sogar auch Nicht-Piraten) zu Zwischenergebnissen abstimmen und diskutieren kann.
Es gibt schon einige Tools, die alle mehr oder weniger dazu taugen solche Meinungsfindungen zu unterstützen. Keines dieser Tools ist perfekt, aber wir sollten anfangen, einige dieser Tools zu erproben, um herauszufinden, ob sie grundsätzlich für uns in Frage kommen. Wenn wir dann ein brauchbares Tool haben, können wir anfangen, dieses an unsere spezielleren Bedürfnisse anzupassen.
Recht gut gefällt mir hier IdeaTorrent. Es ermöglicht seinen Nutzern, ein Problem zu dokumentieren. Zu dem Problem hat der Nutzer auch gleich eine Lösung, und kann diese Lösung auch gleich veröffentlichen.
Ein Beispiel:
Problem: Die Wand ist rot gestrichen, und sieht häßlich aus.
Lösung 1: Malt die Wand weiß an.
Sobald diese Antwort freigeschaltet wird, können sich Nutzer dieses Thema ansehen, und den Lösungsvorschlag bewerten - mit Negativ, Positiv oder Neutraler Haltung. Sie können aber auch Alternativvorschläge einbringen, bei unserem Beispiel wäre das dann vielleicht:
Lösung 2: Reißt die Wand ein.
und
Lösung 3: Lass die Wand, wie sie ist
Alternativ kann man auch klassisch Kommentare hinterlassen.
Ein solches System kann dann u.A. von den AGs oder vom Vorstand eingesetzt werden, um Meinungsbilder zu holen oder sich anzusehen, ob die Arbeitsergebnisse der AG in die richtige Richtung gehen. Unter Umständen bringen die Alternativmöglichkeiten auch völlig neue Impulse in die Arbeit der AGs.
Das System soll natürlich nicht der Weisheit letzter Schluß sein, denn Aufgrund der Tatsache, dass es theoretisch möglich ist, das System zu manipulieren, müssen Grundsatzentscheidungen natürlich weiterhin auf Parteitagen getroffen werden. Aber ein solches System ist die Grundlage um schonmal vorzufühlen, wie bestimmte Themen angenommen werden könnten.
Damit ihr nicht nur meine schönen Worte lest, könnt ihr euch das System mal bei Ubuntu anzeigen, wo dies bereits eingesetzt wird. Oder an der Demo herumexperimentieren.
Ich bin auf jeden Fall dafür, dass wir ein solches Meinungstool in den Testbetrieb nehmen.
Euer Jan "DarkX2" Gretschuskin
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Es ist nichts Neues unter der Sonne.
Darin ist auch eine der wichtigsten Reden der Piratenbewegung zu lesen, die ich bis jetzt noch nicht kannte, und viele der neuen Piraten wohl auch noch nicht. Daher will ich sie euch nicht vorenthalten:
Freunde, Bürger, Piraten:
Es ist nichts Neues unter der Sonne.
Mein Name ist Rickard Falkvinge und ich bin der Anführer der Piratenpartei.
Während der letzten Woche haben wir einige Beispiele juristischer Schandtaten miterleben dürfen. Wir haben die Polizei gesehen, wie sie die ihnen zu Verfügung stehenden Mittel missbraucht hat. Wir haben gesehen, wie hochrangige Politiker mobilisiert haben, um die Unterhaltungsindustrie zu beschützen.
All das ist skandalös ohne Gleichen. Deshalb stehen wir heute hier. Die Unterhaltungsindustrie will uns davon überzeugen, dass es nur um die Lösung von Zahlungsfragen geht, wie eine bestimmte Gruppe von Arbeiten bezahlt wird. Dass es um ihre immer kleiner werdenden Verkaufszahlen, um ihre trockenen Statistiken geht. Das ist ein Vorwand. Es geht um etwas ganz anderes.
Um die heutige Situation im Lichte der Geschichte zu verstehen müssen wir 400 Jahre zurück gehen, zurück, als die Kirche das Kultur- und Wissensmonopol hatte. Was die Kirche sagte, hatte zu geschehen. Pyramidenkommunikation. Es gab eine Person an der Spitze, die zu einer gewissen Zahl anderer weiter unten in der Pyramide gesprochen hat. Kultur und Wissen hatten eine Quelle und diese Quelle war die Kirche.
Und Gnade Gott denjenigen die es wagten, das Kultur- und Wissensmonopol der Kirche herauszufordern! Sie wurden den zu der Zeit denkbar schlimmsten Misshandlungen ausgesetzt. Die Kirche erlaubte den Bürgern unter keinen Umständen, selbst Informationen zu verbreiten; sie beherrschte die gesamte Gesetzgebung: Prävention, Verfolgung und Bestrafung.
Es ist nichts Neues unter der Sonne.
Heute wissen wir, dass die Freisetzung des Wissens das einzig Richtige für die Gesellschaft ist. Dieser Galileo Galilei hatte recht. Selbst er hat gegen das Wissensmonopol angekämpft.
Wir sprechen hier von einer Zeit, in der die Kirche die Meinung verbreitete, dass Bürger nicht lernen müssten zu lesen und zu schreiben, denn der Pfarrer würde ihnen ohnehin alles sagen, was sie zu wissen hätten.
Die Kirche wusste, was es bedeutet hätte, wenn sie ihre Kontrolle verloren hätte.
Dann kam der Buchdruck.
Plötzlich gab es nicht nur eine Wissensquelle, auf die man hören konnte, sondern mehrere. Die Bürger - die angefangen hatten, lesen zu lernen - konnten von unsanktioniertem Wissen profitieren. Die Kirche war wütend. Die königlichen Familien waren wütend. Die britische Königsfamilie ging sogar soweit, dass sie ein Gesetz erließ, das besagte, dass nur Drucker, die speziell von der Königsfamilie befugt waren, Bücher drucken, das Wissen und die Kultur für die Bürger vermehren durften.
Dieses Gesetz wurde "Copyright" genannt.
Dann vergingen einige hundert Jahre und die Pressefreiheit wurde geschaffen. Aber überall existierte immer noch dasselbe alte Kommunikationsmodell: Eine Person, die zu der Masse spricht. Es gab verschiedene Leute, auf die man hören konnte - dennoch überall: Eine Person, die zu der Masse spricht. Das wurde vom Staat benutzt, um das System eines "Herausgebers" einzuführen.
Die Bürger werden in der Tat vom Wissen profitieren können, doch es wird immer jemanden geben, der ihnen antworten kann, wenn sie - oh schrecklicher Gedanke - vom falschen Wissen profitieren wollen.
Und das ist es, was die Grundfesten heute reformieren wird. Denn das Internet gehorcht diesem Modell nicht mehr. Heutzutage laden wir nicht mehr einfach nur Kultur und Wissen herunter. Wir laden gleichzeitig hoch, zu anderen. Wir verteilen Dateien. Wissen und Kultur haben, erstaunlicherweise, ihren zentralen Kontrollpunkt verloren.
Das ist der zentrale Punkt meiner Ansprache, deshalb werde ich ins Detail gehen:
Downloaden ist das alte Modell des alten Massenmediums, wo es einen zentralen Kontrollpunkt gibt, einen Kontrollpunkt mit einem verantwortlichen Herausgeber, der Gefahr läuft, dass ihm der Pressezuschuss entzogen wird und so weiter und so fort - wo jeder Wissen und Kultur herunterladen kann, von diesem zentralen Kontrollpunkt, der genau die Rechte vergeben kann, die er für passend erachtet.
Kultur- und Wissensmonopol. Kontrolle.
Filesharing begründet das gleichzeitige Hoch- und Herunterladen von jeder verbundenen Person, ohne jede zentrale Kontrolle; es ist eine Situation, wo die gesamte Kultur und Information zwischen Millionen verschiedener Menschen fließt - zur selben Zeit. Das ist etwas grundlegend anderes, etwas komplett Neues in der Geschichte der menschlichen Kommunikation. Es gibt niemanden mehr, der verantwortlich gemacht wird, wenn das falsche Wissen verbreitet wird.
Deshalb reden die Firmen so viel von legalen Downloads. Legal. Downloads. Denn sie versuchen, das Abholen von ihrem zentralen Punkt unter ihrer Kontrolle als das einzig legale Modell darzustellen. Downloaden, nicht Filesharing.
Und genau das ist der Grund, warum wir das Gesetz ändern werden. Während der letzten Wochen haben wir gesehen, wie weit ein Spieler bereit ist zu gehen, nur um seine Kontrolle nicht zu verlieren. Wir haben gesehen, wie die Verfassung verletzt wurde. Wir haben gesehen wie Staatsgewalt unrechtmäßig eingesetzt wurde und wie die persönliche Integrität von der Polizei eingeschränkt wurde - nicht um Verbrechen zu bekämpfen, sondern um diejenigen, die verwickelt sind und all jene, die irgendwo nahe waren, zu belästigen.
Es ist nichts Neues unter der Sonne und die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Es geht nicht um die Kompensierung einer bestimmten Gruppe von Arbeitern. Es geht um die Kontrolle von Kultur und Wissen, denn wer diese Dinge beherrscht, beherrscht die Welt.
Die Unterhaltungsindustrie hat versucht, uns zu beschämen, indem sie uns sagt, dass das was wir tun illegal sei, dass wir Piraten seien. Sie versuchen, uns unter irgendeinen Stein zu drücken. Schaut euch heute umschaut, wie sie versagt haben. Ja, wir sind Piraten. Aber jemand, der denkt, ein Pirat zu sein sei eine Schande, hat unrecht. Es ist etwas, worauf wir stolz sind.
Denn wir haben bereits gesehen, was es heißt, ohne zentrale Kontrolle zu sein. Wir haben bereits die Freiheit geschmeckt, gefühlt und gerochen, ohne zentrales Monopol von Kultur und Wissen zu sein. Wir haben bereits gelernt, zu lesen und zu schreiben.
Und wir werden auch nicht vergessen, wie man liest und wie man schreibt, nur weil es in den Augen der Medien von gestern nicht passt.
MEIN NAME IST RICKARD UND ICH BIN EIN PIRAT!
Ich finde diese Rede beeindruckend, da sie wunderschön klarmacht, wie diese Bewegung entstand.
MEIN NAME IST JAN UND ICH BIN EIN PIRAT!
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Der Tag danach
845.904 Menschen sind 2,0 % der Menschen, die gestern gewählt haben. Das bedeutet, dass 2 von 100 Deutschen in dieser schwierigen Zeit das Thema Bürgerrechte für wichtiger halten, als Energiepolitik, Wirtschaftspolitik, Außenpolitik oder Arbeitsmarktpolitik.
Diese Zahlen sind nicht so hoch, wie von vielen von uns erhofft. Aber diese Zahlen sind ein verdammt gutes Zeichen. Bei der Europawahl hatten uns "nur" 229.464 Menschen gewählt. Bei der von vielen als deutlich wichtigeren Wahl wahrgenommenen Bundestagswahl hat sich das 3,7fache an Menschen für die Piratenpartei entschieden.
Das bedeutet ganz klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wir sind nun nicht mehr nur Mitgliedertechnisch die siebtstärkste Partei in Deutschland, auch nach Wählerstimmen gezählt haben wir diese Position nun eingenommen.
Wir haben nun eine klare Aufgabe vor uns liegen - wir müssen daran arbeiten, uns bereit zu machen für die Bundestagswahlen 2013. Bis dahin ist es ein langer Weg, in dem wir viel zu tun haben:
- Wir sollten ein weitergehendes Programm entwickeln, dass ideologiefrei mit Verstand und Logik aufzeigt, wie die Piraten die Zukunft gestalten wollen
- Wir sollten der breiten Öffentlichkeit klarmachen, dass wir keine Kriminiellen sind
- Wir sollten die Akten "Bodo Thiesen" und "Jörg Tauss" befriedigend schließen
- Informelle Regionalgruppen sollten in möglichst allen Landkreisen entstehen
- Wir sollten versuchen, unsere Infrastrukturen der rasant gewachsenen Mitgliederzahl anpassen, und Regionalverbände dort gründen, wo dies sinnvoll ist
- Wir sollten bei der kommenden Landtagswahl 2010 in NRW ein Ergebnis nahe der 5% erreichen, und dazu flächendeckend in NRW für uns werben
- Auf den guten NRW Ergebnisen aufbauend bei den Landtagswahlen 2011 in Rheinland-Pfalz, Baden-Württenberg, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ernsthaft versuchen die Landtäge zu entern - und dabei auch erfolgreich sein.
- Wir sollten bei Kommunalwahlen antreten und neben Aachen und Münster weitere Parlamente entern.
- Wir müssen die innerparteiliche Demokratie zum Funktionieren bringen, dazu sollte ein "Meinungssystem" geschaffen werden, mit dem Mitgliederbefragungen durchgeführt werden können, um Dinge, die kurzfristig beschlossen werden müssen, mit Unterstützung der Basis durchzuführen.
- Wir müssen dafür sorgen, dass wir wie z.B. die Grünen als "Naturschutzpartei", die FDP als "Wirtschaftspartei" als die "Bürgerrechtspartei" oder auch "Demokratiepartei" wahrgenommen werden.
- Wir müssen in den kommenden Jahren Präsenz zeigen - nicht nur pünktlich zu den Wahlen hervorkriechen - sondern durchgehend in der Bevölkerung ein Thema sein
Klarmachen zum Ändern. Fangen wir bei uns an.
Euer Jan "DarkX2" Gretschuskin
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
Morgen PIRATEN wählen
Gegen den Überwachungsstaat
Für freien Zugang zu Bildung
Gegen Korruption
Für Freiheit, statt Angst und Panikmache
Gegen Trivialpatente
Für einen Transparenten Staat
Für eine Politik zum Mitmachen
Für Zukunft
Morgen PIRATEN wählen
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schäuble als Innenminister untragbar ist.
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